Der Amiga Personal Computer --------------------------- Persoenliche Eindruecke von Micha Blankenburg (emnid@dame.de) ------------------------------------------------------------- Seit ca. zwei Jahren benutze ich Amiga Computer. Ich hatte vor meinem ersten Amiga schon zwei andere Systeme. Das erste war ein C16 und das zweite ein Plus4. Beides waren Commodore-Rechner. Dann zu Weihnachten geschah das Wunder. Ich erhielt einen Amiga 600. Er war mit einer bescheidenen 30MB Festplatte und einem MB Hauptspeicher ausgeruestet. Ich fand dieses System gleich viel bes- ser, hatte ich zuvor doch zwei kleine Rechner, die das Basic der Version 3.5 (War es doch oder ;) ) als Betriebssystem inne hatten. Es erschien mir also wie ein Wunder, dass man auf einem Rechner eine graphische Benutzeroberflaeche hatte, die man auch noch mit einer Maus bedienen konnte. Und dann die "vielen" Farben. 32 Stueck im normalen Zustand und 64 im EHB-Modus, ganz zu schweigen von den 4096 Farben im Ham-Modus! Wow. Ich freute mich also sehr ueber diese technische Revolution. Auch die Programme waren einmalig toll. Soetwas hatte ich noch nicht gesehen. Noch heute erinnere ich mich gerne an das Spiel Wings zurueck. Doch irgendwann begann ich mich fuer Graphic zu interessieren. Also ging ich los, um mir die Raytracing Software Reflections, damals gerade in der Version 2.5 mit AGA-Unterstuetzung erschienen, zu besorgen. Ich weiss noch, dass diese Software moerderteuer war, und ich sehr lange sparen musste. Aber es machte mir sehr viel Spass, Bilder mit ihr zu generieren. So renderte ich vor mich hin. Doch eines Tages stoerte mich etwas. Es dauerte sehr lange, bis ein Bild fertig war. Und das Aussehen war auch nicht das beste, hatte ich doch maximal 4096 Farben, die mir damals noch wie ein Wunder vorkamen. Tja. Aber zum Glueck kam ja der Amiga 1200 auf den Markt. Wow! Ein echter 4000er fuer den kleinen Mann! Haben!!!! Nachdem mich mein Kumpel schon auslachte, er war auf PC umgestiegen, legte ich mir den 1200er zu. Noch am ersten Tag zog ich mir ein AGA-Demo rein, ich wollte schliesslich wissen, was ich gekauft hatte. Das Ergebnis war, dass ich mich nur unter groesster Muehe von meiner Muehle trennen konnte. Der Ham8-Modus hatte es mir angetan. So. Nun konnte ich auch endlich den AGA-Modus von Reflections nutzen. Die Bilder gefielen mir sofort besser. Doch zu dieser Zeit zeichnete sich schon etwas ab, was dem Amiga-Com- puter Schaden zufuegte, und die meisten Amiga Besitzer erschaudern liess. Commodore, der einstige Besitzer der Patentrechte des Amiga, ging bankrott. Die Folge war einfach aber wirkungsvoll. Es gab keine Software mehr zu kaufen, die Hardwareteile gingen aus und die Amiga-Besitzer wussten nicht, was sie machen sollten. Tja. Somit beschaffte ich mir ein bescheidenes 14400er Modem, mit dem ich Kontakt zu anderen veraengstigten Amiga-Besitzern suchte. Und siehe da. Ich fand sie in der Amiga Hochburg Notre Dame. Die Welt war wieder heil. Nun konnten die anderen Scherze machen und Doom spielen soviel sie woll- ten. Ich hatte meinen Amiga mit HAM8-Modus und daddelte mich so durchs Leben. Die Zeiten wurden auch wieder besser, denn es wurde Amiga Technologies ge- gruendet. Die Welt war also wieder in Butter, und es lohnte sich wieder in den Amiga zu investieren. So folgte eine Blizzard 1230er Karte mit genuegend Fast- Ram, ein Tintenstrahler, der zu der groessten Verwunderung der PC-Gemeinde auch an meinem Amiga funktionierte. Ich hatte also alles, was man so braucht. Und waehrend die PCler so mit ihrem vor Kraft strotzendem PC vor sich hinwerk- elten, sprich Doom und andere Spiele spielten, konnte ich meine Hausaufgaben auch mit meinem Rechner machen. Natuerlich schielte ich neidisch auf die superschnellen 3D-Graphic Routinen. Man! Quake hat mich umgehauen. Doch mein Rechner wurde in meinem Freundeskreis beruehmt. Irgendwas musste dran