0. Einleitung
1. Beschreibung der Arten (Literatur)
1.1 Agama agilis
1.2 Agama sanguinolenta
1.3 Verbreitung
1.4 Haltung
2. Haltungsprotokoll
2.1 Aussehen
2.2 Terrarium
2.3 Haltungsbedingungen
2.4 Verhalten/Haltung
2.5 Nahrung
2.6 Ausfälle
2.7 Besonderheiten
0. Einleitung
Die Art Agama agilis ist in wenigen Literaturquellen zu finden. Bei dem Gelsenkirchener Händler, von dem die ersten 5 Tiere erstanden worden sind, wurde die Art als afrikanische "Hartmanns Agame" deklariert. Das ist aber möglicherweise falsch. Im Nietzke "Die Terrarientiere 2" fand sich eine Abbildung, die ziemlich genau unseren Tieren entspricht. Dabei handelte es sich um Agama sanguinolenta, die asiatische Steppenagame. Im Kosmos "Handbuch der Terrarienkunde" wird eine Unterart Agama agilis sanguinolenta beschrieben, die vermutlich mit A.agilis (A.sanguinolenta) identisch ist. Die Ausführungen beziehen sich alle auf diese Quellen. Große Ähnlichkeit in der Beschreibung weist auch Agama mutabilis(=pallida) auf; ihre Verbreitung erstreckt sich auch auf Nordafrika, so daß Afrika als Herkunftsland plausibel erscheinen kann. Während eines Besuches des Gelsenkirchener Händlers im Dezember `94 sahen wir eine dritte Variante, diesesmal als cf.hartmanni deklariert. Sie wirkte insgesamt gedrungener als unsere Exemplare und war sehr hell, entsprach damit eher dem mutabilis-Typus.
1. Beschreibung der Arten (Literaturquellen):
1.1. A.agilis:
Größe 20-22 cm, recht langschwänzig, verhältnismässig kräftige Gliedmassen - hinten länger als vorne - mit langen scharfen Krallen. Oberseite sandfarben mit dunklen Querstreifen, auf der Rückenlinie rhombisch verbreitert mit lichtem Mittelfleck. Hell-dunkel gebänderte hintere Schwanzhälfte. In der Erregung nimmt die Kehle eine kobaltblaue Färbung an. Die Unterseite ist hell. Eierlegend.
A.agilis sanguinolenta:
Länge 12+18 cm.
1.2. A.sanguinolenta:
Eine kleinere, zierliche Agamenart. Der dünne Schwanz trägt schindelartige Schildchen. Die Körperfarbe ist lehmgelblich bis braungrau, mit unbestimmten Flecken auf der Oberseite. Dunkle Querstreifen finden sich auf Schwanz und Beinen. Bei Wohlbefinden und Erregung wird die Unterseite des Körpers bläulich. Oberseite und Kehle nehmen schliesslich eine ultramarinblaue Färbung an. Die Hautfarbe kann allerdings auch einen grünlichen oder weinroten Ton annehmen. Dabei werden die unbestimmten Flecken auf der Oberseite zinnoberrot. Spitzname: "Russisches Chamäleon".
1.3. Verbreitung
A.agilis: Pakistan, Iran, Irak, Afghanistan. Trockensteppe, Bodenbewohner.
A.agilis sanguinolenta: Mittelasien, in Sand-, Lehm-, und Steinsteppen mit Pflanzenwuchs, in der Nähe von Wassergräben.
A.sanguinolenta: Mittelasiatische Steppengebiete, auch auf kultivierten Lössböden.
1.4. Haltung
A.agilis:
Luft 34°C, Boden lokal 40°C. Nachts Abkühlung. Trockenterrarium,
länger als hoch. Futter: Insekten, schnell bewegliche Futtertiere.
Reizbar.
A.agilis sanguinolenta:
Sehr anpassungsfähig, verträglich und ausdauernd. Volle Besonnung,
Pflege in der Sommerfrische möglich, bodenlebend.
A.sanguinolenta:
Luft 30°C, Boden lokal 35°C. Nachts Abkühlung. Trockenterrarium,
länger als hoch. Sonne ! Das Trinkbedürfnis ist größer als bei
anderen Agamen. Futter: Insekten, gelegentlich pflanzliche Nahrung.
Reizbar. Eine Ruhezeit im Winter kann eingeschaltet werden
(herabgesetzte Temperaturen).
2. Haltungsprotokoll
Anschaffung
a) 7/941,1
b) 7/941,1
c) 7/940,1
d) 5/95 0,2
e) 6/95 1,1 Preise zwischen 30,--DM und 60,--DM.
