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PageStream 3.3a

Eine moderne Textverarbeitung hat viele Funktionen implementiert, die sie eigentlich schon fast zu einem DTP-Programm werden läßt: Grafikeinbindung, Rahmen, verschiedene Möglichkeiten zur Gestaltung des Layouts. [PageMenu] Ein Laie wird den Unterschied kaum bemerken, aber bereits für semiprofessionelle Anwendungen reicht ein derartiges Programm nicht mehr aus. Ohne DTP macht das keinen Spaß und ist auch (beinahe) unrealisierbar. PageStream ist jedenfalls ein Programm aus dieser Sparte. Es zählt auf dem Amiga nach wie vor zur Elite und ist heute schon ein "Klassiker".


PageStream von Soft-Logik in der Version 3.3 stand diesmal zum Test. Auf fünf Disketten ausgeliefert findet es über den Standard Installer problemlos seinen Platz auf der Festplatte. Dabei bemerkt man jedoch schon, daß die Benutzerführung ausschließlich in englicher Sprache abläuft. Auch im 220 Seiten starken Handbuch findet sich kein deutsches Wort. Es ist aber trotzdem möglich Texte in verschiedenen Sprachen zu erstellen. Unterstützt werden unter anderem: amerikanisch, deutsch, spanisch, französich, italienisch und slowenisch. Die hautsächlich verwendete Sprache ist in den Preferences einzustellen und beeinflußt die Trennregeln, Seiten- und Datumsangaben. Es ist jedoch auch kein Problem, gemischtsprachige Dokumente zu verfassen, da die Sprache für beliebige Textabschnitte verschieden eingestellt werden kann. Jedoch sind offensichtlich nur die amerikanischen Trennregeln beim Programm dabei. Jene für die deutsche Sprache muß man sich erst selbst mühsam zusammenstellen. Dabei gibt es offensichtlich noch Probleme, erstens müssen alle Wörter klein eingegeben werden und andererseits können offensichtlich Wörter mit Umlauten überhaupt nicht automatisch getrennt werden. Hier kann man sich nur mit dem händischen Setzen von Trennstellen helfen.

Neben der Sprache gehört der zu verwendende Bildschirmmodus und damit die Bildschirmauflösung zu den wichtigsten Einstellungen, denen man sich sofort nach dem Installieren widmen sollte. Hier reicht es jedoch nicht bloß aus den Screen festzulegen, sondern besonders die wirkliche Auflösung in DPI (dots per inch = Punkte pro Zoll) will das Programm wissen. Dazu muß man die Ausmaße des Bildes am Schirm in Breite und Höhe abmessen, in Zoll umrechnen (ein Zoll entspricht 2,54 cm) und durch die Anzahl der dargestellten Pixel dividieren. Durch Angabe dieser Daten ermöglicht man PageStream einerseits die Elemente am Bildschirm gleich groß anzuzeigen wie sie später beim Ausdruck erscheinen und außerdem können Seitenverzerrungen ausgeglichen werden. Hier traten jedoch ein paar Ungereimtheiten mit BitMap-Grafiken auf. Obwohl das Seitenverhältnis am Bildschirm paßte und ein Kreis auch als solcher und nicht als Ellipse erschien, war dieser beim Ausdruck verzerrt. Erst das Umstellen der Bildschirmauflösung auf gleiche horizontale und vertikale DPI z.B. 100×100 ergaben beim Ausdruck einen richtigen Kreis. Jetzt war aber die Bildschirmdarstellung verzerrt. Ein Blick auf die Soft-Logik Home Page (http://www.softlogik.com) zeigte, daß es bereits einen Patch auf Version 3.3a gibt, der zahlreiche Probleme beheben sollte. Und tatsächlich, die verzerrten BitMaps gehören seitdem der Vergangenheit an.

