AMIGA-aktuell-Forum

7. Leserbrief zu den Entscheidungen von AMIGA, Inc. (von Alexx Riedel)

»Kaum hatte ich da meine letzte Mail fertig, in der ich für die Verwendung von Standardkomponenten im neuen Amiga plädiert habe, kam jene überraschende Pressekonferenz auf der WoA: Plötzlich war alles anders: Das, was Petro T. bislang, nach langem Zögern, als Marschroute vorgegeben hatte (PowerPC), war scheinbar nichtig, der neue Amiga soll ein Intel-Rechner sein. Zusätzlich wurden irgendwie, dank der gelungenen "Informationspolitik" von Amiga, Inc./Int., Gerüchte über einen neuen Super-Duper-Hyper-Amiga laut, der Ende nächsten Jahres erscheinen soll. Ich weiß nicht mehr, wem von Amiga ich jetzt überhaupt noch glauben darf, aber lassen wir das mal beiseite. Nur eins: Ich habe die dauernden leeren Versprechungen satt, ich brauche mal eine Perspektive!

Als ich in der letzten Mail eine Lanze für Standardkomponenten (PCI, Grafik- und Soundkarten) brach, hatte ich nie die Verwendung eines Standard-Intel-Boarddesigns im Kopf, sei es nun als Maschine nur für Entwickler oder als Enduser-Computer. AmigaOS auf Intels? Schauen wir uns mal die Konkurrenz an:

1. Windows: Was auch immer man gegen dieses "Betriebssystem" sagen kann - Win95/98 ist nun mal sowieso bei praktisch jedem verkauften PC dabei. Es gibt Treiber und Programme für alles (wer eine Grafikkarte kauft, kriegt eine Sammlung Spiele mit, wer einen Scanner kauft, erhält auch eine CD mit der nötigen Software). Wer die dauernden Abstürze leid ist, und auf Spiele verzichten kann (DirectX), der nimmt halt dann Win NT, ein für Microsoft-Verhältnisse ziemlich ausgereiftes OS. Quantität statt Qualität setzt sich halt durch. Ist so, leider, der Normal-Computer-User kriegt ja gar nicht mit, was er versäumt.

2. Die Alternative für alle, die ein ernsthaftes Betriebssystem brauchen, ist Linux: Dank Unix-Kern stabil und problemlos ins Netzwerk zu integrieren, und viele andere Vorzüge. Die damit verbundene Komplexität braucht wegen sorgsam zusammengestellter Distributionen und der Oberfläche KDE den durchschnittlichen Computerbenutzer inzwischen auch nicht mehr zu beeindrucken. Dabei völlig kostenlos verfügbar und mit riesigem Software- und Treiberpool.

3. OS/2 hat sich ja nicht so durchgesetzt, kann aber als abschreckendes Beispiel dienen: IBM, der größte Softwarekonzern der Welt (nein, das ist NICHT Microsoft), hat es nicht geschafft, dieses - in jeder Hinsicht überlegene - Betriebssystem gegen Windows durchzusetzen.

4. Unter Exoten, die es wohl nie schaffen werden, fällt z.B. BeOS.

Also, wie soll sich ein AmigaOS auf Intel-Plattformen durchsetzen, sei es bei Anwendern oder Entwicklern? Da müßte es schon einiges zu bieten haben. Das Softwarefundament an alter Amiga-Software, welches ohnehin wie bei UAE emuliert werden müßte, kann gegen obige Konkurrenten schon mal kein Argument sein.

Zwar bin auch ich uneingeschränkt dafür, beim Design eines neuen Amigas keinerlei faule Kompatibilitätskompromisse einzugehen. Wozu so was führt, sieht man am besten am MS-DOS-Aufsatz Windows 95. Aber um einen dummen Spruch anzubringen: Amiga, Inc. scheint da den Teufel mit dem Beelzebub austreiben zu wollen (paßt der Spruch in dem Zusammenhang? Auf alle Fälle kommt er cool ;-) ). Nebenbei werden auch noch alle vor den Kopf geschlagen, die auf den PowerPC gesetzt haben.

Noch ein Kommentar zu einem Leserbrief: Da lese ich doch, daß jemand ein Amiga-proprietäres Bussystem bevorzugt, weil dann Amiga-Spezialitäten wie die Cybervision64/3D oder die PicassoIV weiterentwickelt werden könnten. Wow, das ist gewagt: Was ist denn eine der o.a. Grafikkarten anderes als ein Standard-PCI-Chip, der mit Müh´ und Not (und Performance-Verlusten) auf den Zorro-Bus getrimmt worden ist? So speziell sind diese Boards auch nicht mehr: Im PC-Bereich ist der ViRGE (auf der CV64/3D) total veraltet, da geben andere Bausteine den Ton an. Der Amiga kann davon nicht profitieren, da müßte schon mal wieder jemand herkommen und ein völlig neues Board dafür konstruieren. Also, warum der Aufwand, warum nicht gleich PCI? BTW: Wenn das Plug´n´Play da manchmal nicht so klappt, ist die Schuld bei Windows zu suchen, nicht bei PCI!

CU

Alexx Riedel
mailto:101.128890@germany.net«