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| Paloma IV |
 
 

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Paloma

 
Es war wohl eine schwere Geburt, daß die langersehnte Tochter des großen Meisters so lange auf sich hat warten lassen. Aber es hat sich gelohnt, denn VillageTronic liefert einmal mehr ein ziemlich geniales Stück Hardware ab.

 
Seit 23.4. ist sie nun endlich erhältlich und wir konnten gleich ein Stück der ersten Charge ergattern. Die Paloma ist das AV-Modul zur PicassoIV, die es nunmehr ermöglicht, nicht nur (mittels Pablo IV, siehe Artikel in AmigaScene 0x01 das Videosignal des Amigas in PAL oder NTSC auszugeben, sondern auch eins in dem Amiga hineinzufüttern.

Diese Zusatzkarte, die auf die PIV gesteckt wird, bietet einen HF-Tuner, der Hyperband-tauglich ist. Damit kann man einwandfrei auf der Workbench oder auf einem eigenen Screen das PIP- Feature der PIV ausnützen und einfach nebenbei fernsehen.

Außerdem wird der Video-Eingang der PIV aktiviert, sodaß man auch ein FBAS oder S-VHS- Signal darstellen lassen kann.

 

Packelei

 
Das Format des kleinen Pakets, in dem die Paloma geliefert wird, ist, wie es scheint, Einheitsgröße. Denn es läßt sich von außen nur schwer ein Unterschied zum Pablo feststellen. Das macht aber gar nichts, denn drinnen findet man das Ziel seiner Träume.

Aber die Verpackung läßt dennoch zu wünschen übrig, denn bei der nur in ein Plastiksackerl "eingelegten" Paloma waren, als sie bei mir ankam, einige Pins verbogen. Diese überlebten zwar glückerlicherweise das vorsichtige Zurückbiegen, schön ist es aber trotzdem nicht.

Am Tuner-Modul sitzt ein kleines Adapterstück, das den HF-Eingang nach außen führt, damit das Antennenkabel direkt angeschlossen werden kann. Dieses ist auch zum Einbau leicht abziehbar und dann von außen durch das Slotblech der PicassoIV wieder aufzustecken.

 

Füllstand

 
Ein bisserl Schaumstoff zur Dämpfung, ein Plastiksackerl mit ein wenig Platine plus HF- Adapterstück, ein in typischer Manier spiralgebundenes zweisprachiges Handbuch und eine Diskette finden sich freifliegend im Packerl. Lobenswerterweise ist diesmal auch das S-VHS zu FBAS-Adapterkabel im Lieferumfang enthalten.

Die Platine selber ist schön geroutet, es finden sich keine Patches darauf und auch das Layout hat so seine ästhetischen Wesenszüge. Die mechanische Paßform ist einwandfrei und die Paloma läßt sich ohne Probleme neben dem Pablo (der ja auf der PicassoIV (räumlich gesehen) ohnehin eher weiter weg vom Geschehen sitzt) und der Concierto montieren und blockiert keine der Jumper oder anderen Verbinder.

Beim ersten Einschalten mit montierter Paloma sollte die mitgelieferte Software installiert werden, da das FlashROM der PicassoIV auf Version 7.4 aktualisiert werden muß, um die Paloma überhaupt erkennen zu können. Dieses FlashROM-Update geht ohne Probleme über die Bühne und danach kann man direkt die Fähigkeiten dieser Erweiterung nutzen.

 

Fensterln

 
Nach dem Starten mit neuem FlashROM passiert erst mal gar nichts, denn die Paloma ist nur aktiv, wenn man das zugehörige Programm PalomaTV installiert (am Besten gleich ins Picasso96- Verzeichnis). Mitgeliefert wird eine erste Version V1.14 dieses Programms, mit dem man außer fernsehen nicht viel machen kann.

