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TCP/IP (Teil 3b): I-Net 225

 
Auf dem Amiga gibt es mehrere TCP/IP-Stacks zur Auswahl. Einer davon, der bei uns weniger verbreitet ist, heißt I-Net 225 und ist von der amerikanischen Firma Interworks.

 
Dabei handelt es sich um einen direkten Nachfahren des einst von Commodore entwickelten AS225, welcher unter registrierten ADSP-Entwicklern, denn er war aufgrund seines Beta-Status nur diesen zugängig, eine gewisse Verbreitung gefunden hat. Durch diese Abstammung arbeiten somit auch alle Programme, die für das alte AS225 geschrieben wurden, mit dem I-Net 225 zusammen. Jedoch haben in der Zwischenzeit andere TCP/IP-Stacks wie AmiTCP und Miami eine weitere Verbreitung erfahren und unglücklicherweise sind diese nicht mit AS225 oder I-Net 225 kompatibel, da sich deren Socket-Schnittstellen unterscheiden. Somit ist in diesem Fall die Vielzahl der TCP/IP-Implementationen eigentlich als Nachteil anzusehen und wir haben damit am Amiga eine Situation, wie sie in früheren PC-Tagen üblich war.

Etwas gelindert wird diese Situation durch die Möglichkeit, den einen TCP/IP-Stack durch den jeweils anderen zu emulieren. Im Falle des I-Net 225 handelt es sich dabei um die bsdsocket.library, welche diesem eine AmiTCP-kompatible Schnittstelle verschafft. Diese Library kann von http://www.iworks.com heruntergeladen werden. Jedoch ist sie nicht hundertprozentig fertig und es laufen auch nicht alle Programme damit.

 
Interworks verkauft sein I-Net 225 in zwei verschiedenen Größenordnungen: Eine mit einer Lizenz für nur einen Rechner und eine mit einer Lizenz für fünf Rechner. Diese unterschieden sich auch im Umfang der mitgelieferten Komponenten und in der Serviceleistung. In der 5-Rechner Lizenz ist bereits der NFS-Server enthalten, während dieser bei der Einzellizenz extra erworben werden muß. Auch beinhaltet die 5-Rechner Lizenz einen telefonischen Support Service.

 
Seine Stärken hat das I-Net 225 bei der Vernetzung über Ethernet, denn es gibt neben dem FTP auch einen NFS-Client und NFS-Server, über welche Dateien ausgetauscht werden können. Beide arbeiten zuverlässig, jedoch hat der NFS-Server die schon vom AS225 bekannte unangenehme Eigenschaft, daß er für alle exportierten Laufwerke oder Verzeichnisse ein sogenanntes Mapfile benötigt. In diesem werden die von Unix-Systemen verwendeten Userkennungen und Zugriffsberechtigungen gespeichert, die im Dateisystem des Amiga nicht untergebracht werden konnten. Dies ermöglicht zwar eine vollständige Abbildung aller von Unix-Rechnern bekannten Attribute auch auf vom Amiga exportierten Verzeichnissen, jedoch hat diese Methode auch einige gravierende Nachteile. Erstens wird der Zugriff verlangsamt, da auch das Mapfile ständig aktualisiert werden muß und zweitens darf auf exportierte Verzeichnisse auch auf dem eigenen Rechner nicht mehr direkt geschrieben werden, da ansonsten dieses Mapfile nicht aktualisiert wird und dann das ganze System durcheinander kommt. Man muß somit die über NFS exportierten Verzeichnisse selbst wieder über den NFS-Client mounten und darf schreibend nur auf diese importierten Laufwerke zugreifen, was jedoch um einiges langsamer geht, als der direkte Zugriff.

Der einzige sinnvolle Einsatz ist also, bestimmte Verzeichnisse anzulegen, die explizit zum Exportieren gedacht sind. Alle Dateien, auf die von anderen Rechnern zugegriffen werden soll, kann man dort ablegen. Einfach schnell einmal ein Verzeichnis freigeben, wie es unter Envoy möglich ist, kann man vergessen. Auch die Freigabe von CD-ROMs ist damit unnötig erschwert, da auch hierfür ein Mapfile angelegt werden muß, obwohl man auf diese ohnehin nichts schreiben kann.

 
Zum Ausdrucken übers Netzwerk existiert ein lpr-Programm. Damit kann man auf einem entfernten Drucker drucken. Dies erfolgt jedoch nicht auf der Amiga-üblichen Art, sondern es muß bei diesem Programm der Name einer Datei angegeben werden, die gedruckt werden soll. Es ist somit nicht möglich, einen entfernten Drucker wie einen lokalen anzusprechen. Das Gegenstück zum lpr, nämlich der lpd, ist auch im Lieferumfang enthalten. Dadurch kann der Amiga seinen Drucker anderen Rechnern am Netz zu Verfügung stellen.

