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WordWorth 7 - Ist das Wort sein Gold wert?

 
In der nun schon siebenten Version stellt nun diese Textverarbeitung den Anspruch, sich mit einem "Word" messen zu können. Aber zumindest im Umfang der Dokumentation schlägt es das ungeliebte "Vorbild"(?) um Längen.

 
Denn das Einzige, was der geneigte Käufer bekommt, ist eine CD. Gut, sie ist in einem Cover drinnen, aber die gedruckte Anleitung ist nun doch etwas spärlich: "Klicken Sie das Wordworth-Programmpiktogramm im Verzeichnis Wordworth7 auf Ihrer Festplatte doppelt an." Davor ist noch ein wenig davon zu lesen, daß es auf der CD ein Installationsprogramm gibt.

Die Frage, die bleibt, ist, ob es nun gut ist, daß keine gedruckte Dokumentation dabei ist. Im Inlet steht, daß zu jedem Programm eine Online-Dokumentation dabei ist. Zumindest zu den mitgelieferten Tools, mit denen man unter anderem nachträglich weitere Fonts installieren kann, habe ich keine Dokumentation gefunden. Die Online-Dokumentation im Help/-Verzeichnis ist zwar 255K groß, aber nicht wirklich übersichtlich.

 
Die Installation an sich verläuft unspektakulär und ohne Probleme. Zur Einbindung von Grafiken nötige Filter werden bei einer Anfänger-Installation allerdings nur für IFF und CGM mitinstalliert. Die restlichen Filter müssen dann danach selbst per Hand von der CD auf die Platte kopiert werden, wenn sie gebraucht werden.

Während der Installation wird nach dem Tabellenverzeichnis von Turbocalc gefragt, damit diese Tabellen leichter importiert werden können. Das Vorhandensein einer Grafikkarte will der Installer auch noch wissen. Da auch eigene Druckertreiber verwendet werden können, muß auch der Drucker ausgewählt werden, und zu guter Letzt bleibt einem noch die Frage zu beantworten, ob Compugraphic-Fonts verwendet werden sollen.

Allerdings kann bei den Druckereinstellungen wieder ein Workbench oder Turboprint-Drucker ausgewählt werden und so kann auch die sehr gute Druckqualität der Drucker genutzt werden. Man sollte allerdings nicht auf die Idee kommen, in voller Auflösung und Farbe mit allen möglichen Glättungseinstellungen innerhalb endlicher Zeit zu einem Druckergebnis kommen zu wollen. Der Druckertreiber ist der Schnellste nicht.

Auffallend ist, daß auf der CD eine ganze Menge an Cliparts gelagert sind, von diesen aber nur ein Bruchteil mitkopiert wird. Es erfolgt auch nirgends der Hinweis darauf, daß es mehr dieser Kleingraphiken gäbe. Man setzt also voraus, daß der Anwender selber auf der CD zum Stöbern anfängt.

Die Installation der Fonts bewirkt eine Menge Files im WWFonts/-Verzeichnis, die aber nur als eine Art Link zum echten FontFile wirken. Allerdings müssen diese Links auch nachträglich erst über eines dieser undokumentierten CLI-Programme aus WWTools/ installiert werden.

 
Nach dem Doppelklick auf das Programmicon erscheint erst einmal eine gegenüber der Vorgängerversion nicht sehr veränderte Oberfläche. Hat man ein Wordworth in einer älteren Version erkennt man auf Anhieb keine Unterschiede.

Als Erstes verwundert aber das ungewohnte Handling des Menüs: es muß erst einmal ein paar Pixel der Mauszeiger bei gedrückter rechter Maustaste bewegt werden, bevor sich das Menü öffnet. Das ist ungewohnt und auch lästig.

Die Oberfläche an sich schaut einem Word nun doch sehr ähnlich. Auch die Struktur der Menüs ist vergleichbar aufgebaut. Im Fenster eines Dokumentes gibt es verschiedene Leisten, mit denen der Dokumentinhalt bearbeitet werden kann (Neue Datei, öffnen, schließen, usw...). Darunter liegt die übliche Leiste für die Text-Formatierungen. Auch Blocksatz kann natürlich verwendet werden, Ein- und Ausrückungen festgelegt und Listenelemente erstellt werden.

Die Verwaltung von Inhaltsverzeichnissen oder eines Index ist allerdings nicht sehr komfortabel. Nach Erstellen eines Verzeichnisses sind das für WordWorth nur mehr einzelne Textzeilen, die bei einem Verändern der Listenelemente nicht mehr angepaßt werden. Das Verzeichnis muß daher dann immer wieder neu erzeugt werden.

