#Titel Grundlagen / Euro / Konvergenz-Bericht 1998 #Logo gadget35:Pinsel/AG.Grundlagen #Font topaz 8 #C10 Brüssel, den 25.03.1998 #Font Losse 16 #C31 EURO 1999 #Font topaz 8 #C10 Bericht über den Konvergenzstand mit Empfehlung für den Übergang zur dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion (von der Kommission vorgelegt) Ein Dokument der Europäischen Union. Im Original recherchierbar unter http://europa.eu.int/comm/off/rep/conver/intro_de.htm #Font Losse 16 #C31 Am 1. Januar 1999 entsteht die Euro-Zone #Font topaz 8 #Seitenende Vorwort #C21 1 In wenigen Monaten wird der Euro Wirklichkeit. Damit liefert Europa seinen Bürgern und seinen Partnern in aller Welt einen ganz konkreten Beweis für die von den europäischen Völkern frei gewählte Schicksalsgemeinschaft, eine Gemeinschaft des Friedens und des Wohlstands. 2 Am 1. Januar 1999 werden die europäischen Staaten erstmals eine einheitliche Währung einführen, als Krönung eines langen Prozesses, der sowohl von dem freien politischen Willen der Staats- und Regierungschefs als auch von der Schaffung der für den Erfolg notwendigen wirtschaftlichen Voraussetzungen gekennzeichnet ist. 3 Mit dem Euro entsteht eine wirkliche Stabilitätskultur in Europa, die im Interesse stabiler, gesunder und sinnvoll gestalteter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen unbedingt notwendig ist. Er bietet auch eine Antwort auf die gegenwärtige Entwicklung der Weltwirtschaft und ihre Globalisierung. Zwar kann mit dem Euro allein die Geißel der Arbeitslosigkeit nicht aus der Welt geschafft werden, aber ohne den Euro würde im vorrangigen Kampf gegen die Arbeitslosigkeit ein entscheidendes Instrument fehlen. Die Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) wird der europäischen Wirtschaft, dem europäischen Binnenmarkt zu neuer Dynamik verhelfen. Sie wird die Investitionstätigkeit anregen, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärken, Verbrauchern und Sparern Vorteile bringen und den Bürgern das Leben in der Arbeitswelt oder auch auf Reisen erleichtern. 4 Die Folgen dieses historischen Ereignisses reichen über die Grenzen der Europäischen Union hinaus: Auf internationaler Ebene wird der Euro immer weitere Verbreitung finden. Nach und nach wird er zu einer weltweiten Transaktions-, Anlage- und Reservewährung werden. Er wird die Existenz und die Einheit Europas gegenüber seinen Partnern verkörpern und zu größerer Stabilität des internationalen Währungssystems beitragen. 5 Heute, kurz vor der Einführung des Euro, zeichnet sich in Europa ein wirtschaftlicher Aufschwung ab, der sich günstig auf die Beschäftigung auswirken wird. Dies ist der Tatsache zu verdanken, daß die Inflation unter Kontrolle und die Sanierung der öffentlichen Finanzen auf gutem Wege ist. Der Entwicklungsprozeß zur Wirtschafts- und Währungsunion zeigt allmählich beachtliche Ergebnisse. Der Konvergenzbericht der Kommission macht dies deutlich: Innerhalb weniger Jahre haben die Mitgliedstaaten die Konvergenz ihrer Wirtschaften in bemerkenswerter Weise verstärkt und bessere Ergebnisse erzielt. Dementsprechend empfiehlt die Kommission dem Rat, daß elf Mitgliedstaaten den Euro am 1. Januar 1999 einführen: Belgien, Deutschland, Spanien, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Portugal und Finnland. 6 Die Beschlüsse der Regierungen und die im EG-Vertrag vorgesehenen Instrumente verpflichten die Mitgliedstaaten, auf diesem Weg voranzuschreiten: Nur wenn ihre Haushalte auf mittlere Sicht ausgeglichen sind, werden sie wieder über wirtschaftspolitische Spielräume verfügen. Die Haushaltssanierung und ein ausgewogener Policy-mix werden eine spannungsfreie Steuerung der Wirtschafts- und Währungsunion erleichtern. Die Wahrung der Preisstabilität dank einer unabhängigen Europäischen Zentralbank und eine verstärkte Koordinierung der einzelstaatlichen Wirtschaftspolitik auf Gemeinschaftsebene bieten die Gewähr für ein harmonisches und erfolgreiches Funktionieren der Union. 