#Titel Politik / Greenpeace / Bau von Atomreaktoren... #Logo gadget39:Pinsel/AG.Politik #Font topaz 8 #C10 Presseerklärung vom 11. Februar 1999 #Font Losse 16 #C31 Streng vertrauliches EU-Gutachten belegt: Bau von Atomreaktoren in der Ukraine überflüssig und zu teuer #Font topaz 8 #C10 Gutachter bezweifeln von Deutschland mitfinanziertes Atomprojekt #C21 Hamburg, 11.2.1999. Der geplante Bau der Atomreaktoren Chmelnizki-2 und Rowno-4 in der Ukraine als Ersatz für den Unglücksreaktor Tschernobyl, der von Deutschland massiv mitfinanziert werden soll, ist überflüssig und viel teurer als bisher angenommen. Zu diesem Schluß kommt ein von der EU-Kommission in Auftrag gegebenes, als "streng vertraulich" eingestuftes Gutachten, das Greenpeace vorliegt. Nach Auffassung der Gutachter der European Investment Bank (EIB), die die Atomprojekte wegen Kreditvergabe geprüft haben, ist der Bau neuer Atomkraftwerke in der Ukraine überflüssig. Der Strommangel in der Ukraine ist laut Gutachten nicht durch fehlende Kraftwerke, sondern durch Probleme bei der Brennstoffversorgung verursacht. Tschernobyl könne geschlossen werden, ohne dass neue Stromkapazitäten aufgebaut werden müssten. Außerdem seien die Baukosten bisher falsch eingeschätzt worden. Die Gesamtkosten für die Fertigstellung liegen dem Bericht zufolge mit 1,87 Milliarden Dollar (rund 3,1 Milliarden Mark) wesentlich höher als alle früheren Schätzungen. Geldgeber für den Bau der Atomreaktoren sind die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE), die EU (Euratom) und die Bundesrepublik, die mit mindestens einer halben Milliarde Mark das Hauptgeberland ist. Die deutsche Siemens AG hat nach eigenen Angaben bereits einen Auftrag für Rowno-4 und hofft auch auf Aufträge bei Chmelnizki-2. Die EBWE, die Ende März über die Finanzierung entscheidet, hat zur Bedingung gemacht, dass jedes von ihr finanzierte Energieprojekt die jeweils denkbar wirtschaftlichste ("least-cost") Variante der Stromversorgung darstellen muss. Das Gutachten der EIB kommt jedoch zu dem Schluss, dass es "nicht möglich ist, dem Projekt eine eindeutige, auf Vergleichen beruhende wirtschaftliche Rechtfertigung zuzugestehen". Statt des Baus von ein oder zwei Großprojekten empfehlen die Gutachter die Finanzierung von mehreren kleineren Energieprojekten. Die Ukraine selbst hatte schon 1995 vorgeschlagen, ein wesentlich umweltfreundlicheres Gas-und Dampf-Kraftwerk bei Slawutitsch zu bauen, was von den westlichen Partnern jedoch abgelehnt wurde. Greenpeace-Atomexperte Tobias Münchmeyer: "Eine Bundesregierung, die im eigenen Land den Atomausstieg verkündet, kann nicht gleichzeitig mit 500 Millionen Mark Steuergeldern den Bau neuer Atomreaktoren finanzieren. Es ist absolut verantwortungslos, den Unglücksreaktor von Tchernobyl durch neue Atomreaktoren ersetzen zu wollen. Wir fordern Umweltminister Trittin als zuständigen Minister nachdrücklich auf, klar zu sagen, ob sich die Bundesregierung für oder gegen das gefährliche und wirtschaftlich unsinnige Atomprojekt einsetzen wird."