#Titel Forum/ Interview/ Edward Ka-spel & The Silverman #Logo gadget34:Pinsel/AG.Forum #Font Losse 16 #C31 Interview mit Edward Ka-spel & The Silverman #Font topaz 8 #C10 von Wolfgang Kabsch und Thorsten Wald #C21 Am 6. Februar 1998 fand im Forum, in Enger, ein Konzert der Legendary Pink Dots statt. Das Forum ist ein kleiner Club, der jedoch von innen besser ist als der äußere Anschein zunächst vermittelt. Einlaß war gegen 21:00 Uhr und es mögen etwa 100 Leute anwesend gewesen sein. Vor dem Konzert hatten wir, (mein Freund Thorsten aus Hamburg und ich) die tolle Möglichkeit, ein Interview mit Edward Ka-spel, dem Sänger und Multinstrumentalisten der Band zu führen. Nach dem Konzert sprachen wir auch noch länger mit dem Keyboarder und Soundspezialisten der Band, Phil Knight, genannt The Silverman. Beide waren äußerst freundlich. Da leider unser Aufzeichnungsgerät den Geist aufgegeben hatte, können wir hier nicht die Interviews wortwörtlich wiedergeben! Nachdem wir in einen Nebenraum des Künstlerbereiches gegangen waren, saßen wir mit Edward gemütlich auf einem Sofa. Außerdem war auch noch Ryan Moore, auch als Twilight Circus bekannt, anwesend, der sich allerdings nach dem Essen noch ein kleines Schläfchen vor dem Konzert gönnte. Zunächst begrüßte uns Edward freundlich. Zunächst fragten wir, wie Edward zum Musikmachen gekommen ist. Daraufhin erzählte er uns, daß er schon immer Musik geliebt habe, angefangen mit Musik wie Can und Faust, also dem frühen Krautrock und Experimental-Gruppen. Auf unsere Frage, ob er bzw. die Band ihre Instrumente richtig im klassischen Sinne erlernt habe kam ein deutliches Nein. Er meinte, daß er weiß, daß keiner von ihnen ein Instrument komplett beherrschen würde und somit als perfekter Instrumentalist zu bezeichnen wäre. Darauf käme es Ihnen aber auch gar nicht an, da für sie die Musik zur Reflexion der eigenen, momentanen Gefühle diene. Ein Ausdruckmittel halt. Edward zog Vergleiche zum Malen, Er und die Band würden versuchen, Stimmungen akustisch zu "malen". Darum würden sich Dots Alben auch so unterschiedlich darstellen. Da viele der Band- und Solo-Songs sich mit dem Thema der Apokalypse beschäftigen, sprachen wir den Sänger der Dots auch auf diese Thematik an. Hier machte er deutlich, daß er die Apokalypse nicht im biblischen Sinn sehe. Er verstehe darunter, daß sich die Welt in Ihrem natürlichen Veränderungsprozeß befände, dieser aber immer schneller von statten ginge. Auf Nachfrage, ob er damit auch die politischen und geographischen Veränderungen wie z.B. die Auflösung der ehemaligen U.d.S.S.R. und die allgemeine Entwicklung zu Kleinstaaten meine, antwortete er mit Ja. Diese Entwicklung würde auch seine These von den durchaus auch positiven Effekten bzw. Eigenschaften seines Begriffes der Apokalypse aufzeigen, da durch diese Entwicklung seiner Meinung nach die Gefahr einer atomaren Apokalypse verringert würde. In seiner Philosophie über dieses Thema ist die Apokalypse nicht das Ende der Welt, sondern eine deutliche Veränderung der menschlichen Gesellschaft. Auf Thorstens Einwurf hin, daß dies nicht im geringsten der biblischen Thematik entspreche, entgegnete er mit einem Lachen, aber durchaus auch mit Nachdruck, er habe ja auch die Bibel nicht geschrieben. Um wieder auf die Gruppe zurückzukommen fragte ich nach der Intension, die hinter den vielen Veröffentlichungen alter Tapes in letzter Zeit stecke. Edward meinte, daß Veröffentlichungen wie "Stained Glass Soma Fountain", "Under the Tripple Moon" oder das in zwei Monaten erscheinende "Chemical Playschool 3&4" in erster Linie veröffentlicht werden, damit diese alten Songs, die er sehr liebe und auch teilweise für mit die besten Arbeiten der Band hält, nicht verloren gehen. Allerdings werde auch darauf geachtet, daß nur die wirklichen Perlen veröffentlicht werden und daß nicht zu viele Songs mehrfach auf den CDs vertreten sind. Mit weiteren Veröffentlichungen