Wie bei Desktop Publishing Programmen (kurz DTP) üblich widmen sich die von PageStream zur Verfügung gestellten Funktionen hauptsächlich der Layoutgestaltung von Dokumenten. Laut Handbuch sollte sich das Programm vom Erstellen einfacher Flugzettel bis hin zu dicken Büchern gleich gut eignen. Das Handbuch selbst ist laut Angaben von Soft-Logik mit PageStream auf Macintosh- und Amiga-Computern erstellt worden. Dabei fällt auch gleich auf, daß die darin zahlreich verwendeten Abbildungen durchwegs eine Macintosh-Oberfläche zeigen. Zum Glück sind jedoch die entsprechenden Amiga-Fenster ähnlich aufgebaut, wodurch die Verwirrung nicht allzu groß wird. Auch werden die Unterschiede der Amiga-Version angeführt wenn dies nötig war. Als leidenschaftlicher TeX-Anwender muß ich jedoch bezweifeln, daß PageStream zum Erstellen von umfangreicheren Büchern das optimale Programm ist. Denn dazu fehlen einfach die nötigen Grundvoraussetzungen. Zwar können Dokumente in Kapitel und Unterkapitel unterteilt werden, aber dise können immer nur auf einer neuen Seite beginnen und eine Funktion zum automatischen Erstellen von Inhaltsverzeichnissen und Indizes sucht man vergeblich.

Zum Gestalten von Zeitungen, Flugzettel, Einladungen oder effektvoller Dokumente ist man jedoch gut gerüstet. Hier bietet das Programm interessante Möglichkeiten. So kann die Schrift in beliebigen Winkeln auf die Seite plaziert werden und auch Spiegelschrift ist kein Problem. Sowohl Vektor- als auch BitMap-Grafiken können beliebig platziert, maskiert und in ihrer Größe verändert werden.

Import, Export

Als Vektorgrafiken können IFF-DR2D, ProDrawClip, EPS, Adobe Illustrator EPS, Art Expression EPS, Freehand EPS sowie SoftLogfik IFF-ILUS eingebunden werden. Bei EPS (Encapsulated PostScript) Grafiken muß man jedoch einige Einschränkungen hinnehmen. Nur jene die von Art Expression oder Adobe Illustrator erstellt wurden können in eine PageStream-Zeichnung umgewandelt werden, sodaß diese innerhalb von PageStream editiert, angezeigt und auf Nicht-PostScript-Druckern ausgegeben werden können. Alle anderen EPS Grafiken, z.B. solche von DrawStudio werden am Bildschirm nur als Rechteckige Boxen angezeigt und außerdem benötigt man einen PostScript-Drucker für die Ausgabe. Hier kann man sich aber im Notfall auch mit einem vorgeschaltenen Postscript-Interpreter wie z.B. GhostScript helfen, wenn der Drucker selbst kein PostScript kann. Grundsätzlich muß man jedoch sagen, daß für professionelles Arbeiten ein PostScript-Drucker unumgänglich ist. Bei den BitMap-Grafiken werden IFF-ILBM, TIFF, PICT, JPEG, GIF, MacPaint, PCX und BMP vom Programm verstanden. Exportiert können Grafiken in den Formaten IFF-ILBM, TIFF, PICT, GIF, PCX, BMP, IFF ILUS, IFF-DR2D, EPS und Adobe Illustrator EPS werden.

Beim Text-Import versteht PageStream die Formate ASCII, RTF, Wordworth, FinalWriter, Excellence, ProWrite, WordPerfect 4.1, IFF-CTXT (PageStreams Textformat) und IFF-FTXT. Nicht alle Formate werden jedoch vollständig unterstützt. Beim Text-Export hat man die Auswahl zwischen ASCII, RTF, WordWorth, IFF-CTXT und IFF-FTXT.

Nicht immer funktioniert jedoch das Importieren problemlos. So konnte sogar ein mit PageStream 2.2 gespeichertes Dokument nicht richtig importiert werden. Die Plazierung mancher Textblöcke war falsch.