7 Den größten Nutzen wird Europa aber aus der Wirtschafts- und Währungsunion ziehen, wenn es in der Lage ist, gleichzeitig wichtige Durchbrüche in anderen Bereichen zu erzielen, so zum Beispiel in der Beschäftigungspolitik oder im Steuerwesen. 8 Die Sorge um das Wohl der künftigen Generationen spornt dazu an - die notwendige Anpassung der wirtschaftlichen und sozialen Strukturen Europas an der Schwelle zum 21. Jahrhundert gebietet dies. Nur dann werden der heute erkennbare Konjunkturaufschwung und der von der Einführung des Euro ausgehende Impuls eine Phase nachhaltiger Fortschritte und dauerhaften Wachstums in Europa einleiten. #Seitenende #C31 Der Euro - eine dauerhaft stabile Währung für Europa #C21 9 Mit der Ratifizierung des Vertrags von Maastricht haben sich die Europäer auf der Grundlage empirischer Evidenz für Stabilität entschieden: Eine hohe Inflation, die Kumulation öffentlicher Defizite und hohe Langfristzinsen sind Störfaktoren für die Entscheidungen und Erwartungen der Wirtschaftsakteure; sie verlagern die Lasten einer kurzlebigen Erholung auf die künftigen Generationen und beeinträchtigen die Investitionen, verlangsamen das Wachstum und sind ein Hemmschuh für die Schaffung von Arbeitsplätzen. 10 Durch einen hohen Grad an Konvergenz zwischen den Wirtschaften der Mitgliedstaaten werden die Fundamente für stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen in der Europäischen Union gelegt. Nunmehr kommt es darauf an, diese Rahmenbedingungen zu erhalten und auf Dauer zu konsolidieren. #Seitenende #C31 Die Konvergenz kann als Erfolg für Europa verbucht werden #C21 11 Die Schaffung der Einheitswährung entspricht dem Stabilitätsbedürfnis, auf dem der Wachstumsprozeß aufbaut: Der Zusammenbruch des internationalen Währungssystems im Jahr 1971 und das Fehlen von Instrumenten für die wirtschafts- und währungspolitische Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten führten dazu, daß die Inflation außer Kontrolle geriet, das Wachstum stark nachließ und die Arbeitslosigkeit in Europa zunahm. 12 Die Europäer reagierten hierauf mit der Entwicklung von Mechanismen der wirtschaftlichen und finanziellen Solidarität. Ab 1979 wurde mit der Errichtung des Europäischen Währungssystems und der Schaffung der ECU eine Stabilitätszone geschaffen, die zur Rückführung der Inflation und Stabilisierung der Wechselkurse zwischen einer großen Mehrheit der Mitgliedstaaten beitrug. 13 Die Globalisierung der Wirtschaften und die Turbulenzen, denen sie in einem instabilen internationalen Umfeld ausgesetzt sind, erfordern jedoch eine Antwort, die der Aufgabe des europäischen Aufbaus angemessen ist. Für die Vertiefung dieses Aufbauwerks war es wesentlich, dab der Binnenmarkt vor erratischen Wechselkursschwankungen geschützt würde. Mit der Unterzeichnung des Vertrags über die Europäische Union im Jahr 1992 bekräftigten die Mitgliedstaaten ihre Entschlossenheit, die Freizügigkeit von Waren, Dienstleistungen, Personen und Kapital zu gewährleisten, eine wirkliche Konvergenz der Wirtschaftspolitiken anzustreben und Europa bis zum Jahr 2000 eine einheitliche Währung zu geben. 14 Diese politische Entschlossenheit wurde zwar in den letzten Jahren oft auf die Probe gestellt, hat aber niemals nachgelassen. Ihre Glaubwürdigkeit beruht auf der tiefen und unerschütterlichen Überzeugung, daß die Ziele, die Bedingungen und der Zeitplan für die Verwirklichung der Wirtschafts- und Währungsunion, so wie sie im Vertrag von Maastricht vorgesehen sind, im Interesse Europas und seiner Mitgliedstaaten unbedingt eingehalten werden müssen. Die Bilanz der letzten Jahre ist eindrucksvoll: o Die bemerkenswerten Fortschritte der Mitgliedstaaten sind ein Beweis dafür, daß sich