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Einen Tag nach Bekanntwerden der AMIGA-OS-3.1-Lizensierung meldete sich Phase 5 digital products mit folgender Ankündigung zu Wort:
»10. Maerz 1998
PHASE 5 DIGITAL PRODUCTS KÜNDIGT DIE ENTWICKLUNG DER PRE\BOX AN, EINES AUF POWERPC BASIERENDEN COMPUTERSYSTEMS MIT AMIGA OS 3.1
Neben der Fertigstellung geplanter Produkte, wie z.B. die CyberVisionPPC- und die BVisionPPC-Grafikkarten, hat PHASE 5 DIGITAL PRODUCTS die Entwicklung eines neuen Projekts gestartet, nämlich ein selbständiges auf PowerPC basierendes Computersystem mit Namen pre\box, welches mit dem lizensierten AMIGA OS 3.1 und einer weiterentwickelten Version der PowerUP- Systemsoftware ausgestattet sein wird, um für Amiga-Kompatibilität auf der Ebene von AMIGA OS/Workbench 3.1 unter CyberGraphX V3 zu sorgen.
"Die Lizenzvereinbarung, die wir mit Amiga International unterzeichnet haben, erlaubt uns, das Entwicklungprojekt dieser neuen Maschine zu beginnen, das wir seit einigen Monaten in der Entwurfplanung hatten. Es ist ein wichtiger Schritt zur Wiederbelebung des Amiga-Marktes, zur Ermutigung der Entwickler und zum Ausbau eines Marktes, der stark genug ist, sich selbst zu erhalten", sagt Wolf Dietrich, General Manager von PHASE 5. In einer gesonderten Veröffentlichung erklärt Dietrich, daß die A\BOX, das Langzeit-Technologie-Projekt von PHASE 5 DIGITAL PRODUCTS, zwar zurückgestellt, aber nicht aufgehoben wurde. "Das A\BOX-Projekt wird weitergeführt mit angepaßten Zielen und Eigenschaften und mit erweiterten Mitteln, die auf der erfolgreichen Einführung der neuen Produktlinien beruhen werden". Dietrich weist darauf hin, daß der Schlüssel für das Überleben des Amiga und des Amiga-Markts die frühest mögliche Verfügbarkeit neuer herausragender selbständiger Hardware-Produkte ist, ein Ziel, das mit dem Entwurf der pre\box erreicht werden soll. "Wir brauchen in der nächsten Zukunft einen expandierenden Markt, oder die Schlacht ist für das Amiga- Computersystem verloren", fügt er hinzu.
MIT DEM NÄCHSTEN SCHRITT IN RICHTUNG AUF POWERPC-MULTIPROCESSING STARTET DIE PRE\BOX IN NEUE LEISTUNGSDIMENSIONEN DURCH.
Die neuen pre\box-Maschinen zielen auf die mittleren und gehobenen Preis- Bereiche für PCs oder Personal Workstations, sind aber für unglaubliche Leistungen entworfen. Alle Systeme erscheinen als Multi-Prozess-Geräte mit wenigstens vier eingebauten PowerPC-CPUs, durch die eine extrem hohe Computerleistung zu einem außergewöhnlichen Preis/Leistungs-Verhältnis geboten wird. "Multi-Prozessor-Technik war eines der wichtigsten, wenn nicht gar DAS wichtigste Ziel für die Erzeugnisse von PHASE 5 DIGITAL PRODUCTS in den letzten 18 Monaten", erklärt Wolf Dietrich. "Genau hier bietet die alternative Technologie Vorteile und Überlegenheit über die üblichen Produkte auf dem PC-Markt. Während unsere derzeitige PowerUP- Produktlinie, die aus Aufrüstungskarten für existierende Maschinen besteht, dem Anwender hilft, sein System aufzurüsten und seine Investitionen in existierender Hard- und Software zu sichern, ist es eine Herausforderung, neue selbständige Hardware-Produkte zu bauen, die im Preis mit üblichen PCs mithalten können - besonders unter dem Eindruck, daß PC-Systeme regelmäßig zu Dumpingpreisen hinausgeworfen werden, und daß ein heute gekauftes PC-System in weniger als einem Jahr überholt und nahezu wertlos sein kann". Folgerichtig plant die Gesellschaft nicht die Herstellung von Einzel-CPU-Systemen, welche mit einem ähnlichen Leistungspegel der Intel-basierenden Systeme konkurrieren müßten, sondern will vollständig die Möglichkeiten ausnützen, die ihr die Hinwendung zum PowerPC bietet. "Entwickler, die sich schon heute der PowerPC-Gruppe anschließen, können ihre Produkte recht einfach für das Multiprocessing anpassen. Damit können wir zwei riesige Schritte - vom System mit der einzelnen 68k-CPU zum Mehrfach-PowerPC-System - innerhalb eines einzigen Jahres machen, ein eindrucksvoller Fortschritt für die Amiga-Gemeinde, die viele nicht für möglich gehalten haben", fügt Wolf Dietrich hinzu.
