Schon mit dem ersten Stück, dem Titelsong des aktuellen (dritten) Albums der englischen Melodic Rock-Gruppe Ten geht es richtig zur Sache. Als Einführung spricht eine tiefe männliche Baßstimme ein paar Worte über eine Suche, die die ganze Welt umfaßt. Dann setzen schnelle Rhythmen und kurz darauf der Sänger Gary Hughes ein. Nach einiger Zeit wird der Kehrreim, bei jetzt im Verhältnis zurückhaltender Hintergrundinstrumentierung, von einem an Kirchengesang erinnernden Chor gesungen (sehr originell!), bis zusammen mit dem Rest der Instrumente auch die Liedstimme wieder einsetzt. Zum Schluß wird es ruhiger und Gary Hughes beweist, daß die Melodie des Refrains auch einen sanften Titel getragen hätte. Etwa neun kurzweilige Minuten sind nun vorbei.
Die ersten Klänge des sich nahtlos anschließenden Titels "Bright on the Blade" nehmen zuerst die ruhigeren Töne auf, bis sich schnell die hohe Geschwindigkeit des Songs erweist, der einen mitzureißen versteht.
"Standing on the Edge of Time" ist sicher einer der besten Titel auf der Scheibe, auch wenn gerade auf ihr die Konkurrenz groß ist. Schnell, doch trotzdem eine Stufe "softer", als der zweite, weiß er Emotionen zu wecken. Der Sänger bleibt in jeder Phase gefühlvoll und verführt einen beinahe zum mitsingen oder zumindest mitsummen, während der rockige Hintergrund begeistert.
Als kleinen Ausgleich für die bisher durchweg hohe Geschwindigkeit soll "Virtual Reality" dienen. Ein in gewisser Weise klassischer Liebessong, nur das der Sänger in seiner Sehnsucht sich seine Geliebte herbeiphantasiert:
Sehr intensiv, sehr ruhig - wunderbar, zusammen mit der sich markant abhebenden Guitarre.
"Arcadia" beginnt wieder mit der sehr vollen Baßstimme, mit der wir schon in dem ersten Titel Bekanntschaft machten. Wie zu erwarten, macht dieser Song nun wesentlich härter weiter als sein Vorgänger, auch wenn er erst etwas verhalten beginnt. Irgendwie haftet ihm aber etwas besonderes an, ein ganz besonderer Rhythmus, welcher etwas von der Mystik und Magie der Vergangenheit spüren läßt, von der er kündet.
Weiter geht es dann mit "Battlelines". Wieder schnell, mit gutem Standard, aber eigentlich nicht so herausragend.
Nun ist wieder Zeit für Entspannung. "You`re in my Heart" ist ein schöner Liebestitel, der erfreulicherweise, wie gewohnt, nie die Ebene der Schmalzigkeit erreicht.
Klavierklänge eröffnen "Fly like an Eagle", bis harte Guitarrengriffe einsetzen und schließlich der Titel `losbricht`, der insgesamt aber dann doch relativ gemäßigt wirkt und bei dem man durchaus `abheben` kann, bis zum Schluß wieder das einsame Klavier die Melodie abschließt.
"Ten Fathoms Deep" beginnt mit einem Blitzeinschlag, mit Wind, Regen und Sturm und einem Gesang, der einem im Verlauf des Titels mit der Dramatik eines Schiffes bekanntmacht, daß gegen die Elemente kämpft und schließlich verliert. Es wird vom Meer verschlungen, wo es zehn Faden tief ruht, ohne sein Geheimnis jemals zu lüften.
Der letzte und natürlich zehnte Song der CD "Someday" handelt von einer einsamen Frau, die aufgrund ihrer enttäuschten Liebe (oder ist `er` gestorben?) Selbstmordgedanken hegt. Ein langsamer Titel, der sich bei den Refrains jedesmal aufzubäumen scheint und einen wirklich anspricht. Und wenn man sich bei seinem Ende wieder daran erinnert, daß er knapp 8 Minuten gehen soll, kann man es wieder kaum fassen - keine Sekunde zu wenig, keine zuviel.
Das Booklet, in dem neben einem Gruppenfoto auch alle Texte enthalten sind, macht einen ausgesprochen prächtigen Eindruck. Einziger Nachteil: An verschiedenen Stellen ist der Text durch seine Verschnörkelung und den Hintergrund schwer zu lesen, aber das ist zu verschmerzen. Auf dem Cover prangt eine Standarte, wie sie die alten Römer bei ihren Triumpfzügen und Paraden vor sich hertrugen, natürlich ergänzt um das Ten-Logo.
Es zeigt sich, daß Ten sich weiterentwickelt hat, von der eher soft- dominierten ersten CD (Vergl. Ausgabe 4) über die zweite, "Name of the Rose", die das wieder ins Gegenteil verkehrt hat und mir insgesamt, bis auf ein paar herausragende Titel, nicht so gut gefallen hat.
Und nun das dritte Album, mit interessanten Texten, grundsätzlich schneller und härter als das erste - eine gute Mischung. Wie man an einer Gesamtspielzeit von 65:37 bei zehn Titeln ersehen kann, haben eigentlich alle Titel Überlänge oder was als Überlänge gilt. Sie wirken aber keinesfalls überdehnt, sondern die Zeit wird, wie sich auch schon in dem Debüt ankündigte, für gelegentliche spezielle Intros, manchmal auch Extros genutzt.
(P) & © 1997 Now&Then Records.
Vertrieb durch MTM Music; Preis ca. 33 DM.
![]() |
Inhaltsverzeichnis | ![]() |
| ©`98 Der AmZeiger | ||