Testberichte
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Testberichte
1. Testreihe: Die Multiview-Herausforderer - Teil 4 (von Uwe Pannecke)
»Der heutige Kandidat:
UniView von Stefan Ruppert
UniView tritt in der aktuellen Version 40.4 als echter MultiView-Ersatz an
und wurde nach den Worten des Autors so kompatibel wie möglich zum echten
MultiView programmiert.
UniView bietet laut Readme.txt voll konfigurierbare Menüs, viele ARexx-
Kommandos, Steuerung u.a. über den abgesetzten Ziffernblock der Tastatur,
Fensterinhalt als Hintergrund des Bildschirms, ein Dokumenten-Menü und
einiges mehr.
Das Programm ist ein Teil der Shareware-Programmsammlung HTDS (in dem sich
neben UniView auch verschiedene Datatypes befinden).
Die Shareware-Gebühr ist mit 40,- DM für meine Begriffe recht hoch
ausgefallen, da hilft auch die dann gleichzeitig erfolgte Registrierung für
die restlichen Programme des HTDS-Paketes kaum über den Schluckauf hinweg.
Wer nur UniView benutzen möchte, wird dies kaum als gelungene Lösung
empfinden.
Gerechterweise muss man aber sagen, dass die unregistrierte UniView-
Version nur wenige, verschmerzbare Einschränkungen enthält und eine
dauerhafte Benutzung vom Autor gestattet wird. Er wünscht sich dann nur
eine E-Mail oder Postkarte von euch.
Installation
Das Programmpaket kommt mit einem Installer-Skript, welches komfortabel die
Installation vornimmt. Dabei bietet die Installationsroutine u.a. die
Umbenennung des originalen MultiView und einen Hardlink auf UniView an, so
dass alle Dateien/Programme, die MultiView aufrufen, bei UniView landen.
Diese Option solltet ihr nur wählen, wenn NACH einem ausführlichen Test
keine Probleme auftreten.
Programmbeschreibung
UniView residiert nach der Installation üblicherweise im Utilities-
Verzeichnis einträchtig neben MultiView in einer eigenen Schublade.
Neben dem Programm selbst finden sich in der Schublade noch die
Dokumentationen, die deutschen Menü-Texte, Registrierungs- und
Fehlerformulare sowie eine ARexx- und Prefs-Schublade. Alle Icons sind im
MagicWB-Stil gehalten. Standard- oder NewIcons werden nicht alternativ
angeboten.

Nutzung
Neben dem Aussehen der Icons ist aber die Funktionalität und
Zuverlässigkeit des Programms wohl wesentlich wichtiger.
Ein erster Test sollte neben den oben genannten Punkten gleichzeitig dem
Studium der Programmdokumentation dienen.
UniView lädt die Datei - aber oh Schreck - der Autor hat die Anleitung in
einem eigenen Hyperguide-Format erstellt, welches inkompatibel zum
Amigaguide-Format ist.
Zwar zeigt UniView wie auch MultiView die Anleitung als ASCII-Text an, das
Lesen selbst wird aber durch die Steuerzeichen der hguide-Datei zur Tortur.

Wollt ihr die Anleitung wirklich (als Guide) lesen, so seid ihr gezwungen,
den passenden Datatype aus dem Aminet nachzuladen und zu installieren.
Eine unglückliche Lösung, die der Autor durch eine zusätzliche ASCII-
Version der Anleitung einfach hätte bereinigen können.
Die Programmoberfläche erinnert auf den ersten Blick an MultiView.
Alle MultiView-Menüpunkte sind auch hier vorhanden, ergänzt durch einige
weitere. Ein zusätzliches Menü erscheint mit dem Namen "Dateien". Hier
werden in der registrierten Version alle bereits einmal geladenen Dateien
aufgelistet und ermöglichen so einen schnellen Zugriff auf diese. In der
unregistrierten Version erscheint hier nur als voreingestellte Datei die
Startup-Sequence.
Nach dem unbefriedigenden Versuch, die UniView-Dokumentation zu lesen,
sollte nun ein Test der verschiedenen Text- und Bildformate erfolgen.
Ich schob UniView erfolgreich
| TXT- und
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| | AmigaGuide-Texte,
|
| | JPEG-,
|
| | TIFF-,
|
| | IFF-ILBM-,
|
| | GIF-,
|
| | PNG-,
|
| | EPSF-Dateien und
|
| | IFF-Anims unter.
|
UniView öffnete jeweils sein Workbench-Fenster, stellte die Dateien korrekt
dar und ermöglichte ebenso ein Speichern.
Bilder werden im IFF-Format (außer geladene JPEG-Bilder, die aber auch bei
mir von MultiView nicht gespeichert werden können) und Guides jeweils
seitenweise ohne Steuerzeichen gespeichert.
Bei dem Versuch, Dateien im AMF-Format darzustellen, stürzte UniView
gnadenlos ab.
Dies war zwar der erste, aber nicht der letzte UniView-Absturz.

Nebenbei bemerkt hatte MultiView übrigens mit diesen AMF-Files keinerlei
Probleme.
Da meine Workbench unter 256 Farben läuft, wollte ich natürlich einige
JPEG- und IFF-Bilder in Echtfarben betrachten. Da UniView ebenso wie
MultiView einen Menüpunkt "Fenster: Eigenen Schirm öffnen" anbot, nutzte
ich diesen. Oder besser gesagt, ich versuchte es.
Solange UniView Texte oder Bilddateien mit bis 8 Bit Farbtiefe anzeigen
sollte, funktionierte alles wie gewünscht. Lagen die Bilder jedoch in mehr
als 8 Bit Farbtiefe vor (auch hier versuchte UniView stets, einen 8 Bit
tiefen Bildschirm zu öffnen), war die harmloseste Reaktion keine Reaktion,
d.h. UniView beendete seine Arbeit sang- und klanglos. Oft jedoch reagierte
das Programm mit einem Absturz.

