Der folgende Artikel erscheint in der dritten Ausgabe des Jugendmagazins "Spunk". Weitergehende Verwendung oder Verbreitung nur mit Genehmigung des Autors, Dave Huis in't Veld. ------------------------------------- The Rolling Stones "Beggar's Banquet" ------------------------------------- Um mal ein wenig Abwechslung im die SPUNK-Plattenkritiken zu bringen, hier nun die Beschreibung einer bereits im Jahre 1968 veröffentlichten Platte. Die Rede ist vom legendären, für die meisten Stones-Fans auch besten Album "Beggar's Banquet". Die Stones wußten anno dazumal "mit dieser Art von Popmusik, der Gesellschaft ins Gesicht zu schlagen" (M. Jagger). Auch ihre damalige Plattenfirma, die Lon- doner "Decca" bekam jenes zu spüren. Nicht, daß sich die "Decca"-Leute durch die Texte der Rockerballaden, Bei- schlafgesänge und Haschischhymnen gestört fühlten, vielmehr bereitete ihnen das von Bandleader Mick Jagger eingereichte Cover Probleme. Jenes zeigt eine total verdreckte Toilette, und an der Wand finden sich Sprüche wie "Lyndon² liebt Mao" oder "Music from Big Brown" ("Musik beim Kacken"). Hiervon angeekelt und davon überzeugt, daß diese Plattenhülle nur Ärger und Empörung in der Öffentlichkeit verursachen würde, beschloß die "Decca"-Chef- etage die Platte mit einem anderen Cover zu veröffentlichen. Aber hier hatten sie die Rechnung ohne die Stones gemacht: "Wenn wir ihnen heute erlauben, über die Verpackung zu bestimmen, werden sie uns morgen sagen, was wir zu singen haben", so Mick Jagger. Dieses hätte damals das Ende der Stones bedeutet. Und so wechselten die fünf Musiker zu einer anderen Plattenfirma, einem Label, wel- chem die sehr populären Stones gerade recht kamen. Nach den Synthesizer-Ausflügen auf ihrer Platte "Their Satanic Majestic Request" (mensch denke hier an Stücke wie "2000 Light Years From Home") kehrten die Stones wieder zum Rock 'n Roll zurück. So werben sie um "Sympathy For The Devil" (gibt es jemanden, die/der dieses Stück nicht kennt?) und behaupten darin, um nur eine Textpassage zu zitieren, "every cop is a criminal..." In einem anderen Stück, "Street Fighting Man", fordern sie sogar zu einer Schlägerei auf (kommt auch darauf an, wie man "fighting" übersetzt): "The summer's come and the time is right for fighting in the streets..." Ferner huldigt Jagger mit krächzender Stimme im "Stray Cat Blues" die Liebes- künste eines 15jährigen Mädchens - "I beg your Mama doesn't know that you bite like that". Aber die Klosett-LP enthält auch tiefgründige Balladen ("No Expectations"), einfache Liebeslieder ("Factory Girl") und biblische Gleich- nisse ("Prodigal Son"). Laut dem US-Magazin "Rolling Stones" ist "Beggars Banquet" "ein großartiges Album ohne Übertreibungen, ein bemerkenswerter Fortschritt in Text und Musik." Um jene Güte zu erreichen, brauchten die Rolling Stones ein halbes Jahr Probe- und Aufnahmezeit. Trotzdem sagten ihnen die Tonbänder nicht zu: ein Ingenieur hatte die Tonspuren verkehrt zusammengemischt. So wurde auf Jaggers Anweisung die Mixprozedur noch einmal wiederholt. d. huis in't veld   ---------- ² Lyndon B. Johnson, 36. Präsident der USA