die Konvergenz ihrer Wirtschaften deutlich verstärkt hat. Die durchschnittliche Inflationsrate ist in der EU sehr erheblich gesunken und liegt nunmehr in fast allen Mitgliedstaaten unter 2 %. Das durchschnittliche gesamtstaatliche Defizit ist in der EU von 6,1 % des BIP im Jahr 1993 auf 2,4 % im Jahr 1997 zurückgegangen, so daß die öffentliche Schuldenquote nunmehr strukturell verringert werden kann. Dank dieser Erfolge konnten die Langfristzinsen beträchtlich sinken, was wiederum Investitionen und Wachstum angeregt und die Stabilität der Wechselkurse im EWS verstärkt hat. Auf der Grundlage der Bestandsaufnahme im vorliegenden Bericht empfiehlt die Kommission daher dem Rat, daß elf Mitgliedstaaten den Euro am 1. Januar 1999 einführen, da sie die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen. o Die institutionellen Phasen des Prozesses verliefen vertragskonform und entsprechen dem Referenzszenario, das der Europäische Rat im Dezember 1995 in Madrid beschlossen hat: Der rechtliche und technische Rahmen (Stabilitäts- und Wachstumspakt, Rechtsstatus des Euro, neues europäisches Währungssystem usw.), der für das reibungslose Funktionieren der WWU unerläßlich ist, besteht inzwischen. o Seit der Veröffentlichung des Grünbuchs der Kommission vom Mai 1995 werden die notwendigen Vorbereitungen zur Einführung des Euro am 1. Januar 1999 entschlossen, präzise und energisch von den Gemeinschaftsinstitutionen, den Mitgliedstaaten und den Wirtschaftsakteuren vorangetrieben, die darauf warten, daß die Staats- und Regierungschefs den Start der WWU beschließen, damit sie die Früchte ihrer Anstrengungen ernten können. Die vorliegende Empfehlung der Kommission ist Rechtsgrundlage für diesen Beschluß des Europäischen Rats am 2. Mai dieses Jahres. 18 Noch vor Einführung einer Einheitswährung ist in Europa das Vertrauen zurückgekehrt. Eine eingedämmte Inflation, solidere öffentliche Finanzen und im historischen Maßstab niedrige Zinsen sind der Grund für die gegenwärtige beschäftigungsfördernde Konjunkturbelebung und die Währungsstabilität in Europa trotz der asiatischen Krise. Das Wachstum erhöhte sich von +1,8 % des BIP im Jahr 1996 auf 2,7 % im Jahr 1997. Es wird auf 2,8 % im Jahr 1998 und 3,0 % 1999 geschätzt. Innerhalb von drei Jahren (1997-1999) dürften in Europa 3,4 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen. 19 Diese ermutigenden wirtschaftlichen Erfolge sprechen auch für den Erfolg des Euro. Wenn man bedenkt, daß eine große Anzahl von Mitgliedstaaten schon heute die notwendigen Voraussetzungen für den Übergang zur Einheitswährung erfüllt, hat sich die Europäische Union zufriedenstellend auf diese neue Etappe des Integrationsprozesses vorbereitet. Die Union ist zur Stabilität zurückgekehrt. Da diese Stabilität dauerhafter Natur ist, wird es der Union möglich sein, sich die mit der Vertrauenswürdigkeit des Euro verknüpften wesentlichen Vorteile zunutze zu machen. #Seitenende #C31 Die Europäische Union beschreitet den Weg einer dauerhaften Stabilität #C21 20 Der EG-Vertrag bietet hierfür wesentliche Garantien: o die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank (EZB), deren Hauptziel in der Wahrung der Preisstabilität besteht. Unbeschadet dieses Ziels wird die EZB die allgemeine Politik in der EU unterstützen, um zu dauerhaftem Wachstum, einem hohen Grad an Konvergenz und einem hohen Beschäftigungsstand beizutragen o die Wahrung gesunder öffentlicher Finanzen: Die Vergemeinschaftung der Währung verpflichtet alle zur Einhaltung einer strengen Wirtschafts- und Haushaltsdisziplin. Die Kommission hat die Absicht, ihre Rolle in vollem Umfang wahrzunehmen und insbesondere auf die Einhaltung der Bestimmungen des Stabilitäts- und Wachstumspakts zu achten o die notwendigen Instrumente für eine verstärkte Überwachung und Koordinierung der Wirtschaftspolitik der Mitgliedstaaten, die der Euro-Zone angehören: Die Kommission wird ihre volle Verantwortung für das ständige Funktionieren der hierfür vorgesehenen Verfahren übernehmen. 