Diverses
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4. Status des Merapi-Projekts
Bereits vor längerer Zeit hat Haage & Partner eine Java Virtual Machine für
den AMIGA angekündigt. Doch obwohl das Erscheinen von Merapi, so der Name
der Software, bereits für die Computer '97(!) geplant war, hat sich in
diesem Punkt bis jetzt nichts getan.
In der folgenden Stellungnahme meldet sich der Programmierer von Merapi zu
Wort:
»Seitdem die Existenz unseres Java-Projekts MERAPI bekannt wurde, hat es
sehr viel Interesse dafür gegeben und wir haben sehr viele Nachfragen nach
dem Fortschritt des Projekts erhalten. Es gab bisher einige Verzögerungen
und diese haben natürlich einige Zweifel an den Amiga-Anwendern
hervorgerufen, die an dem Projekt interessiert sind. Daher wollen wir Euch
hiermit mitteilen, wie die Dinge um MERAPI stehen.
Das Wichtigste zuerst: Das Projekt wurde nicht eingestellt. Wir wollen eine
hoch-qualitative, innovative Java-Implementierung für den Amiga anbieten.
Wir müssen jedoch zugeben, daß wir den Aufwand zum Erreichen dieses Ziels
sehr stark unterschätzt haben. Das Projekt ist noch nicht fertig für den
Betatest und es liegt noch einige Arbeit vor uns.
In der Softwareindustrie im allgemeinen kann man sagen, daß dies ein
normaler, wenn auch unglücklicher Umstand ist. In diesem Fall ist es in
einer Hinsicht jedoch auch eine gute Sache, denn wenn wir früher gewußt
hätten, wie lange diese Arbeit dauern würde, hätten wir sie vielleicht nie
begonnen. Nun sind wir immer noch froh, daß wir es getan haben! Bisher hat
sich die Herausforderung, einen speziell für den Amiga zugeschnittenen JIT-
Compiler zu entwickeln, als nicht zu schwierig oder kompliziert
herausgestellt. Das Problem ist vielmehr die knappe Zeit und die knappen
Ressourcen auf unserer Seite und auf Seiten externer Firmen. Zum jetzigen
Zeitpunkt übersetzt das Programm korrekt den Java Bytecode in native
Maschinensprache. Es lädt, linkt und überprüft die Classen-Dateien auf
Richtigkeit und Sicherheit (tatsächlich hat dieser Teil eine große Anzahl
von Bugs in Sun's eigenem JDK aufgedeckt). MERAPI hat GUI-Elemente, die dem
Amiga-typischen Look&Feel sehr ähnlich sind und zudem ein komplettes Amiga-
typisches Menüsystem (ein Ersatz war notwendig, weil die Amiga-Standardmenüs
einige Einschränkungen hatten).
Durch all diese Neuentwicklungen und Probleme kam es zu einem relativ
langsamen Entwicklungsprozeß. Konsequenterweise haben wir daher einige
Entscheidungen getroffen. Nachdem es sich als nahezu unmöglich erwiesen
hat, einen sinnvollen Zeitpunkt für die Fertigstellung von MERAPI zu
nennen, werden wir in der nächsten Zeit keine Termine mehr nennen, bis die
Details der Lizensierung klar sind und sich MERAPI definitiv vor dem
Abschluß befindet. Um weitere Verzögerungen zu vermeiden, planen wir eine
schrittweise Veröffentlichung. Dies bedeutet das die erste Version der JVM
nicht alle fortgeschrittenen Funktionen der Standard-Java-Bibliothek bieten
wird, die viele jedoch beim normalen Einsatz auch nicht brauchen werden
oder die mehr kosmetische als funktionale Ziele verfolgen.
Diese Funktionen werden in den folgenden Versionen zur Verfügung gestellt.
Dies gibt uns mehr Zeit, um uns auf die Qualität und Stabilität der ersten
Version zu konzentrieren. Letztendlich können solche Funktionen leicht in
das existierende Projekt eingebaut werden, die Qualität läßt sich
nachträglich jedoch nur schwer verbessern, wenn die Grundkonzepte nicht
stimmen. Wir vertrauen darauf, daß Ihr, die Amiga Anwender, diese Ansicht
der Softwareentwicklung teilt und unseren Standpunkt und die Entscheidungen
versteht.
Danke für Eure Zeit,
Jeroen T. Vermeulen«
(Quelle: Haage & Partner)
Allerdings ist aus anderen Quellen zu vernehmen, dass (auch) die
Lizensierungspraktiken des Java-Eigners Sun Schuld an den Verzögerungen
seien. Demnach hätte Sun Haage & Partner bei der Vergabe einer Lizenz auf
dieselbe Stufe wie Microsoft gestellt, womit Zahlungen in gleicher Höhe zu
leisten wären. Angeblich existiert bereits eine lauffähige Version von
Merapi.