#Titel Politik / Greenpeace / Verbot von Weich-PVC #Logo gadget41:Pinsel/AG.Politik #Font topaz 8 #C10 Presseerklärung vom 22. Juli 1999 #Font Losse 16 #C31 Verbot von Babyspielzeug aus Weich-PVC beschlossen #Font topaz 8 #C10 Greenpeace begrüßt Entscheidung des Bundesgesundheitsmininsteriums #C21 Hamburg, 22.07.99 - Ein längst überfälliges Produktverbot ist gestern abend in Bonn beschlossen worden. Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer wird in diesen Tagen der EU-Komission mitteilen, dass Deutschland Babyspielzeug aus Weich-PVC verbieten wird. Die Regelung bezieht sich auf Weich-PVC-Spielwaren für Kinder unter 3 Jahren. Phthalat-Weichmacher in PVC-Plastik erweisen sich bei Tierversuchen als leber- und nierenschädigend und beeinträchtigen die Fortpflanzungsorgane. In Laboruntersuchungen im Auftrag von Greenpeace wurde nachgewiesen, daß diese Stoffe in erheblichen Mengen aus den Produkten entweichen. Das führt dazu, dass die Weichmacher von kleinen Kindern beim Lutschen und Saugen direkt aufgenommen werden. Greenpeace hatte im November 1997 erstmals über 100 verschiedene Produkte aus den Regalen des US-amerikanischen Großhändlers "Toys `R` Us" und anderen Verkaufsstellen demonstrativ entfernt und auf die Gesundheitsgefahren hingewiesen. Große Handelsketten haben bereits damals reagiert und die gefährlichen Produkte aus dem Sortiment genommen. Deutsche Hersteller verzichteten ihrerseits auf PVC-Spielzeug für Kleinkinder und stellten auf moderne Kunststoffe um, die keine Beimischungen von Weichmachern benötigen. Die neuen Produkte sind als "PVC-frei" gekennzeichnet. Der deutsche Markt für Baby-Spielzeug war im Frühjahr 1998 bereits weitgehend PVC-frei. Auch "Toys `R` Us" schloß sich dem Trend an. Aber mangels einer gesetzlichen Regelung tauchen noch heute die alten Produkte auf. Eine Regelung in der Europäischen Union wurde vor allem durch US-amerikanische Wirtschaftsvertreter über die US-Botschaften in Europa hintertrieben und vom ehemaligen EU-Kommissar Martin Bangemann blockiert. Etliche EU-Länder, darunter Schweden, Dänemark, Österreich und Griechenland griffen daher zum Mittel des nationalen Verbots. "Ministerin Fischer hat in dieser Lage den einzig richtigen Schritt getan und ist dem Beispiel der Länder gefolgt, denen der Verbraucherschutz über vereinzelte Industrieinteressen geht", sagt Greenpeace Chemie-Expertin Judit Kanthak. "Greenpeace fordert, dass das völlig überflüssige Weich-PVC auch aus Schläuchen, Strukturtapeten, aufblasbaren Gegenständen, Fußbodenbelägen, Dachbahnen, Kabelummantelungen und Unterbodenschutz verschwindet. Aus diesen Produkten entweichen ständig Weichmacher, die als Umweltgifte bereits auf dem ganzen Globus zu finden sind." Das Umweltbundesamt hat in einer im Juni erschienenen Studie erstmals die Verwendung von Weich-PVC als "mit einer vorsorgenden und nachhaltigen Stoffpolitik unvereinbar" erklärt und einen schrittweisen Ausstieg gefordert.