"Bleibt alles anders" / Herbert Grönemeyer

von
André Wyrwa

Daß bei Herrn Grönemeyer alles anders bleibt, weiß man spätestens seit Veröffentlichung der Vorab-Single seines gleichnamigen neuen Albums.

Diese Erkenntnis macht freilich die Frage danach, was geblieben und was anders ist überflüssig, denn geblieben ist Grönemeyer und selbiger ist wiedermal ganz anders als der Mann, der für die unzähligen vorigen Alben bis "Chaos" verantwortlich war.

Hatten wir doch gerade voll Freude registriert, die fünf Jahre Schaffenspause erfolgreich damit zugebracht zu haben, uns an sein letztes Werk zu gewöhnen, verwirrt der Ex-Bochumer unsere Ohren nun wiederum mit einer neuen musikalischen Gangart und unsere Köpfe mit rätselhaften Texten.

Das dekodieren dieser wird uns allerdings durch den Umstand versüßt, daß die neuen Klänge nach kurzer Einhörphase sehr melodisch wirken, sich tief in unsere Gehörgänge einschleichen und dort häuslich einrichten. Somit wird den wundervollen Worten, die das Spiel begleiten, ein wohldosiertes Cocktail zeitgemäßer Stile gleichsam als samtener Teppich zu Füßen gelegt, über den sie würdevoll den Weg ihrer Bestimmung entgegen gehen können.

Während sie dies denn tun, stellt man fest, daß der Meister stichpunktartigen Textens die Gesellschaftskritik ein wenig beiseite stellt und sich stattdessen dem Studium des Menschen zuwendet. Mit viel Herz, Phantasie und vor allem Poesie konkretisiert er den abstrakten Menschen in satzlosen Kompositionen bedeutungsträchtiger Gedankenfetzen.

Damit auch wirklich jedes Wort der Texte verstanden werden kann, sind diese allesamt in einem mit Grönemeyer-Portraits bebilderten Booklet abgedruckt.

Die wie immer zum Preis von ca. 30,- DM erhältliche CD scheint es mir das gelungenste aller Grönemeyer-Alben zu sein.

© 1998 EMI Electrola


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