========================================================================= Forum Amiga (Bruno Jansen) BRETT Film und Musik ========================================================================= B A T M A N F O R E V E R ========================================================================= Ab 3. August in den Deutschen Kinos. Nacht über Gotham City un im Dunkeln flattert es. Das kann nur ne Fledermaus sein. Da man sie flattern hört kann es sich nur um eine menschliche Fledermaushandeln. Es kann also nur Batman sein. Diesmal muß er sich in BATMAN FOREVER mit 2 fiesen Megaschurken, einer verliebten Psychologin und seinem Superheld-Azubi Robin herumschlagen. Batman (Val Kilmer) wurde neu gestylt. In schwarzem Lackleder. Das macht den Psychopaten düstererotisch. Doppelgesichtig: Fiesling Twoface (Tommy Lee Jones) als Mischung aus Walter Matthau und einem Teller Tartar Riddler (Jim Carrey) eine explosive Mischung aus Nurejew, Jerry Lewis und einem bekifften Tambour-Major Die eine süß, die andere Scharf, beide tödlich. Sugar (Drew barrymore) und spice (Debi Mazar) Hinter Robins hartem Panzer verbirgt sich der softe Vhris O'Donnell Psychologin Dr. Chase Meridian (Nicole Kidman) als Mischung aus Veronica Lake und Jessica Rabbit Productions designer Barbara Ling und ihr Team, zuständig für Ausstattung und Design entwarfen das bizarre Headqurter des Riddlers und die düstere Bathöhle, das Labor des wahnsinnigen Riddlers und Batmans Heimatstadt Gotham City. Im übrigen diensten Japanische Zeichentrickfilme als Inspiration, Albert Speers Berlin-Architektur und expressionistische Stummfilme. Barbara Ling nennt ihr Gotham City "Alptraum von New York" Weniger sei mehr, behauptet eine alte Binsenweistheit. Blödsinn. Schon Miss Piggy von den Muppets wußte: "Mehr ist mehr!" und Regisseur Joel Schuhmacher ist ganz eindeutig der gleichen Ansicht - wie sein Batman Forever beweist. Mehr ist das Credo von Schuhmachers Batman-Variante. Mehr Geld (fast 80Millionen Dollar) mehr Schauplätze (98 Sets), mehr Action, mehr Komik, mehr Farbe, mehr Bösewichter, ja sogar mehr Helden. Diesmal kämpft Batman nicht alleine, sondern mit Unterstützung seines jugendlichen Partners Robin. Die hat er bitter nötig, denn die Rächer von Gotham City wird von allen Seiten umstellt. Die attraktive Psychologin Dr. Chase Meridian droht, die doppelidentität von Millionör Bruce Wayne und seinem heimlichen Alter ego Batman zu enthüllen, während die wahnwitzigen Schurken Harvay Twoface und der Riddler ihm nach Leib und Leben trachten. Mehr an Inahlt hat Batman Forever nicht zu bieten, aber das reicht auch völlig aus als Vorwand für die Aneinanderreihung von sich ständig selbst übertrumpfenden Action-Sequencen, die choreographiert sind, als hätte Vincette Minnelli einen Kung-Fu-Film gedreht. Dazwischen - als Atempause -gibt es verbal ironische Schlagabtausche zwischen Bösewichtern und Superhelden. Der dritte Teil der Batman-saga hat markabere Düsternis und Freudsche Doppeldeutigkeit von Tim Burtons Urflatterman abgeschüttelt. Joel Schuhmacher besann sich auf das Comic-Vorbild und schuf einen lebendigen Cartoon. Schnell grell laut und platativ - krawumm! Der film kommt daher wie eine Symbiose aus aufgemotzter Las Vegasshow, heavy-metal-Konzert und Slapstik-Klamotte. Für letzteres ist Jim Carrey verantwortlich, der sich als Ridder so aufführt, dass Jerry Lewis im Vergleich etwa so lebendig wirkt wie Holzgesicht Horst Tappert. Jim Carrey stilisiert jede seiner Gesten zur histerischen Pantomime, übersteigert jeden Gesichtsausdruck zur Fratze und spuckt seine Dialoge zwischen zwischen irre grinsenden Lippen heraus wie Maschinengewehrfeuer. Er hat Schuhmachers Vision vom lebendigen Comicstrip mehr als hundertprozentig wahr gemacht. Auch Nicole Kidman ist als Cartoon durchaus überzeugend. Sie hat den Hüftschwung von Betty Boop und einen Augenaufschlag wie Bambi nach abgeschlossener Pubertät. Tommy Lee Jones, als säureentstellter Mega-Ganover Twoface ist dagegen eine trübe Tasse. Unter all dem Latex in seinem Gesicht meint man immer wieder einen fragenden Blick zu erhaschen, bin ich Oskarpreisträger und Charakterdarsteller, wirklich in Batman Forever und mache Faxen mit Jim Carrey? Sieht so aus Tommy. Und nicht nur mit