 
Die Verwendung von Kopf- und Fußzeilen ist zwar möglich, allerdings kann nicht innerhalb einer Zeile etwas rechtsbündig, zentriert und linksbündig erscheinen, das geht nur in mehreren Zeilen. Allerdings lassen sich automatisch aktualisiertes Datum, Zeit und Filenamen, sowie Seitenzahlen verwenden.

Mit dem Menüpunkt "Objekt-Bild einfügen" kann man relativ einfach und auch noch nach dem Einfügen frei skalier- und plazierbar Objekte, bzw. Bilder einfügen. Allerdings funktioniert das nicht ganz richtig, denn zu große IFF-Bilder (so um 900K) bringen nur die lapidare Fehlermeldung, daß kein passender Filter verfügbar sei. Kleinere Bilder lassen sich aber ohne Probleme laden. Genauso lassen sich EPS-Dateien nicht konvertieren. Es wird zwar ein Rahmen angezeigt, aber der Inhalt des Files ist weder am Bildschirm, noch am Ausdruck zu sehen.

 
An Filtern für Bilder werden welche für BMP, CGM, GEM, GIF, IMG, PCX und TIFF mitgeliefert,

Bei Texten gibt es die Filter für ASCII, MSWORD, MSWORKS, RTF, WORDPERFECT und WORDSTAR.

Da wollte ich denn nun gleich ein einfaches Wordfile laden (aus Word 6.0, sollte also keine gröüeren Probleme darstellen), aber was ich bekam, war eine eingebundene ASCII-Version des Wordfiles. Dieser Filter scheint nicht sehr brauchbar zu sein. Allerdings ist es bei diesem genialen Konzept, mit jeder neuen Programmversion des Word ein neues Dateiformat einzuführen, ja auch nicht gerade leicht, Schritt zu halten. Aber ein Word6.0-File hätte man schon laden können.

RTF-Files zu laden funktioniert dagegen ganz anstandslos und es sind auch alle Formatierungen drinnen enthalten.

 
An integrierten Zusatztools gibt es zum Beispiel eine Silbentrennung inklusive den Hyphenation-Patterns für deutsch, die doch ziemlich gut funktioniert. In ihrer Qualität kommt sie fast an ein TeX heran, doch bei Kleinigkeiten haperts dann wieder, aber was wollen wir? Ein Word kann nicht mal das...

Automatische Rechtschreibkontrolle ist dabei schon fast genauso obligatorisch wie ein Thesaurus, wenn mal wieder Mangel an Alternativ-Ausdrücken herrscht.

Mit den TextEffects lassen sich doch einige ganz ahnsehnlich Effekte zustandebringen, wie im Screenshot zu sehen. Der Textumlauf kann entweder vertikal oder konturiert erfolgen, jedoch leider nur auf einer Seite.

Beim Berechnen der TextEffects macht es sich schon bemerkbar: Auf meinem 2000er mit 68030 bei 50MHz ist das Programm ziemlich träge. Zur Berechnung des Linieneffektes braucht es schon mal einfach so eine gute halbe Minute. Der Ringeffekt lies ziemlich genau 3 Minuten auf sich warten.

Erfreulich ist, daß die Bewegungen des Mauszeigers sehr flüssig sind und wirklich Amiga-Feeling aufkommen lassen, dagegen ist es aber fast nicht mehr möglich, ein 22-Seiten-Dokument ohne Grafiken zu bearbeiten. Wordworth wird dabei so langsam, daß es zum Teil schon Buchstaben vergißt. Vor allem nach Neuplazierung des Cursors ist zwar der erste Buchstabe da, aber alle weiteren, die vor Nachrücken des Cursors (das in diesem Fall ziemlich lange dauert) getippselt werden, verschwinden einfach. Auch das Schreiben von einfachem Nonsense-Text, wie unter den TextEffects im ScreenShot zu sehen, war nicht ganz so einfach, da es immer wieder sekundenlange Pausen gab, bis der Text nachgeschrieben wurde.

Eine häufig gebrauchte Funktion wäre auch, einen PC-formatierten ASCII-Text einlesen zu können, und den dann wieder ohne den Zeilenumbruchszeichen abzuspeichern. Das scheitert aber daran, daß Wordworth die PC-Umlaute nicht erkennt, was aber jeder bessere Texteditor zusammenbringt (der dann dafür aber die zusätzlichen Zeilenende-Zeichen nicht weglöscht).

 
Ein interessantes Tool sind die neuen Quickshapes, die auf einer kleinen freifliegenden Menuüzeile einfach anklickbare und plazierbare kleine Grafikobjekte bieten. Diese Objekte (wie Quadrate, Kreise, Sterne, Pfeile, Sprechblasen, ...) lassen sich auch nach dem Plazieren noch frei skalieren und eignen sich somit hervorragend für kleine Illustrationen im Text.

