![]()
|
![]()
|
|
|
|
||
Draw Studio 2.0Zur beliebtesten Software-Gattung am Amiga zählen wohl die Grafikprogramme. Während auf anderen Computersystemen jedoch hauptsächlich strukturierte Zeichenprogramme eine starke Position einnehmen konzentrieren sich diese auf dem Amiga eher auf die pixelorientierten Malprogramme. Mit DrawStudio gibt es jetzt jedoch auch auf dem Amiga wieder ein leistungsfähiges strukturiertes Zeichenprogramm oder Vektor-Zeichenprogramm wie diese auch oft bezeichnet werden. Im Gegensatz zu den Malprogrammen wird hier die Zeichnung aus exakten geometrischen Figuren wie Linie, Rechteck, Kreis, Ellipse usw. zusammengesetzt. Die Koordinaten und Dimensionen dieser Objekte merkt sich das Programm und sie können nachträglich in ihrer Form und Größe verändert sowie dupliziert werden. Malprogramme haben zwar auch Funktionen zum Zeichen von Linien, Rechtecken, Kreisen, jedoch dienen diese nur dazu, die entsprechenden Punkte auf dem Bildschirm zu setzen. Nachdem ein Malprogramm eine Linie gezeichnet hat weiß es von dieser nichts mehr und sie kann deshalb nachträglich nicht mehr in ihren Eigenschaften verändert werden. Eine weitere Eingenschaft, die Zeichungen von strukturierten Zeichenprogrammen gegenüber denen von Malprogrammen hervorhebt ist die Tatsache, daß jene beliebig skaliert werden können, ohne daß unschöne Treppen auftreten. Getestet wurde die CD-Version von DrawStudio 2.0. Auf der CD befindet sich noch die Vorgängerversion. Die aktuelle Version 2.0 wird auf zwei Disketten, zusätzlich zur CD mitgeliefert. Auf einer dritten Diskette sind noch nützliche Zusatzprogramme wie eine registrierte Version von MetaView, mit dem man verschiedene Zeichenformate ansehen, drucken und konvertieren kann enthalten. Die Installation erfolgt dank Standard-Installer einfach und schnell jedoch leider nur auf englisch. Die Bedienoberfläche von DrawStudio selbst ist jedoch auch auf deutsch verfügbar. Wenn man das Programm das erste mal startet sollte man zuerst eine zur Hardwareausstattung des eigenen Rechners passende Bildschirmauflösung und Farbtiefe wählen, denn standardmäßig ist hier ein 16 farbiger Interlace Screen -- der kleinste gemeinsame Nenner -- voreingestellt. Unabhängig von der gewählten Bildschirmdarstellung arbeitet das Programm intern jedoch immer mit 24 Bit Echtfarben, sodaß auch auf Rechnern die keine Grafikkarte besitzen qualitativ hochwertige Zeichnungen erstellt werden können. Die Bedieneroberfläche basiert auf MUI (mitgeliefert) und ermöglicht somit eine flexible Anpassung an die jeweiligen persönlichen Vorstellungen. Hier muß jedoch unbedingt beachtet werden, daß für die DrawStudio-Fenster als Refresh-Art immer smart eingestellt ist, denn die Einstellung simple führt zum Blockieren des Programms, wogegen nur mehr ein Neustarten des Rechners hilft. DrawStudio ermöglicht, wie auch bei CAD-Programmen üblich, das Arbeiten in verschiedenen Ebenen (Layers). So können Teile der Zeichung ausgeblendet sowie unabhängig von anderen bearbeitet werden. Leider können Zeichnungselemente nicht einfach von einer Ebene auf eine andere übertragen werden. Man muß dazu immer über das Clipboard gehen, was bedeutet, daß das Objekt neu Positioniert werden muß. Positiv hingegen ist, daß bis zu 10 Projekte gleichzeitig geöffnet werden können und jedes Projekt zusätzlich mehrere Seiten umfassen kann wobei auch jede Seite eine andere Größe besitzen darf. DrawStudio bietet neben den üblichen Zeichenprimitiven wie Linie, Ellipse, Rechteck usw. auch Bézier-Kurven mit denen komplexe Objekte erstellt werden können. Das Werkzeug zum Erstellen der Bézier-Kurven wird auch zum Zeichnen von Polygonzügen verwendet. So können je nachdem ob man beim Ziehen mit der Maus die linke Taste gedrückt hält oder nicht, Linien und Kurvensegmente aneinandergereiht werden. Diese lassen sich auch nachträglich verändern. Hier würde man sich jedoch mehr Möglichkeiten wünschen. So kann ein Liniensegment