24 Der politische Wille der Regierungen ist eine unbedingt notwendige Voraussetzung für das Gelingen der WWU. Noch wichtiger als die bloße Beachtung von Verfahrensregeln ist ein vernünftiges und verantwortungsvolles Verhalten der zuständigen nationalen Stellen und der Wirtschaftsakteure. Es geht dabei um die Zukunft der europäischen Wirtschaften. Dank der Entschlossenheit der Regierungen konnten alle Mitgliedstaaten ihre öffentlichen Defizite zurückführen und erste positive Ergebnisse erzielen. Aus der gleichen Einstellung heraus sollten sie auf mittlere Sicht einen nahezu ausgeglichenen Haushalt oder sogar einen Haushaltsüberschuß anstreben. Diese Verpflichtung ist im Stabilitäts- und Wachstumspakt niedergelegt. 25 Nach den Erfahrungen und Fehlern der Vergangenheit müssen die Mitgliedstaaten die Chance ergreifen, die sich ihnen bietet und mit Hilfe des Euro ihre wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern, um die öffentlichen Finanzen weiter zu sanieren und haushaltspolitische Spielräume zurückzugewinnen, die heute noch fehlen. Früher oder später müssen die Ausgaben finanziert werden: Das Ziel eines mittelfristigen Haushaltsgleichgewichts muß allein schon deshalb erreicht werden, damit Europa sich auf die Folgen der unausweichlichen Überalterung seiner Bevölkerung an der Schwelle zum nächsten Jahrtausend vorbereiten kann. Geschieht dies nicht, so würde man die künftigen Generationen mit den Defiziten belasten, die ihre Eltern akkumuliert haben. 26 Alle Mitgliedstaaten, gleichgültig, ob sie schon am 1. Januar 1999 an der WWU teilnehmen oder nicht, sind hiervon betroffen, denn allen steht die Teilnahme offen. Ihre Konvergenzfortschritte werden durch die im EG-Vertrag vorgesehene Abstimmung in Wirtschafts-, Haushalts- und Finanzfragen, die für die Nichtteilnehmerländer geltenden Bestimmungen des Stabilitäts- und Wachstumspaktes und die diesen Ländern gebotene Möglichkeit zur Teilnahme an dem neuen Wechselkursmechanismus erleichtert. 27 Die politische Entschlossenheit der Regierungen, die Fortschritte auf dem Weg zur Konvergenz, die vom EG-Vertrag und den mit den Schlußfolgerungen und Entschließungen des Europäischen Rates von Amsterdam geschaffenen Koordinierungs- und Überwachungsmechanismen werden dem Euro zu der gleichen Vertrauenswürdigkeit verhelfen, die heute die Währungen der Mitgliedstaaten mit den besten Wirtschaftsergebnissen genießen. Der Euro ist eine Zukunftschance für Europa: Es ist nun an Europa, diese Chance zu ergreifen. #Seitenende #C31 Der Euro gibt Europa einen neuen Impuls #C21 28 Seit Errichtung der Europäischen Gemeinschaften haben die aufeinander folgenden Etappen in der Entwicklung der wirtschafts- und währungspolitischen Zusammenarbeit die europäische Integration ständig weiter verstärkt: Der Wille, die Zollunion zu vollenden und die Schranken zwischen den Mitgliedstaaten abzubauen, hat die Errichtung des Europäischen Währungssystems erleichtert. Das EWS wiederum machte den Binnenmarkt, der durch den Euro konsolidiert wird, möglich und gab ihm Impulse. Dank der WWU kann der europäische Aufbauprozeß erneut an Schwung gewinnen. Voraussetzung ist aber, daß sein gesamtes Potential genutzt wird. #Seitenende #C31 Die WWU als Chance für eine beschäftigungsfördernde Politik #C21 29 Ein ausgewogener Policy-mix, dauerhafte Konvergenz und Währungsstabilität bilden die Grundlagen einer beschäftigungsorientierten Wirtschaftspolitik. Die WWU bietet diese Grundlagen. Allerdings werden sie nur dann in Form neuer Arbeitsplätze voll zum Tragen kommen, wenn sie mit signifikanten Fortschritten bei der Strukturanpassung einhergehen. 