Das pre\box-System wird auf einem ATX-Motherboard in Normgröße entwickelt und erhält ein schnelles auf SDRAM beruhendes Speicher-Subsystem mit zunächst bis zu 100 MHz Zugriffsgeschwindigkeit. Abhängig von der Bus-Geschwindigkeit des verwendeten PowerPC-Prozessors läuft der Prozessorbus auch mit bis zu 100 MHz. Die vier PowerPC-Prozessoren, die auf einer getrennten CPU-Karte untergebracht sind, werden mit vorder- oder rückseitigen (inline or backside) Cache-Speichern ausgerüstet, je nachdem, welcher Prozessortyp tatsächlich verwendet wird. Da die Software des PowerUP-Systems eine Software-kontrollierte Cache-Zuteilung (cache coherency) besitzt, kann die pre\box sogar mit CPUs bestückt werden, die Hardware-seitig das Multiprocessing nicht unterstützen, wie die PPC603e oder die PPC750 (G3).
In das pre\box-System ist auch ein 3D-Grafik-Subsystem integriert, welches über ein 66-MHz-Bussystem PCI 2.1 mit einer Spitzen-Übertragungsleistung von 264 MB/s verbunden ist und acht MB Grafikspeicher aufweist. Mit diesem Gfx-Subsystem ist ein leistungsfähiger Standard für die Minimal- Konfiguration geboten, auf die sich Software-Entwickler verlassen können. Aber noch mehr: Auf dem gleichen 66-MHz PCI-Bus ist noch ein besonderer Steckplatz für eine auf Voodoo2 basierende 3D-Beschleunigerkarte, die direkt mit dem eingebauten Grafik-Chip verbunden ist. "Wir planen, entweder selbst oder in Zusammenarbeit mit anderen Herstellern, eine durch Voodoo2 unterstützte Lösung als mächtige Aufrüstungs-Option", kommentiert Wolf Dietrich. "Wir wollen die Forderungen ernsthafter Spieler nicht vergessen." Die ausgezeichneten Eigenschaften der Bildschirm-Darstellung werden ergänzt durch ein leistungsfähiges Klangsystem in CD-Qualität in Stereo mit weitreichenden Klangsynthese-Möglichkeiten.
Gleichfalls als Standard werden ein Ultra-Wide-SCSI-II-Controller und ein 100-Mbit-Ethernet-Controller integriert sein, wodurch die Verwendung der heutigen leistungsfähigen UW-SCSI-Geräte und der Anschluß an schnelle Netze möglich wird - Eigenschaften, die auch die Konzepte mit verteilten Multiprozessoren (distributed multiprocessing concepts) von PHASE 5 DIGITAL PRODUCTS unterstützen.
Um die Verwendung preiswerter Hardware-Erweiterungen zu ermöglichen, ist ein Standard-PCI-Bus mit drei Steckplätzen integriert. Dieser PCI-Bus läuft mit 66 MHz, er akzeptiert aber auch 33-MHz-PCI-Platinen. Durch den integrierten PCI-Bus ist die Entwicklung bester Hardware-Produkte für das pre\box-System ganz leicht; und noch mehr: Entwickler können vorhandene PCI-Geräte verwenden und sie einfach an das pre\box-System anpassen, indem sie die Software zur Unterstützung schreiben.
