#Titel Politik/Rettung durch Menschen mit Zivilcourage #Logo gadget34:Pinsel/AG.Politik #Font Losse 16 #C31 "Rettung durch Menschen mit Zivilcourage" #Font topaz 8 #C10 (Zitiert aus der "Rheinischen Post" vom 16. (?) Januar 1998.) eingeschickt von Hans-Joachim Stengert #C21 Klaus Heinemann schließt seinen bemerkenswerten Kommentar "Was läuft hier falsch" (RP v. 10.1.) mit der Frage: "Wer eigentlich rettet den Bürger vor den Parteien?" Meine Antwort: Nur Menschen mit Zivilcourage, entweder durch Revolution oder innerhalb der Legalität. Zivilcourage: Früher nannte man sie "Mut vor Fürstenthronen". Klassisches Modell: Martin Luther auf dem Wormser Reichstag 1521 vor seinem Kaiser: "Hier stehe ich ..." Heute würde ich sagen: Die eigene Meinung vertreten, auch öffentlich, ohne Rücksicht darauf, ob ich mir dadurch Unannehmlichkeiten einhandele. Unter den vier Kardinaltugenden rangiert die Zivilcourage übrigens an dritter Stelle als fortitudo. Im heutigen Deutschland gehört sie zu den gefährdeten Arten, ohne indes als solche erkannt zu sein. Revolution: Ein für die Deutschen verfügbares Modell schuf die DDR-Bevölkerung 1989. Erst wanderten die Köpfe aus, dann drängten die Massen nach, dann kapitulierte die Staatsgewalt vor dem Volke. Heute lebt das wiedervereinigte Deutschland insofern in einer Vorstufe, als die Auswanderung der Köpfe schon passiert. In London und New York treffe ich die Kinder meiner Freunde mittags im Pub, ohne mit ihnen verabredet zu sein. Umgekehrt suchen weniger und weniger ausländische Wissenschaftler und Studenten den Weg an deutsche Universitäten. Weiteres Zeichen einer gefährlichen Vorstufe ist die Auswanderung des Kapitals aus Deutschland. Unsere Politiker glauben, dem mit allerlei Mätzchen Einhalt gebieten zu können. Irrtum. Kapital läßt sich nicht kommandieren. In der Summierung führt die Auswanderung von Köpfen und Kapital zu immer weniger Arbeitsplätzen in Deutschland. Wird diese Tendenz nicht umgekehrt, droht irgendwann Aufstand. Der aber kann am nächsten Morgen Revolution sein. Das glauben die Herren Kohl, Schäuble und Lafontaine zwar nicht, aber das ist so. Innerhalb der Legalität: Unsere Parteien müssen Selbstbesinnung, Reue und Einkehr üben, müssen dem Bürger mehr Nähe und endlich wieder Alternativen der Politik erlauben. Welche realen Alternativen bietet der Wahlzettel im September 1998? Selbstbesinnung, Reue und Einkehr müssen vor allem die Parteien der Mitte üben: CDU, CSU, SPD und FDP. Denn die Deutschen wollen aus der Mitte heraus regiert werden, nicht von den Rändern her. 1933 hat als historische Erfahrung gereicht. Zu dieser Selbstbesinnung, Reue, Einkehr müssen unsere Parteien eigentlich aus sich heraus finden, und zwar aufgrund der gebotenen, dem politischen System einer Parteiendemokratie innewohnenden zweifelnden Selbstbe- fragung, der angelsächsischen checks and balances. Hier aber hapert es. Zu viele unserer hohen Politiker wähnen sich zur Zeit im Besitz der Wahrheit, siehe Voraussagen hinsichtlich Arbeitslosigkeit und Reduk- tion des Staatsanteils. Indes weisen alle Parteitage aus, daß derzeit in keiner dieser Parteien das "Fußvolk" gewillt und in der Lage ist, seinen Oberen den Marsch zu blasen, geschweige denn, ein effektiveres Wahlrecht einzuführen und Abgeordnete anzubieten, deren Unabhängigkeit und Qualifikation dem Bürger erkennbar sind. Also müssen diese "Oberen" von außen zur Korrektur eingeladen werden. Das können nach Lage der Dinge nur die Medien tun. -------------------- #C10 (Dr. Dieter Spethmann (71) stand von 1973 bis 1991 an der Spitze des Thyssen-Konzerns. Heute ist der Jurist aus Düsseldorf wissenschaft- lich und anwaltlich tätig.)