#S2
#Titel Editorial AmigaGadget # 28
#Logo Gadget28:pinsel/AG.intern
#Font Losse 16
#Y+1
#C31
Hallo !
#Font topaz 8
#C21
#Y+11
Ein schönes Weihnachtsfest - gehabt zu
haben,  wünsche  ich allen,  die  dies
lesen.   Und  da  auch  Neujahr  schon
vorbei ist,  darf man wohl  davon aus-
gehen,  daß jede  Menge gute  Vorsätze
gefaßt worden  sind.  Es kann ja  kein
Zweifel  daran  bestehen,   daß  diese
gebraucht werden,  nicht nur von  uns,
sondern  zum Beispiel auch  ganz  oben
bei denen, die uns regieren.  Und weil
wir   gerade   so  hübsch  unter   uns
Computer - Benutzern sind,  möchte ich
mal  von  dem  Nutzen  sprechen,   den
Regierende aus  ihren Computern ziehen
könnten.  Das könnten sie schon,  denn
natürlich  sind   ihre  Computer  viel
größer    und   leistungsfähiger   als
unsere.  Was fehlt, ist vielleicht ein
bißchen  von  dem  nötigen  Problembe-
wußtsein.

Das Problem ist nämlich vor allem, daß
es  bei  den  Aufgaben  von  Bund  und
Ländern viele gibt,  die nicht mit dem
gesunden  Menschenverstand   zu  lösen
sind,  daß  aber  die Leute,  die  für
deren  Lösung  zuständig  sind,   dies
nicht  erkennen oder es nicht  zugeben
wollen. Beispiele dafür gibt es genug,
ich sage nur "Fortschrittsfallen". Das
geht vom  grünen Punkt  und der  Müll-
verbrennung über  den Schnellen Brüter
bis   zur   Welternährung    und   der
Menschheitsvermehrung. Wir wollen aber
mal  redlich  im  Lande   bleiben  und
zunächst  versuchen,   unsere  eigenen
Probleme  zu lösen,  und nicht  gleich
die ganze Welt verbessern wollen.

Kennzeichen   dieser   mit   einfachem
Nachdenken  nicht zu  erfassenden Pro-
bleme ist,  daß es sich  um mehr  oder
weniger  "vernetzte"  Systeme handelt,
die aus mehr oder  weniger miteinander
verbundenen Regelkreisen mit positiver
oder negativer  Rückkopplung bestehen.
Man   nennt   sie  auch   "dynamische"
Systeme.  Wenn man also irgendwo  dran
dreht,  weiß man  vorher nicht,  ob es
nun vorwärts oder rückwärts geht.  Und
damit  kommen wir endlich  zu  unseren
Computern. Sie sind als einzige in der
Lage   -   entsprechende  Simulations-
programme vorausgesetzt  -  ,  uns aus
diesem  Dilemma  herauszuhelfen.   Der
Vorteil  ist außerdem,  daß  Vorgänge,
die  in Wirklichkeit Jahre  oder Jahr-
zehnte   dauern,    im   Computer   in
wesentlich kürzerer Zeit durchgespielt
werden können.  Ferner kann man in der
Simulation  beliebig   alle  Variablen
verändern,  und zwar solange, bis sich
das  gewünschte   Ergebnis  einstellt,
oder es sich herausstellt,  so geht es
überhaupt nicht.  Und schließlich kann
man nichts kaputtmachen,  solange sich
alles nur auf dem Computer abspielt.

Entsprechende  Programme und  Lösungs-
ansätze  gibt  es  schon  lange.  Vor-
reiter  war  das  MIT  ( Massachusetts
Institute for Technology ).  Dort  hat
Prof.  FORRESTER  etwa  1970  zunächst
" Urban  Dynamics "   entwickelt,   um
Städten  und Gemeinden  bei der Lösung
ihrer    nicht   mehr   beherrschbaren
Probleme zu helfen. (Ich wage hier mal
einzuwerfen,  daß auch  bei uns  sowas
durchaus gebraucht würde.) Kurz danach
hat  er sich an  ein Weltmodell gewagt
("World Dynamics", 1971), auf dem dann
das  bekannte   Werk  seines  Schülers
MEADOWS,  " Grenzen  des  Wachstums ",
1972,  aufbaut.  Noch  mehr  Mühe  bei
abermals  gesteigertem Computereinsatz
haben  sich  dann 1974  Mesarovic  und
Pestel  gegeben  mit  " Menschheit  am
Wendepunkt ".   Man  kann  also  ruhig
sagen,  daß es seit damals  leistungs-
fähige Computer - Simulationsprogramme
gibt,  die damals schon auf die unter-
schiedlichsten    Probleme   angewandt
wurden, z.B. Nahrungsmittelproduktion,
Kosten,   Handel  und  Verbrauch   bei
Erdöl,  Weltwasserkreislauf,   um  nur
einige zu nennen. Und das war 1974!