nachträglich nicht mehr in eine Kurve oder umgekehrt verwandelt werden und man muß deshalb umständlich mit Auftrennen und Zusammenfügen arbeiten. Auch gibt es keine Unterstüzung dafür zwischen Geraden- und Kurvensegmenten bzw. zwischen zwei Kurvensegmenten eines Bézier-Objektes glatte Übergänge zu erzwingen. Die Linienstärke kann bei allen Objekten festgelegt werden. Einige gängige sind bereits vorgegeben und können schnell ausgewählt werden. Jedoch kann sie auch individuell angegeben werden, wenn einem die Vorgaben nicht ausreichen. Weitere Attribute, die man festlegen kann sind die Linienart wie ausgezogen, strichliert, strichpunktiert usw. sowie die Endabschlüsse einer Linie oder Kurve. Diese können für beide Enden einzeln ausgewählt werden. Hier fehlt jedoch die Möglichkeit einer individuellen Gestaltung. Als Vorgaben stehen ein Runder und ein Eckiger Linienabschluß, sowie verschiedene Pfeile und Ähnliches zur Auswahl. Für eine effektvolle Gestaltung der Zeichnung ist man mit DrawStudio gut ausgerüstet. So können aufwendige Farbverläufe innerhalb und mit der Duplizierfunktion sogar über mehrere Objekte hinweg erstellt werden. Auch die Kombination von Pixel- und Vektorgrafik ist möglich. Bitmaps können eingebunden werden und Objekte können mit Bitmaps und Mustern gefüllt werden. Als Füllmuster werden 8x8 Pixel große Bitmaps verwendet. Ein Füllen mit vektoriell erstellten Mustern so wie bei CAD-Programmen üblich währe jedoch zusätzlich wünschenswert. Als besondere Eigenschaft ist auch die Möglichkeit zu erwähnen, mit Transparenz zu arbeiten. So kann beispielsweise die Deckkraft der Farben eingestellt werden. Das Programm verwendet in seinen Zeichungen für die Texte ausschließlich Postscript Type 1 Zeichensätze welche sich durch hohe Ausgabeqalität auszeichnen, da auch deren Hints ausgewertet werden. Amiga Bitmap- und Compugraphic-Fonts werden nicht unterstützt. Das keine Bitmap-Fonts verwendet werden können ist bei einem vektororientierten Programm einsichtig jedoch währe die Verwendbarkeit der Agfa Compugraphic-Fonts troz der im Handbuch angeführten Einwände einer unvorhersehbaren Ausgabequalität wünschenswert. Überhaupt weiß DrawStudio mit den am Amiga etablierten Dateiformaten wenig anzufangen. So können zwar Zeichnungen in dem am Amiga als Standard geltenden DR2D-Format gelesen, jedoch nicht gespeichert werden. So wird das Einbinden von Zeichnungen die mit DrawStudio erstellt wurden in andere Programme erschwert. Der mitgelieferte Konverter MetaView kann wiederum das DrawStudio-Format nicht lesen und hilft somit auch nicht weiter. Wenigstens können die Zeichnungen im PostScript-Format exportiert werden. Hierbei kann man festlegen ob normales PostScript für die Druckerausgabe oder EPS, das sich zum Einbinden in Desktop-Publishing Systeme eignet, erzeugt werden soll. Das exportieren im PostScript-Format erkauft man sich jedoch mit einigen Einschränkungen. So gehen dabei gewisse Eigenschaften wie die Tranzparenz von Farben und das Füllen von Objekten mit BitMaps verloren. Diese Einschränkungen liegen aber dem PostScrip-Format zu Grunde und können nicht DrawStudio angelastet werden. Auch bei einem Export ins DR2D-Format müßte man, falls sich die Programmierer in einer späteren Version doch noch dazu entschließen können diese Funktion zu integrieren mit einigen Einschränkungen rechnen, was aber ein gänzliches Fehlen dieser Funktion nicht rechtfertigt. Neben den Vektorformaten kann eine Zeichnung auch noch als BitMap-Grafik z.B. im Amiga-Standardformat ILBM exportiert und so in Programme übernommen werden, die nichts von Vektorgrafiken verstehen. Die Auflösung der zu erstellenen BitMap-Grafik kann frei eingestellt werden. Neben den Zeichenwerkzeugen sind auch die Zeichenhilfen für die Leistungsfähigkeit eines Programmes von Bedeutung. Hier bietet DrawStudio Lineale, Raster und Fanghilfen. Die Linieale können einzeln ein- und ausgeblendet, sowie auf verschiedene