Testberichte
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3. Softwaretest: Bildbearbeitung PPT (von Uwe Pannecke)
»ADPro war gestern, PPT ist heute!
Oder doch nicht?
Das modulare Bildbearbeitungsprogram PPT von Janne Jalkanen
Seit einiger Zeit findet sich im Aminet ein weiteres
Bildbearbeitungsprogramm, das sich mit gestandenen Freeware- und
kommerziellen Programmen wie GFXLab24, Photogenics, ArtEffect, ADPro u.ä.
messen möchte.
Ich wollte sehen, wie sich dieses auf den ersten Blick vielversprechende
Programm auf einem A3000-Desktop unter AMIGA-OS 3.1, CyberGfx 3.x, 2 MB
Chip- und 12 MB Fast-RAM, ausreichend Festplattenkapazität sowie
einem 68040/40-Prozessor bewähren würde.
Meine Hardwarevoraussetzungen sollten eigentlich laut Programmbeschreibung
gut für die Zusammenarbeit mit PPT geeignet sein (wenn auch ein 68060/50
und vieeel mehr Fast-RAM den Spaß noch erhöhen würde ;-) ).
Installation
Sie läuft problemlos und einfach mittels Installer ab.
Wer dieses Hilfsprogramm (möglichst in der Version 43.3) nicht besitzen
sollte (gibt es tatsächlich jemanden?), kann PPT auch per Hand
installieren. Dazu solltet ihr aber vorher die Programmbeschreibung
konsultieren.
Hier tritt dann bereits das erste Problem(chen) auf - das PPT.guide ist
fehlerhaft und wird in der vorliegenden Form von MultiView nicht
akzeptiert.
Der Fehler ist jedoch harmlos: Fügt einfach am Ende des PPT.guides noch ein
"@endnode" ein (ohne die " "), und schon steht dem Studium des Handbuches
nichts mehr im Wege.
Programmbeschreibung
Die Programmoberfläche stützt sich auf die bgui.library. MUI ist also nicht
notwendig.
Das Programm läßt sich auch ohne Studium der Anleitung weitgehend intuitiv
bedienen und erleben. Wobei die Erlebnisse nicht unbedingt nur positiver
Art sind.
Dazu gleich mehr.
Vorher jedoch die prinzipiellen Fähigkeiten des Programms:
- Bilder bis 24 bit Farbtiefe (8 bit Graustufen) mit einem optionalen
Alpha-Kanal,
- internes Multitasking, so dass verschiedene Abläufe zur gleichen Zeit
möglich sind (z.B Laden, Bearbeiten, Speichern),
- nur vom Fast-RAM abhängige Puffergröße für die Bilder/Effekte,
- virtueller Speicher auf der Festplatte (ohne dass eine MMU vorhanden sein
muss),
- ein (fast) unbegrenztes UNDO, nur abhängig vom Festplattenplatz für den
virtuellen Speicher,
- einen ARexx-Port,
- kann schon mit AMIGA-OS 2.04 und ab 1 MB RAM arbeiten,
- unterstützt neben AMIGA-Grafik auch CyberGFX,
Von Vorteil ist der modulare Aufbau des Programms, das in der Grundversion
schon viele gängige Lade- und über 30 Effektmodule

aufweist, die leicht durch weitere Module ergänzt werden können.
Sollen die Bilder gespeichert werden, so bietet PPT eine umfangreiche
Palette an Bildformaten an:
- JPEG/JFIF (Graustufen, 24 bit und progressive JPEGs),
- IFF ILBM (bis 24 bit),
- PPM/PGM Typ P5 und P6,
- PNG (Graustufen und 24 bit),
- Compuserve GIF (87 und 89a Format),
- Targa Truevision (24 bit),
- C-code.
Nutzung
Ein vielversprechender potentieller Funktionsumfang also, der von der
Realität jedoch eingeholt wird. Die AmigaPlus 09/98 bezeichnet PPT auf der
Heftdiskette vollmundig (wie immer) als Vollversion und, Zitat: "Die
Bildbearbeitung der Extraklasse.
