AMIGA-aktuell-Forum

4. Reaktion auf den Leserbrief von Alexx Riedel (von Tobias Weihmann)

»In seinem Leserbrief in der Amiga Aktuell 6/98 befaßte sich Alexx mit den Systemen, gegen die sich ein Intel-AmigaOS durchsetzen müßte, Windows, Linux, OS/2, BeOS usw.

>Also, wie soll sich ein AmigaOS auf Intel-Plattformen durchsetzen, sei es
>bei >Anwendern oder Entwicklern? Da müßte es schon einiges zu bieten
>haben. Das
>Softwarefundament an alter Amiga-Software, welches ohnehin wie bei UAE
>emuliert >werden müßte, kann gegen obige Konkurrenten schon mal kein
>Argument sein

Ich glaube, daß wir mit dem Wort "durchsetzen" vorsichtig sein sollten. Der Amiga hat zur Zeit keinerlei realistische Chancen, sich gegen die etablierten Systeme "durchzusetzen". "Durchsetzen" - dieses Wort wird mir dauernd von Wintel-Besitzern entgegengeworfen, z.B. in "Du glaubst doch nicht wirklich, daß sich der Amiga auf dem Markt durchsetzen könnte???"

Nein, sage ich dann, das glaube ich nicht. Warum denn "durchsetzen"? Ich wünsche mir eine moderne Alternative zu Windows, für die genügend aktuelle Software existiert. "Durchsetzen" ist ein negativer Begriff. Ich bin gegen ein System, das die anderen "vom Markt verdrängt" oder "den Markt beherrscht", aber genau das impliziert "durchsetzen". Jeder soll sich das System raussuchen können, das ihm am besten paßt: "We demand choice!". Wenn Wahlfreiheit herrscht, werden die meisten Leute auch zu den Systemen gehen, die ihnen bei der Arbeit am besten behilflich sind, mag das AmigaOS heißen oder sonstwie.

Zur Zeit existiert eine solche Wahlfreiheit nicht. Firmen wie Microsoft erfinden immer neue proprietäre Formate, um plattformübergreifendes Arbeiten zu erschweren bzw. unmöglich zu machen. So werden viele gezwungen, Microsoft-Systeme zu verwenden, um den reibungslosen Austausch mit der Arbeitsstelle oder den Kollegen zu gewährleisten.

Und wie schafft man nun diese Wahlfreiheit? a. Man muß standardisierte Austauschformate (auch plattformübergreifend) forcieren! b. Man muß durch Schichtenmodelle und Objektorientierung die Softwareportierung möglichst einfach gestalten. c. Plattformunabhängige Codes und Sprachen wie Java müssen optimiert und gefördert werden. d. Jeder User sollte in der Lage sein, beliebige Hardware-Erweiterungen (GFX, Sound etc.) mit seinem Rechner zu verwenden. Dies sollte ebenfalls durch Protokolle geregelt und forciert werden.

Dies würde uns geradewegs in Marc Böttchers Traum aus der letzten Ausgabe befördern. Ein Leser mailte mir seine Furcht vor solchen Systemen: Es wäre dann ja für jeden leichter, seinen Amiga, Mac oder was weiß ich zu verscherbeln und auch auf Windoze umzusteigen. Da kann ich nur sagen: Das ist nicht unsere Art, sonst würden wir uns hier schon lange nicht mehr unterhalten. Man kann Menschen nicht durch künstliche Barrieren zwingen, einem System die Treue zu halten. Das beste Beispiel hierfür ist die ehemalige DDR.

Mit besten Grüßen Tobias Weihmann«