Aber was will man denn eigentlich mehr? Naja, Videos auf Platte aufzuzeichnen wäre eine Möglichkeit, aber dafür ist weder die Paloma noch die PicassoIV gedacht oder gebaut. Es wäre eine sinnvolle Anwendung für den auf der PicassoIV implementierten PCI-Bus, wenn man an diesen zum Beispiel einen MPEG-En- und Decoder bauen würde. Denkt man weiter und implementiert man einen AC-3 Decoder, rückt auch eine DVD in greifbarere Nähe, doch das sind Zukunftsvisionen. Die technischen Spezifikationen zu diesem PCI-Bus sollen jedoch "bald" herauskommen, dann kann man weiterdenken anfangen.

Was man derzeit aber machen kann, ist, einzelne Bilder abzuspeichern. Somit gleicht der Funktionsumfang am Ehesten noch einer VLab SVHS mit extrem(!!) verbesserter Monitorfunktion plus eingebautem HF-Tuner.

Denn das Bild der Paloma ist nicht auf einen eigenen Screen beschränkt, sondern läßt sich auch in einem eigenen Fenster auf der Workbench darstellen. Und hier beginnt die Genialität dieser Karte, bzw. der PictureInPicture-Funktion des Graphik-Chips: es ist egal, welche Farbtiefe der Screen besitzt, auf dem das PIP-Fenster geöffnet wird. Der Inhalt des PIP-Windows wird immer in voller Farbtiefe dargestellt. Und um dem Ganzen noch das i-Tüpferl aufzuseten, läßt sich dieses Window auch noch frei skalieren. Damit ist sogar auch noch auf z.B. einem 1120x832-Screen ein Videobild in voller Größe möglich. Dabei arbeitet der Interpolationsalgorithmus so gut, daß hier noch keine bis fast keine Treppeneffekte oder sonstige Skalierungsartefakte zu sehen sind.

 
Bemerkenswert auch die Tatsache, daß sich das PIP-Fenster genau wie alle anderen Amiga- Fenster verhält, sich also ohne Probleme verschieben läßt und, vor allem: auch teilweise überdecken ("Occlusion") läßt, ohne daß es zu Darstellungsfehlern kommt. Das Videobild läuft ganz normal auch im Hintergrund weiter. Bei hohen Screen-Auflösungen und großen Paloma- Fenstern kann es aber aufgrund der hohen Datenraten von bis zu 300 MB/s zu "Unschärfen" kommen, da selbst die Hardware auf der PicassoIV nicht mehr ganz mitkommt. Das ist allerdings immer noch besser, als es ein völliges Deaktivieren der PIP-Funktion wäre, wie es im Truecolor- Modus bei hohen Auflösungen beim Überdecken von Fenster-Teilen notwendig wird. Im normalen Betrieb ist diese Unschärfe (die durch Aufskalieren und dadurch Verringerung der erforderlichen Bandbreite bewirkt wird) aber nicht zu beobachten und die (nicht nur subjektive) Darstellungsqualität auch bei Verwendung des HF-Tuners um Einiges besser als ein normaler Fernseher.

Im Gegensatz zu vielen PC-"Lösungen", bei denen man für viel Geld nur ein kleines ruckliges Bilderl bekommt, weil die CPU nicht mit dem Datenschaufeln über den Bus nachkommt, ist bei der Paloma die CPU gar nicht belastet, denn die Darstellung in einem Fenster (PIP) und die Skalierung sind in Hardware implementierte Funktionen, die keine Rechenzeit fressen. Die Daten bleiben dabei lokal auf der PicassoIV, dadurch brauchen sie auch nicht durch den Flaschenhals des Zorro-Busses. Wie langsam das System bei Benutzung des Zorro-Busses in etwa wäre, kann man beim Abspeichern von SnapShots ersehen, das auf einem 4000 mit einem 25MHzigem 030er (ja, ich weiß, ich sollte mir eine schnellere CPU reinhängen...) ca. 5 Sekunden benötigt.

