Testberichte

2. Hardwaretest: Scandoubler »AmiScan« (von Christian Hoklas)

»Einleitung

Der AmiScan ist ein Scandoubler für alle Amigas. Er wird am RGB-Port angeschlossen und verdoppelt die 15kHz-Modi auf 31.5kHz. Damit wird es möglich, (fast) alle Standard-VGA- oder Multiscan-Monitor an den Amiga anzuschließen. Man benötigt den Scandoubler z.B., wenn man nicht systemkonforme Programme wie Spiele oder Demos auf seinem Rechner starten will, die auf PAL oder NTSC bestehen. Auch das Bootmenü und die Guru- Meldungen werden mit 15kHz angezeigt und wären ohne Scandoubler nicht darstellbar.

Technische Daten

Installation

Die Installation ist sehr einfach. Eigentlich reicht simples Einstecken des Scandoublers an den RGB-Port des Amiga und Anschließen des Monitors am anderen Ende und schon kann's losgehen. Es kann aber sein, dass man an einem Trimmer an der Gerätrückseite noch Anpassungen machen muss. Dies ist aber nur bei einigen Amiga-Modellen zu tun und sehr einfach. Man benötigt einen normalen Minischraubenzieher und ein ruhiges Händchen. Mit ein paar Umdrehungen am Trimmer ist man auch damit fertig und das Bild steht ruhig auf dem Monitor. Mit Hilfe eines Jumpers, der auch von außen zugänglich ist, kann man den Scandoubler auch einen invertierten Takt erzeugen lassen. Dies kann auf einigen Monitoren zu einer besseren Bildqualität führen.

Ein Problem mit der Installation haben nur die Amiga-User, die ihr Netzteil schon ohne AmiScan an der Leistungsgrenze fuhren. Da nämlich AmiScan seine Stromversorgung vom Amiga-Netzteil bezieht, kann das Originalnetzteil überlastet werden. Hier wird dann eine Anschaffung eines "Power-Netzteils" nötig.

Die Anleitung, die einem bei der ohnehin sehr einfachen Installation behilflich ist, besteht aus einem A4-Blatt, welches beidseitig bedruckt ist. Sie ist in verständlichem Deutsch geschrieben und man hat keine Probleme beim Lesen, wie z.B. bei Produkten aus Fernost.

Betrieb

Wichtig ist bei einem Scandoubler auch, wie es mit der Bildqualität aussieht. Diese ist annehmbar. Leider kann man einige senkrechte Streifen auf dem Bildschirm erkennen. Diese lassen sich zwar durch Drehen am oben beschriebenen Trimmer reduzieren, mir ist es aber nie gelungen, sie ganz "wegzudrehen". Es kann sein, dass man die Streifen auf anderen Amigas "wegdrehen" kann und dieses Problem nur bei mir auftritt. Ich kann also nichts Allgemeingültiges dazu sagen. Sonst kann man an der Bildqualität nichts aussetzen. Auch im Langzeittest lässt die Bildqualität nicht nach.

Die Verdopplung der Zeilenfrequenz wird natürlich nur bei 15kHz-Modi wie PAL, NTSC oder Euro36 aktiv. Die anderen Modi mit höherer Frequenz werden durchgeführt. Der Super72-Modus wird z.B. auch durchgeführt, ist aber auf Standard-VGA-Monitoren nicht darstellbar, da er eine 24kHz-Zeilenfrequenz hat. Eine rote LED auf dem Gehäuse des Scandoublers zeigt, ob ein Screenmode durchgeführt oder verdoppelt wird.

Ein Manko, das aber sehr stark auffällt, ist eine gewisse Vorwärmzeit des Scandoublers. Kurz nach dem Einschalten ist das erzeugte Bild des Scandoublers sehr unruhig. Erst nach ca. 3-5 Minuten "Vorglühzeit" steht das Bild. Das Wort "vorglühen" kann man fast wörtlich nehmen, da der Scandoubler bei Betrieb ziemlich heiß wird. Einige Millimeter über dem Scandoubler konnte ich mit einem Thermometer eine Temperatur von über 45°C messen. Damit macht er fast der CPU Konkurrenz. Die hohe Temperatur wird wahrscheinlich dadurch verursacht, dass es in der ca. 5.5x10x2 (BxTxH in cm) großen Box keine Lüftungsschlitze gibt.

Eine weitere Einschränkung gibt es bei der Darstellung des SuperHires- Modus. Hier wird nur jedes zweite Pixel verdoppelt. Die Darstellung wird dadurch extrem in der Qualität gemindert. Ich würde aber sagen, dass dies kein sehr großer Verlust ist, da dieser Modus wohl von nur sehr wenigen benutzt wurde.

Flickerfixer

Ich habe nur die Scandoubler-Version vom AmiScan getestet, und kann deshalb keine Aussagen zur Bildqualität bei den entflickerten Modi machen. Deshalb hier nur nochmal kurz die Funktionen des Flickerfixers. Der AmiScan wird auch in der Scandoubler-Version schon mit aller Hardware für einen Flickerfixer ausgeliefert. Das Einzige was fehlt sind zwei FRAM-Module für den Vollbildspeicher, die man auch nachträglich kaufen und nachstecken kann.

Zum Öffnen des Scandoublers/Flickerfixers wird ein Kreuzschlitzschraubenzieher benötigt. Es sind zwei Schrauben zu lösen und schon kommt man an den wertvollen Inhalt. Nach dem Nachrüsten verdoppelt der Flickerfixer alle 15kHz-Modi. Also wird nur das Interlaced-Flimmern bei PAL, NTSC und Euro36 eliminiert. Alle anderen Modi flimmern auch weiterhin. Trotzdem ist der Flickerfixer nützlich, da man den PAL-Interlaced-Modus benutzen kann, ohne auf den deutlich langsameren DblPal-Modus zurückgreifen zu müssen.

Bewertung

Die Bildqualität ist annehmbar, die Installation einfach und die Aufrüstbarkeit zum Flickerfixer einmalig. Eigentlich gibt es keine Alternative (bis auf Konkurrenzprodukte), wenn man einen qualitativ hochwertigen Monitor an seinen Amiga anschließen will.

Anbieter

Vesalia Computer
Industriestraße 25
D-46499 Hamminkeln

Tel.: (02852) 914010-14 Fax.: (02852) 1802
http://www.vesalia.de

Preis: 179,- DM

Testgerät

Amiga1200 von AT
Belinea 10-50-76
AmiScan-Scandoubler ohne Flickerfixer

Für Fragen bin ich immer offen, schreibe an meine E-Mail-Adresse:

CHoklas@T-Online.de
http://home.t-online.de/home/CHoklas«