Es ist noch nicht entschieden, ob ein Sockel für eine optionale 68k-CPU auf der Platine sein wird. "Bei diesem Erzeugnis der nächsten Generation ist die Konsequenz für die Verwendung von 68k-Software die Emulation. Wir ermutigen ständig die Amiga-Entwickler, unsere neue MP-Technologie und die Richtlinien, die wir mit unserer PowerUP-Systemsoftware einführten, zu unterstützen, und diejenigen, die diesen Empfehlungen folgen, werden Anwendungsprogramme liefern können, die die ungeheuere Leistungsfähigkeit unseres entstehenden pre\box-Systems von Anfang an ausnützen. Hier müssen die Kräfte jetzt eingesetzt werden", sagt Wolf Dietrich.
Neben diesen hauptsächlichen Eigenschaften wird die pre\box alle üblichen Funktionen bieten, die man heute von einem Computersystem erwartet, wie schnelle serielle und parallele Schnittstellen, einen USB-Bus und eine EIDE-Schnittstelle für z.B. billige CD-ROM-Laufwerke oder zusätzliche billige Festplatten.
Die Markteinführung der pre\box ist vorgesehen für den Anfang des vierten Quartals 1998. Der zu erwartende Preis für das pre\box-System wurde schon ermittelt auf der Basis der derzeitigen Preise für PowerPC-Prozessoren. Derzeit ist geplant, die verschiedenen Versionen der pre\box zu folgenden empfohlenen Preisen anzubieten:
Diese Preise gelten für pre\box-Systeme in einem ATX-Minitower einschl. Maus und Tastatur sowie des AMIGA OS 3.1 und der PowerUP-Systemsoftware, ausschl. Speicher, Festplatte und CD-ROM. Für eine Anfangs-Konfiguration mit Speicher, Festplatte und CD-ROM (32MB, 4GB, 24speed) muß mit weiteren DM 750.- (US$ 375.00 oder UKŁ 275.00) gerechnet werden. "Natürlich können Preisänderungen und unterschiedliche Konfigurationen/Geschwindigkeiten durch Preisanpassungen bei PowerPC-CPUs und die Verfügbarkeit neuer und/oder schnellerer PowerPC-Prozessoren auftreten", fügt Wolf Dietrich hinzu.
Um Anwender, die PowerUP-Platinen in ihren Amigas haben, zu unterstützen und sie zu ermutigen, wird PHASE 5 DIGITAL PRODUCTS ihnen beträchtliche Nachlässe beim Kauf von pre\box-Systemen gewähren. "Wir möchten dem heutigen Anwender Sicherheit für seine Investition bieten. Offensichtlich müssen Amiga-Anwender und Entwickler heute eine schnell wachsende Basis von PowerUP-Systemen sehen, um den Entwicklungsfortschritt zu fördern. Wir wollen die Anwender ermutigen, schon jetzt in die PowerPC-Technologie zu investieren", meint Wolf Dietrich. Besitzer von PowerUP-Karten, die den Discount beim Erwerb einer pre\box in Anspruch nehmen, brauchen die Karte nicht zurückzugeben, sondern können ihren PowerUP-Amiga weiterhin als Einzelgerät verwenden oder sogar seine Fähigkeiten von der pre\box aus über ein Verbindungssystem verwenden, welches Bestandteil der pre\box sein wird, und mit dem im Netzwerk die Multi-Prozessor-Möglichkeiten der PowerUP- Systemsoftware nutzbar gemacht werden können.