sein an der Muehle, sonst haette dieser Idi (gemeint bin ich) sich doch einen PC ge- holt, oder nicht? So gruebelte man und entschloss sich den Kasten mal genauer anzusehen. Nachdem sich die kritische PC-Fachgemeinde vor meinem Rechner ver- sammelt hatte, wurde der Rechner eingeschaltet. Schon ging das Gemaule los. "Was den das? Nur 8 Farben? Ist doch ein Scherz oder?" Gemeint waren die MWB- Icons. Immer was zu mekern... Nachdem ich dann einige Demos auf die HD kopiert hatte, was zum allgemeinem Erstaunen sogar zeitgleich mit laufendem Terminal- Programm funktionierte, konnte die Demonstration beginnen. Ich zeigte so "bescheidene" Demos wie Balance, The Gate, Voyage in Storm und noch andere. Es trat Schweigen ein. Das haute eben den staerksten PCler um. Mit Traenen in den Augen verliessen die besagten Leute mich, um zu ihren Win95 Rechnern zurueck- zukehren. Es war ein persoenlicher Sieg. Ach was. Ein Sieg fuer den Amiga. So schlecht schien er dann ja doch nicht zu sein... Soviel zur Vorrede. Nun wol- len wir uns das System mal etwas genauer angucken. Wie wir alle wissen ist die Hauptkomponente des Amiga der 680x0 Chip. Dabei geht das x von 0 bis 6. Der 68000er wurde nicht nur im Amiga verwendet, sondern fand auch im legendaeren Atari, dem ehemaligen Todfeind der Amiga-Gemeinde, und dem MAC seinen Einsatz. Grundsaetzlich gilt, je hoeher das x, desto besser. Woran das liegt? Ganz ein- fach: Mehr Power! Soweit ich mich erinnere war der erste Amiga der sogenannte Amiga 1000. Er wurde mit einem 68000 ausgeliefert. Er hatte das Kickstart 1.1 und die Workbench 1.1 als Betriebsystem spendiert gekriegt. Das war der Start der Amiga-Saga. Doch der technische Fortschritt machte auch vor dem Amiga nicht halt. Es folgte die WB 2.1 und danach 3.1. Die Rechner wurden kompakter und leistungsfaehiger. Das Flagschiff der Amiga-Familie bildete der Amiga4000, welcher entweder mit einem 68030er oder 68040er geliefert wurde. Zwischenzeit- lich gab es den Amiga 600, welcher sich allerdings als Mega-Flop herausstel- lte, da er einfach zu schwach von der Leistung war. Die wohl erfolgreichsten Modelle sind der Amiga 500, der 2000er und der 1200er. Hierbei bleibt anzumer- ken, dass der Amiga1200, wie schon oben erwaehnt, als einziger neben dem Amiga 4000 einen AGA-Chipsatz spendiert gekriegt hatte. Dieser ermoeglichte den HAM8-Modus. Er hatte auch als einziger Amiga, neben dem Amiga600, eine PCMCIA- Schnittstelle, welche schnellstmoegliche Datenuebertragung moeglich machen sollte. Diese Rechner sollte die unteren Massen ansprechen. Er war verhaelt- nismaessig billig und brachte gute Leistung, hatte er doch einen 68020er als Prozessor. Auch eine Erweiterungskarte liess sich in den Erweiterungsport ein- bauen, der, soweit ich weiss, dem Zorro II Standard enstpricht. Auch erhielt er alle weiter benoetigten Schnittstellen, wie den parallelen und seriellen Port, Videoausgaenge, einen Anschluss fuer die Maus und einen fuer den Joy- stick. Standardmaessig wurde der Amiga 1200 mit 2 MB Chip-Ram ausgeruestet. Das war der Speicher, in dem Graphic-Daten abgelegt werden konnten. Bei nicht installiertem Fast-Ram konnte es da schon mal etwas eng werden. Aber auch wenn man eine Erweiterungskarte mit Zusatzspeicher gesteckt hatte, gab es Probleme mit der Speicheraufteilung. Mir ist es sehr haeufig passiert, dass Programme den Dienst aus Speichermangel verweigerten, obwohl eine Blizzard mit laecher- lichen 32 MB Fast-Ram installiert war. Das bringt einen schon ins Gruebeln. Eine hohe Aufloesung mit vielen Farben war also nicht fuer den normalen Be- nutzer zu empfehlen, wenn man noch fluessig arbeiten, ach was, wenn man ueberhaupt noch arbeiten wollte. Das lag zum einen daran, dass sich sehr viele Commodities einfach in das Chip-Ram haengen und somit mit dem Graphic-Daten alles dicht machen. Dies laesst sich auch nicht mit den sogenannten