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Amiga Forever CD - Schneisen im Monopolwald

 
Ein Amiga ist ein Amiga. Und bleibt es auch. Aber auf anderer Hardware.

Die Zeiten ändern sich, so auch die Grundlagen unseres AmigaOS. Zuerst lief es nur auf 68k-Prozessoren von Motorola, dann kamen die Emulatoren auf x86 dazu und zuletzt die PPC-Erweiterungen. Nach neueren Meldungen Hrn.Hiobs geht der Weg mitelfristig wieder zu x86 bis irgendwas "ganz Tolles, fürchterlich Revolutionäres" kommen soll. Nunja, nichtsdestotrotz bietet diese CD von Cloanto eine Sammlung verschiedender Amiga-Emulatoren für PC, Mac und anderen nebst einigen Goodies.

Das CD-DoppelCover (erhältlich in Österreich u.a. bei PointDesign) erweckt den Schein, als wären im Inneren 2 CDs verborgen, statt dessen ist im hinteren Teil eine Amiga-Diskette in funktioneller Halterung befestigt, die den Amiga-Teil des AmigaExplorers enthält. Den Rest enthält die CD. Alles, was sich sonst noch in diesem Cover findet, ist ein kleiner Aufklebebutton mit dem bekannten BoingBall-Motiv. Etwaige gedruckte Anleitungen oder Dokus findet man keine.

 

Holzfällerwerkzeuge

 
Die CD enthält neben WinUAE (v0.7.0), DOSUAE (v.0.6.9c) und Fellow (v.0.3.2a) (siehe Emulatoren-Test in dieser Ausgabe) auch einen MacUAE (v0.6.9) in vorinstallierter Fassung. In Archivform weiters Versionen für Amiga (mit und ohne PPC) und diverse Unixe, sprich der Source (v.0.6.9) im tar-Stream. Als besonderes Feature sind alle Kickstart-ROMs und alle Workbench-Disketten von 1.0(!) bis 3.0 als Files auf der CD enthalten. Für die (immer noch) aktuelle V3.1 gab es keine Lizenzen. Des weiteren ist die schon erwähnte Netzwerksoftware AmigaExplorer und auch PersonalPaint (v7.1(!)) dabei.

Die umfangrecihe Online-Dokumentation im html-Format enthält ein Interview mit Jay Miner inklusive Original-Soundtrack als wav's und CDDA und erklärt auch die weiteren enthaltenen AmigaTools, wie den 'Filer', 'DirDiff' und 'AmiToRTF'.

 

Kettenschleifen

 
Legt man die CD in einen Rechner mit Win95 ein, so erscheint ein schönes Auswahlmenü, mit dem ohne Installation die Emulatoren direkt gestartet werden können oder die entsprechenden Installationen durchgeführt werden. Das Kopieren der Daten selber ist schnell geschehen und danach ist alles ohne Reset, Registry-Einträge oder sonstige absonderlichen Scherze bereits verfügbar und braucht nur per Klick im Menü gestartet werden. Natürlich können eigene Verknüpfungen am Windows-Desktop oder sonstwo abgelegt erden, die dann das schöne Menü umgehen und direkt in einen Emulator starten.

Die 'angewachsene' Version von PersonalPaint ist wirklich die Vollversion und kann ohne Einschränkung verwendet werden. Wird UAE oder Fellow von der CD installiert, so ist die mitgelieferte Software gleich in einem Verzeichnis der Work-Partition zu finden und kann direkt gestartet werden.

 

Selbstverfreilichkeiten

 
Ja, es ist selbstverständlich, daß eine Windoofs-CD dieses dämliche Autorun haben muß und deshalb man auch nicht einfach auf das CD-Icon im Explorer klicken kann, um sich den Inhalt anzeigen zu lassen, da dann die CD startet (hebt sie nun ab, oder was?? Wie soll eine CD von selber starten?). Dazu brauchts erst im, zugegebenermaßen recht ansehnlichen, Menü einen eigene Punkt, mit dem man durch die CD-ROM brausen kann (Eine Dusche täts wohl nicht...).

Cloanto allerdings hat sich da nun doch Mühe gegeben und was Sinnvolles aus diesem Menü gemacht, was nun im PC-Bereich keine Selbstverständlichkeit ist. In diesem Menü findet sich als erster Punkt ein "Read Documentation". Achja, alles auf englisch, nix teitsch, das werte ich aber nicht abwertend. Zweiter Punkt: oben erwähnter "Wasserfall". Als drittes gleich ein "Install to Harddisk", mit dem einige zig MB auf die Platte kopiert werden. Lobenswerterweise auch hier (wie auch bei der UAE-Standardinstallation) keine Einträge in Registries, keine Resets, gar nix. Fein.