Texte

Bei DTP-Programmen werden die Textteile eines Dokumentes üblicherweise in sog. Textrahmen zusammengefaßt. Ein solcher Textrahmen ist ein rechteckiger Bereich wie zum Beispiel die Spalte einer Zeitung, innerhalb derer der Text frei fließen kann. Das bedeutet, daß der Zeilenumbruch innerhalb eines Absatzes vom Programm automatisch erfolgt. Auch die Worttrennung kann man automatisch durchführen lassen. Ändert sich ein solcher Textrahmen in seiner Ausdehnung, dann wird der darin befindliche Text sofort den neuen Gegebenheiten angepaßt. Mehrere solcher Textrahmen können verkettet werden, sodaß der Text von einem Rahmen in den nächsten fließen kann. So zum Beispiel von der ersten in die zweite Spalte oder auf eine neue Seite. Solche Textrahmen können entweder händisch plaziert werden oder man läßt sie sich von PageStream automatisch anlegen. Zum Beispiel für ein dreispaltiges Dokument.

PageStream ermöglich es jedoch auch Text außerhalb von Textrahmen zu platzieren. Dabei muß man dann jedoch den Zeilenumbruch händisch vornehmen. Diese Art ist oft für Überschriften oder zum Beschriften von Grafiken nützlich.

PageStream für den Amiga unterstützt drei Zeichensatzsysteme: Compugraphic Intellifont, PostScript Type 1 (Windows oder MS-DOS-Format) und das von früheren Versionen des Programms verwendete PageStream DMF-Format. Auch Windows TrueType-Fonts können verwendet werden wenn man sich die extra zu erwebende Font-Engine besorgt. Zahlreiche Zeichensatzfamilien sind beim Programm enthalten, sodaß man nicht gleich auf externe Zeichensatz-Ressourcen zuzugreifen zu braucht, solange man keine besonders ausgefallenen Wüsche hat.

Grafiken

Auch die notwenigen Funktionen zum Erstellen einfacher Vektor-Zeichungen oder Ausschmückungselemente sind in PageStream bereits integriert. Neben den obligatorischen Elementen wie Linie, Rechteck, Kreis und Ellipse können auch Kreissegmente, Vielecke, Polygone, Sterne, Bézier-Kurven usw. erzeugt werden. Die Linienbreite, Linienart und die Form des Linienabschlusses können individuell eingestellt werden. Sehr reizvoll ist es auch, soche Grafikobjekte als Textrahmen zu verwenden. Das heißt, daß hiermit Textrahmen beliebiger Form erzeugt werden können innerhalb derer der Text fließt. Auch kann man den Text um Grafiken fließen lassen.

Farbe

Auch farbige Gestaltung ist kein Problem. Die Farben können nach verschiedenen Verfahren ausgewählt werden: RGB, CMYK, HSV, HLS und auch PANTONE®. Besitzer einer Grafikkarte können PageStream auf einem 24-Bit Screen betreiben und so schon beim Erstellen des Dokumentes die endgültige Farbwirkung sehen.

Ausdruck

Für das Drucken stellt PageStream eigene Treiber zur Verfügung, kann jedoch notfalls auch mit den Workbench-Druckertreibern arbeiten. Eigene Treiber gibts für zahlreiche HP- und Epson-Modelle sowie für verschiedene Fargo und Postscript-Drucker. Eine weitere Möglichkeit ist der Ausdruck in eine IFF-ILBM-Datei.