Zappelphillip Jim Carrey, sondern auch noch mit Drew Barrymore und Debi Mazar, die als Two-Faces vor Sexappeal fast radioaktiv strahlende Freundinnen Sugar und Spice so tief in die Frauenklischeekiste greifen, das es jede Feministin aus den flachen Schuhen haut. Kein Grund, Alice Schwarzer anzurufen, denn Stereotypisierung ist in Schuhmachers Film Programm - auch bei den Herren. Sein Batman ist mit neuen designtem, muskelbetonten Hartgummipanzer und tiefer John Wayne Stimme, eine Testoferonkanone erster Güte. Und Schuhmachers Robin, ein Badboy mit Koteletten, Ohrring und soviel roher Energie, das er sogar seine Wäsche mit Kung-Fu-tritten auf den Trockenständer befördert, ist die wohl gelungenste Parodie eines hypervirilen Hauddegen, die Hollywood je erfand. Auf die Einführung von Robin ist Schuhmacher besonders Stolz. Tim Burton hatte sich seinerzeit geweigert, Batman den maskulinen Knaben zur Seite zu stellen, weil er homosexuelle Untertöne befürchtete. Schuhmacher wischt solche Spekulationen laut lachend vom Tisch. Batman und Robin haben kein Verhälttnis. Schließlich ist Batman mit seinem Butler Alfred liiert. Chris O'Donnel verbeißt sich mit mehr Verve und Humor, als man ihm zugetraut hätte, ind den Part des athletischen Prügelknaben und liefert als Robin eine Leistung ab, die ihm die Mitwirkung in Batman 4 garantieren dürfte. Ich wollte einen Film machen wie einen Vergnügungspark, sagte Regisseur Schuhmacher, und das ist ihm gelungen. Sämtliche Darsteller spielen ihre Rollen wie Zirkusclowns und sehen mit ihren diversen Maskierungen und Make-up-extravaganzen auch so aus. Dass Robin vor seiner Mutation zum Superhelden als Trapezartist auftritt, ist bezeichnend für den Showcharakter des ganzen Films und gibt Schuhmacher die Gelegenheit, Schlüsselszenen in einem futuristischem Zirkus zu inzenieren, der aussieht wie ein Alptraum von Felini nach vier Portionen Gnochi al forno. Set design und Austattung sind an wahnwitziger Überstilisierung nicht zu übertreffen - von den kleinsten Details wie violetteen Starß auf Debi Mazars Augenlidern bis hin zu den gigangtischen Kulissen von Gatham Cit. Aber trotz dieses Bühnenzaubers, trotz der virtuos herumwirbelnden Kamers und der belebenden Farbenfülle, ist Batman Forever nicht mehr und nicht weniger als ein cinematographischer Rummelplatz. Wenn der Spaß vorbei ist, wenn man jedes Karussell ausprobiert und sich mit Zuckerwatte vollgestopft hat, geht man nach Hause, nimmt ein AlkaSeltzer und fragt sich, was eigentlich bleibt außer Völleund Schwindelgefühl. Im Grunde garnichts, aber wenn die nächste Kirmes - oder die nächste Batman-Fortsetzung - kommt, geht man trotzdem wieder hin. Warum? Weil mehr einfach mehr ist. Fazit: Hochstilisierter Superheldenzircus mit Spaßfactor zehn und null Substanz. Originaltitel: Batman Forever; USA 1995; 121 Minuten Regie: Joel Schuhmacher Buch: Lee Batchler, Janet Scott Batchler, Akiva Goldsman Kamera: Steven Goldblatt Schnitt: Dennis Virkler Musik: Elliot Goldenthal Darsteller: Val Kilmer (BATMAN) - [The Doors] Tommy Lee Jones (TWO-FACES) Jim Carrey (RIDDLER) - [Tierischer Detektiv, The Mask] Nicole Kidman (DR. CHASE MERIDIAN) Chris O'Donnel (ROBIN) - [Der Duft der Frauen] Michal Gough (ALFRED) Drew Barrymore (SUGAR) - [E.T.] Debi Mazar (SPICE) Im Todd A-O Scorring Stage der CBS Studios, New York, ging es hecktisch zu. Rund 100 Musiker des hauseigenen Orchesters spielten unter der Aufsicht des Komponisten Elliot Goldenthal den Score zu Batman Forever ein. Von der Festlichkeit und Eleganz eines abendlichen Konzertes ist jedoch nichts zu spüren. Die hochbezahlten Muusiker tragen meist Jeans und T-Shirt, neben ihnen liegen Getränkedosen, Sandwiches und Notenblätter auf dem Holzfußboden. Jeder ist mit sich und seinem Intrument beschöftigt. Saiten werden gestimmt und Mundstücke befeuchtet. Die Aufwärmphase wird von einer Kakophonie aus Tönen und Notenleitern begleitet, und eine Melodie ist beim besten Willen nicht zu erkennen. Aber das wird sich gleich ändern. Elliot Goldenthal sitzt öfters im Kontrollraum des Studios. Eine Tasse Kaffee steht immer zu seiner Reichweite. Öfters sichtlich übernächtigt, aber trotzdem hochkonzentriert. Während die Musiker ihre Einsätze proben, gibt er seinem Produzenten