#Titel Lifestyle / Konzert / LPD live in Enger #Logo gadget34:pinsel/AG.Lifestyle #Font Losse 16 #C31 Legendary Pink Dots, Live in Enger, 6.2.1998 #Font topaz 8 Support by Twilight Circus (Ryan Moore) #C10 von Wolfgang Kabsch #C21 Am 6. Februar 1998 fand im Forum, in Enger, ein Konzert der Legendary Pink Dots statt. Das Forum ist ein kleiner Club, der jedoch von innen besser ist als der äußere Anschein zunächst vermittelt. Einlaß war gegen 21:00 Uhr und es mögen etwa 100 Leute anwesend gewesen sein. Zunächst kam um ca. 23:00 Uhr Ryan Moore alias "The Twilight Circus Dub Sound System" auf die Bühne. Er gab einige seiner Stücke zum besten, die alle dem Namen Dub voll gerecht werden. Sehr perkusive Songs, wobei er zunächst sehr schräge elektronische Sounds produzierte. Dieser Mann hatte sein Motto auf seinem T-Shirt stehen: FREAK! Er ist ein positiv Verrückter, macht Späßchen, arbeitet mit dem Publikum und hechtet zwischen Schlagzeug, Baß und Keyboards herum. Im letzten Song, der übrigens wie alle seine Stücke instrumental war, kehrte er den Marktverkäufer heraus, indem er in lustiger Art und Weise in Deutsch seine am Mischpult zum Kauf ausgelegten CDs anbot. Was er macht ist nicht unbedingt LPD-typisch, aber ein Mordsspaß. Gegen halb Zwölf kamen dann die Dots auf die Bühne. Im Hintergrund war das Emblem, der Dreizack, auf einer Fahne zu sehen, das durch kleine Lichteffekte immer auffiel. Als erster Song wurde "Spike" von der "Hallways of the God" gespielt. Ein guter rhythmischer Einstieg. Dann folgte eine sehr kraftvolle Version von "Just a Lifetime", in der besonders die Arbeit von Niels van Hornblower auffiel. Ja, Niels, der war wirklich, wie immer, der optische Farbtupfer der Band. (Musikalisch ist er natürlich nicht schlechter!) Er trug eine Art bunten Patchwork-Pyjama und in der selben Farbe seinen üblichen Hut. Was er allerdings aus seinen Blasinstrumenten für Musik und Geräusche herausholt, ist immer wieder ein Ohrenschmaus. Das dritte Lied war das ca. 12minütige "Andromeda Suit". Im Gegensatz zu der Studioversion von "Chemical Playschool 8&9", die doch einige Längen hat, ist die Liveversion immer wieder stark. Nach dem kräftigen Einstieg wurde diesmal sogar eine längere Passage des sonst weggelassenen Mittelteils geboten, in welcher Ed und Phil jedoch traumhafte Sounds aus ihren Keyboards holten. Der Schlußpart des Songs war dann euphorisch und virtuos. "On High" folgte nun, wo zwischen den schweren Loops auch noch Samples aus anderen Pink Dots Songs gestreut waren. Mit "Love in a plain brown envelope" folgte das älteste Stück, das immerhin von der 1984 erschienen Mini LP "Faces in the Fire" stammt. Doch die an diesen Abend gespielte Version war die beste, die ich je gehört habe. Niels spielte kräftige Saxophone-Parts in das ursprünglich fast rein elektronische Stück. Edward sang den Text fast manisch und die Drums von Ryan gaben dem Song eine unglaubliche Dynamik. "Destined to repeat" und "Harvest Babies" stammen beide von "Hallways". "Destined" war die einzige Ballade des Gigs, diese wurde aber auch zelebriert. "Harvest babies" überzeugte mit seiner Rhythmik. Die gespielte Version von "Saucers" möchten wir mal als Version Apocalypse bezeichnen. Mit einem Soundgewitter eingeleitet entwickelte sich der Song zu einer echten Granate. Sehr kraftvoll, kaum mit den vorhandenen Studioversionen zu vergleichen. Nun folgte ein neues Stück, genannt "Waltz". Ein ungewöhnliches Stück, im Walzerrhythmus und über und über gefüllt mit Sampels alter LPD-Songs. Und ein kleiner Teil war eindeutig als "In München steht ein Hofbräuhaus" zu identifizieren, wenn es auch sehr verschachtelt war. Während des ganzen Konzertes machte Ryan weiter seine Späßchen, zog sich z.B. seine lange Wollmütze über den Kopf oder schmiß mit seinen Sticks in der Gegend herum. "A velvet Resuraction" von "From here you´ll watch..." bot Edward und Phil die Möglichkeit, wieder mit neuen Improvisationen aufzuwarten. Das ganze wurde dann aber in "Hellsville" noch getopt. Während die Studioversion nicht so ganz überzeugt, ist es live immer wieder ein Genuß. Alle Musiker geben richtig Gas, in einem furiosen Keyboardsolo (für zwei) zeigen Ed und Phil noch mal, was sie können, und der Beobachter bekam Angst, daß sie Ihre Keyboards verschrotten. Niels übertraf sich auch ein weiteres Mal an Oboe und Saxophon. Als wenn das noch nicht genug Tempo gewesen wäre, zog uns die Band direkt in ihr schon als Live-Klassiker zu wertendes "City Of Needles". Auch hier übertraf die Liveversion die Studiofassung um Längen. Der heftige Grundrhythmus wurde mit Solos und Improvisationen aller Musiker überzogen, Edward gab stimmlich alles und nachdem die Boxen jeden Moment zu platzen drohten sprang die Band von der Bühne und verließ, während die PA noch einen schrillen Ton von sich gab, durch das Publikum die Halle. Als Zugaben bekamen wir noch das neue Stück, von Edward "Zoo" genannt, geboten. Sehr ungewöhnlich, mit vielen modernen Einflüssen aus Rave, Drum´n Base und Dub-Sounds. Hier wurde Ryans Einflus deutlich. Durch dieses ungewöhnliche Stück zogen jedoch deutlich Pink Dots-Züge und dieser Song deutete wirklich auf eine neue Richtung für das neue Album. Man darf also gespannt sein. Als letzte Zugabe gab es noch eine kräftige Version von "Citadel", bei dem noch einmal alle Register von der Band gezogen wurden. Niels setzte sich eine Brille mit zwei Leuchten auf und schnappte sich sein Saxophon, um jeden Besucher einmal in die Augen zu schaue oder ins Ohr zu blasen. Edward sprang ebenfalls in das Publikum und zog gestenhaft Leute zu sich, während er die Schlußzeile sang........"Come to Daddy!" Danach war dieser sehr kraftvolle und schnelle Gig leider vorbei. Jedoch war es ein wirklich gutes Konzert und nun freuen wir uns schon auf Hamburg.