Mit diesem neuen Produkt-Fahrplan und einer zu erwartenden Auswahl mächtiger und ausgezeichneter Gerätschaften unterstreicht PHASE 5 DIGITAL PRODUCTS seine Stellung als führender Neuentwickler für PowerPC-Hardware und Systemsoftware auf dem Amiga-Markt. "Wir wollen auch weiterhin den Amiga-Markt mit diesen Anstrengungen unterstützen", stellt Wolf Dietrich fest. "Teil unserer Bemühungen wird auch die Unterstützung der Entwickler sein und wir strengen uns an, sie zur Entwicklung für PowerUP zu ermutigen. Wir wollen alles mögliche tun, um die Entwickler beim Amiga zu halten und versuchen dazu, Entwickler zurückzuholen, die unsere Plattform verlassen haben oder die ihre Arbeit einstellten. Derzeitig erschienene Ausgaben von PowerUP-kompatibler Software, die von ihren Entwicklern innerhalb von nur einigen Wochen realisiert wurden, zeigen, wie leicht und effizient bestehende Programme portiert werden können, um die neue Prozessor- und Leistungsgeneration zu unterstützen. Um die Software-Entwickler zu überzeugen, müssen wir ihnen auch das Marktpotential und die Aussichten für die Zukunft zeigen, die wir ihnen bieten. Auch alle Anwender können diese Anstrengungen unterstützen, indem sie sich mit ihren bevorzugten Software-Händlern in Verbindung setzen und PowerUP-Versionen ihrer Programme verlangen."«
Die Übersetzung stammt von Gernod Schomberg. (Quelle des Originals: Phase 5 digital products)
Fazit:
Nun plant also auch Phase 5 ein AMIGA-kompatibles Computersystem. Offenbar
ist man mittlerweile zu der korrekten Auffassung gelangt, daß nur ein
Computer, der auch AMIGA-OS-Kompatibilität bietet, von der Mehrzahl der
AMIGA-Anwender akzeptiert wird. Insofern ist der Aufschub der A\Box (siehe
nächster Artikel), der aus meiner Sicht eher einer Einstellung des Projekts
gleichkommt, ein logischer Schritt. Denn was bringt den Nutzern von AMIGA-
Software die beste Hardware, wenn als Betriebssystem ein Unix-Derivat zum
Einsatz kommt? Nichts - es wäre kein AMIGA mehr.
Phase 5 bekennt sich in der obigen Erklärung eindeutig zum AMIGA OS. Egal, ob als native Emulation oder durch Verwendung eines 68k-Prozessors, wichtig ist, daß nahezu jedes AMIGA-OS-3.1-kompatible Programm auf der pre\box lauffähig ist. Nur so gelingt der Übergang zur nächsten Generation von AMIGA-Computern. Dabei ist es nicht unbedingt von Nachteil, wenn die Hersteller unterschiedliche Hardware-Konzepte verfolgen, viel wichtiger ist, daß bei jedem Rechner dasselbe Betriebssystem Verwendung findet: das AMIGA OS.
Auch die Gerüchteküche macht vor der pre\box nicht halt: Auf einer Macintosh-Seite im Internet war doch glatt zu lesen, daß einer verläßlichen Quelle zufolge bereits einige Prototypen des Rechners bei europäischen AMIGA-Anwendern im Einsatz seien. Wer's glaubt, kennt Phase 5 nicht...
Überhaupt scheint die Macintosh-Welt ein Auge auf das Gerät geworfen zu haben. Und das ist kein Zufall: Phase 5 verspricht nicht nur ein Preis/Leistungsverhältnis, das jedem PowerMac-Nutzer Tränen in die Augen schießen läßt, nein, der Hersteller will die von Haus aus nicht Multi- Prozessor-geeignete G3-Serie des PowerPCs (in diesem Fall den PPC750) eben mit dieser Fähigkeit ausstatten - auf Softwarebasis. Eine solche Lösung ist im Macintosh-Bereich derzeit nicht in Sicht.
Bevor jedoch die pre\box das Stadium der Serienfertigung erreicht, wird noch viel Zeit vergehen, sicher viel mehr, als uns Phase 5 mit dem genannten Termin "Anfang des vierten Quartals 1998" Glauben machen will. Nicht nur aus meiner persönlichen Sicht käme selbst das Erscheinen der pre\box in der ersten Hälfte 1999 geradezu einem Wunder gleich. Denn wenn Phase 5 bereits zwei Jahre benötigt, um ein Projekt wie PowerUp zur Serienreife zu führen, wie soll es bei vergleichbaren Rahmenbedingungen möglich sein, einen rundherum erneuerten AMIGA innerhalb weniger Monate auf den Markt zu bringen?