"X" / Ten

von
Gregor Franz
Das "X" des Debütalbums der englischen Gruppe "Ten" steht natürlich für die römische Zehn. Solch eine ist es auch, die einem relativ unauffällig aber stilvoll ins Auge fällt, wenn man auf das Cover schaut. Ein großes, beinahe plastisch nach oben hervortretendes "X", nahtlos verbunden mit einer grauen, `angelaufenen` und blasenschlagenden Metallfläche, die im Booklet beinahe wie frisch geschmiedet wirkt. Ansonsten enthält das Booklet neben ein paar gelungenen Bildern der Künstler auch die vollständigen Songtexte.

Nicht nur in einschlägigen Kreisen Europas wurde diese "Melodic Rock"- Scheibe als eindrucksvoller Auftakt gewertet, gerade auch in Japan ist die Gruppe um Leadsänger Gary Hughes, dem Guitarristen Vinny Burns, und dem Bassisten Martin Shelton (beide jeweils Ex-Dare) sowie dem bekannten Produzenten Mike Stone (u.a. Whitesnake, Journey, Queen und Foreigner) regelrecht zum Blockbuster geworden.

Doch zum Wichtigsten: Der Musik selbst.

Der erste Titel wird übergangslos von dem Instrumental "the crusades" eingeleitet. Harte Gitarrengriffe, zu denen sich nach einer Weile Streichinstrumente gesellen. Doch dann beginnt schließlich "it`s all about love" recht vielversprechend: relativ ruhig, mit Temposteigerung beim Refrain. Doch da sich dieser nach einer Weile ständig wiederholt, wirkt der gesamte Titel auf Grund seiner etwa acht Minuten Laufzeit doch arg überdehnt.

Mit sanften "Ah`s" und "Oh`s" beginnt der nächste Titel "after the love is gone", ehe die gesamte Instrumentierung furios einsetzt. Schnell, mit einem gefühlvollen Gesang, der den teilweise harten Sound relativiert und einen interessanten Kontrast bietet. Phantastisch!

Die meisten der folgenden Titel sind etwas ruhiger. "yesterday lies in the flames", "eyes of a child", "close your eyes and dream" und die wunderbare Ballade "the loneliest place in the world" als Abschluß, die glücklicherweise die gefährlichen Klippen der Schmalzigkeit umschifft, was vielen anderen, in den derzeitigen Radio-Charts herauf- und heruntergedudelten Songs nicht gelingt (wenn sie es denn überhaupt vermeiden wollten). Der Titel dauert zusammen mit ausführlichen Instrumental-Abschnitten übrigens etwas über zehn Minuten.

Dagegen halten "the torch", "stay with me", "can`t slow down" und "lamb to the slaughter", mit mittlerer bis schneller Geschwindigkeit.

Insgesamt geht es auf "X" hauptsächlich um das Thema Nummer 1 "Die Liebe": von bitteren Erinnerungen, Enttäuschungen und Hoffnungen.

Trotzdem ist die CD alles andere als der "X-te" Aufwasch von altbekanntem Standard-Sound, sondern bietet über sechzig Minuten guter Musik, mit origineller, markanter Instrumentierung und einem gut aufgelegten Gary Hughes, dessen Stimme mit ihrer Intensität dem Ganzen sicherlich erst die richtige "Seele" verleiht.

© & (P) MTM Music 1996, München; ca. 33 DM


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