von CDs wie "Basilisk" und "Premonition" sei diese Aktivität der Band dann aber auch abgeschlossen. Außerdem plant die Band, das Medium CD-ROM jetzt anstelle der früheren Tapes zu nutzen. Nach den Veröffentlichungen der CD-ROM´s "Live 85-88", "Live 89" und "Ancient Dace" sollen jetzt aber weder Live-Shows noch alte Tapes auf CD gebrannt werden, sondern neue Aufnahmen. So wäre eine 5tägige Session bereits aufgenommen, die in der Tradition des Tapeklassiker "4 Days" steht. Dies war eine 4tägige Session von Phil Knight und Edward für einen Freund, die aufgrund der starken Nachfrage von Fans, die von dem eigentlich auf ein Stück limitierten Werks erfahren hatten, 1994 auf CD veröffentlicht wurde. Außerdem habe Edward ein sehr experimentelles Soloalbum aufgenommen, das ebenfalls auf CD-R gebrannt werden soll. Als nächstes kamen wir auf die leidige PIAS Geschichte zu sprechen. Wir sprachen Ed darauf an, daß seit diesem Wechsel von PIAS zu Soleimoon der Kauf von LPD-Werken in Europa sehr schwer und teuer geworden ist. Das würde er wissen und sehr bedauern, antwortete Ed. Aber PIAS hatte der Band Ende der 80er Jahre einen "Supervertrag" angeboten, den sie besser nie unterschrieben hätten. Sie bekamen zwar mehr Geld für die Verkäufe ihrer neuen Veröffentlichungen, aber so hatte PIAS ihnen den kompletten Backkatalog abgeluchst, was zur Folge hatte, daß sie für die ständig steigenden Verkäufe ihrer alten Werke keinen Pfennig bekamen. Nachdem der Streit dann mit dem geplanten Wechsel zu einer anderen Firma eskalierte, stellte PIAS jegliche Werbung für die Band ein. Dies hatte zur Folge, daß die Verkäufe aller Alben drastisch in den Keller ging, "Shaddow Weaver" und "Mallachai" wie Blei in den Regalen, wenn sie den Weg bis dahin überhaupt schafften, lagen. Außerdem sanken durch die fehlende Promotion auch die Zuschauerzahlen bei den Gigs in den Keller. Seit ihrem Wechsel zu Soleilmoon und den häufigeren USA-Touren könnten sie die europäischen Verluste hiermit auffangen. Daraufhin fragten wir, was an den Gerüchten einer Übersiedlung der Band nach USA dran ist. Edward bestätigte, das diese Gedanken durchaus da wären. So würde er aus persönlichen Gründen gerne in der USA leben. Er liebe die Weite dieses Landes und denke, daß die Amerikaner sehr aufgeschlossene Menschen wären. Holland, sagte Ed, würde zwar überall als das toleranteste Land Europas, vielleicht gar der Welt, bezeichnet,. Diese Einschätzung wäre jedoch völlig falsch. Holland möchte dieses Image gerne aufrecht erhalten, aber es wäre eigentlich nur Fassade. Viele Leute würden dort den aufgeschlossenen herauskehren um hinter vorgehaltener Hand alle seine Vorurteile und Vorbehalte anderen gegenüber ausleben. In den Niederlanden wären sie schon oft durch verschiedene Leute verletzt worden, was die Gefühlskälte einiger Einwohner dieses Landes bezeichnen würde. Aber insbesondere er wäre sehr leicht verletzlich und machtlos gegenüber solchen Menschen. In diesem Zusammenhang erwähnte er auch, daß sie in den 80er Jahren regelrecht berühmt in den Niederlanden waren, man sie nun aber vergessen, bzw. denken würde "Ach, die waren in den 80ern toll, die können heute nix mehr sein." So würde sich heute nur noch maximal ein Konzert pro Jahr in Holland, was dann meist in Nijmmegen stattfindet, lohnen. Auch das spräche für die USA, dort würden zwischen 500 und 1.300 Fans pro Auftritt kommen, hier in Europa oftmals nicht einmal 100. Nur in Polen und der Tschechischen Republik würden sie größere Hallen füllen können. Einen weitereren Vergleich bot Ed mit den Verkaufszahlen des letzten Albums "Hallway of the Gods": in den USA wären über 5.000 verkauft worden, in Deutschland bisher lediglich 360. Außerdem brachte Ed die für uns erschreckende Nachricht, daß sie auch schon überlegt haben, warum und ob sie überhaupt noch durch Europa touren sollen. So würden sie bei der momentanen Tournee zwischen 25,- und 50,- DM pro Auftritt