Beim ersten Start von PalomaTV ist einmal gar nichts passiert, denn ich hatte in meinem Testrechner nur 2MB ChipRAM und gar kein FastRAM installiert. Eine Fehlermeldung erscheint dabei keine. Mit 4MB FastRAM gehts dann (wobei davon ca. 1.2MB belegt werden). Da wird man beim ersten Mal gefragt, ob die Senderliste durch einen automatischen Sendersuchlauf erstellt werden soll, oder man sie händisch eingeben möchte. Der automatische Suchlauf hat bei mir am Telekabel alle verfügbaren TV- und Testsender gefunden und in dieser Reihenfolge abgespeichert. Allerdings dauert das Suchen so seine 5 Minuten, ist aber nur beim ersten Mal nötig.

Die fertige Senderliste kann dann editiert werden, indem man Sendernamen eingeben, die Reihenfolge ändern, eine Feinabstimmung durchführen oder den Eintrag löschen kann. Ein bestehender Eintrag kann kopiert und weiterverändert werden. Was noch fehlt, ist aber zum Beispiel eine Direktfrequenzeingabe.

 

Fernseher inklusive

 
Die Software zur Karte ist in einem noch ziemlich unausgereiften, aber sehr stabilem (sie ist während der Testphase kein einziges Mal abgestürzt!) und brauchbarem Zustand. Wäre daran noch weitergearbeitet worden, hätte sich nur der Auslieferungstermin noch weiter verzögert, was sicher schon unzumutbar gewesen wäre.

So aber können wir uns jetzt und nicht erst irgendwann an immer neuen Features erfreuen und haben viel mehr davon, da die Paloma mit dem User mitwächst. Es ist wohl nichts so lästig wie ein Riesenprogrammpaket, das undurchschaubar erscheint und in das man sich erst mühsam einarbeiten muß, obwohl man nur einen Bruchteil der Funktionen nützen kann und wird.

Also bleibt immer wieder der Blick auf Villagetronic's Webserver, ob denn nicht wieder eine neue Version upgeloadet wurde.

Leider ist z.B. auch noch kein ScreenRequester eingebaut, sodaß man auch nicht auf einem Pablo- Screen seine Paloma-Daten ansehen kann. Nur ein geöffneter PublicScreen kann zur Darstellung des Fensters herangezogen werden.

Auch läßt sich derzeit noch kein NTSC-Input verwenden, denn die Synchronisation auf das Bildsignal haut nicht hin. Der in die Europa-Version der Paloma eingebaute HF-Tuner ist sowieso nicht NTSC-fähig, aber der Rest der Hardware kann laut Klaus Burkert, dem Hardware- Entwickler der Paloma, NTSC verarbeiten, es könnte also ein FBAS- oder S-VHS-Signal in NTSC dargestellt werden. Derzeit scheitert es an der Software, die noch nicht darauf ausgelegt ist. Hoffen wir also, daß sich das bald ändert.

 
Im FullscreenModus wird das Signal in einem Fenster ohne Rand und einem Screen ohne Titelleiste dargestellt, gleicht also einem Fernseher bis auf den ziemlich breiten schwarzen Rand bis aufs Haar.

Implementiert ist eine "Fernbedienung", mit der man den Sender auswählen (+, -, oder Direktwahl), die Helligkeit, Farbe oder den Kontrast verstellen und die Lautstärke einstellen, inklusive Stummschalten kann. Diese Fernbedienung ist natürlich nicht nur bei FullScreen- Darstellung verfügbar, sondern auch im Fenster-Modus auf anderen Screens.

Das Überfeature wäre ja noch, wenn das Videosignal als Hintergrund der Workbench darstellbar sein könnte, aber wer weiß, an was der gute Olaf gerade bastelt. Denn ca. 1 Woche nach Start der Auslieferung schob er das erste Update seiner Software nach, die Version 1.16 von PalomaTV, mit der nun der Screen auf einem in den Tooltypes einstellbaren PublicScreen geöffnet werden kann und in der Fernbedienung, die nun jedoch um einiges länger zum Erscheinen braucht, auch Kontrast und Farbe geregelt werden können.

Ursprünglich war auch eine Teletext-Fähigkeit für die Paloma angekündigt. So wie es derzeit aber aussieht, wird es aus verschiedenen Gründen nicht dazu kommen.