2.1. Aussehen
Die Grundfarbe aller Tiere ist ein heller Sandton. Der Rücken wird durch ein braunes Fleckenmuster aufgelockert, das bei b) jedoch stärker in Erscheinung tritt. Insbesondere die Weibchen von b) trugen ein braun-beiges Schachbrettmuster. Das könnte allerdings auch untypisch sein, da die Weibchen b) nur relativ kurze Zeit überlebten. Die Männchen tragen einen tiefblauen bis violetten Kehlsack, einzelne Schuppen sind blau irisierend. Der hintere Teil des Kehlsacks ist bis zum Hals schwarz gefärbt. Die Blaufärbung tritt auch noch an den Flanken auf, wenn auch nicht so intensiv. Die Kehle der Weibchen ist oft hell/dunkel marmoriert. Der Schwanz aller Tiere ist meist deutlich hell/dunkel gestreift. Die Tiere variieren je nach Temperatur und Befinden ihre Färbung, so daß die Männchen auch einmal die Weibchenfärbung tragen. Nachts sind die Tiere manchmal dunkler und stärker braun gefleckt als tagsüber. Gelegentlich taucht bei a) entlang der Rückenlinie eine olivbraune Linie auf. Zur Zeit (1/95) ist das Männchen von a) am Rücken dunkelbraun mit beigen Flecken gefärbt und trägt eine olivbraune Rückenlinie. Das Männchen von b) ist permanent sandfarben mit angedeutetem Schachbrettmuster. d) und e) enthalten als neue Variante eine Art mit gekielten Schuppen, die insgesamt schmutzigfarben wirkt. Die Schnauze ist relativ kürzer als bei den anderen Arten.
Bei a), b) und d) scheint es sich um regionale Unterarten zu handeln, da sich insbesondere die Männchen farblich unterscheiden. Die Ssp. a) ist auf den ersten Blick insgesamt kontrastärmer als b). Die Tiere d)e) sind offenbar nochmals eine regionale Unterart, ausgewiesen wurden sie als A.pallida, "ägyptische ...agame". Sieht aber eher nach agilis aus.
Die sechs Tiere gliedern sich jetzt so auf:
1,2 kariert, vermutlich agilis sanguinolenta2.2. Terrarium
Die Tiere bewohnen seit ihrer Anschaffung ein Terrarium mit den Massen 150L*45B*45H. Die Beleuchtung besteht aus 2 Leuchtstoffröhren 36W 120cm und 2(1) Strahlern E14 zu 40W. Die Drosselspulen der Leuchtstoffröhren sind unter einer sandbeschichteten Alu-Platte auf dem Boden befestigt. Boden und Decke sind mit Gipsmilch gestrichen, die Rück- und Seitenwände sind mit strukturierten 0.5cm Styroporelementen, die hellgelb abgetönt sind, verkleidet. Die Be- und Entlüftung sichern drahtnetzbespannte Lüftungsschlitze 5*150cm an der oberen Rückwand und vier 10cm "Bullaugen" an den Seitenwänden. Die Front wird durch 2 seitlich verschiebbare Glasscheiben gebildet. Das Terrarium ist Teil einer Anlage aus drei Einheiten ähnlicher Größe.
2.3. Haltungsbedingungen
Das Terrarium wird von 9-18 Uhr beleuchtet. Die Aufheizung erfolgt durch die Drosselspulen und die Strahler. Nach dem Ausschalten der Beleuchtung kühlt das Terrarium langsam auf die Wohnraumtemperatur ab. Die Temperaturspitzen liegen bei ca. 30-35°C im oberen Terrarienteil, bei zu großer Erwärmung werden die Punktstrahler abgetrennt. Auf den im Terrarium plazierten Drosselspulen erreicht die Bodentemperatur weit über 40°C. Nachts kann die Temperatur bis auf 17-18°C fallen. Feuchtigkeit erhält das Terrarium nur durch das kleine Trinkgefäss und eine bodenwuchernde Kletterfeige im rechten Terrarienteil, die morgens öfter, abends gelegentlich mit dest. Wasser besprüht wird. In der Mitte des Terrariums befindet sich eine getopfte Sukkulente. Die Luftfeuchte schwankt so zwischen minimal 30% relative Feuchte tagsüber und maximal 70-80% nachts.
