Wissenswertes über artgerechte Haltung, Pflege und Ernährung von

LANDSCHILDKROETEN


Obwohl praktisch keine Landschildkröten der unterschiedlichsten, für die Liebhaberhaltung geeigneten Arten mehr im Handel sind, gibt es noch erhebliche Bestände an Alttieren und erfreulicherweise auch immer mehr Nachzuchten. Entgegen einer weit verbreiteten und veralteten Ansicht sind Landschildkröten jedoch keine "Anfängertiere". Die wirklich artgerechte Haltung ist relativ aufwendig und braucht Platz.

A n s c h a f f u n g

Man achte auf intakte Krallen und klare Augen, vor allem jedoch auf einen festen, wirklich harten Panzer. Abweichende Merkmale deuten auf Erkrankungen und/oder Mangelerscheinungen hin.

U n t e r b r i n g u n g

Landschildkröten benötigen zumindest im Frühjahr und Spätsommer/Herbst unbedingt ein beheiztes und beleuchtetes Terrarium. Ständiger Aufenthalt im Freien ist bei unserem Klima selbst im Sommer ja nicht immer möglich. Freilauf in der Wohnung verbietet sich oft, weil es für Schildkröten dort zu kalt/zugig und staubig ist.

Eine idealerweise vorgesehene, räumlich großzügig zu bemessende Daürterrarienhaltung macht ein Spezialbehältnis ohnehin erforderlich. Ein gutes Terraristikfachbuch hilft bei der Gestaltung und Ausstattung eines typischen Landschildkrötenterrariums: Die eingegrabene Wasserschale, Rindenhumus-, Erd-, Kies- und/oder Steinflächen, sowie unterschiedlich stark durch Strahler besonnte Zonen zum freien Aufsuchen der Vorzugstemperatur (Thermometer!) gehören dazu.

Gartenauslauf in einem Gehege wird an schönen Sonnentagen großzügig gewährt (UV-Bestrahlung!). Dabei auch schattierte Teilbereiche anbieten.

P f l e g e

Verschmutztes Wasser (häufig koten die Schildkröten dort ab) ist unverzüglich zu wechseln, auf auf dem Bodenbelag hinterlassener Kot, nebst den weißen Harnablagerungen, wird regelmässig entfernt. Nasse Stellen durchharken und so zum Trocknen auflockern. öfters einmal gegen frisches Bodenmaterial austauschen.

Es dürfen nirgends dauerhaft nasse Bereiche entstehen; stellen- und zeitweise durch Besprühen mit lauwarmen Wasser erzielte, leicht feuchte Plätze sind aber erwünscht. Sie werden in Abwechslung zu absolut trockenen Zonen ggfl. von den Schildkröten aufgesucht.

E r n ä h r u n g

Landschildkröten sind überwiegend Pflanzenfresser, dabei aber durchaus Gemischtköstler. Das heisst also: Abwechslung beim Grünzeug in Form von unbehandeltem Obst, Gemüse, Kräutern und Salaten ist angesagt. Hier muss fleissig experimentiert und herumprobiert werden, denn viele Landschildkröten sind ausgesprochene Individualisten. Ein Anteil tierischer Kost (Würmer, Schnecken, Fisch, magere Fleischstückchen), insgesamt bis zu 20 Prozent der Gesamtration, ist jedoch wichtig.

Fertigfutter (auch ein angefeuchtetes Wasserschildkröten-, Fisch- und/oder Katzenprodukt) rundet, zusammen mit Ergänzungspräparaten und hochwertigen Kalk- bzw. Vitamin-/Mineralmischungen, den Speiseplan ab.

Kuchen, Kekse, Brot, sowie Teigwaren sind verboten. Einige Vollkornhaferflocken oder etwas Müsli (feucht) als Leckerbissen von Zeit zu Zeit aber statthaft.

G e s u n d h e i t

Eventüller Fressunlust kann durch Probieren neür Futtersorten und ein lauwarmes Flachwasserbad begegnet werden. Nur bei optimaler Pflege und Ernährung sind Landschildkröten recht robust. Verletzungen und äusserlich sichtbare Mängel/Erkrankungen gehören aber SOFORT in die Hände von Spezialisten. Dazu zählen einige wenige Tierärzte oder auch Mitglieder eines Terrarienvereins.

W i n t e r s c h l a f

Für die europäischen Arten und die asiatische Vierzehen-Landschildkröte (alle geschützt) empfiehlt sich eine mehrwöchige, kalte Ruheperiode. Sind die Tiere dies gewöhnt, sollte der gesamte Spätherbst, Winter und Vorfrühling im Winterschlaf verbracht werden. Nur dann gelingen möglicherweise auch eventülle Zuchtabsichten.

Die Winterruhe vorbereitend, sollen die Landschildkröten ca. eine Woche fasten, danach wird in einem lauwarmen Wasserbad (in bis zur Maulöffnung gefüllter Schale) der Darm entleert. Eine nagersicher vergitterte Kiste mit einem Gemisch aus leicht befeuchtetem Torfmull, Sand, Rindenmulch und trockenem Laub mit einigen ebenfalls nagergeschützten, seitlichen Belüftungslöchern, dient als Winterquartier.

Dort graben sich die Schildkröten bei dunkler und frostfreier Aufstellung rasch ein und sie verbleiben bei 4 bis 10 Grad Celsius bis zum Ende der Winterruhe bei regelmässiger Kontrolle in der Kiste.

Ein Bad (wie oben beschrieben), langsame Erwärmung und vorsichtig dosiertes Anfüttern nach der Ruheperiode, wecken langsam wieder die Lebensgeister.

Für "exotische" Arten sind das Studium von Fachliteratur und die Beratung bei einem spezialisiertem Terrarianer unbedingt vor der Anschaffung der Tiere zu empfehlen, um Fragen einer eventüllen Winterruhe, der Optimaltemperatur, sowie über artgerechte Haltung, Pflege und Ernährung zu klären.

(C) Gerald Gantschnigg G.GANTSCHNIGG@raptor.dontpanic.sub.org

Begrüßung , Forum , Termine , Anzeigen , Impressum , Index
RAPTOR-MAG Ausgabe 2