30 Die zurückgewonnenen Haushaltsspielräume müssen zur Verringerung der auf den Löhnen, und ganz besonders auf den Niedriglöhnen, ruhenden Soziallasten verwendet werden. Verringern sich die Kosten des Faktors Arbeit, so besteht für die Unternehmen ein Anreiz zu Neueinstellungen. Flexiblere Waren-, Dienstleistungs- und Arbeitsmärkte und eine im Rahmen von Tarifverhandlungen erwirkte Veränderung der Arbeitsorganisation auf Branchen- und Betriebsebene zwischen den Sozialpartnern sind dazu angetan, die Schaffung von Arbeitsplätzen zu erleichtern. Da die Inflation beinahe verschwunden ist, kann ein engerer Zusammenhang zwischen Lohnhöhe und Produktivität der Arbeitskräfte hergestellt werden, der den Sozialpartnern eine verantwortungsvolle und beschäftigungsfreundliche Lohnpolitik erleichtert. 31 Einen dynamischen Unternehmergeist vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen durch Vereinfachung des Verwaltungsaufwands und durch leichteren Zugang zu den Kapitalmärkten fördern, der Forschung den Vorrang geben, den jede zukunftsgerichtete Politik verlangt und schließlich die notwendigen Ressourcen für Bildung und Ausbildung aufbringen - dies sind für die Europäische Union in Zukunft zwingende Gebote. 32 Die zügige Durchführung des Beschäftigungskapitels im Vertrag von Amsterdam schlug sich in den Schlußfolgerungen der außerordentlichen Tagung des Europäischen Rats von Luxemburg vom November 1997 nieder, mit dem ein neuer Weg im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit beschritten wird. Gemeinsam wurden Ziele festgelegt, eine Arbeitsmethode definiert und eine multilaterale Überwachung der erzielten Ergebnisse eingeführt. Nach dem Start der WWU werden die Mitgliedstaaten über wirksame Instrumente zur Förderung von beschäftigungspolitischen Maßnahmen und von Strukturreformen auf nationaler Ebene verfügen. Der Euro bietet in dieser Hinsicht eine hervorragende Chance zum Durchbrechen des Teufelskreises von Defizit und Arbeitslosigkeit und als Auslöser einer dynamischen Entwicklung zwischen Stabilität und Beschäftigung. #Seitenende #C31 Die WWU als Vertiefung des Binnenmarktes #C21 33 Der Euro bildet eine notwendige Ergänzung zum Binnenmarkt. Er wird die Wechselkursschwankungen zwischen den teilnehmenden Mitgliedstaaten beenden, die in der Vergangenheit die unter großen Anstrengungen der Unternehmen und ihrer Beschäftigten erzielten Produktivitätsgewinne in wenigen Augenblicken zunichte machen konnten. Niedrige Inflation und niedrige Zinsen sowie ein besser vorhersehbares Wachstum werden die Unsicherheiten, mit denen die Investitionsentscheidungen behaftet sind, verringern. Durch Ausschaltung des Wechselkursrisikos wird der Euro die Unternehmen wettbewerbsfähiger machen, so daß sie dem weltweiten Wettbewerb unter günstigeren Bedingungen standhalten können, wenn sie sich rasch auf diesen Schritt vorbereiten. Allerdings müssen auf Gemeinschaftsebene die noch bestehenden Handelshemmnisse beseitigt und bei der Steuerharmonisierung Fortschritte erzielt werden, um den Nutzen zu maximieren. 34 Für die Verbraucher und für Unternehmen, die in einem anderen Mitgliedstaat einkaufen, verkaufen, arbeiten oder investieren, wird der Euro den Wirtschaftsverkehr transparenter machen und den Wettbewerb verstärken. Die Verbraucher werden billiger einkaufen und die Unternehmen wettbewerbsfähiger werden. Zusammen mit der im EG-Vertrag verankerten Freizügigkeit wird die Einheitswährung somit zur Vergemeinschaftung der Waren- und Dienstleistungsmärkte, zur qualitativen Verbesserung der Investitionen und zur Integration innerhalb des Binnenmarktes beitragen. Mit dem Euro wird schließlich ein europäischer Verbraucher das Licht der Welt erblicken, dessen Kaufkraft durch die Stabilität der Einheitswährung gewährleistet ist. Um jedoch von einem stärkeren Wettbewerb zu profitieren, dessen Einflußbereich sich künftig bis zu den Grenzen der Europäischen Union erstrecken wird, muß durch entsprechend verstärkte Bestimmungen für eine bessere Verbraucheraufklärung gesorgt werden. 