Mem- Patchern verhindern, da dies meist mit einer Guru-Meditation quittiert wird. Wer also Wert auf hohe Aufloesung und viele Farben legt, der sollte unbedingt eine Graphic-Karte sein eigen nennen. Nun zu der Arbeitsgeschwindigkeit des eigentlichen Rechners. Wie wir erfahren haben ist der 680x0 der eigentliche Sklave. Doch er arbeitet nicht alleine. Er wird von sogenannten Custom-Chips unterstuetzt. Diese haben so exotische Namen wie Copper oder Blitter. Das sind spezielle Chips, die die Graphic-Ausgabe unterstuetzen oder teilweise komplett uebernehmen. Das beste Beispiel hierfuer ist der Copper. Er ist fuer die bunten Regenboegen auf der WB verantwortlich, wie wir sie von Magic-Copper oder sonstige Programmen kennen. Mit diesen Chips kann man beeindruckende Effekte erzeugen, vorausgesetzt man ist der Maschienensprache Assembler maechtig. Das wird bespielsweise sehr eindrucksvoll in Demos sichtbar gemacht. Als besonderes Geschenk wurde dem Amiga das Amiga OS mit seiner WB gegeben. Dies ist ein Multitasking-Betriebsystem. Das heisst, es koennen mehrere Be- fehle oder Programme nebeneinander abgearbeitet werden. Es lehnt sich teil- weise an das allseits beliebte UNIX oder LINUX an. Und was ist nun das be- sondere? Nun ganz einfach. Es ist doch erstaunlich, dass bereits der Amiga 500 ein Multitaskingsystem war, obwohl Bill Gates den PClern weissmachen will, dass er dies mit Win95 erfunden haben will. Nun, kein Kommentar zu diesem Thema. Widmen wir uns weiter dem Amiga. Ein Manko, welches nur bei einigen Rechnern beseitig wurde, sind die fehlenden HD-Laufwerke, die 1.44MB Disketten verarbeiten koennen. Die Amiga-Reihe wurde nur mit den 720KB DD-Laufwerken ausgeruestet. Nur der Amiga 4000 und ganz wenige Rechner der Reihe 1200 er- hielten HD-Laufwerke. Dies ist aergerlich, wenn man an den Datenaustausch denkt. Die Amigabesitzer werden aber nicht aussen vor gelassen, hat man doch die Moeglichkeit ueber den Diskettenport weitere Laufwerke anzuschliessen. Wenn wir uns schon mit den Laufwerken befassen, wollen wir auch den Rest nicht ausser Acht lassen. Der Amiga 1200 kann ueber die IDE-Schnittstelle mit einer Festplatte ausgeruestet werden, was wohl auch Standard sein sollte, beim Verkauf aber nicht unbedingt ist. Besitzer eines Amiga 4000 koennen sich besonders gluecklich schaetzen. Ihr kleines Schmuckstueck wird standardmaessig mit einer SCSI-Schnittstelle (Anm. der Redaktion: Nur die 040er-Tower-Reihe) ausgeliefert. Beim Amiga 1200 hat der Besitzer die Moeglichkeit einen SCSI- Port nachzuruesten, der dann auf eine Erweiterungskarte gesteckt wird. Des- weiteren kann man an den PCMCIA-Port sogenannte Karten-Devices anschliessen. Diese ermoeglichen entweder den Anschluss eines CD-Rom Laufwerkes, eines Modems oder gar eines batteriegepufferten Speichers. Letzterer ermoeglicht das Umkopieren des Betriebsystems. Auch das Einrichten einer RAD-Disk ist auf diesem Speicher moeglich. Leider vertragen sich diverse Erweiterungskarten nicht mit PCMCIA-Erweiterungen. Ich persoenlich hatte noch keine Probleme, aber es soll Rechner geben, die einfach nicht mehr wollen... (Anmerkung der Redaktion: Die M-TEC 1230 vertraegt sich nicht mit PCMCIA-Geraeten, wenn mehr als 4MB RAM eingestoepselt sind) Nun zu Design der beiden Rechner. Der Amiga 1200 ist serienmaessig in einem "Brotkasten" untergebracht. Alle Komponenten verschwinden in einem Tastatur- gehaeuse. Dies ist nicht sehr Vorteilhaft, wenn man sich die Anschluesse anguckt. Sie liegen alle nach hinten heraus und der PCMCIA-Port sogar seit- lich. Somit ergibt sich nach kurzer Zeit ein Chaos an Kabeln. Dies laesst sich durch einen Umbau in den Micronic-Tower oder ein Konkurenzprodukt verhindern. Beim Umbau sollte man dann seinem Amiga auch ein Zorro III Board spendieren. Dies ist sinnvoll, da man dann alle moeglichen Erweiterungen in den neuen Tower einbauen kann. Somit ist