Zum Drüberstreuen ein Link zur Amiga Forever Home Page und diverse verschiedene Win-, DOSUAE und Fellow-Konfigurationen zum Direktstarten.

In diesem Archiv-Verzeichnis finden sich aber auch noch andere interessantere Sachen:

- AFR zum Beispiel, mit dem ein Amiga-Floppylaufwerk an den parallelen Port des PCs angeschlossen werden kann. Die einzige Voraussetzung für diesen Port ist, daß er bidirektional arbeiten kann, denn wie sollte man sonst Daten laden können?? Ob nun SPP, EP oder sonstige kryptische Kürzel diverse Qualitätslücken wettzumachen versuchen, ist da nicht mehr so erheblich...
- AiG nennt sich Amiga Interactive Guide und bringt im AmigaGuide-Format so Einiges an Informationen zu Geschichte, Programmen, etc. zum Amiga im Allgemeinen. Problematischerweise kann diese Datei mit Multiview nicht angezeigt werden. Sinnig. Die HTML-Version dagegen bietet massige und relativ aktuelle Information von Hi-Toro bis Gateway, von Lorraine bis A4000T und weiter zum A9000 und den diversen Gerüchten, nie erschienenen Versionen, Grundlagen, und, und, und.
- Schließlich noch ist ein Package namens MSH drauf, das im Grunde auch nichts anderes ist als ein CrossDOS: Amigas können damit PC-Disks bearbeiten. Am UAE geht das aber viel einfacher, denn im UAE-Control braucht man nur eine Disk als DFx: einbinden und schon gehts.
- Des Weiteren ein vollständiges Archiv von Picasso96 inklusive Developer-Archiv.
 
 

Blätterrauschen...

 
...bekommt man mit dieser CD keines zu hören: Null Doku auf Papier. Die Online-Doku hats dafür in sich. Nicht nur, daß fundierte Anleitungen zu den Emulatoren in verschiedenen Versionen und Sprachen nach einigem Klicken zu finden sind, auch die ganzen Guides zu oben angegebenen Programmen sind per Webbrowser erreichbar. Da hat sich wer die Mühe angetan, das alles in HTML umzusetzen...

Die beiden Interviews vom Jay Miner sind zu lesen und zu hören und die Patentschriften des Ur-Amigas ("Video Game and Personal Computer") als gut zu lesende GIFs dabei.

Nicht fehlen darf in der Doku natürlich die Erklärung der AmigaExplorer-Software, die es ähnlich einem NFSd erlaubt, Amiga-Laufwerke an PCs zu exportieren. Das Ganze mit graphischer Oberfläche und einfacher Syntax. Gleiches kann man zwar mittlerweile auch mit Samba und geeignetem Handler erreichen, aber eben nicht so komfortabel. Die Verbindung zwischen Amiga und PC kann beim AmigaExplorer sowohl über TCP/IP als auch über ein serielles Nullmodemkabel erfolgen. Die Amiga-Seite des Explorers ist dabei auf der Diskette zu finden.

 

Nebengeräusche

 
Nur mehr peinlich wohl aber diese simulierte Amiga-Sprachausgabe, die beim Starten des AuswahlMenüs unter Windows kommt und mühsam ein "Amiga" zu krächzen versucht. Nervig!

Für die Windows-Fanatiker unter dem Amiga-Usern ist auf der CD noch so einiges an scheint's Unentbehrlichem, damit der UAE auch zum Laufen kommt. So findet sich das Sabot- äh, ServicePack 3 für NT4.0 in vier Sprachen (sprich viermal in voller Ausführung. Sowas wie Lokalisierung in sinnvoller Weise ist dem Billy-Boy wohl noch nicht begegnet...), die erforderlichen DirectX-Treiber, damit sich Picasso96 austoben kann und ein VESA-Treiber-Pack, damit UAE und Fellow unter DOS zu ihren Ehren kommen können.

Insgesamt also ein recht umfangreiches Paket, daß man da bekommt, von dem sich auch echte Amigas noch ein paar Späne heraushobeln können ;-)

Oliver Gerler ...........


- ls -aR Listing des Inhalts der Amiga-Forever-CD (ASCII;164KB)
- ls -aR (lha) Selbiges im lha-Archiv (LHA;34KB)
- Amiga Forever Home Page
- Amiga Forever CD Cover (JPEG;33K)
 
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