Mathias Gold kurze und präzise Anweisungen. Mehr Bass für die Klarinette ... , Hier müssen die Streicher pizzicato spielen. Goldenthal ist Perfektionist und hält sich möglichst oft im Studio auf, wenn er schon keine Zeit hat, seine Musik selbst zu dirigieren. Er unterdrückt in dieser Zeit hundertemal ein Gähnen und kokettiert immer ein wenig mit dem mehr als engen Zeitrahmen, in dem er den kompletten Score abzuliefern hat. In nur dreieinhalb Wochen mussten sämtliche Themen und Leitmotive komponiert, orchestriert und eingespielt werden. Eine stramme Zeit. Das ist hart wenn man sich tagsüber nur von Kaffe und Nachts nur von Bier ernährt. Da gibt es Nächte, in der bis 5:00 Uhr geschrieben und an der Orchestrierung für eine Session gearbeitet wird, damit um 9:00 Uhr für die Aufnahme alles bereit ist. Von 121 Minuten Batmann mußte Goldenthal insgesmat 199 Minuten untermalen. Es gab nur eine kleine Pause in dem Film, und zwar bei einer riesigen Explosion. Bei sowas braucht man keine musikalische Atmosphäre, das ist dramatisch genug. Gibt es einen Unterschied zwischen den Batman-Scores von Dany Elfman und seinen? Elfmans Musik hat die düstere Atmosphäre der ersten beiden Filme hervorragend unterstützt. Goldenthals ist einerseitz mystischer, andererseitz viel lebendiger, so eine Art Riddler on the Roof. Bei der ersten Rohschnittvorführung der spotting Session, hatte Regisseur Joel Schuhmacher seine Vorstellung von der musikalischen Umsetzung des Films deutlich gemacht. Nach Schuhmachers Überzeugung ist der Score genauso wichtig wie die Akteure oder die Specialeffecte. Ohne Elliots Musik wäre Batman Forever nur die Hälfte wert. Ganz besonders, weil er als poppiges Comik-Abenteuer konzipiert ist. Erst durch die Musik wird Batman lebendig. Unter dieser Vorgabe schrieb Goldenthal im heimischen Studio an den Mammut-Scores. Am Piano komponierte er simple Melodien und romantischen Themen, für die Untermalung von Actionsequencen fuhr er stärkere Geschütze auf - einen Muikcomputer und zwei Sampler mit unzähligen Soundmöglichkeiten. Doch bei allem notwendigen technischen Schnickschnack ist er Traditionalist geblieben. Natürlich spielen Sampler und das ganze Zeug eine große Rolle bei seiner Arbeit. Aber sie können auf keinen Fall die Größe und den satten Klang eines kompletten Orchesters erzeugen. Die Musiker waren für elf Sessions zu je acht Stunden gebucht, Mal für das cue, für jene Sequenz einspielen, in der sich Two-Face und Riddler erstmals begegnen, Mal fürs das Batman-Theme. Wie die meisten Filmkomponisten hat Goldenthal jade Figur durch eine spezielle Instrumentierung charakterisiert. Das Thema des Riddler klingt durch viele elektronische Spielereien wie eine Mischung aus Strawinsky und eine munter drauflos spielende Zirkuskapelle. Die dunkle Seele von Two-Faces dagegen wird im Leitmotiv durch einen tiefen Bass hervorgehoben. Der Dirigent gibt dem Orchester Anweisungen zum aktuellen zu spielenden cue. Ein cue kann zwischen acht Sekunden und mehreren Minuten lang sein, ein kompletter Score besteht in der Regel aus dreißig bis fünfzig cues. Die Musiker sitzen in Position, auf eine Leinwand wird die Szene projiziert. Wie bei einer Ampel geben farbige Balken, die über das Bild laufen dem Dirigenten die Signale für den Einsatz der Musiker. Ein gelber Balken läßt ihn den Taktstock heben, ein grüner Balken markiert den Beginn, ein weisser das Ende eines cues. Nach diversen Probeläufen, die der Dirigent für sein Timing nutzt, wird das cue aufgenommen. Goldenthal stellte stets zufrieden fest, das die Aufnahmen flott eingespielt wurden. Das Orchester arbeitete professionell und benötigt pro cue höchstens drei oder vier Takes. Das war ist Präzisionsarbeit, man hatte nicht viel Zeit, und diese Musiker sind die besten New Yorks. Sie sind zwar nicht billig, aber sie machen einem den Job leichter. Goldenthal überläßt seinem Produzenten dann schon einmal das Feld, denn Zuhause müssen die Vorbereitungen für die weiteren Einstellung getroffen werden. Und vorher noch ein paar stunden zu schlafen....... ========================================================================= Forum Amiga (Bruno Jansen) BRETT Film und Musik =========================================================================