Bedienoberfläche

Auf einer PicassoIV-Grafikkarte bei einer Auflösung von 1024×768 Punkten und 24 Bit Farbtiefe läßt sich gut arbeiten. Für Dokumente mit wenig Farben oder wenn eine exakte Farbdarstellung am Bildschirm nicht von solcher Bedeutung ist, dann kann man z.B. auch einen Screen mit einer Auflösung von 1280×1024 und 8 Bit Farbtiefe verwenden und hat Platz für mehr Bedienelemente sowie eine feiner aufgelöste Schrift. Dabei tritt jedoch auch ein Mangel der PageStream-Bedieneroberfläche auf: Sie ist nicht vollkommen Font-sensitiv. Das bedeutet, daß in zahlreichen Einstellfenstern stur der Topaz 8 Zeichensatz oder der mit PageStream mitgelieferte SoftLogik-Font verwendet werden. Diese sind jedoch so klein, daß man bei größeren Auflösungen damit nicht ergonomisch arbeiten kann. Dieses Verhalten ist eigentlich für ein heutiges Programm nicht mehr tolerierbar. Ansonsten findet man sich in der Bedienoberfläche aber schnell zurecht und man kommt bald zu seinem gewünschten Ergebnis. Auch eine Online-Hilfe im HTML-Format sammt zugehörigem Anzeigeprogramm ist vorhanden. Zahlreiche Werkzeugleisten und nichtmodale Auswahlfenster können immer aufgeblendet bleiben und ermöglichen eine schnelle Auswahl der gewünschten Funktion. Natürlich existiert auch eine ARexx-Schnittstelle und einige Skripts sind bereits enthalten. Diese können komfortabel über ein eigenes Fenster gestartet werden.

Die Stabilität des Programms ist recht hoch. Nur gelegentlich kam es zu Abstürzen. Nach der Installation des Patches auf die Version 3.3a verschwanden auch diese. Jedoch kommt es jetzt bei einer expliziten Bildschirmaktualisierung mit der F10-Taste gelegentlich zum vollständigen Hängen des Programms. Glücklicherweise besitzt PageStream die Möglichkeit in bestimmten Zeitintervallen automatisch zu sichern, sodaß im Fall eines Absturzes nicht alles verloren ist.

Geschwindigkeit

Soft-Logik empfielt für das Programm einen AGA-Amiga mit einem 68060 Prozessor, AmigaOS 3.1, 8 MB RAM und 8 MB oder mehr freien Festplattenplatz. Außerdem wird ein PostScript-Drucker für die Ausgabe empfolen. Jedoch kann man auch mit Systemen weniger Leistung noch vernünftig arbeiten, wenn man nicht zu aufwendiges vor hat. Als Mindestanforderung wird ein Rechner mit 68000 Prozessor, AmigaOS 2.04, 4 MB RAM und 4 MB freien Festplattenplatz angegeben.

Das Eingeben von Text direkt in PageStream ist auch mit einem 68060 Prozessor zäh. Deshalb sollte man seinen Text zuerst im mitgelieferten Editor PageLiner verfassen und dann zur Formatierung in PageStream übernehmen.

Fazit

Aufgrund seiner zahlreichen Funktionen die hier nur zu einem geringen Teil angesprochen werden konnten, ist das Programm für jeden, der aufwendige und professionelle Dokumente höchster Qualität gestalten will zu empfehlen auch wenn es in manchen Bereichen wie der Sprachunterstützung noch einige Mängel gibt (Rechtschreibprüfung und Trennmuster nur auf amerikanisch enthalten). Auch eine Font-sensitive Oberfläche wäre wünschenswert.


Ausstattung der Testrechner:
[PageOval]
Amiga 4000, AmigaOS 3.1
Prozessorkarte CyberStorm MK II, MC 68060, 50MHz
2 MB Chip, 16 MB Fast RAM
4 GB SCSI-II Festplatte
Picasso IV Grafikkarte, Picasso 96 Treibersoftware
Ariadne Netzwerkkarte
A2368 SX Brückenkarte

Amiga 4000, Amiga OS 3.0
Prozessor MC 68040, 25 MHz
2 MB Chip, 16 MB Fast RAM
1 GB IDE Festplatte
CyberVision 64 Grafikkarte, Picasso 96 Treibersoftware
A2065 Netzwerkkarte

CD³² mit SX 32, Amiga OS 3.1
2 MB Chip, 8 MB Fast RAM
170 MB IDE Festplatte


Verwendete Drucker:

HP LaserJet 5MP (PostScript Level 2 sowie PCL 5)
Epson Sylus Color 400

Thomas Öllinger ...........

 
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