und Musiker verdienen. Sie bekämen von den Klubs 1.500,- DM per Auftritt, wovon dann Anreise, Übernachtung, Catering und Tourproduktionskosten abgehen würden und halt dieses Taschengeld über bleiben würde. Aber bisher wollen sie Ihre treuen deutschen und europäischen Fans natürlich nicht enttäuschen. Wir wollten natürlich auch einige technische Dinge zu der Musik der Pink Dots wissen. Die Pink Dots waren nie eine nur elektronische Band, und ebensowenig werden sie jemals zu einer reinen Instrumental-Band werden, antwortete Edward. Der Anteil zwischen Keyboards und Programmings und akustischen Instrumenten läge bei 50:50, wobei der Anteil halt von Album zu Album schwanken würde. Phil sagte uns nach dem Konzert, daß "From here we´ll watch the world go bye", das Album von 1995, einen außergewöhnlich hohen Anteil an Gitarren und anderen Akustik-Instrumenten hatte. Das Folgealbum, also das noch aktuelle "Hallways of the God"-Album wiederum hätte einen höheren Elektronikanteil. Diese Aussage überraschte mich zunächst, doch nach Phils Erläuterungen und nochmaligem Hören der CD muß ich wohl zustimmen. Phil sagte uns auch, daß er nur noch wenig die Midi-Technologie nutzt. Auf der Bühne würde diese ihn in einen Käfig sperren und jegliche Improvisation unmöglich machen. Da er je doch sehr gerne improvisieren würde, was er im Konzert auch überdeutlich zeigte, setze er nur noch wenige Midi-Sachen bei den Produktionen der CDs ein, und auf der Bühne verzichte er völlig auf die Midi-Technolgie. Wir sprachen natürlich mit beiden auch über das bald zu erwartende neue Album der Band. Edward meinte auf die Frage, ob es, wie im Internet und auf der Mailingliste Cloud-Zero zu lesen war, um ein Konzeptalbum handeln würde. Er antwortete mit Ja, aber nicht ohne uns davon in Kenntnis zu setzen, das "Hallway" ebenfalls ein Konzeptalbum wäre, wenn auch mit einem sehr "verrücktem" Konzept. Phil sagte zum neuen Album, daß es ein Uptempo-Album werden würde, das wieder einmal völlig anders als der Vorgänger werden wird. Zu rechnen mit diesem Album wird im übrigen frühestens in 3 Monaten sein. Es wird bis Ende März fertiggestellt sein, dann muß es aber noch von der Plattenfirma gefertigt und ausgeliefert werden. Bei dem Thema Technik kamen wir auch auf das Internet zu sprechen. Für Edward bedeutet die Möglichkeit, per E-Mail mit der ganzen Welt kommunizieren zu können, sehr viel. Die Idee, die vor einigen Monaten aufgegriffen worden war, eine eigene Internetsite zu entwerfen und ins Netz zu bringen, wurde jedoch wieder verworfen, da keiner in der Band die Technik des Internets beherrsche und dadurch der Zeitaufwand zu hoch sein würde. Zu den Diskussionen, die auf Cloud-Zero laufen, meinte er, daß er es gut fände, daß Menschen aus der ganzen Welt ohne Vorurteile miteinander sprechen würden, nur durch das Interesse an derselben Band. Er würde sich aber nur selten direkt auf der Seite zu Wort melden, und ebensowenig die Diskussionen verfolgen, da er es als unhöflich empfinde würde, als eine Art Überwachungsperson sich einzumischen. Abschließend stellte ich als großer Pink Floyd-, und insbesondere "The Wall"-Fan, Edward die Frage, ob er das Album möge. Normalerweise lausche er eher den älteren Platten von Pink Floyd, aber trotzdem halte er "The Wall" für einen Meilenstein der Rockmusik. Er möge die Aussage und das textliche Zusammenspiel mit der Musik. Von den aktuellen Bands würde er Radiohead und Spiritulized, dessen letztes Album er ebenfalls als musikalischen Meilenstein bezeichnete, mögen. Das ganze Gespräch fand in einer wirklich schönen Atmosphäre statt, und Edward lud uns spontan ein, ihn beim Konzert in Hamburg erneut anzusprechen. Das ist wohl ein Punkt, den diese Band ausmacht - die freundschaftliche Nähe zu den Fans, die nicht nur zugelassen, sondern sogar gesucht und gefördert wird. Wir werden sicherlich im April in Hamburg erneut das Gespräch mit der Band suchen.