Abschließend
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Abschließend
In der letzten Ausgabe habe ich in Zusammenhang mit der (im Wesentlichen
nicht vorhandenen) Informationspolitik von AMIGA, Inc. die Frage gestellt,
ob man bloß nichts hört, oder sich in der AMIGA-Entwicklungsabteilung
wirklich nichts tut.
Zwei Dinge, die sich im August ereignet haben, sind bezeichnend für diese
Politik, die offenbar auch von AMIGA, Inc. unterstützenden Organisationen
getragen wird:
1. Da wird einem recht bekannten Amiga-Newsservice eine Mail aus den
Kreisen des Industry Council Open AMIGA (ICOA), der Interessenvertretung
der AMIGA-Entwickler, zugespielt, die einige grundsätzliche Details des
geplanten AMIGA OS 5.0 enthält. Kurz nach der Veröffentlichung der Mail
gehen beim Betreiber dieses Newsservice Beschwerden ein, dass er eine
interne ICOA-Mitteilung, die NDA-Informationen (die nicht weitergegeben
werden dürfen) enthalte, verbreitet hätte. Soweit so gut.
Was allerdings nachdenklich stimmen muss, ist die Tatsache, dass diese
ICOA-Mitteilung keinerlei Material enthält, das auch nur annäherd als
"brisant" oder schützenswert einzustufen wäre - im Gegenteil: Die
enthaltenen Informationen waren bereits zuvor mehr oder weniger ausführlich
in Newsgroups und Magazinen (darunter auch diesem) behandelt worden.
Vermutlich wird der eine oder andere jetzt argumentieren, dass derartige
ICOA-Informationen vielleicht aus Prinzip nicht der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht werden sollen.
Aber muss es angesichts der anhaltenen Krise unseres Computersystems, und
insbesondere der sinkenden Anwenderzahl, nicht Prinzip sein, nur das
geheimzuhalten, was _auf keinen Fall_ veröffentlicht werden darf?
AMIGA, Inc. und der ICOA scheinen leider die gegenteilige Politik zu
verfolgen: Es wird nur das veröffentlicht, was _auf keinen Fall_
geheimgehalten werden muss. Und das ist einfach zuwenig.
2. Noch bezeichnender für die Politik von AMIGA, Inc. ist die
Bereitstellung gewisser Informationen auf der WWW-Site des Unternehmens. Um
diese abrufen zu können, muss man seinen Namen und die E-Mail-Adresse
hinterlegen! Gleichzeitig wird man verpflichtet, niemanden - insbesondere
außerhalb der AMIGA-Gemeinde - über das Material, das dort zu finden ist,
zu informieren, da die Möglichkeit bestünde, dass es "missbraucht" wird.
Brisante Daten also? Keineswegs. All jenes ist den Amiga-Anwendern nicht
unbekannt - im Gegenteil: Eine Zusammenfassung der Informationen war in der
letzten Ausgabe von AMIGA aktuell enthalten! Und bislang hat sich bei uns
noch niemand über die Veröffentlichung beschwert.
Stellt sich also die Frage, aus welchen Gründen AMIGA, Inc. diese "Nebel-
Politik" verfolgt.
Angeblich seien die Geschäftspartner der Entwicklungsabteilung,
insbesondere die Entwickler des vielzitierten neuen Multimedia-Chipsatz,
daran interessiert, alles möglichst lang geheimzuhalten.
Das ist vielleicht dann zu verstehen, wenn es sich um Details neuer
Technologien, die ja im zukünftigen AMIGA verwendet werden sollen, handelt.
Das aber war bei den Beispielen oben überhaupt nicht der Fall!
Oder ist "Rücksichtnahme auf die Partner" womöglich nur der vorgeschobene
Grund? Glaubt die Entwicklungsabteilung vielleicht, dass sie mit ihrer
"Null Info"-Politik zu einer Beruhigung der Anwenderschaft beitragen kann,
die doch erst durch die missglückte Veröffentlichung ihrer AMIGA-Pläne
nötig wurde? Oder will sie erneute Konfusion vermeiden?
Was auch immer mit dieser Politik bezweckt wird, letztendlich wird damit
das genaue Gegenteil dessen erreicht: Da es sich gar nicht vermeiden lässt,
dass ab und zu versehentlich interne Details an die Öffentlichkeit gelangen
(das zuerst geschilderte Ereignis ist das beste Beispiel), wird die
Gerüchteküche weiterhin brodeln - und das wohl in zunehmendem Ausmaß.
Damit bis nächsten Monat,
Euer
Carsten Schröder