 
Folgende Client-Programme sind enthalten:

arp, chmod, chown, finger, ftp, host, ifconfig, login, lpr, ls, ncftp, netstat, nfsc, nfsmgr, passwd, ping, rcp, rsh, rlogin, route, showmount, telnet, traceroute, whois und weitere.

Folgende Server-Programme sind eintahlten:

fingerd, ftpd, inetd, lpd, portmapd, rshd, syslogd, telnetd, timed, wprintd

 
Folgende Internet-Utilities sind enthalten:

GMail      - Ein einfacher Intuition-basierender Mail-Reader
GRn        - Ein einfacher Intuition-basierender News-Reader
SMTPd      - Ein Mail protocol daemon
SMTPpost   - Ein SMTP posting Programm
SMTPExpand - Ein SMTP aliases expanding Programm
NNTPpost   - Ein NNTP posting Programm
NNTPXfer   - Ein NNTP article transfer Programm
newgroup   - Ein Verwaltungsprogramm für NNTP
GetActive  - Ein NNTP active file transfer Programm
AmiPOP     - Ein POP message handler von Scott Ellis


Auf einer weiteren Extras-Diskette werden noch folgende Programme mitgeliefert:

AWeb - Eine unregistrierte Demoversion des Internet Web Browser von AmiTrix Development
DaFTP - Ein einfach zu bedienendes, mit grafischer Bedienoberfläche versehenes FTP-Program von Mutant Soup Software
PPP v1.45 - Eine unregistrierte Demoversion des ppp.device von Holger Kruse


 
Mit den mitgelieferten Programmen rlogin und telnet kann man sich also auch auf anderen Rechnern im Netz einloggen. Auch das Einloggen auf dem Amiga von einem anderen Rechner wird durch telnetd und rshd ermöglicht. Einfache Mail- und Newsreader (GMail und GRn) werden mitgeliefert.

Grundsätzlich steht einem mit den mitgelieferten Shareware-Programmen auf der Extras-Diskette der Weg ins Internet offen. Jedoch muß man dann früher oder später diese Programme noch registrieren, um den vollen Funktionsumfang zu ermöglichen. Zumindest das ppp.device hätte schon in einer registrierten Version vorhanden sein können.

Die Anbindung zur Netzwerkkarte oder der seriellen Schnittstelle erfolgt über SANA-II-Devices. Dabei werden folgende Devices schon mitgeliefert: a2060.device, a2065.device, a4066.device, hydra.device, icard.device, plip.device, ppp.device und das slip.device. Aber auch mit der Ariadne arbeitet das I-Net 225 ohne Probleme zusammen.

 
Leider gibt es für I-Net 225 keinen Vertrieb in Europa und man muß es direkt beim Hersteller in Amerika bestellen, was einerseits lästig und andererseits mit großen Kosten (Zoll und Versand) verbunden ist. Weiters scheint die Weiterentwicklung in letzer Zeit gestoppt. Zumindest sind schon seit geraumer Zeit keine neuen Komponenten mehr herausgekommen. Auch das längst angekündigte gedruckte Handbuch ist bis jetzt noch nicht erschienen. Man kann sich jedoch eine Vorabversion von diesem als PostScript-Datei von der Interworks-Seite herunterladen. Grundsätzlich sind auch zahlreiche Dokumente im AmigaGuide-Format beim Lieferumfang enthaltenen. Sämtliche Dokumentation sowie alle Bedienoberflächen existieren nur in englischer Sprache.

 
Die Installation wird über den standard Installer abgewickelt. Zur Konfiguration des Netzwerks, was üblicherweise sehr kompliziert und aufwendig sein kann, werden zwei Programme Quick_Prefs und I-Net_Prefs mitgeliefert, welche diese Prozedur sehr erleichtern. Mann kann jedoch auch alles händisch mit Hilfe von Konfigurationsdateien konfigurieren, wenn man will. Der gesamte Aufbau und die einzelnen Programme ähneln stark ihren Vorbildern auf Unix-Rechnern, weshalb Benutzer, die sich in diesem Betriebssystem auskennen, mit der Konfiguration leichter tun werden.

 
Insgeammt betrachtet ist das I-Net 225 gut geeignet für die Einbindung des Amiga in ein TCP/IP-Netz, die Stabilität ist sehr hoch und es hätte eigentlich alle Voraussetzungen gehabt, sich als Standard in diesem Bereich zu etablieren. Derzeit sind jedoch die AmiTCP-Kompatiblen TCP/IP-Stacks nicht zuletzt aufgrund von Miami, mit seiner hervorragenden Anbindung ans Internet, wesentlich weiter verbreitet und kostengünstiger zu haben.

Will man jedoch seinen Amiga hauptsächlich in ein bestehendes TCP/IP-Netzwerk einbinden und dort über NFS auf die Platte anderer Rechner zugreifen, dann ist man mit dem I-Net 225 sicher gut beraten.

Thomas Öllinger ...........


- http://www.iworks.com
- Workshop Teil 1
- Prefs (GIF; 16K)
- Workshop Teil 2
- Workshop Teil 3a
- Programme (GIF; 20K)
 
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