[Wordworth Shapes]
Sprechblasen und andere interessante Formen mit dem Text zu kombinieren sind mit Wordworth 7 ein Kinderspiel.
 
Im Menü bietet sich so schön als Letztes eine Hilfefunktion an, die alles mögliche mit sich machen läßt. Bis zu einem Index der Dokumentation (für das Hauptprogramm und einige Tools sind ja die Guide-Files dabei) findet man alles. Aber eine Suchmöglichkeit, wie sie in "vielverwendeten" Programmen vorkommt, fehlt halt nun doch. Es läßt sich nirgends ein Suchstring eingeben. So ein System fehlt auf dem Amiga generell noch weitgehend.

In den Menüs gibt es auch Einträge, mit denen freifliegende Menüs geöffnet werden können, diese werden dann im Menü mit dem Haken gekennzeichnet. Schließt man diese Fenster aber dann mit dem Close-Gadget, bleibt der Haken beim Menüpunkt jedoch bestehen. Man sollte doch meinen, daß in einer Version 7 solche Kleinigkeiten beseitigt wären...

Will man Text markieren, um diesen dann zum Beispiel im Format zu verändern, geht das mit den Curosrtasten und gedrückter Shift-Taste ganz einfach. Dasselbe sollte auch mit der Maus funktionieren. Praktischerweise gibt es im Bearbeiten-Menü einen Punkt: "alles markieren", mit dem der gesamte Text ausgewählt wird. Das funktioniert. Auch das Markieren ganzer Zeilen oder mehrerer ganzer Zeilen mit der Maus oder der Tastatur ist kein Problem. Soll allerdings nur ein Teil einer Zeile oder Abschnitte über mehrere Zeilen markiert werden, ist das mit der Maus nicht immer richtig möglich, da kein wirklich kausaler Zusammenhang zwischen der Position des Mauszeigers und dem markierten Text besteht. Auch so etwas sollte in einer Version 7 besser sein. Wir sind schließlich nicht im Billy-Land!

 
Über ein Kennwort kann das Dokument auch vor unberechtigtem Zugrif geschützt werden, genauso kann ein ASCII-File dazu verwendet werden, Serienbrief-Funktionen bereitzustellen. Dazu kann man ziemlich detailliert festlegen, wie das File aussieht, welche Trennzeichen zwischen den Datenpunkte vorkommen und auch, ob es aus einer der bekannten Anwendungen stammt. Ein Twist kommt darin aber zum Beispiel nicht vor, und ich denke doch, daß dieses Datenbanksystem einigermaßen verbreitet ist.

Will man wirklich ordentlich formatierten Text aus seinem Rechner bringen, geht immer noch kein Weg an einem ordentlichen TeX vorbei (das es ja auch in brauchbarer Version für unseren geliebten Amiga gibt), will man aber eine Textverarbeitung, in der man in etwa das am Bildschirm sieht, was später aus dem Drucker herauskommt, so ist Wordworth nun doch eine verwendbare Möglichkeit dazu.

 
Mir persönlich sagt es nicht so zu, einfach, weil es auf meinem System zu träge ist, aber es ist bis jetzt absolut absturzfrei gelaufen und hat somit einen Großteil meines Frustes vom Test des letzten Monats (Aladdin 5.0) wieder wettgemacht. Auf meiner PicassoII mit Picasso96 V1.37 gab es absolut keine Probleme, einen Screen auf der Picasso aufzumachen und ihn auch in 256 Farben zu verwenden. Ändert man den Screen auf 8 Farben, sieht man an den eingebetteten Grafiken, daß Wordworth wirklich drauf reagiert und seine Grafiken umrechnet. Erweitert man die Palette, funktioniert das auch wieder. Und dabei ist kein einziger Neustart des Programms oder gar des ganzen Systems nötig.

Es wäre halt noch schön, wenn die störenden Kleinigkeiten beseitigt werden würden, denn dann könnte man mit diesem Programm, das mehr ist, als nur ein erweiterter Texteditor, durchaus auch sinnvollere und umfangreichere Projekte angehen. So muß es aber leider zum Flugzettel und Partyeinladungen erstellen herhalten.

Bedienung [65]/[100]
Features [70]/[100]
Qualität [65]/[100]
Preis/Leistung [65]/[100]
Stabilität [50]/[100]
Dokumentation [40]/[100]
Gesamt [60]/[100]
 

Oliver Gerler ...........


- Digita
- Wordworth 7
- Screenshot 1 (GIF;22K)
- Screenshot 2 (GIF;26K)
 
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