#Titel Politik / SPD / Der Jugend Perspektiven geben #Logo gadget37:Pinsel/SPD.pin #Font topaz 8 #C10 Bonn, den 25. August 1998 399/98 #Font Losse 16 #C31 Der Jugend Perspektiven geben #Font topaz 8 #C10 Edelgard Bulmahn, Walter Riester Auf einer Pressekonferenz erklärten Edelgard Bulmahn und Walter Riester, Mitglieder im Team von Gerhard Schröder, heute in Bonn: #C21 Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt ist weiterhin angespannt. Ende Juli 1998 waren 536.300 jugendliche Ausbildungsplatzbewerber gemeldet, aber nur 445.300 Ausbildungsstellen. Damit hat sich die Schere gegenüber dem Vorjahr weiter geöffnet. Große regionale und berufsbezogene Diskrepanzen kommen hinzu. Es sei daran erinnert, daß schon 1997 nach Abschluß des Ausbildungsjahres über 47.000 junge Menschen ohne Ausbildungsplatz dastanden. Nicht mit eingerechnet ist die große Zahl in den sogenannten Warteschleifen. #C12 #Y-10 Die Relation zwischen Angebot und Nachfrage ist aus also dem Lot geraten. #C21 #Y-10 Es ist höchste Zeit, Wege aus der Ausbildungskrise zu finden. Diese Zahlen spiegeln aber nur einen Teil des Problems wider. (IAB-Kurzbericht Nr. 5, 30.3.1998) #C12 #Y-10 Nach einer Untersuchung des IAB sinkt die Zahl der erwerbstätigen jungen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren kontinuierlich. #C21 #Y-10 1995 waren 4,1 Millionen junge Menschen in Ausbildung, 332.000 waren arbeitslos gemeldet. Zusätzlich waren rund 550.000 von ihnen erwerbslos. Das sind knapp 80.000 mehr als 1991. Das IAB stellt zudem fest, daß "die Zahl der sozialversicherungspflichtigen jugendlichen Arbeitnehmer (ohne Auszubildende) laut Beschäftigungsstatistik zwischen 1995 und 1997 in Westdeutschland erneut um über 300000 zurückgegangen ist". Problematisch ist auch die schleichende Verstaatlichung der beruflichen Ausbildung. Für deren Finanzierung gibt der Bund schon heute rund 2,5 Mrd. DM aus, hinzu kommen zahlreiche Programme der Länder zur Bereitstellung von Ausbildungsplätzen. Die Zahl der außer- bzw. überbetrieblichen Einrichtungen liegt mittlerweile bei über 32.000. Diese Fehlentwicklung bedroht auf Dauer den Kern des Dualen Berufsbildungssystems, den Grundgedanken der Verbindung eines arbeitsplatzbezogenen, in den Betrieb integrierten und eines theorieorientierten, schulischen Teils. Die SPD setzt ein umfassendes Programm dagegen, um jungen Menschen wieder mehr Chancen zu geben. #C12 Wir wollen ein Bündnis für Ausbildung und Arbeit mit den Gewerkschaften und den Arbeitgebern schmieden. #C21 #Y-20 1. Ganz oben auf der Agenda steht die Bekämpfung der Ausbildungsnot. Gemeinsame Anstrengungen können erfolgreich sein. Das zeigt die Vereinbarung der Tarifvertragsparteien in der Metall- und Elektroindustrie, durch die 1997 zehn Prozent mehr Ausbildungsplätze geschaffen worden sind und die vorsieht, daß 1998 und 1999 ihre Zahl wiederum um 10 Prozent erhöht wird. Um aber keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Die Wirtschaft muß sich ihrer Verantwortung stellen, durch eine Erhöhung der Lehrstellenzahl jedem Jugendlichen einen qualifizierten Ausbildungsplatz zu geben. #C12 Die SPD wird unmittelbar nach der Regierungsübernahme ein Sofortprogramm zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit auflegen. 100000 junge Arbeitslose sollen so schnell wie möglich in Ausbildung und Beruf gebracht werden. #C21 #Y-30 2. Für die Finanzierung des Programms werden die Mittel eingesetzt, die sonst für die Bezahlung der Jugendarbeitslosigkeit ausgegeben werden. Wir wollen weg von der passiven Arbeitsmarktpolitik, hin zu einer aktiven Arbeitsmarktpolitik. Das setzt zum einen voraus, die Eintrittschwelle von der Ausbildung in die Arbeit zu senken. Zusätzlich zur Senkung der Eintrittshürden in die Erwerbstätigkeit brauchen wir weitere Instrumente: Eingliederungspläne, umfassende, individuelle Beratung und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen sind miteinander zu verzahnen. #C12 Quantität und Qualität müssen sich ergänzen. Angebot und Nachfrage müssen wieder besser zusammenpassen. #C21 #Y-20 3. Wir wollen in einer Offensive neue attraktive Ausbildungsberufe schaffen. Das heißt: * Zum einen müssen klassische Ausbildungsberufe wieder attraktiver werden. * Zum zweiten müssen insbesondere in den verschiedenen Dienstleistungsbereichen, einschließlich der produktiondorientierten Dienstleistungen und der neuen Medien, die Ausbildungsplätze erhöht, neue Berufsbilder geschaffen und vorhandene modernisiert werden. * Zum dritten müssen wir neue Verknüpfungen von gewerblich-technischen und kaufmännischen Qualifikationen in der Ausbildung herstellen. #C12 Diejenigen, die aufgrund sozialer oder schulischer Probleme Schwierigkeiten haben, einen Ausbildungsplatz zu finden, müssen wir unterstützen. #C21 #Y-20 4. Die Benachteiligtenprogramme sind bedarfs- und zielgerecht weiterzuentwickeln. Damit soll das duale System nicht konterkariert werden, sondern jene Jugendlichen sollen Hilfe erfahren, die sich sonst auf dem Ausbildungsmarkt nicht behaupten können. Die SPD schlägt vor, in einem Modellversuch neue Kombinationen von Arbeitserfahrung und Lernen für die jungen Menschen zu erproben, für die eine herkömmliche Erstausbildung nicht mehr in Frage kommt. #C21 5. #Y-10 #C12 Wir werden Weiterbildung als eine vierte Säule unseres Bildungssystems ausbauen. #C21 #Y-10 Eine aufeinander abgestimmte Aus- und Weiterbildung muß ein flexibles System werden, das die technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen rasch erfassen und inhaltlich umsetzen kann. Eine Modularisierung der Bildungsgänge und Ausbildungsformen ermöglicht einerseits biographische Flexibilität, die bessere Abstimmung von Weiterbildung mit Ausbildung, andererseits können bestehende Ausbildungsformen leichter an neue Bedingungen und Anforderungen angepaßt werden. Diese fünf Schritte werden wir angehen. Unser Ziel ist ein neuer, fairer Generationenvertrag mit der Jugend.