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1. Interview mit E. Brüggemann von Village Tronic
HK (Heiko Krappmann): Village Tronic ist einer der größten
Hardwarehersteller auf dem Amiga-Markt. Das heißt auch, dass die Produkte
über mehrere Jahre stets weiterentwickelt worden sind, wie z.B Picasso,
Paloma, Pablo, und immer wieder technische Erweiterungen mit einbezogen
wurden.
EB (E. Brüggemann): Stillstand hat es bei uns in der Amiga-
Entwicklungsabteilung eigentlich nie gegeben. Trotz eines bekanntermaßen
immer kleiner werdenden Amiga-Marktes ist es uns zum Trotz aller Unkenrufer
gelungen, unser Sortiment stetig zu erweitern und zu verbessern. Die
Ariadne haben wir auf Wunsch von vielen Usern wieder auferstehen lassen und
werden sie demnächst mit einem sensationellen Preis (um die 200 DM, inkl.
Software) auf den Markt bringen. Die Resonanz auf unsere Produkte ist auch
in den weniger guten Zeiten des Amigas nicht schlechter (wenn nicht sogar
besser) geworden.
HK: Im Apple-Markt haben Sie ja nun auch Fuß gefaßt. Was hat das für
Vor- bzw. Nachteile für ein solches Unternehmen, wie Sie es sind?
VT: Nachteile hat es eigentlich keine. Die Vorteile sprechen aber eher eine
deutliche Sprache: Unsere Amiga-Entwicklungen laufen oftmals parallel
mit denen auf der Mac-Seite. Dadurch wird unser Erfahrungsschatz im Hause
extrem erweitert, da wir Fehler nur einmal machen müssen. Die
Spezialanpassungen an die Amiga-Hardwareumgebung werden dann von sehr
erfahrenen Amiga-Hardwareingenieuren entwickelt.
HK: Ist der Konkurrenzkampf eigentlich sehr groß auf dem Amiga, z.B. mit
Phase 5?
EB: Village Tronic und Phase 5 stehen nicht in direkten Konkurrenzkampf.
Wir sind sogar froh, dass es noch engagierte Firmen gibt, die nach wie vor
emotional und finanziell genauso viel Schweiß und Geld in den Amiga
stecken, wie wir es tun. Konkurrieren tun Phase 5 und Village Tronic allein
schon deswegen nicht, weil wir verhälnismäßig unterschiedliche
Marktsegmente abdecken.
HK: Zum Thema PowerPC hört man von ihrer Seite kaum Äußerungen. Sind sie
daran überhaupt interessiert?
EB: Grundsätzlich sind wir an allen Neuerungen bezüglich des Amigas sehr
interessiert. Allerdings ist es für uns noch zu früh zu behaupten, dass die
PowerPC-Schiene das Nonplusultra in der derzeitigen Form darstellt.
Für uns würde eine Entwicklung für den PowerPC-Port noch keinen Sinn
machen, da wohl insgesamt zu wenige Boards verkauft worden sind, dass sich
eine Entwicklung lohnen könnte.
Außerdem ist die Frage noch nicht geklärt, was Amiga, Inc. macht. Solange
es kein natives PowerPC-Kernel gibt, werden wir mit solchen Entwicklungen
nicht auf den Markt drängen. Außerdem ist PowerPC ja nach Seiten von
Amiga, Inc. wohl noch nicht der Weißheit letzter Schluss.
Wir wollen zunächst einmal abwarten und uns Gedanken über die zukünftigen
Produkte machen, bevor wir uns in unsichere Fahrwasser begeben.
HK: Wie kam bei Ihnen das Statement von Amiga, Inc. bezüglich der Messe WoA
an? Teilen Sie deren Meinung, oder wie sehen Sie das Ganze?
EB: Was für ein Statement? War das eins? Ich habe leider noch nichts von
Amiga, Inc. gesehen. Die Informationspolitik lässt bis jetzt sehr zu
wünschen übrig.
HK: Rentiert es sich eigentlich noch, für den Amiga zu entwickeln?
EB: Komischerweise sind die Verkaufszahlen in den letzten Monaten ein wenig
gestiegen. Da wurde doch immer wieder gesagt, dass Entwicklungen für den
Amiga nicht rentabel seien... Können wir nicht behaupten.
HK: Bezüglich des OS 3.1 hat es Querelen um Sie gegeben. Können Sie uns
sagen, was damals vorgefallen ist, man hörte ja immer nur eine Seite?
EB: Nun... Wir verkaufen OS 3.1 nicht mehr. Mit Commodore hatten wir einen
Vertrag. Lange Zeit lief das Geschäft mit Commodore gut, bis dann durch die
Pleite die rechtliche Seite der Besitzlage des Betriebssystems ungeklärt
war. Das OS haben wir aus dem Sortiment genommen.
HK: Was werden Sie zur Computer '98 mitbringen, etwas Neues oder die
vorhandenen Produkte?
EB: Erst einmal natürlich die Ariadne II. Wir werden aber auch andere
aktuelle Produkte dabei haben, und vielleicht eine Neuentwicklung. Darüber
können wir aber noch nichts sagen; haben Sie also bitte noch ein bisschen
Geduld.
HK: Hat es etwas mit PowerPC zu tun?
EB: Warten Sie ab. Schauen Sie sich das Statement oben an. Ich kann
leider nichts Weiteres sagen!
HK: Gibt es sonst irgendwelche Neuigkeiten aus Ihrem Hause?
EB: Wir überarbeiten gerade unsere Homepage, die demnächst ins Netz geht.
Des weiteren haben wir unseren Service ausgebaut. Village Tronic ist nun
Mo-Do von 10-19 Uhr und Fr von 10-18 Uhr zu erreichen.
HK: Wir möchten uns für dieses Interview herzlich bedanken und wünschen
Ihrem Unternehmen noch alles Gute für die Zukunft. Wir hoffen, dass Ihnen
das Onlinemag Amiga aktuell gefällt?!
EB: Jawohl, tut es... Schließlich habe ich es als E-Mail abonniert. :)
E. Brüggemann
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