#Titel Lifestyle / Kunst / Tim und die Alphakunst #Logo gadget34:Pinsel/AG.Lifestyle #Font topaz 8 #C10 #Y+50 der folgende artikel erschien in der 12. ausgabe unseres jugendmagazins spunk. weitergehende verbreitung/verwendung nur mit einverständnis des autors, sebastian jung. ciao, - holgi - #Seitenende #C31 ------------------------------------------------------------------------------- #Font Losse 16 Tim und die Alphakunst #Font topaz 8 #C10 // Eine Hommage an den Comics-Künstler Hergé #C31 ------------------------------------------------------------------------------- #C10 von Sebastian Jung #C21 Über Comic-Kunst streitet sich die selbsternannte Kunst-Szene nicht, denn Comic-Kunst ist keine Kunst, sondern läuft seperat zwei Stufen unter ihr. Kunst, aber keine richtige Kunst? Zweitklassige Bilder mit einer drittklassigen Geschichte, die sich in ihrer Symbiose selber im Weg stehen, haben in der etablierten Kunst-Historie nichts zu suchen, obwohl jeder Kunstkenner die eigentlichen Paralellen und Verknüpfungen sehen sollte. Sie werden ignoriert und todgeschwiegen, als laste ein Stigma auf ihnen. Beispiel Cyonel Feininger, der in der Kunstgeschichte als kubistischer Maler und Bauhausmeister bekannt ist, jedoch als Karikaturist und Comiczeichner um die Jahrhundertwende schlichtweg vergessen wurde. Auch Otto Dix und George Grosz zeichneten mit Leidenschaft Karikaturen..... Georges Remi, geboren 1907 in Brüssel, veröffentlichte seine ersten Karikaturen und Zeichnungen im Alter von 14 Jahren in der Pfadfinderzeitung "Jamais assez", für die er in den folgenden Jahren alle Illustrationen und Vignetten erstellte. Im Jahre 1924 veröffentlichte er in derselben Zeitung seine erste Bildergeschichtserie "Les Aventures de Totor, C.P. des Hannetons", in der er die Abenteuer des Pfadfinderführers Totor schilderte. Remi, besser bekannt als Hergé, griff dabei auf die Erzähltechnick US-amerikanischer Zeitungsstrips zurück, in der die Handlungstexte unter die Bilder gesetzt wurden und nur vereinzelt Sprechblasen, Bewegungslinien und Lautmalereien vorkamen. Am 10.01.1929 erschien in der belgischen Zeitung "Le Petit Vingtième" die erste Folge von "Tintin, Report du Petit Vingtième, au Pays de Soviets" (Tim, Reporter der Petit Vingtième, im Lande der Sowjets), in der er von der bisher erprobten Form der illustrierten Texte abwich, und sich ganz dem visuellen und narrativen Formenrepertoire des Comics hingab. In dieser, von Hergé neu erfundenen Comic-Form, wird die Erzählung allein durch die Bilder vorangetrieben und macht die Unterstützung durch begleitende Texte weitaus überflüßig. Der von den USA unabhängige europäische Comic war geboren. Die noch in schwarz/weiß gezeichneten Folgen von Tim im Lande der Sowjets erfreuten sich so einer Beliebtheit bei dem belgischen Lesern, daß 1930 die Rückkehr des Reporters Tim aus der Sowjetunion von den Herrausgebern des "Le Petit Vingtième" live inszeniert wurde: Ein als Tim verkleideter Schauspieler entstieg einem Zug, der aus Richtung Osten in den Brüssler Hauptbahnhof einfuhr. Eine begeisterte Masse jubelte ihm zu und trug ihn, wie im Comic beschrieben, durch den Bahnhof. Diese Resonanz führte auch dazu, daß das Abenteuer "Tim im Lande der Sowjets" und alle folgenden, nach dem Erscheinen in der "Le Petit Vingtième" als Vorabdruck, in Albenform herrausgegeben wurden. Da Hergé seinem Antagonisten Tim den Beruf des Journalisten gab, konnte er ihn in alle Herren Länder der Welt reisen lassen, später auch auf den