2.4. Verhalten/Haltung
Die Agamen sind relativ selten aktiv, wirken aber meist sehr wach und verfolgen interessiert Bewegungen ausserhalb des Terrariums. Gerne sonnen sie sich unter den Strahlern, ziehen sich aber auch oft in kühlere Bereiche des Terrariums zurück. Scheu sind sie nicht, oft stehen sie auf den Hinterbeinen an der Frontscheibe und warten buchstäblich darauf, daß man sie herauslässt. Mit einem gewagten Sprung landen sie dann auf der Kleidung des Pflegers und erklettern schnell eine bessere und höhere Aussichtsposition, um dann wieder Ausschau zu halten. Dem Herausnehmen kann man sich schwer entziehen, da die Tiere sehr niedlich sind und wirklich keinerlei Scheu haben. Insbesonder trifft dies auf b) zu. Das Männchen erzwingt so oft einen Rundlauf durch das Zimmer. Untereinander kann man bei diesen Agamen kaum Streitereien beobachten, obwohl eine eindeutige Rangordnung festliegt. Sonnen sich zwei Männchen an derselben Stelle, dann liegt das ranghöhere eben teilweise auf dem rangniedrigeren Tier. Beissereien sind selten zu beobachten, es ähnelt mehr einem Zwicken in die Nackenregion. Sehr häufig sind man ein dreimaliges, ruckartiges Kopfnicken bei hin und wieder aufgestelltem Kehlsack, wenn sich zwei oder mehrere Tiere begegnen, allerdings nicken die Tiere auch solo häufig. Die Häutung erfolgt über mehrere Tage hinweg. Die Tiere verlieren ihre alte Haut nur stückweise. Nachts suchen die Tiere keine Höhlen o.ä. auf. Sie drücken sich leicht in Nischen oder übernachten frei oder sogar auf etwas derberen Pflanzen (Sukkulentenbäumchen).
2.5. Nahrung
Angeboten wurde zwar kein umfangreiches Spektrum, aber Insekten sind eindeutig die Lieblingsnahrung. Vegetarische Kost wurde nur selten angerührt. Die Tiere zeigen eine besondere Vorliebe für sich schnell bewegende Futtertiere, denen sie mit Begeisterung hinterherjagen. Zeitweise sind sie allerdings recht faul und nehmen lieber langsame wurmartige Nahrung. Heimchen lassen sie dann links laufen, Stücke von zerteilten Schwarzkäferlarven werden begeistert genommen. Die Größe der Futtertiere kann Ausmasse erreichen, die man den zierlichen Tierchen gar nicht zutraut. Selbst Heuschrecken vor der letzten Häutung und ausgewachsene Grillen werden genommen. Schwarzkäferlarven, denen vorher der Kopf abgetrennt wurde, verschlingen sie auch. Der Feuchtigkeitsbedarf ist z.T relativ hoch, denn das Männchen b) leckt fast jeden Morgen die besprühten Pflanzen ab. Das Männchen a) bevorzugt da eher frisches Obst. Allerdings sieht man nur äusserst selten, daß das angebotene Trinkgefäss angenommen wird, obwohl jedes Tier auf seiner Terrariumschleife in diesem hin und wieder einmal landet. Als Trinkwasserreservoir wird es jedoch nicht erkannt. Zur Zeit (Winter 94/95) scheint die Aktivität etwas herabgesetzt zu sein. Das mag auf eine leichte Winterruhe hindeuten. Die Temperaturen werden trotzdem auf 25-35°C belassen. Die Strahlerbirnen werden zeitweise abgedreht.
Gefressen wurden:
2.6. Ausfälle
a) 10/94 0,1 das sehr agile Weibchen mit deutlichem Durchsetzungsvermögen gegenüber den Männchen starb vermutlich an Legenot, da es zunehmend aufgebläht wirkte und sich im Verlauf der Beobachtung mehr und mehr der unangenehmen Bauchlage beim Sonnen durch Aufstellen der Beine zu entziehen versuchte. Es frass allerdings immer sehr gut. Zum Schluss konnten wir das augenscheinliche Leiden jedoch nicht mehr ertragen und haben das Weibchen eingefroren.
b) 7/94 0,1 Das Weibchen lebte nur einen Tag. Es war ausgewachsen und zeigte permanent das oben beschriebene Schachbrettmuster auf dem Rücken. Es zeigte ein ausgesprochenes Wärmebedürfnis, frass nur einmal, und starb dann überraschend. Es wirkte sehr ausgetrocknet.
b) 8/94 0,1 Das zweite Weibchen schien zunächst sehr gut akklimatisiert. Aus uns unbekannten Gründen verstarb es wenige Wochen nach der Anschaffung. Nach einer anfänglich sichtbaren Erholungsphase baute es schlagartig ab und starb. Die zuletzt angenommene Färbung entsprach wieder dem o.a. Schachbrettmuster.
2.7. Besonderheiten
Die Agamen können die beiden Augen nahezu unabhängig voneinander bewegen. Beim Fressen schnappen sie nicht immer zu, sondern schnellen oft die ausgefahrene Zunge vor.