 

Krachmacher

 
Die AudioSeite kommt bei so vielen bunten Bildern aber ein wenig unter die Räder. Beim Einspeisen von Videosignalen ist klarerweise gar kein Tonsignal dabei, außer man führt es extra über die Klinken-Buchsen der PicassoIV zu. Dann ist es über das AudioSelect-Commodity einfach auswählbar.

Der HF-Tuner kann dagegen nur ein Mono-Signal ausgeben. Aus Platzgründen konnte nur dieses Exemplar des Tuners montiert werden, aber darüber ist in der Picasso-Mailingliste schon MB- weise diskutiert worden. Das Audiosignal des HF-Teils kann dann über den Concierto -Mixer oder das AudioSelect-Commodity als Signal des "AV-Moduls" zum Audioausgang der PicassoIV geroutet werden.

Der Mono-Tuner ist wohl eine Art Philosophiefrage: Will man irgendwelche Sachen auf Video aufzeichnen, wird man ohnehin den Videorecorder dafür verwenden und diese haben doch einen eingebauten HF-Tuner, der Stereo-fähig ist (solange es ein HiFi-Recorder ist, aber das setze ich mal voraus). Zum Mitschauen diverser Sendungen neben dem Arbeiten auf der Workbench stört es aber nicht wirklich, wenn der Ton nur in Mono daherkommt. Natürlich kommt es immer auf den persönlichen Geschmack an, aber ein Babylon 5 in Mono anzuschauen, grenzt schon fast an Sakrileg, doch das macht man eben auch nicht nebenbei, sondern als Fulltime-Beschäftigung ;-)

 
Beim Abspielen von Videos wird man auch nicht den Ton-Teil des HF-Tuners verwenden, sondern das Signal per FBAS oder S-VHS in die Paloma einspeisen und das Ausio-Signal über die Stereo-Anlage ausgeben lassen. So kommt man wieder in den vollen Genuß.

Eigentlich kann man sich, wenn man sich das so überlegt, mit der Paloma den eigenen Fernseher ersparen. Da eine Graphikkarte für einen Computer mittlerweile schon fast Standard ist und die Paloma mit ihren 299,- DM (direkt bei VillageTronic), bzw. 2149,- ATS (z.B. bei PointDesign) nun doch einiges billiger als ein ordentlicher Fernseher und ist "nebenbei" auch noch ein Amiga :-))

 

Lesen? Ein Handbuch? Ich?

 
Doch. Sollte man. Nicht zu Unrecht gibts die Abkürzung RTFM. Auch wenn es sich bei der Paloma darauf beschränkt, was beim Einbau alles zu beachten ist (eigentlich nichts). Darum wird das Handbuch ja auch Einbauanleitung genannt. Es beschreibt ausreichend genau, wie die Paloma einzubauen und die Software zu installieren ist. Zusätzlich findet man im Anhang einige Tips zur Beseitigung etwaiger Fehler. Eine Dokumentation zum Programm selber (ist nur PalomaTV) ist nicht vorhanden, aber auch nicht nötig, denn die Software ist selbsterklärend.

Die Paloma ist ein wirklich begeisternswertes Add-On zur PicassoIV, mit dem sich nicht nur einige Leute stark beeindrucken lassen, sondern das auch als Fernseher oder Kontrollmonitor fungieren kann.

Wird in die Software noch die NTSC-Fähigkeit implementiert und die Möglichkeit, das Paloma- Fenster borderless auf einem PabloScreen öffnen zu können, steht auch einem fleißigen Konvertieren von NTSC-Videos nichts mehr im Wege...

 

Testkonfiguration:

PicassoIV V1.2
PicassoIV-FlashROM V7.4
PabloII V1.2
Paloma V1.1
PalomaTV V1.14 und V1.16
A4000 Rev D
MicroniK Busboard 6960 Rev.5.0
WB 3.1, Kick 3.1

 
Bedienung [80]/[100]
Features [75]/[100]
Qualität [90]/[100]
Preis/Leistung [75]/[100]
Stabilität [85]/[100]
Dokumentation [75]/[100]
Gesamt [85]/[100]
 

Oliver Gerler ...........


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