der Betrieb der Graphickarten Picasso IV oder Cybervision auch am Amiga 1200 moeglich. Die Amiga 4000 Besitzer haben all dies schon standardmaessig. Er ist halt das Flagschiff der Amiga-Familie. Nun zu dem, was den Amiga erst zum Amiga macht - die Systemsoftware. Das Betriebsystem ist, wie oben schon angedeutet, ein Multitaskingsystem, das sich an UNIX anlehnt. Es unterstuetzt lange Dateinamen, was eigentlich schon Standard sein sollte (Heftiger Seitenhieb in Richtung PC ;) ). Nun denn. Die Systemsoftware enthaelt alles, was man zum Einstieg in die Amiga-Welt benoe- tigt. So sind zahlreiche Einstellungsdateien vorhanden, mittels derer man seinen Amiga an die eigenen Beduerfnisse anpassen kann. Auch die Anwendungs- software fehlt nicht. Beim Amiga Betriebssystem werden Editoren, Taschen- rechner und andere Utilities standardmaessig mitgeliefert. Ergaenzend befindet sich beim Kauf ein Software Bundle beim Amiga. Es enthaelt alle moeglichen Arten von Software. Tabellenkalkulation, Organiser, Textverarbeitung und sogar ein ausgezeichnetes Bildbearbeitungsprogramm sind Inhalt dieses Paketes. Die Geschwindigkeit der Software haengt von dem Rechnermodell ab. Auf einem Stan- dard-Amiga (1200, 2MB) koennen noch keine Meisterleistungen erwartet werden. Doch sobald sich etwas im Speicherbereich tut, erhoeht sich auch die Arbeits- geschwindigkeit. Ich persoenlich komme mit einem Amiga 1230 mit flockigen 32MB Speicher sehr gut zu recht. Eine Investition in Speicher lohnt sich auf jeden Fall, da der Preisverfall auf dem PS2-Markt momentan enorm ist. Da waeren wir auch schon beim naechsten Thema. Wie steht es momentan mit Erweiterungen? Nun, wenn man einen Blick auf den Amiga-Markt riskiert, wird man feststellen, dass dieser nicht gerade unueberschaubar ist. Dies liegt an dem zurueckgegangenen Interesse an diesem Geraet und den damit verbundenen Konkursen der Amiga-Her- steller. Im Grossraum Hamburg ist mir ein namenhafter Amiga-Laden bekannt (Mecomp Multimedia). Das Angebot ist hier sehr gross. Leider ist dieser Laden konkurenzlos, was sich dann teilweise auch in den Preisen niederschlaegt. Nun ja. Man kann eben nicht alles haben. Die Produkte, die ich dort kaufte, waren aber jedesmal in einem einwandfreien Zustand und funktionierten auf Anhieb. Das spricht fuer den Laden. Aber zurueck zum Amiga. Um nun einen Abschluss zu finden, sollte man folgende Fakten zusammenfassen: + Der Amiga ist ein preisguenstiges Multitaskingsystem + Die Bedienung ist sehr einfach + Die Oberflaeche ist intuitiv (benutzerfreundlich) + Der Anschluss von Devices ist mehr als einfach (Plug and Play) + In bestimmten Bereichen ist er dem PC immer noch ueberlegen - Die Erweiterungen sind teilweise sehr teuer - Kaum Software erhaeltlich - Kaum Anbieter von Amiga-Hard- und Software vorhanden - Verhaeltnismaessig langsames System - Schlechte Speicheraufteilung - Keine GFX-Boards als Standard - Software ist teilweise miserabel und neigt haeufig zum Absturz Trotz der vielen negativen Punkte bleibt festzuhalten, dass man den Amiga durchaus professionel nutzen kann. Es ist eben nur ein wenig Geduld noetig. Abschliessend moechte ich noch sagen, dass der Amiga in dieser Form, in der er jetzt existiert, aussterben wird. Er war mal etwas besonderes, ist es aber leider nicht mehr. Die Amiga-Gemeinde setzt deshalb alle Hoffnungen in den neuen PowerPC, der mit einem Amiga-Betriebsystem ausgeruestet werden soll. Doch selbst wenn dies scheitert, wird sich wohl noch eine Gemeinde fuer diesem Computer finden lassen. Den Amiga hat vor allem eine Sache gross gemacht, und das waren seine USER! Und mein Gedanke ist, dass sich trotz der uebergrossen Konkurenz aus dem Intel-Lager noch Fans des Amiga zusammenfinden, und weiter mit ihm arbeiten. So. Das war es dann fuers erste. Ich hoffe meine Gedanken waren nachvollzieh- bar. Bis zur naechsten Ausgabe! * emnid@dame.de