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QuakePlayer - Tod der Turtle!
Die wackeren Mannen von ClickBoom geben ein kräftiges Lebenszeichen von sich und veröffentlichen eine nicht-interaktive (oder extrapassive?) Version von Quake. Das gute Stück kann zwar nur zuvor abgespeicherte Demos des Spiels wiedergeben, aber das alleine ist schon abendfüllend. Ganz im Unterschied zum Spiel selbst, dessen offizielle Amiga-Version demnächst fertig sein sollte. Denn dort herrscht der selbe Einheitsbrei wie bei allen Vorgängern aus dem Softwarehause ID: Alles niederbolzen, durch 3D-Landschaft watscheln und hüpfen, Schlüssel aufklauben, Tür öffnen, Hurra, nächste Spielstufe. Der große Fortschritt von Quake ist, daß man nur noch zwei Level spielen muß, bevor man gelangweilt abbricht. Bei Doom waren es immerhin noch drei. Das spart Zeit. Für
Stimmung sorgt der ID-übliche Westentaschensatanismus, der jeden
Fünfjährigen das Fürchten lehrt. Aus dem Lautsprecher
grunzt, röchelt und pfurzt es, daß sogar die Paula mit ihren
rotzigen 8 Bit technisch überdimensioniert dazu ist. Verantwortlich
dafür sind diesmal MTV's meistgehypteste Lärmfabrikanten, der
abgenutzte Trent Reznor und seine austauschbaren Nine Inch Nails.Zum Glück ist der QuakePlayer trotzdem sehr amüsant. Denn damit braucht man sich nicht um Schnick-Schnack wie Schlüssel und Munition zu kümmern, vielmehr gibt es nur einen Gegner: die Turtle. Und die Waffen dagegen heißt Console. Durch einen beherzten Druck auf die Tilde (~) kommt man in selbige. Mit showturtle 1 kann man das Monster beschwören. Sobald die Anzahl der Frames pro Sekunde (FPS) unter 10 sinkt, erscheint die böse Schildkröte. Weil mein
ranziger A2000/060 aus dem letzten Loch pfeift, ist das blöde Vieh
praktisch Dauergast. Also flux die grindige Pseudo-Dokumentation zur
Console studiert, und ein paar gezielte Schüsse auf die Turtle
abgefeuert: d_mipcap 3, r_drawviewmodel 0, d_mipscale
4 - umsonst. Das Bild wird immer unansehnlicher, das Luder geht aber
nicht weg.Nach einem r_fullbright 1 stellen sich endlich erste Erfolge ein. Wer braucht schon die lästigen Schatteneffekte, verderben eh nur die Augen? Die Framerate hält sich schon ganz brav um die 10, die Turtle beginnt zu wanken. Das reicht mir aber noch nicht, da muß noch mehr gehen. Und wirklich, schließlich ist die ultimative Vernichtungswaffe gefunden: r_drawflat 1. Wie ein geölter Blitz flutscht der Quakeling über den Schirm, in der psychedelischen Ästetik von David Brabens Elite. Keine Drogenphantasie eines noch so bekifften Althippies kann damit auch nur ansatzweise mithalten. Fehlt höchstens noch der Donauwalzer. Aber wozu sonst gibt es bei Österreichs größten Waschmaschinenhändler diese stilvollen "Best of Classic"-CDs um ÖS 19.90? Die Schildkröte ist vernichtet, die Welt ist gerettet, und morgen such' ich den Wireframe-Modus... es muß ihn geben... irgendwo in der Console, ganz sicher! Die einzigen, die bei der ganzen Hetz' durch die Finger schauen sind die Leute, denen wir das Werk verdanken: ClickBoom. Daß sie programmieren können, haben sie ja schon öfters bewiesen, und AmigaQuake macht da keine Ausnahme. Die Einbindung ins System ist vorbildlich, der Normalverbraucher muß natürlich nie in die Console und kann die wichtigsten Einstellungen über normale Intuitionmenüs vornehmen.
Das gute Stück rennt brav im Multitasking, der Renderprocess hat
seinen eigenen Thread, bei Bedarf kann man auch im Workbenchfenster
metzeln, und saubere Commodities irritieren es überhaupt nicht. Das
einzige was fehlt, ist die Geschwindigkeit. Und das, obwohl bösartigst
optimiert wurde, wenn man mit den diversen weniger offiziellen Quake-Ports
vergleicht, die vor gut einem Jahr kursierten.Es scheitert also rein an der Hardware. Die Lösung könnte eine Version für PowerPC sein. Denn unabhängig davon wie schlecht das Spiel eigentlich ist, werden es viele kaufen. Gehirnwäsche passiert. Vielleicht haben die ganzen reaktionären 1200er-Hanseln dann endlich einen Grund, ihre Schüssel aufzurüsten. Die Programmierer scheinen davon aber leider nicht wirklich viel wissen zu wollen, wie man in einem aktuellen Interview nachlesen kann. Etwas positiver dagegen wieder das laute darüber Nachdenken, ein eventuelles AmigaPPC-Quake mit den PPC-Karten dazu zu packen. Man kann davon ausgehen, daß AmigaQuake in Zukunft noch für einige Diskussion sorgen wird. Derweil ergötzen wir uns halt am 68k-Player. Aber bitte nur im stillen Hinterkämmerchen, denn in aller Öffentlichkeit ist uns damit schallendes Gelächter sicher. |
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Thomas Aglassinger ...........
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