... Denn wie der Klassiker (ADPro) ist das äußerst gelungene, brandneue ...
PPT ebenso mächtig wie bedienungsfreundlich."
Im Erscheinungsbild erinnert die Oberfläche tatsächlich ein wenig an den
Altmeister ADPro, wenn auch AdPro bei weitem mehr Funktionen (sowohl Lade-
und Speicher- als auch Effektmodule) zu bieten hat. Aber ADPro kostet immer
noch 'ne ganze Menge DeEm, PPT dagegen ist (wenn ich mich nicht irre)
Freeware.
Also weg von den typisch maßlosen Übertreibungen der AmigaPlus, hin zur
tatsächlichen Leistungsfähigkeit von PPT.
Nach dem ersten Programmstart ist es wichtig, zu Beginn den Menüpunkt
"Preferences" aufzurufen und elementare Grundfunktionen festzulegen.
Vor allem die Festplattenpartition für den virtuellen Speicher.

Standardmäßig ist dieser virtuelle Speicher (VM) auf T: festgelegt.
Besitzt Euer Amiga massig Fast-RAM, kann das auch so bleiben, ansonsten
sollte hier eine schnelle Festplatte(npartition) großzügiger Dimension
eingestellt werden.
Sorgt ihr nicht dafür, PPT ausreichend VM-Platz zur Verfügung zu stellen,
könnt ihr bei erschöpftem Speicher, wie mir mehrmals passiert, gerade noch
"unable to create virtual memory" lesen, und schon ist das Programm
abgestürzt. Damit es sich lohnt, reißt der Absturz das Betriebssystem
gleich mit.
Aber auch mit ausreichendem VM-Speicher habe ich hin und wieder scheinbar
unbegründete Abstürze mit der Begründung, es stehe kein ausreichender
Speicher zur Verfügung, erlebt.
Hier lauert also die ständige Gefahr, bei der Bearbeitung von Bildern nach
mühevoller Arbeit mit leeren Händen dazustehen, weil das nun fast fertige
Bild gemeinsam mit PPT ins Nirvana eingegangen ist.
Nun denn, mein Speicher reicht (im Moment), weiter im Test:
Ich versuche, die einzelnen Effekte auf einige meiner Bilddateien
anzuwenden.
Erst einmal bleibt es bei fast schon verzweifelten und trotzdem
vergeblichen Versuchen, da das Laden vieler meiner JPEG-Dateien mit einem
Totalabsturz Programm plus Betriebssystem endete.
Um auszuschließen, dass fehlerhafte Bilddateien oder eine ungünstige
Betriebssystemkonfiguration die Ursache für die (vielen noch folgenden)
Abstürze sind, habe ich die gleichen Bilddateien und Programmfunktionen (so
sie denn vorhanden waren) alternativ mit den Bildmanipulations-Programmen
GFXLab24 und ArtEffect überprüft.
Die JPEG-Dateien sind i.O., weder die genannten Alternativprogramme noch
Multi- und UniView haben Probleme mit deren Anzeige bzw. Bearbeitung.
Habe ich endlich eine JPEG-Datei gefunden, die auch geladen wird, kommt die
nächste Überraschung spätestens bei Inanspruchnahme des temporären JPEG-
Puffers. Obwohl korrekt zugewiesen, erhalte ich auch hier wieder eine
Fehlermeldung sinngemäß 'es werden xxx byte benötigt, aber nur xxx byte
sind vorhanden'.
Schön, wenn damit die Fehlerbehandlung erledigt wäre.
Doch PPT reicht dies nicht - wieder folgt ein Totalabsturz.
Will ich GIF-Dateien laden, das beinahe gleiche Spiel. Ein GIF-Bild wird
akzeptiert, das nächste sorgt (obwohl das Bild i.O. ist) für eine
Meditationspause. Wenn man Glück hat, ist es mal nur ein einfacher
Programmcrash.

TIFF-Dateien werden als schwarzer Adler auf schwarzem Hintergrund
dargestellt, und oft geht's dann ab ins Nirvana.
