Unsterblich !

Science Fiction Kurzgeschichte von Ralf Stecher (c) 1997

Als der Forschungskreuzer "Eclips" mit dem Auftrag verschiedene Sonnensysteme nach brauchbaren Planeten zum Terraforming abzusuchen meldete der Bordcomputer das die Scanner auf dem zweiten Planeten des Systems eine Lebensform entdeckt wurde. Tandob, der Commander des Kreuzers schreckte aus seinen Gedanken auf und wußte nicht ob er nicht erst mal nach Fehlern im Computersystem suchen sollte. Eigentlich dürfte sich hier kein Leben aufhalten, der Planet be- stand aus Sand und Felsen. Kein Wasser, kein Sauerstoff und eine dauerhafte Temperatur von mindestens 180 Grad. "Lebensform und Umgebung näher bestimmen" und den Rest der Crew alarmieren", befahl Tandob, denn es könnte sich schließlich um eine unbekannte Lebensform handeln! Obwohl im Gesamten bekannten Universum erst 5 bewohnte Planeten registriert sind. Ein paar Minuten später gab der Bordcomputer weitere Details bekannt. Die Quelle war zweifelsfrei menschlich, jedoch sehr schwach, als ob dieser "Jemand" kurz vor dem Tode stand. "Landetrupp bereitmachen. Wir werden uns das mal mit einer Landefähre näher anschauen. Weitere Informationen über Display". Da Tandob extrem gehbehindert war konnte er leider nicht mit auf den Planeten, aber der Commander war sowieso lieber allein, da er niemanden traute, seitdem ihn sein eigener Bruder hintergangen hatte.

Mit der Fähre landete das vierköpfige Landungsteam nahe eines zugänglichen Quaders, mit der Grundfläche eines Fußballfeldes. Im Inneren befand sich eine leere riesige Halle, bis auf einen gläsernen Sarg in der Mitte und mehreren "LKW" großen Quadern an den Wänden, an denen Rote und Grüne Lampen leuchteten.

Vorsichtig ging das Team weiter. Bei dem Sarg handelte es sich um eine Kälteschlafkammer. Das Team untersuchte das Ding, inklusive seines Inhaltes, einen ca. 45 jährigen Mann. "Mein Gott, der liegt schon seit 120 Jahren hier, wenn der Timer - an der Kammer - stimmt. Aber er lebt." sagte einer der Truppe. "120 Jahre lang im Kälteschlaf, aber warum ?", dachte Tandob der per Video- und Audioverbindung alles mitverfolgen konnte.

Sieben Stunden später wachte der Mann aus der Kältekammer auf und bereits nach weiteren vier Stunden war sein Körper den normalen Bedingungen angepaßt, so daß er fähig war, antworten zu geben die der Commander der Eclips für sein Protokoll benötigte. Der Mann aus der Kältekammer, der sich selbst Rabeb nannte, stand vor dem Fenster seiner vorläufigen Kabine und starrte ins All heraus. Mit einem Surren ging eine blaue Lampe an der Decke an und Tandob, der Commander des Schiffes, erschien als Hologram in der Kabine. "Wie ich sehe, sind Sie schon wohlauf.", begrüßte Tandob den Neuankömmling. "Dank ihrer Hilfe.", anwortete dieser. "Gut, dann können Sie mir ja auch jetzt sagen, wer Sie sind und warum Sie im Kälteschlaf waren." sagte Tandob. "Warum...", murmelte Rabeb und schaute weiter in die Sterne hinein. "Ich... ich lebe, ich lebe im Schlaf." kam die zögerliche Antwort von Rabeb. "Können Sie das vielleicht ein wenig präzisieren?" , bat Tandob. "120 Jahre Kälteschlaf...", die Augen von Rabeb fingen an zu leuchten, "...wissen Sie überhaupt, was das bedeutet? 120 Jahre Schlaf sind 120 Jahre träumen. In dieser Zeit war ich an Orten, die Sie niemals erreichen können. Ich habe Dinge gesehen, die es niemals gab und die es niemals geben wird. Dank der Kälteschlafanlage kann ich mich in die Unendlichkeit träumen, dank ihr bin ich unsterblich geworden und kann ewig träumen." Tandob war so verdutzt, daß er keinen vernünftigen Satz rausbrachte. "Außerdem wäre ich Ihnen dankbar, wenn mich Ihre Männer wieder auf den Planeten zurückbringen könnten, er ist für Sie sowieso ohne Bedeutung. Ich selbst habe Ihn damals untersucht. Kein Leben, keine Mineralien, nichts was irgendeinen Wert haben könnte, wenn man nicht gerade auf Sand und Stein aus ist. Meine Vorräte für den Kälteschlaf reichen noch ca. 65000 Jahre, so das Sie sich keine Sorgen um mich machen müssen". Damit hatte Rabeb recht, Tandob ließ ihn deshalb wieder allein auf den Planeten zurückbringen. Aber in einem hatte Rabeb unrecht, er war nicht unsterblich, er blieb ein Mensch, und wenn eines Tages sich eine der Sonnen in einen roten Riesen ver- wandeln würde, würde er mit diesem System untergehen, und im Schlaf sterben...

-rs-

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