Jeder merkt schon, was ich sagen will:
Wo  sind denn  nun in den  vergangenen
20 Jahren  die praktischen Anwendungen
geblieben? Oder gibt es sie gar nicht?
Oder erfahren wir bloß nichts?  Rätsel
über Rätsel!

Aber nun!  Ganz untätig sind die Leute
bei  uns  nun  doch  nicht.  Zumindest
haben  sie ein  neues Programm  ausge-
brütet.  Und  was  soll  es  bewirken?
Immerhin die  Reduzierung der Arbeits-
losigkeit um satte zwei Millionen. Das
ist doch schon was. - Und zwar gibt es
bei der  Nürnberger Bundesanstalt  für
Arbeit eine  Art Denkfabrik,  und  die
nennt sich "Institut für Arbeitsmarkt-
und Berufsforschung",  kurz  IAB.  Die
Leute  dort  haben  ein  makroökonome-
trisches  Simulationsmodell ("Sysifo")
mit  1350 Gleichungen  und  2200 Zeit-
reihen entwickelt, mit dem sie für die
nächsten   10   Jahre  die   Maßnahmen
durchgespielt und optimiert haben, mit
denen   es  gelingen   soll,   bereits
Ende 1997  über 800.000  neue Arbeits-
plätze  zu schaffen und bis  Ende 2005
sogar 2,5 Millionen.

Ohne   scharfe  Eingriffe  geht  sowas
natürlich nicht,  aber  das Ziel,  das
damit  erreicht  werden  kann,  sollte
einige Härten wert sein. Unter anderem
müßten bis zum Jahre 2005
    - die realen Tariflöhne um etwa
      5 Prozent sinken,

    - die Arbeitszeit verkürzt,
      weniger Überstunden gemacht
      und mehr Teilzeitjobs
      angeboten werden,

    - Mineralöl- und Mehrwertsteuern
      stufenweise heraufgesetzt
      werden,

    - Sozialausgaben, Subventionen
      und Staatsausgaben im Schnitt
      um jährlich 10 Milliarden Mark
      gesenkt werden.

Dafür  könnten die  Sozialbeiträge  um
rd. 3 Prozentpunkte gesenkt werden.

Diesem   hier   nur    andeutungsweise
vorgestellten Modell haben bereits die
Vertreter   von  Arbeitgeberverbänden,
der öffentlichen Hand  und der Gewerk-
schaften  -  einschließlich  DGB-Vize-
chefin  Engelen-Kefer!  -  im Vorstand
der  Bundesanstalt  für  Arbeit  zuge-
stimmt.   Und   natürlich  liegt   das
Gutachten  längst  auf dem  Dienstwege
bei Bundeskanzler Kohl.  Aber von  ihm
und aus seinem  Kanzleramt hört man zu
diesem  brisanten  Thema  bisher  kein
Sterbenswörtchen.  Obgleich ich meine,
daß   nach  entsprechend   gründlichem
Studium  und begleitender  Erläuterung
eine  große Mehrheit der Wähler  einem
solchen  Vorgehen,   wie  beschrieben,
zustimmen würde.

Traut sich der Kanzler nicht? Oder ist
es noch schlimmer,  wie es ein  Spruch
an  der  Wand  meines  Computerzimmers
behauptet:

#C12
  MACHBAR IST, WAS DER CHEF VERSTEHT.
#C21

Dann  wünsche  ich  mir für  das  Neue
Jahr,  daß unser Kanzler die Botschaft
aus den Computern des IAB versteht.

#C31
                 Hans-Joachim Stengert
#C21
#Spaltenende
Mir   bleiben   jetzt  nur   noch  die
technischen    Hinweise.   Da    wären
zunächst  die  Daten für  das  nächste
"AmigaGadget":

           Einsendeschluß:
#C10
              21.03.1997
#Y+7
#C21
         Erscheinungstermin:
#C10
              24.03.1997
#C21

Ausgabe 28 hat 816 Seiten  Text aufzu-
weisen,  das in "Intern" zu  startende
Modul " StrangeHonkeeFonk " wurde  von
"Lousy"  <santoso@spectraweb.ch>  kom-
poniert.  Viel Spaß beim  Hören dieses
witzigen Stückes - und  natürlich auch
beim Lesen der  vorliegenden "Gadget"-
Ausgabe !

#Pinsel gadget28:pinsel/an

P.S.:  Ansonsten sei  noch  auf  einen
neuen  Service,  der in  der "Intern"-
Rubrik  zu finden  ist,  und die eben-
falls neu  hinzugekommene Bezugsquelle
für unsere österreichischen  Leser (?)
hingewiesen,
