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p.OS - Das portable Betriebssytem - PreRelease

 
Das AmigaOS ist im Laufe der Jahre schon einigermassen angestaubt. Reicht es nun, das Gebilde einfach mal kraeftig abzuspritzen? Das neue Betriebssystem p.OS aus dem Hause proDad versucht es nun mit einem bunten Neubau.

Spätestens seit der gefeierten 'final Beta' einer bunten PC- Betriebssystemoberfläche bekommt so mancher User eine Gänsehaut, wenn er die PreRelease eines Betriebsystems in den Händen hält. Erinnerungen werden wach an nächtelange Installationsorgien und Reparaturversuche. Selbst die neugewonnene Freundschaft zu fdisk und der endlich wieder freie Festplattenspeicher können den Erkenntnisschmerz nicht mildern, daß der liebgewonnene Computer über keine kompatible Hardware verfügt, alle Speicherformen grundsätzlich unterdimensioniert sind und die CPU kurz vor der Frühpensionierung steht. Beobachtet man allerdings die nachfolgende Entwicklung am Speichermarkt, kann man sich ueber rapide sinkende Preise freuen. So gesehen kann man sogar einem bunten PC Betriebsystem noch etwas positives abgewinnen. Dagegen verspürt der typische Amiga-User traditionellerweise eher selten das Bedürfnis, seine Hardware aufzurüsten. Wozu auch, schließlich waren wir schon immer kompatibel.

Trotzdem konnten wir der Verlockung nicht widerstehen, das neue Betriebsystem einmal wirklich auszuprobieren. Schon das CD-Cover erinnert an alte Zeiten: bunt und verspielt, dabei aber nicht stillos oder übertrieben wirkend, eben so richtig 'Amiga-like'. Nur bei der Englischen Übersetzung sind wir schon besseres gewohnt. Hier gleich der Tip für humorvolle Menschen mit Englischkentnissen : p.OS unbedingt auf englisch betreiben.

Als erstes Opfer führten wir Stephans treuen 3000er zur Installations- Schlachtbank. Dazu die technischen Details: A3000, OS3.1, Powerchanger040 (wirklich), 2Meg Chip, 8Meg Fast, PicassoII, Mulitface3. Das Ganze läuft unter einer älteren Version von Picasso96, gewürzt mit einigen Commodities und Patches, kurz gesagt : Dieser Rechner ist die ideale Testumgebung. Also Zähne zusammenbeissen und rein mit der CD.

Die Installation erfolgt problemlos per Amiga Installer. Dem Benutzer bleibt dabei die Wahl, nach dem nächsten Neustart automatisch ins p.OS zu booten oder ein Start-Icon auf die Workbench zu legen. Aus Sicherheitsgründen entschieden wir uns zunächst für letzteres. Auch werden wärend der Installation etwaige Commodities gesucht und stolz dem Benutzer präsentiert. Dieser kann sie dann wahlweise ausschalten. Wir wollten es nicht unnötig schwer machen und schalteten alles aus, was gefunden wurde.

Daraufhin erfolgt der p.OS Systemstart. Dieser erinnert auf den ersten Blick ein wenig an MacOS, die fogende Oberfläche sieht aus wie ein gepatchtes AmigaOS. Da fühlt sich der Amiga-User fast schon zuhause. Zuerst fallen links, rechts und unten die liebevoll gezeichneten Icons auf. Die Preferences sind leicht erkannt und schnell gestartet. Links oben im Fenster befindet sich ein einziges Icon mit dem Namen 'System', darunter ist noch viel Platz für mögliche weitere Preferences. Das ganze macht einen recht vernünftigen Eindruck bis zu dem Zeitpunkt als wir versuchten, das Iconset umzustellen.

Den englischen Inhalt des Requesters möchten wir niemandem vorenthalten:

Iconset "Bl_ue" were activated.
Please wait for ending discactivison
and then confirm this reqester.

Während wir noch einen Kugelschreibär suchten, verschwand der Requester von selbst und die erwünschte Änderung blieb aus. Sehr interessant ist auch das Kopieren von Dateien über die grafische Oberfläche. Ein wunderbares Fenster sagt eigentlich alles, was nötig ist: Was, Wohin und eine Anzeige des Fortschrittes. Weniger wunderbar ist hingegen was nebenbei geschieht - erst einmal nämlich gar nichts. Erst wenn der Kopiervorgang beendet ist, werden die gepufferten Mouse-Operationen nachträglich ausgeführt, was der Platte einiges an Stress beschert. Naja, ein bischen Aerobic tut meiner Platte sicher gut, damit sie nicht FAT wird. Das Starten der Shell ist nur leichte Plattengymnastik im krassen Gegensatz zum Start eines der mitgelieferten Demoprogramme.

Interessant an der Shell ist, daß der Befehl mount beim Fehlschlagen einen Requester auf die Oberfläche ausgiebt und nicht direkt in die Shell, aus welcher er eigentlich gestartet wurde.

Man darf allerdings nicht aus den Augen verlieren, daß es sich hierbei um die PreRelease eines Betriebssystemes handelt. p.OS ist zwar noch nicht vollständig, aber es läuft erfräulich stabil und die html-Dokumentation verspricht so unglaubliche Dinge wie Multiuser. Gepaart mit saubern Netzwerkprotokollen, funktionierenden Servern und einer guten Security könnte p.OS, und damit unser Amiga, zur besten Freundin des Netzwerkadmins werden. Trotz allem wäre es von Vorteil, könnte man die Oberfläche auf das Wesentliche reduzieren, die Reqesterflut etwas eindämmen und der Festplatte etwas weniger Streß bescheren um deutlicheren Abstand zu den bunten PC-Oberflächen zu gewinnen. Prägnant dazu sind die ersten Worte von Olivers Freundin: "Endlich sieht euer Amiga auch so aus wie mein Windows95."