Mond. Die folgenden Abenteuer führten Tim in den Kongo, nach Amerika und Ägypten. Bis zum vierten Abenteuer "Die Zigarren des Pharao", war der Erzählstil geprägt durch lose aneinandergereihte Szenenfolgen, die Hergé von Woche zu Woche entwarf. Mit "Die Zigarren des Pharao" veränderte Hergé sein Erzählkonzept vollkommen, indem er eine ausgeklügelte Dramatugie und Elemente des Kriminalromans in die Erzählung einfließen ließ. Auch traten zum erstenmal drei der unzähligen Nebenfiguren in der Handlung auf: Die beiden trotteligen Detektive Schulze und Schultze, sowie der ominöse immerböse Rastapopoulus. Eine weitere inhaltliche Entwicklung vollzog sich 1934 mit dem Abenteuer "Der blaue Lotus". Mit der immens steigenden Populartiät seiner Comic-Alben, wurde sich Hergé seiner Verantwortung gegenüber seiner Leserschaft bewußt. In den bisherigen Alben hatte Hergé seine Hintergrundinformationen halbherzig aus Reiseromanen und Zeitungsberichten gesammelt, bei "Der blaue Lotus" bemühte sich Hergé um eine möglichst authentische Beschreibung der Kultur Chinas. Die akribische Beschreibung des chinesisch-japanischen-angelsächsischen Konfliktes auf chinesischen Territorium - bei dessen Recherche chinesische Kunststudenten mitarbeiteten - führten sogar zu einer Beschwerde des japanischen Botschafters beim Verlag in Belgien. Die genauen, fast authentischen Details und Hintergründe in diesem Abenteuer nahm sich Hergé als Leitmotiv für alle folgenden Comic-Werke. Der inhaltlichen Entwicklungen folgten, bedingt durch den 2. Weltkrieg, formale Änderungen. Die Papierrationierung zwang Hergé, seine Alben von sonst hundert auf 62 Seiten zu kürzen, was zu einer Verknappung der Erzählweise führte. Dafür konnte der Verlag jetzt alle Alben in Farbe veröffentlichen. Bedingt durch die Mehrarbeit durch Neugestaltung und Kolorierung aller bisher erschienen Bände, war Hergé dazu gezwungen, einen Assistenten einzustellen. Sein Name war Edgar Piere Jacobs, der mit der sehr stark von Hergés Stil beeinflußten Comic-Serie "Blake und Mortimer" bekannt wurde. Der 2. Weltkrieg warf seine Schatten voraus und die Folgen von "Im Reich des schwarzen Goldes" brachen im Jahre 1940 abrupt ab und wurden nicht beendet. Im selben Jahr wechselte Hergé zu der renomierten katholisch-konservativen Zeitung "Le Soir" und veröffentlichte am 17. Oktober die erste Folge von "Die Krabbe mit den goldenen Scheren". Nach dem 2.Weltkrieg nahm die Arbeit nicht ab, im Gegenteil. Die neu kolorierten Bände fanden reißenden Absatz. Zusätzlich brachte Hergé 1946 eine eigene Comic-Zeitschrift namens "Tintin" heraus. Dies führte 1950 zur Gründung der Hergé Studios, aus denen eine große Anzahl europäischer Comic-Künstler hervortraten: Alice Devos, Bob de Moor, Jacques Martin, Roger Leloup, um nur einige Namen zu nennen. Bis 1976 erschienen noch zehn weitere Abenteuer. 1983 starb Georges Remi im Alter von 76 Jahren. Seinen letzten Band "Tim und die Alpha-Kunst" konnte er nicht mehr fertigstellen, er wurde aber 1986 als Fragment veröffentlicht. In seinem Testament schrieb Hergé , daß kein anderer Tims Abenteuer weiterführen dürfe, und somit sind bis heute keine neuen Bände erschienen. Hergés Comic-Stil ging als "Ligne Clair" in die Comic-Geschichte ein. "Ligne Clair" - klare Linienführung - beinhaltet formale und inhaltliche Merkmale: Der Zeichenstil beschränkt sich auf funktionale Konturierungen der Figuren und Hintergründe. Die Kolorierung der Panels dient nur der Erzeugung von monochromen