Das Jahr 2000 - ein Computerproblem?

von
Thomas Heinrich

Jede Woche hört man davon, vom Jahr 2000 und vor allem in Verbindung mit dem Computer. Probleme seien zu erwarten, hört man; falsche Zinsberechnungen, ungerechtfertigte Mahnungen und ein Milliardenaufwand, um all dies nicht Wirklichkeit werden zu lassen.

Der PC

Wo liegt das Problem?

Der normale PC, also die Nachkommen von IBMs AT-Rechner, speichern ihr Datum mit jeweils zwei Stellen für Tag, Monat und Jahr. Bis zum 31. Dezember 1999, 23 Uhr, 59 Minuten und 59 Sekunden ist die Welt noch in Ordnung, in der nächsten Sekunde beginnt der Weltuntergang für einige Firmen, deren Rechner nicht rechtzeitig fürs Jahr 2000 tauglich gemacht wurden. Nach einigen Nachrichtenagenturen steht Deutschland hier mit völlig unvorbereiteten Behörden als unrühmliches Schlußlicht da. Das Problem sei bekannt, aber kein Budget vorhanden, so die Begründung.

Was wird passieren?

Einige ältere Rechner, und dazu gehören durchaus auch ein paar schnelle 486er-Boards, die noch in Gebrauch sind, schalten dann die Jahreszahl auf "00" um. Ist eine Software nicht intelligent genug, um festzustellen, daß das Jahr 1900 vor dem eigenen Herstellungsdatum liegt und deswegen das Jahr 2000 das richtige sein muß, kommen alle Berechnungen durcheinander, die mit dem Datum zu tun haben.

Je nachdem, wo ein Rechner eingesetzt wird, hat man plötzlich 99 Jahre lang zuviel Mitgliedsbeiträge an den Verein gezahlt, steht auf dem neuen Ausweis plötzlich ein Alter von MINUS 77 Jahren, oder verlangt das Finanzamt eine Steuernachzahlung über 98 Jahre...

Aber zwischen Programm und Hardware steht ja noch das Betriebssystem. Ist dieses clever genug, können auch alte Programme durchaus noch funktionieren. Wenn die Programme denn auch das Datum vom Betriebssystem beziehen; wenn sie die Hardware direkt auslesen, ist wieder nichts gewonnen.

Dummerweise hat Microsoft vor kurzem zugeben müssen, daß alle seine Betriebssysteme einschließlich Windows 95 und NT, nicht ganz fürs Jahr 2000 taugen. Diese Ankündigung kommt gerade recht zur Markteinführung von Windows 98, was wieder die besondere Marketingstrategie von Microsoft betont: Wenn ihr nicht updaten wollt, dann geben wir euch eben einen guten Grund.

Der Amiga

Bei soviel Verunsicherung in der Wintel-Welt fragt man sich als Amiganer doch, ob es auch für unsereins gefährlich werden kann. Zuerst einmal ist beruhigend, daß keine Behörde und keine Firma Amigas im Büro einsetzt, einfach mangels Bürosoftware. Die Firmen, die doch auf dem Amiga Bürosoftware betreiben, kann man an einem Finger abzählen. Es steht also schon von der Infrastruktur her nicht zu erwarten, daß ein Amiga für eine Fehlberechnung verantwortlich sein wird.

Zudem speichert der Amiga sein Datum völlig anders. Alles läuft über Sekunden ab, die vom 1.1.1978, 00:00:00 Uhr an hochgezählt werden. Damit ist eine Zeitspanne möglich, die minimal 68 Jahre abdeckt. Genau in der Nacht zum 19. Januar 2046 wird die Systemzeit dann negativ, denn so wird sie vom System geliefert - als Zahl mit Vorzeichen. Uns wird das Problem, das der Amiga dann vielleicht bekommt, aber bestimmt nicht mehr interessieren.

Besorgt man sich als Programmierer das Datum vom System, dann erhält man tatsächlich eine vierstellige Jahreszahl. Allerdings nur, wenn man die richtige Funktion benutzt. Das bekannte "Date"-Kommando kennt z.B. nur zwei Stellen für das Jahr, es wird also spätestens beim Übergang ins Jahr 2078 versagen, da dann das Jahr nicht mehr korrekt in die Sekunden umgerechnet wird, es kann ja nicht zwischen 1978 und 2078 unterscheiden. Auch das wird unsereins nicht mehr interessieren.

Trotzdem ist das alles halb so schlimm. Kein Amiganer wird sich blind auf seine Systemuhr verlassen, zum einen, weil er vielleicht gar keine hat (A500, A1200 ohne Aufrüstung), oder weil er aus Erfahrung weiß, daß sich das Ding sowieso immer nach Lust und Laune verstellt. So ärgerlich diese Sache immer war, jetzt, kurz vor dem Jahrtausendwechsel, ist der Amiga- User dadurch der am wenigsten gefährdete.

Für den Programmierer ist außerdem die Datumsverwaltung über Sekunden so bequem, daß niemand auf die Idee kommt, das Datum als Zeichenkette abzuspeichern, außer vielleicht eine portierte Software.

Der große Vorteil der Sekunden besteht darin, daß man nur zwei Zahlen vergleichen braucht und schon weiß man, welches das neuere Datum ist. Kein umständliches Konvertieren von Zeichenketten zu Zahlen und umgekehrt. Der Nachteil ist allerdings, daß das System negative Werte zurückliefern kann, was sich bei nachlässig programmierter Software fatal auswirken kann.

Fazit

Beim Jahr-2000-Problem ist Panik völlig fehl am Platz. Selbst mit dem PC werden die allerwenigsten Heimanwender überhaupt damit in Kontakt kommen. Nur Firmen und Behörden, die auf ein korrektes Datum angewiesen sind, müssen sich rechtzeitig um ein sicheres System kümmern. Aber darauf hat man als Privatmensch keinen Einfluß; man kann sich erst wehren, wenn die Mahnung über hundert Jahre Zahlungsverzug auf dem Tisch liegt.

Ein kleines Bonbon zum Schluß:

Das mit dieser Ausgabe mitgelieferte Programm "y2k" zeigt die verschiedenen Datumsausgaben an. Mit dem Date-Kommando, oder dem Uhrzeit-Voreinsteller der Workbench kann sich jeder selbst davon überzeugen, was zu welcher Zeit im System geschieht. Das Programm kann über Workbench oder Shell gestartet werden.

Beispielausgabe des Programms:
   Shell> y2k
   Systemsekunden: 641565669
   DOS-Datum:      Freitag, 01-Mai-98  - 12:41:09
   Utility-Datum:  Freitag, 01.05.1998 - 12:41:09

   Shell> y2k
   Systemsekunden: -2081612466
   DOS-Datum:      Donnerstag, 20-Feb-48  - 12:47:10
   Utility-Datum:  Donnerstag, 20.02.2048 - 12:47:10


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