Im Gegensatz zu Stephans 3000er war es weniger einfach, p.OS auf Olivers 2000er zum Funktionieren zu überreden (so wie er auch mit seiner Freundin bezüglich der Systemwahl noch zu kämpfen hat...), denn fies, wie er numal so ist, deaktivierte er gar keine der angezeigten Commodities und mußte somit einige Abstürze des geliebten Amigas in Kauf nehmen. Von der Hardware-Seite her konnte es eigentlich keine Probleme geben, denn ein B2000 Rev.6.2 mit GForce030, 1MB Chip, 16MB Fast, PicassoII mit Picasso96 1.31, Multiface III, Ariadne und einer MaestroPro ist fast schon als Standardausrüstung anzusehen. Dennoch dauerte es geraume Zeit, bis wir draufkamen, daß es ChangeScreen, das Commodity der 'alten' Picasso-Software von VillageTronic zum Screen-Umlenken, war, welches die Probleme verursachte. Erst nach entfernen desselben aus der WBStartup begann auch auf diesem Rechner p.OS mit der Plattenumstrukturierung. Zumindest erschien es so, denn es tat sich eine Weile lang gar nichts. Doch mit etwas Geduld erhielten wir dann auch hier einen schönen p.OS-Screen, der unabhängig der gewählten Auflösung die Icons immer brav an den Rand plaziert.

Was mit einem 40MHzigem 68030er als Erstes auffällt, ist die massive Behäbigkeit und Trägheit, die man von einem Amiga nicht gewohnt ist. Die Reaktionszeiten auf Mausklicks sind spürbar vorhanden und was am ärgerlichsten auffällt, ist, daß der Mauszeiger inzwischen immer wieder steckenbleibt. Da fällt ein gewichtiges Argument gegen Windoofs ins Wasser :-((

Da es von p.OS heißt, daß intern alles in 24Bit gerechnet wird, erwarteten wir eine Leistungssteigerung durch Umstellung des p.OS-Screens auf einen TrueColor- Screen. Es war aber absolut kein Unterschied zu bemerken. Eher ist anzumerken, daß es soetwas wie ein Screenmode in den Preferences (noch?) nicht gibt und man die Auflösung nur mit Hilfe einer Neuinstallation oder durch Einsetzen der entsprechenden hexadezimalen Screen-ID in das Startscript einstellen kann.

Beim Austesten fällt auch auf, daß sich ein Demo, pBall, einfach nicht starten läßt. Ist das System gut aufgelegt, erscheint manchmal noch ein Fenster am Screen, das sich aber auch gleich wieder schließt. Auch eine Tetrisabart ist unter den Demos vorhanden, allerdings in einer fast unspielbaren Version, da die Bewegungen und Reaktionen nicht wirklich die schnellsten sind.

Das ganze System ist sehr auf graphische Schmankerl ausgelegt, wie zum Beispiel animierte Depth-, Drag-, und Close-Gadgets in den Fenstern. Die Menüzeile erscheint nicht am oberen Screenrand, sondern als Popup-Menü an der Stelle des Mauszeigers. Wer die Art und Weise kennt, wie ein Mac seine Fenster öffnet (mit dem sich vergrößerndem Rahmen), weiß auch, wie sowas beim pOS aussieht. Verschieben lassen sich die Fenster mit vollem Inhalt, was im Gegensatz zum restlichen System erstaunlich flüssig und leichtgängig funktioniert.

Die Shell hat eine eingebaute History und mit einem Druck auf TAB lassen sich auch die Filenamen, die im Pfad zu finden sind, vervollständigen.

Es ist eine bunte Sache, die vorerst nur parallel zum AmigaOS und zur Workbench läuft und so wirkt, wie ein verspielter Workbenchersatz. Später soll p.OS ein eigenständiges System werden, ob es sich allerdings durchsetzen kann, bleibt angesichts der doch höheren Anforderungen an die Hardware abzuwarten. Schließlich sollte unserer Meinung nach ein Betriebssystem nicht die Prozessorzeit der Programme wegnehmen, es ist ja schließlich immer noch ein Amiga. Natürlich kann eine Prerelease nie das Leistungsspektrum eines Neuansatzes zeigen und es ist wahrscheinlich, daß auch performancemäßig noch einiges unternommen wird. Im gegenwärtigen Zustand ist es jedenfalls auf einem blanken 1200er kaum zu verwenden, da ja auch AGA nicht das Schnellste ist.

Auch ist noch offen, wie viele Leute ihre Software auf p.OS umsetzen werden und wie es unter diesem System zu programmieren ist. Laut Hersteller ist es nur erforderlich, neue Includes zu verwenden und die Namen der Betriebssstemaufrufe entsprechend zu verändern. Der Rest soll gleichbleiben können.

Eigentlich sollte ja schon in dieser (ersten :-)) ) Ausgabe ein Test von StormC unter p.OS zu lesen sein, doch es war kein Exemplar dieses Compilers mit den p.OS-Extensions zu erhalten. Wir hoffen jedoch, dies in einer der nächsten Ausgaben nachholen zu können.


Oliver Gerler ...........
Stephan Bischoff ...........


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