Hat UniView einen 8-"bittigen" Bildschirm geöffnet, und man lädt nun eine
16- oder 24-Bit-Bilddatei, dann wird auch diese nun auf dem 8-Bit-
Bildschirm in reduzierter Farbtiefe dargestellt.
Wollt ihr also UniView unter CyberGFX auf einem eigenen Bildschirm
betreiben, ist es sinnvoll, mit Hilfe eines Screen-Promoters UniView
grundsätzlich einen 24-Bit-Bildschirm zuzuweisen. Dann ist das beschriebene
Problem keines mehr. Und ein drohender Programmabsturz für's Erste
abgewendet.
Besser wäre jedoch, der Programmautor würde hier in einer späteren
Programmversion Abhilfe schaffen.
Nebenbei bemerkt stellt MultiView (natürlich) sämtliche Dateien problemlos
und ohne Abstürze auf einem eigenen Bildschirm dar.
Nachdem ich erneut eine Datei durch UniView zur Anzeige gebracht hatte,
wollte ich mittels des Menüpunktes "Projekt: Öffnen..." bzw. "Projekt:
Öffnen" (welches einem "Erneut öffnen" entspricht) Dateien öffnen.
Solange es sich bei der bereits geladenen Datei nicht um eine AmigaGuide-
Datei handelte, war dies auch möglich.
Wollte ich auf diese Art jedoch nach der Guide-Datei irgendeine Text- oder
Bilddatei öffnen, kam lediglich die Fehlermeldung "Unbekannter Dateityp".
D.h., hat UniView einmal ein AmigaGuide-Dokument geöffnet, kann es
offensichtlich keine weiteren Dateien erkennen und demzufolge auch nicht
laden. Hier hilft dann nur ein Beenden und Neustarten des Programms.
Werden die Bilder innerhalb einer Guide-Datei (z.B. Amiga aktuell :) )
eingebunden, stellt sie UniView jedoch dar. Hmm.
Nebenbei bemerkt - ihr ahnt es sicher schon - hat (natürlich) MultiView mit
"Projekt: Öffnen" keinerlei Probleme...
Nun gut, nächster Testpunkt: Der Menü-Unterpunkt "Einstellungen: Backdrop".
Dieser Menüpunkt stellt die Wahl für Anzeige der Datei in einem Fenster
oder als Hintergrund des Bildschirms (z.B. der Workbench). Solange es sich
um TXT- und AmigaGuide-Dateien handelt, ist die Welt in Ordnung und das
Programm macht, was es soll.
Will man jedoch geladene Bilddateien als Hintergrund darstellen, so sind
zumindest Fehler in der Darstellung die Folge:
Wie es scheint, erfolgt kein Löschen der zum Zeitpunkt der Menüpunkt-Wahl
geöffneten Fenster an ihrer alten Position auf dem "Backdrop-Bildschirm"
nach dem Verschieben dieser Fenster. Dies äußert sich in "Fenster-
Zwillingen" (oder Drillingen), selbst nach Schließen der Fenster bleiben
die jeweiligen Zwillings-Partner noch sichtbar.
Die Backdrop-Funktion macht in der jetzigen Programmversion nur bei Text-
Dateien Sinn.

Da dieser Menüpunkt bei MultiView nicht vorkommt, kann ich hier keinen
Vergleich anbieten :-)
Ich will aber nicht nur meckern, auch Positives lässt sich berichten: Die
Steuerung des Fensterinhaltes über den abgesetzten Ziffernblock der
Tastatur funktioniert gut und ist durchaus ein Gewinn an Funktionalität.
UniView läßt sich ohne Weiteres vom CLI komplett bedienen oder in Programme
wie DOpus einbinden.
Dabei sollte unbedingt beachtet werden, UniView im Workbench-Modus (DOpus)
oder mit einem Stack von 20000 zu starten.
UniView mußte sich auf einem A3000-Desktop unter AMIGA-OS 3.1, CyberGfx
3.x, 2 MB Chip- und 12 MB Fast-RAM sowie einem 68040/40-Prozessor beweisen.
Fazit
MultiView ist zwar in die Jahre gekommen, hat auch einige Macken, aber
UniView kann ihm in der aktuellen Programmversion (noch) nicht das Wasser
reichen.
Die größten Schwachpunkte des getesteten Programms sind aus meiner Sicht
die Fehlfunktionen einzelner Menüpunkte und drohende Abstürze (eigener
Bildschirm bei > 8-Bit-Bilddateien, Anzeige von AMF-Dateien).
Ich denke, die Probleme sind wohl kaum durch meine Betriebssystem-
Konfiguration verschuldet, denn, wie oben mehrfach angedeutet, läuft
MultiView bei gleichen Aufgaben und gleicher Umgebung stabil und
zuverlässig.
Vielleicht haben andere User (z.B. ohne CyberGfx) weniger Probleme mit
diesem Programm, ich kann UniView in der jetzigen Version 40.4 als
MultiView-Ersatz (leider!) nicht empfehlen.
Ihr werdet UniView auf den Aminet-CD's übrigens vergeblich suchen, denn
Stefan Ruppert hat eine Verbreitung über selbige ausdrücklich untersagt.
Dies gilt auch für die anderen Programme des HTDS-Paketes.
Zu finden ist das Programm im Aminet unter
util/sys/UniView.lha
und auf
http://www.amigaworld.com/support/uniview/ .
Uwe Pannecke
Uwe.Pannecke@t-online.de«