35 Mit der Entstehung eines großen Euro-Kapitalmarktes schon 1999 werden sich die Finanzmärkte tiefgreifend zum Vorteil von Unternehmen und privaten Haushalten ändern, da die Konkurrenz lebhafter wird und sich die Qualität des Dienstleistungsangebots verbessert. Diese Entwicklung zeichnet sich schon heute bei den Vorbereitungen der Finanzinstitute auf den Euro ab. Sämtliche Wirtschaftsakteure werden letzten Endes davon profitieren, daß sie Zugang zu Darlehen oder Anleihen in der gleichen Währung auf einem breiteren und liquideren Markt unter ähnlich transparenten und gleichen Zugangsbedingungen sowie zu ähnlichen Kosten haben werden, wie sie heute beim US-Dollar zu beobachten sind. Dies wiederum wird dauerhaft niedrige Zinssätze zum Vorteil von privaten Haushalten und Unternehmen nach sich ziehen. Unter diesen Umständen müssen gleichzeitig mit der Einführung des Euro die Reformen, mit denen die Finanzmärkte effizienter gestaltet werden sollen, zügiger durchgeführt werden. 36 Wenn schließlich am 1. Januar 2002 die Euro-Münzen und -Banknoten in Umlauf gebracht werden, beginnt die letzte Etappe bei der Errichtung der WWU. Da die Transaktionskosten bei Devisen vollständig entfallen, werden sich Einsparungen und Vereinfachungen im Alltag der europäischen Bürger ergeben. Schon heute muß die Öffentlichkeit auf diesen Wandel vorbereitet werden, der sonst Ängste auslösen könnte. Über die wirtschaftlichen und monetären Aspekte hinaus soll die Einführung von Euro-Münzen und -Banknoten für Hunderte von Millionen europäischer Bürger ein materielles und konkretes Zeichen sein, das ihnen ihre gemeinsame Identität zu Bewußtsein bringt. #Seitenende #C31 Die WWU verkörpert die Präsenz Europas auf der internationalen Bühne #C21 37 Mit ihrer Entscheidung für den Euro haben sich die europäischen Völker entschlossen, auf der internationalen Bühne einen Platz einzunehmen, der aufgrund ihrer Geschichte und ihrer Wirtschafts- und Handelsstärke gerechtfertigt ist. Sie geben damit ihrer Einheit gegenüber der restlichen Welt Ausdruck, indem sie ihre Existenz im Währungsbereich geltend machen. 38 Inmitten eines integrierten internationalen Wirtschaftssystems mit immer mobileren Handels- und Finanzströmen bilden sie eine große Zone der Stabilität und Prosperität, die die Unsicherheiten für die Akteure so gering wie möglich hält. 39 Dank einer besseren Nutzung von Komplementaritäten zwischen den Wirtschaften der Mitgliedstaaten wird die Einheitswährung parallel hierzu Europa die Möglichkeit geben, sich weiter gegenüber der Außenwelt zu öffnen und gleichzeitig seine Stellung und Rolle in der Welt zu stärken. Der Euro kann zu einer der wichtigsten internationalen Währungen werden. Zunächst aber wird er schon sehr bald zu einer Transaktions- und Fakturierungswährung im Welthandel werden, da Europa einen sehr großen Anteil am Welthandel hat. Darüber hinaus wird der Euro wegen seiner Vertrauenswürdigkeit, die auf einem breiten und sehr liquiden Finanzmarkt beruht, für ausländische Investoren attraktiv. Im Zuge dieser Entwicklung wird der Euro nach und nach den Status einer internationalen Reservewährung gewinnen. 40 Von fundamentalerer Bedeutung ist aber, daß der Euro dank seiner anerkannten Stabilität und weiten Verbreitung zu einem besseren Gleichgewicht in den internationalen Währungsbeziehungen beitragen wird, da er Europa die Möglichkeit bietet, mit seinen wichtigsten Partnern nach Mitteln und Wegen zu suchen, die das internationale Währungssystem wieder stabiler machen könnten. Um jedoch in den Genuß aller externen Vorteile zu gelangen, die sich Europa zu Recht von der Einführung des Euro verspricht, und um seiner Rolle auf der internationalen Bühne gerecht zu werden, muß Europa in der Lage sein, mit einer Stimme zu sprechen. Am wirksamsten wird Europa seine Interesse verteidigen können, wenn es geschlossen auftritt. 