#Titel Politik / Greenpeace / RWE: Wettbewerb #Logo gadget38:Pinsel/AG.Politik #Font topaz 8 #C10 Presseerklärung vom 19.11.1998 #Font Losse 16 #C31 RWE: Wettbewerb - beim Telefon ja, beim Strom lieber nicht #Font topaz 8 #C10 Stromkonzern blockiert umweltfreundliche Anbieter - Greenpeace-Protest in Essen #C21 Hamburg, 19.11.98. Vor der Essener Gruga-Halle, wo heute die Aktionärsversammlung des größten deutschen Energiekonzerns RWE stattfindet, protestiert Greenpeace gegen die Blockade von umweltfreundlichen Stromanbietern durch das Unternehmen. Vor dem Haupteingang haben 25 Greenpeacer ein Windrad, eine Solaranlage und ein Blockheizkraftwerk aufgebaut, die den sauberen Strommix der Zukunft symbolisieren. Die Umweltschützer haben an das Windrad und die Solaranlage ein Kabel angeschlossen, um den sauberen Strom über eine Steckdose in der Gruga-Halle direkt in das Stromnetz einzuspeisen. Mit dem Banner "RWE-Strom: Nein Danke! Stromwechsel jetzt!" und mit Broschüren werden die Aktionäre aufgefordert, bei der "Aktion Stromwechsel" von Greenpeace mitzumachen und persönlich aus der Atom- und Kohleenergie auszusteigen. "Wer als privater Stromkunde sein Recht wahrnehmen und den Stromversorger wechseln will, beißt bei RWE auf Granit. Deutschlands größter Stromkonzern hat über ein halbes Jahr nach Öffnung des Strommarktes erst in dieser Woche die Tarife für die Benutzung seines Stromnetzes publik gemacht. Angesichts überhöhter Gebühren haben vor allem umweltfreundliche Konkurrenten keine Chance, ihren Strom zu einem fairen Preis durch das RWE-Netz zum Verbraucher zu leiten", so Greenpeace-Energieexperte Sven Teske. "Von dem gesetzlich geforderten, diskriminierungsfreien Zugang für alle Stromanbieter kann nach wie vor keine Rede sein. Vielleicht geht den RWE-Aktionären ja heute mit unserem Strom ein Licht auf." Ein Vergleich mit dem Telekommunikationsmarkt zeigt, dass RWE sich heute derselben Methoden bedient, um den Wettbewerb im Strommarkt zu behindern, wie die Telekom dies im Bereich der Telefonnetze lange Zeit versucht hat. Als die Telekom von ihren Kunden Gebühren für den Wechsel zu einem Konkurrenten erheben wollte, sprach Ulf Bohla, Chef des RWE-Telefonunternehmens Otelo, von einem "unglaublichen Versuch des Machtmißbrauchs der Telekom". Nicht anders aber macht es RWE heute im Strommarkt: Verbraucher, die Strom anderer Anbieter durch das RWE-Netz beziehen wollen, müßten über 13 Pfennig pro Kilowattstunde allein für die Durchleitung bezahlen. "Die realen Kosten für RWE liegen wahrscheinlich bis zu zwei Drittel niedriger. Das nenne ich einen unglaublichen Machtmissbrauch", so Sven Teske. Allein im Geschäftsjahr 1996/97 investierte der Stromkonzern 3,6 Milliarden Mark in die mit dem VEBA-Konzern gegründete Telefongesellschaft Otelo. Die Zeche zahlten größtenteils die Stromkunden - mindestens 1,6 Milliarden Mark konnte RWE alleine aus den Rückstellungen für Atomkraftwerke und die Entsorgung atomarer Abfälle finanzieren. RWE machte mit Otelo 1997/98 rund 500 Millionen Mark Verlust. Greenpeace fordert alle Verbraucher auf, Atomstromkonzernen wie RWE den Rücken zu kehren. "Jeder Bundesbürger kann persönlich aus der umweltzerstörenden Atom- und Kohleenergie aussteigen, indem er bei der Aktion Stromwechsel mitmacht und Konzernen wie RWE kündigt. Keiner muss jahrzehntelang warten, bis die Politik den Atomausstieg umsetzt oder die Kohlekraftwerke abschaltet. Greenpeace wird dafür sorgen, daß alle Stromwechsler im Laufe des nächsten Jahres auch tatsächlich sauberen Strom beziehen können", sagt Sven Teske. Schon über 40.000 Verbraucher in ganz Deutschland machen bei der "Aktion Stromwechsel" mit. Sie haben Greenpeace schriftlich erklärt, dass sie ihrem Stromversorger kündigen und zu einem umweltfreundlichen Stromerzeuger wechseln wollen. Voraussetzung dafür ist eine gesetzliche Regelung, die garantiert, dass saubere Stromlieferanten nicht länger durch die Stromkonzerne ausgebremst werden. Greenpeace hat im Rahmen der "Aktion Stromwechsel" einen konkreten Vorschlag für eine solche Regelung vorgelegt.