EPSF-Datein werden geladen, für einen kurzen Augenblick angezeigt, dann
Totalabsturz.
Die wenigsten Probleme bereitet das IFF-Format.
Nach zig Abstürzen hatte ich einige Bilder zusammen, die geladen werden
konnten.
Schön, dann kann ich sie ja endlich mit den vielen Effekten quälen.
Oder wird es eine weitere Selbstquälerei?
Nein, nicht nur. :-)
Der überwiegende Teil der über 30 Effekte funktioniert so, wie er soll. So
etwas wie verhaltene Freude kommt auf. Sie wird aber schnell wieder
gedämpft.
Einige Module bereiten weniger Spaß.
So der Scale-Effekt.
Er bietet für die Skalierung Angaben in Pixel, Millimeter und Prozent. Wenn
ihr Glück habt, akzeptiert Scale die von euch eingetippten Werte, wenn
nicht, probiert anstelle Pixel mal Millimeter oder Prozent, könnte klappen.
Beim weiteren Skalieren dann häufig wieder nicht. Und hin und wieder
erfolgt auch hier ein Totalabsturz.
Das Mischen zweier Bilder erfolgt in PPT elegant über Drag & Drop, oder
sollte es zumindest.
Ich habe es mehrfach versucht.

Egal, ob die Bilder gleiche oder unterschiedliche Farbtiefe aufweisen, egal
ob ich "Composite" oder "Alpha" wählte, am Ende jeder Aktion stand ein
Totalabsturz.
Das Effektmodul Bitfield führte ohne jede Fehlermeldung oder Kommentar
ebenfalls zu einem Programmabsturz.
Dennoch:
Ich will es noch einmal deutlich sagen: :-)
Der überwiegende Teil der Effektmodule arbeitet zur Zufriedenheit und kann
als Bestandteil des Programms überzeugen.
Viele dieser Module (wie z.B. Brightness und Gamma) besitzen eine
Vorschauanzeige über die Auswirkungen des jeweiligen Effekts. So kann man
einfach und in Echtzeit die optimalen Werte für, bleiben wir bei unseren
Beispielen, Helligkeit und Gamma-Korrektur herausfinden.
Auch die UNDO-Funktion arbeitet zuverlässig und in (fast) beliebiger Tiefe.
Eine deutliche Arbeitserleichterung und Rückversicherung für doch nicht so
tolle eigene Bildmanipulationen.
Des Weiteren kann mit Hilfe des Menüpunktes "Correct aspect" jederzeit das
in Arbeit befindliche Bild in den richtigen Seitenproportionen dargestellt
werden.
Sollen die bearbeiteten Bilder gespeichert werden, so stehen die oben
genannten Formate zur Verfügung.
Aber Vorsicht: Es erfolgt keine Sicherheitsabfrage vor dem Überschreiben
bereits vorhandener Bilder mit gleichem Namen!
Schnell hat man dann z.B. das Ausgangsbild auf diese Art verloren.
Fazit
Wer Russisches Roulette liebt, wird auch die Bildbearbeitung mit PPT
lieben.
Alle anderen sollten lieber auf Programme wie GFXLab24 (Freeware),
ArtEffect (in der Version 1.5SE fast kostenlos) oder ADPro o.ä.
zurückgreifen.
PPT's Programmversion 4.48 wäre besser durch ein Alpha (oder Beta) zu
ergänzen.
Wenn die vielen Absturz-provozierenden Fehler ausgemerzt sind, verdient PPT
auch das oben angeführte AmigaPlus-Zitat. Dann kann es in vorderster Linie
der Amiga-Bildbearbeitungsprogramme bestehen.
Im jetzigen Zustand vertraue ich PPT meine Bilder nicht an.
Zu finden ist das Programm
auf der Heftdiskette der AmigaPlus 09/98 und im Aminet unter
gfx/conv/PPT_dist.lha.
Unterstützung zu PPT und die neueste Version findet ihr auch unter
http://www.iki.fi/~jalkanen/PPT.html .
Uwe Pannecke
Uwe.Pannecke@t-online.de«