#Titel Politik / Greenpeace / Schluß mit der Heuchelei #Logo gadget35:Pinsel/AG.Politik #Font Losse 16 #C31 Schluß mit der Heuchelei! #Font topaz 8 Klimaschutz ist ohne höhere Benzinpreise nicht zu haben #C21 Bonn, 2.4.98. Für eine umgehende Versachlichung der Debatte um eine Anhebung der Benzinpreise hat sich die Umweltschutzorganisation Greenpeace heute auf einer Pressekonferenz in Bonn eingesetzt. "Die Bundesregierung kann ihr Klimaschutzziel nur erreichen, wenn sie kräftig an der Benzinpreisschraube dreht", sagt Heinz Laing, Leiter des Bereiches Atom, Energie und Klima. "Wir fordern die Politiker aller Parteien auf, den Bürgern und Bürgerinnen reinen Wein über notwendige Klimaschutzmaßnahmen einzuschenken, statt aus kurzsichtigen Beweggründen öffentlich Panikmache und Hysterie zu verbreiten." Tatsächlich sind die verantwortlichen Politiker, die sich heute in populistischer Empörung üben, seit Jahren eines Besseren belehrt. So hält das Bundesverkehrsministerium bis heute eine Studie des Münchner ifo-Instituts unter Verschluß. Darin kommen die Wirtschaftsforscher schon 1995 zu dem dem Schluß, daß eine schrittweise Anhebung der Benzinpreise auf 4,60 Mark bis zum Jahr 2005 bzw. auf 5,75 Mark bis zum Jahr 2010 keine nennenswerten Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft haben wird. Gleichzeitig sind einzig die genannten Benzinpreiserhöhungen in der Lage, die notwendige Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes im Verkehr zu erreichen. Nur mit der drastischen Verteuerung des Benzins kann die Bundesregierung ihr Versprechen einlösen, die klimaschädlichen CO2-Emissionen um mindestens 25 Prozent gegenüber 1990 zu verringern. Selbstverpflichtungserklärungen der Industrie reichen bei weitem nicht aus. "Die Kohlendioxid-Emissionen aus dem Verkehr steigen kontinuierlich an und fressen alle zarten Ansätze zur Minderung der Treibhausgase bei anderen Verursachern auf. Wenn die Bundesregierung vor dem einzig wirksamen Schritt einer saftigen Benzinpreiserhöhung zurückschreckt, dann sollte sie ehrlicherweise den Bankrott ihrer Klimaschutzpolitik erklären", sagt Karsten Smid, Klima- und Verkehrsexperte bei Greenpeace. Mit einer Modellrechnung weist Greenpeace nach, daß Autofahren auch in Zukunft bezahlbar sein wird. Heute kostet das Benzin für eine Autofahrt über 100 Kilometer bei einem Literpreis von 1,60 DM und einem Durchschnittsverbrauch von 9 Litern 14 Mark 40. Greenpeace hat mit dem SmILE-Fahrzeug, einem umgebauten Serien-Twingo von Renault, den sichtbaren Beweis erbracht, daß eine Halbierung des Spritverbrauchs durch Verbesserung der Motoreffizienz schon heute technisch für alle Fahrzeuge möglich ist. Schon in zehn Jahren könnte der durchschnittliche Flottenverbrauch von heute 9 Litern auf dann 4,5 Liter gesenkt werden. Die gleiche Autofahrt würde im Jahr 2010 trotz schrittweiser Anhebung des Benzinpreises um jährlich zum Beispiel 30 Pfennig nur um 9 Mark teurer werden. Besitzer kleinerer Fahrzeuge wären im Vorteil, denn sie müßten künftig beispielweise nur gut 4 Mark mehr für eine Tour von 100 Kilometern zahlen als heute. Die Erhöhung der Energiekosten muß mit gezielten Maßnahmen zur Senkung anderer Kosten einhergehen, fordert Greenpeace. Erhöhte Energiesteuern im Rahmen einer Öko-Steuerreform müssen an die Haushalte zurückfließen, beispielsweise in Form verringerter Beitragssätze zur Rentenversicherung. Mehrkosten für Benzin werden dadurch kompensiert.