Amiga-Aktuell 02/98 - Test
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Softwaretest: "MysticView" (von Uwe Pannecke)

»Endlich mal ein Bildanzeiger für meinen Amiga. Das gab es ja noch nie...
Es ist zwar der 3425ste Bildanzeiger, aber er hat es in sich.

Um MysticView benutzen zu können, benötigt man mindestens OS 3.0, einen 68020-Prozessor, möglichst viel RAM (mind. 4 MB) und ein installiertes Datatypes-System. Natürlich werden auch schnellere Prozessoren und CybergraphX sowie Picasso96 unterstützt.

Das aktuelle MysticView-Archiv bietet entpackt neben dem Programm für die verschiedenen 68k-Prozessoren eine Amigaguide-Hilfe in Englisch und eine Installationshilfe.
Nach Doppelklick auf das Install-Icon landen die benötigten Bibliotheken im Verzeichnis LIBS, wird die passende Programmversion und die Amigaguide- Datei an frei wählbarer Stelle auf die Festplatte gebannt.


Und dann kann es losgehen.

Ich habe die 040er-Version unter CybergraphX 2.25 getestet.

MysticView öffnet bei erstmaligem Start ein Fenster auf der Workbench. Von diesem Fenster aus lassen sich sämtliche Funktionen des Programmes nutzen. Für alle Shell-Fetischisten gibt es natürlich auch die volle Kontrolle übers CLI.
Darüber hinaus sind viele Parameter auch in den ToolTypes des Icons speicherbar.

MysticView nutzt für die Anzeige die vorhandene Hardware nach Wunsch vollständig aus, so daß unter CyberGfx oder Picasso96 True-Color (also Millionen von Farben) kein Problem darstellt. Die Anzeige der Bilder erfolgt in akzeptabler Geschwindigkeit. CyberView ist etwas schneller, MultiView benötigt etwas mehr Zeit.

MysticView benutzt die Datatypes für die Bildanzeige. Deshalb können sämtliche Bildformate, für die ein Datatype im System installiert ist, dargestellt werden.
Von mir getestete Bildformate:
IFF-ILBM, GIF, JPEG, PNG, TIFF, EPSF, AMF.

Wenn die simple Anzeige von Bildern schon alles wäre, lohnte es sich kaum, MysticView zu erwähnen.

Aber das Programm bietet eine ganze Menge mehr:
Die Anzeige der Bilder selbst kann auf sehr flexible Art und Weise beeinflußt werden: z.B.

  • automatische Skalierung des Bildes auf Fenstergröße,
  • 1:1-Bildpixeldarstellung, unabhängig von Fenstergröße, wobei das Bild mit Hilfe der Maus beliebig im Fenster verschoben werden kann,
  • Beibehaltung oder Ignorierung der Seitenproportionen des Bildes,
  • horizontales und vertikales Spiegeln,
  • Zoomfunktion,
  • bei Farbreduzierung Nutzung aufwendiger Render- und Ditheralgorithmen
  • Fenster auf Workbench, Public- oder Custom-Screens
  • Unterstützung von drag'n drop,
  • und noch vieles mehr
Darüber hinaus kann auf einfachste Weise eine Dia-Show erzeugt werden. Einfach die gewünschten Bilder eines Verzeichnisses sowie die Zeitspanne zwischen den Bildwechseln wählen - fertig.
Über ein ListFile, d.h. ein einfaches Textskript läßt sich mit etwas mehr Aufwand auch eine anspruchsvolle Dia-Show veranstalten.

MysticView liegt mir für diesen Test in der Version 0.98a vor. Und als Beta-Version leistet es schon Erstaunliches.

Wo Licht ist, findet man auch Schatten. So auch bei MysticView. Das Programm hatte mit einigen meiner JPEG-Bilder erhebliche Probleme und brachte lediglich ein "error loading xxx.jpg". Erstaunlicherweise hatten MultiView, VT, CyberView und andere Bildanzeiger unter den gleichen Systemvoraussetzungen keine Probleme mit diesen Bildern. An den Datatypes kann es nicht gelegen haben, da MultiView ebenfalls auf diese zurückgreift. Bei den anderen getesteten Bildformaten gab es keine Probleme.
Ein zweiter Schwachpunkt ist die fehlende Rückmeldung über den aktuellen Status des Programmes. Dies macht sich insbesondere bei unbekannten Bildformaten störend bemerkbar. MysticView ignoriert diskret das Bild. Der User weiß insbesondere bei größeren Bildern nicht, ob das Programm eventuell noch intensiv mit Lade- / Umrechnungsalgorithmen zu tun hat oder stillschweigend auf den nächsten Befehl wartet. Beim Stöbern in großen CD- Archiven ohne eindeutige Kenntnis des Bildformates (fehlende Dateiendung) eine nervenaufreibende Angelegenheit.
Eine Fortschrittsanzeige würde dieses Problem elegant lösen.


Fazit:

MysticView ist ein einfach zu benutzender Bildanzeiger mit modernen Features und einer hohen Flexibilität. Das Programm läuft stabil und fast fehlerfrei (siehe Problem JPEG). Sinnvoll wäre für zukünftige Versionen eine Fortschrittsanzeige für Lade- und Render-/ Ditherfunktionen oder zumindest eine Statusanzeige sowie eine Unterstützung der Lokalisierung.


Screenshot - click fuer volle Groesse Quelle:

MysticView ist u.a. im Aminet zu finden unter "gfx/show/MysticView".

Das Programm ist Shareware. Bei häufigerer Nutzung bittet der Autor Timm Mueller um Zahlung von 15 DM. Um die Zahlungsmoral anzukurbeln, hat der Autor zwei (kleine) Einschränkungen in die unregistrierte Version eingebaut:

  • hin und wieder erscheint im angezeigten Bild please register",
  • die Thumbnail-Funktion ist nicht nutzbar.
Uwe Pannecke
Uwe.Pannecke@t-online.de«

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