Farbflächen; Schraffuren, Farbverläufe, sogar Schatten, wie sie beispielsweise in den meisten US-Comics vorkommen, werden vermieden. Der inhaltliche Handlungsverlauf ist gradlinig, bei dem sich jede Szene konsequent aus der vorausgegangenen ergibt. Aber nicht nur diese grundsätzlichen Indikatoren heben Tim über Superman und Co hinaus, es ist auch die fortlaufend veränderte politische Sichtweise des Protagonisten. Es scheint als würden Tim und Herge' mit jedem neuem Abenteuer reifen. Im 1. Band "Tim im Lande der Sowjets", der vom Anfang bis zum Ende auf fast propagandistischen Vorurteilen basiert, kommt Tim in sowjetische Gefangenschaft, weil er über die Zustände in Rußland berichten möchte. Nachdem er dem Gefängniswärter vorgeführt wurde, kommt er in die Folterkammer zweier sadistischer Chinesen. Mit kahlrasiertem Schädel, langen Zöpfen, finsterem Gesichtsausdruck und langen kuriosen Gewändern läßt Hergé die Chinesen erscheinen, die den armen europäischen Tim mit dem rotglühenden Eisen traktieren wollen. Im fünften Band "Der blaue Lotus" sieht alles ganz anders aus. Die Chinesen sehen, soweit es in einem Comic möglich ist, authentisch aus. Einem verängstigten jungen Chinesen, dem Tim zuvor das Leben gerettet hat, erzählt er, welch lächerliche Vorurteile die Europäer gegenüber den Chinesen haben: ".....Nein Tschang, nicht alle Weißen sind schlecht, die Völker kennen einander zu wenig. Viele Europäer glauben noch, daß alle Chinesen gerissene und grausame Menschen sind, daß sie einen Zopf haben, und daß sie nichts anderes tun, als faule Eier und Schwalbennester essen....". Nachdem Tim und Tschang sich gegenseitig die Vorurteile ihrer Völker erzählt haben, lachen beide und Tschang sagt: "Deine Landsleute sind wirklich komisch...". Auch die Ergebnisse, die der anfängliche Superheld Tim durch seine Heldentaten erreicht, schrumpfen mit jedem Abenteuer fast bis zum Sinnlosen. Stolpert er noch in den Anfängen zufällig in ein Abenteuer hinein, pustet nebenbei einem gigantischen Bösewicht die Machtlichter aus und zwingt Hergé seinen Lesern eine arrogante westliche Sichtweise auf, zieht er in späteren Abenteuern "nur" noch seine Freunde aus dem Schlamassel und beobachtet objektiv seine Umwelt, wie es sich für einen guten Journalisten gehört. "Tim im Kongo", das zweite Abenteuer von Hergé hat zweifelsohne rassistische Einflüsse, die Tim bewußt als Herrenmenschen darstellen. Dem Leser/Betrachter wird ein Bild vermittelt, als ob Afrika ein großer Wildpark mit vielen dämlichen Tieren und noch dämlicheren schwarzen Ureinwohnern wäre. Bei einer Fahrt mit einem rostigen Oldtimer durch den Dschungel bleibt der Wagen geradewegs auf einen Bahnübergang stehen. Eine nahende Eisenbahn, die stark an Jim Knopfs Emma erinnert, prallt gegen Tims Vehikel und kippt um. Der Wagen samt Tim bleiben unversehrt. Die aufgebrachte Menge, außer einer Beule ist kein Schaden entstanden, beschimpft Tim als bösen weißen Mann der die Krupp-Dingsbums kaputt gemacht hat. Tim macht den Vorschlag, die Lok wieder auf die Schienen zu stellen, doch die Anwesenden versuchen, sich vor der Arbeit zu drücken. "Ich muß mal", "Aber ich werden schmutzig!" Tim weist daraufhin auf seinen Gefährten Struppi, der sich gegen die umgekippte Lok stemmt. Tim:"Soll denn der arme Hund die ganze Arbeit allein machen?" Struppi:"Los, ans Werk, ihr Faulpelze!" In einer anderen Szene versucht Tim in einer Missionarsschule vergeblich, einer Klasse von Schwarzen 1 plus 1 beizubringen, und so weiter und so fort. "Tim in