Maßeinheiten eingestellt werden. Auch der Rasterabstand kann sowohl horizontal als auch vertikal getrennt verstellt werden. Ein Drehen des Rasters ist jedoch nicht möglich. Eine besondere Hilfe beim Zeichnen regelmäßiger Objekte ist das Einschnappen auf Rasterpunkte. Einen guten Ansatz um genaue Zeichnungen erstellen zu können stellt die von CAD-Programmen bekannte Möglichkeit dar, bestimmte Punkte anderer Objekte zu fangen. So kann eine Linie ganau an eine andere oder an eine Kurve angesetzt werden. Das Programm verändert dabei den Mauszeiger um anzuzeigen welcher Fangmodus gerade aktiv ist. Insbesondere diese Fangmöglichkeiten machen Appetit auf mehr. Hier könnt man für die nächste Version ansetzen und diese Funktionalität weiter ausbauen. So wäre es sehr hilfreich wenn auch noch die restlichen von CAD-Programmen bereitgestellten Fangmöglichkeiten wie Schnittpunkt zweier Objekte, Mitte einer Linie, Quadrantenpunkte eines Kreises usw. unterstützt würden. Nachteilig für exaktes Arbeiten ist jedoch, daß die Koordinaten nicht per Tastatur eingegeben werden können. Nur schon gezeichnete Objekte können nachträglich umständlich über einen Einstellungsdialog mittels direkter Koordinatenangabe verändert werden. Einen Pluspunkt bekommt das Programm für seine ARexx-Fähigkeit. Damit kann man sich Skripte schreiben, die einem das Leben erleichtern. Außerdem sind damit Dinge möglich, die man mit der Hand nur sehr mühsam oder überhaupt nicht erledigen kann. Auf die Möglichkeiten dieser Schnittstelle werden wir in einer der nächsten Ausgaben von AmigaScene noch genauer eingehen. Die Ausgabe auf dem Drucker erfolgt sowohl in Farbe als auch in Graustufen mit sehr hoher Qualität, insbesondere wenn man TurboPrint besitzt, denn dieses wird von DrawStudio direkt unterstützt. Allerdings braucht man dafür viel Geduld. Schneller geht es da wenn man einen PostScript-Drucker verwendet, denn der PostScript-Export ist im nu fertig. Bei der praktischen Arbeit merkt mann schnell, daß für ein angenehmes Arbeiten ein flotter Rechner erforderlich ist. Bei etwas aufwendigeren Zeichnungen muß man auch auf einem mit 68060 bestückten Rechner und schneller Grafikkarte warten bis der Bildausschnitt neu gezeichnet ist. Leider läßt auch die Stabilität des Programms zu wünschen übrig. So mußte der Rechner wärend des Erstellens einer Testzeichnung mehrmals neu gebootet werden. Weiters kann es sogar passieren, daß spezielle Kurven das Programm so durcheinander bringen, daß nicht mehr ordnungsgemäß weitergezeichnet werden kann. Dann hilft nur mehr das Löschen dieses Kurvenzuges. Diese Mängel bedürfen unbeding einer umgehenden Nachbesserung seitens der Autoren und eines kostenloser Bugfix via Aminet um den ansonsten guten Gesammteindruck des Programmes nicht zu schmälern. Die beiliegende deutsche Bedienungsanleitung ist übersichtlich gestaltet und aufgrund der vielen Abbildungen findet man sich schnell im Programm zurecht. Auf der mitgelieferten CD finden sich weitere Leckerbissen für grafische Arbeiten. Einerseits ist dort ein umfangreiches Archiv von Clip-Arts, sowie BitMaps untergebracht und außerdem eine registrierte Version von ImageStudio, ein Bildbearbeitungsprogramm, das sich insbesondere durch die Fähigkeit auszeichnet auch große 24-Bit-Bilder, wie man sie nach dem Scannen erhält zu bearbeiten, weil es mit einer virtuellen Speicherverwaltung arbeitet. Auch für ImageStudio wird eine gedruckte Anleitung mitgeliefert welche im Gegensatz zu der von DrawStudio aber in englischer Sprache verfaßt ist. Auch die Bedienoberfläche des Programms ist nur englisch. Auf die Fähigkeiten von ImageStudio einzugehen würde jedoch den Rahmen dieses Testberichtes sprengen. Vielleicht widmen wir uns in einer der nächsten Ausgaben speziell diesem Programm. Ausstattung der Testrechner: Amiga 4000, AmigaOS 3.1 Amiga 4000, Amiga OS 3.0 CD³² mit SX 32, Amiga OS 3.1 |
||
|
Thomas Öllinger ........... |
||
....
|
![]()
|