41 Die Einheitswährung wird die Errungenschaften und Erfolge einer mehr als vierzigjährigen gemeinsamen Geschichte konsolidieren, zu einer Zeit, da für Europa mit der Erweiterung in Richtung der ostmitteleuropäischen Länder, Zyperns und der baltischen Länder eine neue Ära in seiner Geschichte beginnt. Die Prosperität, die die Wirtschaftsintegration den derzeitigen Mitgliedstaaten beschert hat, und die Attraktivität des Euro werden für die neu beitretenden Länder ein Anreiz sein, die noch vor ihnen liegenden Etappen zügig zurückzulegen, bevor sie vollgültige Mitglieder der Europäischen Union werden können. Durch die Ausdehnung der Europäischen Integration auf den ganzen Kontinent werden Stabilität und Frieden für die Zukunft gesichert. -=oOo=- 42 In dem nachfolgenden Bericht wird #C10 #Y-10 [im "Gadget" nicht veröffentlichten (an)] #C21 eine Bilanz der Fortschritte gezogen, die die Mitgliedstaaten bei der Erfüllung ihrer Verpflichtungen im Hinblick auf die Wirtschafts- und Währungsunion erzielt haben. Gemäß dem EG-Vertrag wird mit dieser Bewertung festgestellt, ob ein hoher Grad an dauerhafter Konvergenz erreicht ist, wobei jeweils geprüft wird, inwieweit die einzelnen Mitgliedstaaten die in Artikel 109 j EG-Vertrag aufgeführten Konvergenzkriterien erfüllen. Auch die übrigen Bedingungen und Faktoren, von denen in diesem Artikel die Rede ist, werden geprüft. Auf der Grundlage dieser Bewertung und des Berichts des Europäischen Währungsinstituts empfiehlt die Kommission dem Rat, daß folgende Mitgliedstaaten den Euro zum 1. Januar 1999 einführen: Belgien, Deutschland, Spanien, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Portugal und Finnland. 43 Griechenland und Schweden haben ebenfalls Konvergenzfortschritte erzielt. Sie werden aufgefordert, ihre Anstrengungen fortzusetzen, damit sie nach einer erneuten Prüfung der Konvergenzfortschritte zur ersten Teilnehmergruppe der Euro-Zone hinzustoben können. Diese Prüfung wird in zwei Jahren oder auf Antrag eines dieser Länder schon früher vorgenommen. 44 Die Lage des Vereinigten Königreichs und Dänemarks wird gemäß den Protokollen im Anhang zum EG-Vertrag beurteilt, sobald diese Länder dem Rat ihre Absicht notifizieren, an der dritten Stufe teilzunehmen. -=oOo=- 45 Konstatiert wird in diesem Bericht ein kollektiver Erfolg: Aufbauend auf den Erfahrungen der Vergangenheit haben alle Mitgliedstaaten mit Hilfe der durch den Vertrag über die Europäische Union geschaffenen Instrumente seit mehreren Jahren Konvergenzanstrengungen unternommen, die sich heute in Form erneuten Wirtschaftswachstums auszahlen. Gekrönt werden diese Anstrengungen durch die Einführung des Euro, mit dem den Europäern ein Instrument zur Verfügung gestellt wird, das die Stabilität ihres wirtschaftlichen Umfeldes konsolidiert, den Wirtschaftsverkehr im Binnenmarkt anregt, ihre Wettbewerbsfähigkeit verstärkt und ihre Stellung auf der internationalen Bühne zur Geltung bringt. 46 In dem Bericht wird man auch das Porträt einer Wirtschaft erkennen, die zur Reife gelangt ist. Die Europäische Zentralbank wird souverän auf Preisstabilität achten. Kommission und Rat werden entschlossen zu einer besseren Koordinierung der Wirtschaftspolitik beitragen. Die Mitgliedstaaten wiederum werden ihre Konvergenzanstrengungen beharrlich fortsetzen, den Wirtschaftsakteuren mehr Verantwortung übertragen und Strukturreformen durchführen müssen, damit Europa zu einem gesunden und dauerhaften Wachstum zurückfindet. Nur wenn diese gemeinsame Verantwortung wahrgenommen wird, kann der Euro als öffentliches Gut aller Unionsbürger eine Gewähr für Prosperität und ein Trumpf im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit sein.