Amerika" handelt überwiegend vom organisierten Verbrechen in Chicago und wie Tim das ganze Syndikat samt seiner 355 Mitglieder hochgehen läßt. Doch schon in diesem dritten Band erkennt man die sich langsam ändernde Sichtweise Hergés gegenüber anderen Kulturen. Die Ureinwohner Amerikas, die Indianer, sind zwar aggressiv und naiv, jedoch nicht mehr dumm. Tim findet zufällig in einem Indianerresavat eine Ölquelle. Zehn Minuten später stürzt ein Pulk von Geschäftsleuten auf Tim ein, die das Land erwerben möchten. Die Verträge schaukeln sich von 5.000 auf 100.000 Dollar hoch. Tim erklärt der aufgebrachten Menge, daß das Land den Schwarzfußindianern gehöre. Tim wird links liegen gelassen und ein Geschäftsmann bietet dem Häuptling 25 Dollar, eine halbe Stunde Zeit zum Packen und Verschwinden. Der Häuptling lehnt ab und eine Stunde später wird das Reservat von Soldaten mit aufgesetzten Bajonetten zwangsgeräumt. 1976 erschien neben "Tim im Tibet", "Der Sonnentempel" und "Der Fall Bienlein", einer der interessantesten Abenteuer: "Tim und die Picaros". Schon der Anfang dieses Meisterwerks irritiert. Tim hat keine Lust auf ein Abenteuer. Der General Tapico, Diktator einer südamerikanischen Bananenrepublik setzt mit fadenscheinigen Argumenten die Mailänder Nachtigall Bianca Castafiore, eine seit dem vierten Band mit Tim befreundete Operrettensängerin, fest und beschuldigt den Helden sowie Kapitän Haddock (erste Begegnung mit Tim: "Die Krabbe mit den goldenen Scheren") und Professor Bienlein (erste Begegnung "Der Schatz Rackhams des Roten"), die Drahtzieher eines Komplottes zu sein. Kapitän Haddock und Professor Bienlein nehmen die Einladung, um Mißverständnisse aus dem Wege zu räumen, von General Tapico an. Tim weigert sich mit dem Argument, in eine Falle zu tappen, aber hat solch eine Vorahnung Tim in seinen vorigen Abenteuern davon abgehalten ein solches zu begehen? "Dann bleiben Sie doch hier, Dickschädel! Setzen Sie sich in die warme Stube! Mit Filzpantoffeln! Bienlein und ich werden unsere Ehre gegen diese Bande von Galgenvögeln verteidigen! Und Ihre auch! So!" Natürlich reist Tim einige Tage später nach, und natürlich behält Tim recht mit seiner Behauptung, in eine Falle zu tappen. Natürlich rettet er auch in Folge seine Freunde Bienlein, Haddock, die Mailänder Nachtigall und letztendlich die Detektive Schulze und Schultze, doch verändert er nicht, wie üblich, die politische Situation des Landes. Suggeriert wird das durch zwei Panels: Beim Flug nach Tapiocapolis fliegt das Flugzeug über ein Slumgebiet, in dem Indios in Fetzen gehüllt in armseligen Baracken hausen. Im Hintergrund ist ein großes Plakat mit dem Schriftzug "Viva Tapioca" zu erkennen. Im Vordergrund patroullieren zwei Soldaten mit Pistole und Schlagstöcken. Im Verlauf des Abenteuers verhilft Tim mit seinen Freunden dem Guerillaführer Alcazar und seiner dreißig-Mann starken Truppe, die sich in einem desolaten Zustand befindet, unblutig an die Macht. Beim Abflug in die Heimat überfliegt eine Boeing 747 wieder das Slumgebiet. Es gibt keine wesentlichen optischen Veränderungen, nur die Soldaten haben eine andere Uniform und auf dem Plakat steht "Viva Alcazar". In späteren Bänden tritt Alcazar nochmals in Erscheinung. Er wurde von einer anderen Gruppe getürzt und schlägt sich im Exil als Messerwerfer in einem Variete durch. Nebenbei bereitet er mit illegalem Waffenhandel einen neuen Putsch vor....... #Seitenende #Y+80 Frage: Zweitklassige Bilder mit einer drittklassigen Geschichte?