#Titel Tests / Software / The Sun
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#C31
            Test : The Sun
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#C21
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#Y-50
#C10
                The Sun - oder: "You cannot be Sirius"
                Freeware                                Geschicklichkeitsspiel
                Spielekiste 1239                        Matt West
                Berlin PD; S. Wenzlaff                  5 DM inkl. Disk
                Bismarckstr. 64; 13585 Berlin

#C21
Die Geschichte der Computerspiele hat schon eine Menge eigentümlicher
Bildschirmhelden hervorgebracht - italienische Klempner, die die Welt
retten, sexsüchtige Playboys und natürlich Tiere aller Arten und Gattungen,
bis hin zu Drachen und anderen Fabelwesen. Von noch ganz anderem Kaliber
ist aber der Protagonist des Freeware-Spiels "The Sun". Die englischsprachigen
Leser werden es schon wissen - der Spieler schlüpft hier in die Rolle eines
Fixsterns, einer Sonne. Womit auch gleich das Zitat widerlegt wurde, mit
dem das Spiel beginnt - es gibt scheinbar doch etwas neues unter der Sonne.

Das Spielprinzip ist nicht minder ungewöhnlich als der Bildschirmheld.
Man muß sich zu seinem Verständnis folgendes Szenario vor Augen führen
(lassen): Um die Sonne herum kreisen acht Planeten. Diese sind jedoch keine
langweiligen Staubkugeln im All, sondern werden durch diverse Zeichen
symbolisiert. Es gibt insgesamt acht solcher Symbole - eine Hand, Kinder,
eine Katze, einen Hund, einen Stern, ein Kaninchen, ein UFO und einen Emu.
Die Planeten befinden sich zunächst in einer gewissen Entfernung um die Sonne,
welche sehr langsam, aber stetig am Horizont zu versinken droht. Mit der Zeit
nähern sich ihr die Planeten - und wenn es zu einer Kollision kommt,
beschleunigt sich der Sonnenuntergang auch noch erheblich. Eines der Ziele
des Spiels ist es nun, dieses Verschwinden des Fixsterns zu verhindern.
Dazu muß man der Sonne zunächst einmal die sie attackierenden Planeten
vom Leibe halten. Dies geschieht durch Sterne, die die Sonne (respektive
der Spieler mit dem Feuerknopf des Joysticks) "abfeuern" kann. Indem man
den Joystick nach links oder rechts drückt, kann man die Position der
Planeten in der Umlaufbahn relativ zur Sonne ändern. Hat man einen der
Planeten direkt senkrecht über der Sonne stehen, befindet er sich im Visier
der Sonne und kann mit einem "Sternenschuß" getroffen werden. Ist dies
geschehen, erhöht sich seine Entfernung zur Sonne auf ihr ursprüngliches
Niveau. Gleichzeitig ändert sich das Symbol, das ihm zugeordnet ist - aus
einer Hand werden Kinder, aus Kindern eine Katze, aus einer Katze ein Hund
und so weiter und so fort. Doch damit kann nur die durch direkte Angriffe
bedingte Sinkbewegung gestoppt werden. Um dem normalen Sonnenuntergang
entgegenzuwirken, bedarf es einer weiteren Erleuchtung. Aus diesem Grund
gibt es das Zielsymbol. Darunter versteht man ein zu Beginn jedes Spieles
zufällig ausgelostes Symbol, das in der Spielstands- und Punkteleiste
angezeigt wird. Trifft man einen Planeten, der durch dieses Zielsymbol
dargestellt wird, so steigt die Sonne ein Stück am Himmelsfirmament empor.
Werden noch andere Planeten so symbolisiert, führt das zu einer größeren
Steigungsbewegung - ist das Zeichen gar allen acht Planeten zugeordnet,
so bewegt sich die Sonne automatisch auf ihre ursprüngliche Position am
Firmament empor. Gleichzeitig hat der Treffer eines Planeten mit dem
Zielsymbol jedoch zur Folge, daß alle Planeten dieses Symbols automatisch
ein neues, zufällig ermitteltes Symbol zugeordnet bekommen. Als zusätzliche
Schwierigkeit erweist sich zudem ein "wildes Symbol". Ab und an beginnt
nämlich das Symbol eines Planeten sich zu bewegen und wie wild zu blinken.
Schießt man auf solch ein "wildes Symbol", verändern sich, wie bei einem
Schuß auf ein Zielsymbol, alle anderen Planetensymbole, die dem "wilden
Symbol" entsprechen. Das ist besonders ärgerlich, wenn das "wilde Symbol"
ein wild gewordenes Zielsymbol ist. In diesem Fall verschwinden alle
gerade mühsam zum abschuß bereitgemachten Zielsymbole - ohne daß die Sonne
dadurch steigen würde. Für die geschilderten Aktionen des Sonnenspielers gibt
es natürlich auch Punkte, welche wiederum auf das Spiel rückwirken. Denn alle
8000 Punkte erhöht sich die Geschwindigkeit, mit der die Planeten die Sonne
angreifen - beginnend bei einer Geschwindigkeitsstufe 0 und endend auf
Stufe 12.

"The Sun" bietet aber auch Alternativen für denjenigen, dem diese
Spielvariante trotz des sich selbst erhöhenden Schwierigkeitsgrades auf Dauer
zu langweilig ist. Da ist zum einen "The Bar Vault". Hier gibt es eine
horizontale Linie, der sich die Sonne mit jedem Aufsteigen nähert - und
von der sie sich natürlich mit jedem Sinken entfernt. Das Spiel selbst
ist dasselbe, lediglich die Geschwindigkeitserhöhung erfolgt nicht mehr
alle 8000 Punkte, sondern bei jedem Erreichen des "Horizontes". Auf dieser
Alternative basiert die dritte Spielvariante - "Bar Vault Battle". Hier
treten zwei Spieler gleichzeitig an, wobei man sowohl gegen einen
menschlichen Gegner antreten, als auch den Computer zu einem Duell
herausfordern kann. Beide Kontrahenten bekommen ein (nicht notwendigerweise
unterschiedliches) Zielsymbol zugeordnet und das Spiel beginnt. Dabei steuert
zunächst Spieler 1 die Sonne, nach einer bestimmten Zeitspanne übernimmt
nach einer sehr kurzen "Wechselpause" Spieler 2 die Kontrolle. Derjenige
gewinnt die Runde, unter dessen Ägide die Sonne zuerst die horizontale Linie
übersteigt. Umgekehrt gewinnt der andere, wenn man das Pech hat, die Sonne
nicht vor dem Untergehen bewahren zu können. Gesamtsieger ist, wer zuerst
vier Runden für sich entscheiden konnte. Kommt es bei den
Einzelspielervarianten primär auf eine langfristig orientierte
Überlebensstrategie an, so ist hier ein ganz anderes Vorgehen gefragt. Denn
wenn man sich nur darauf konzentriert, die Sonne die horizontale Linie
erreichen zu lassen, läuft man Gefahr kurz vor dem Ziel durch den Wechsel
zum anderen Spieler diesem den Sieg sozusagen auf einem silbernen Tablett zu
servieren. Gleichzeitig kann es Sinn machen, so schlecht zu spielen, daß die
Sonne kurz vor dem Versinken ist - dieses aber erst passiert, wenn die
Kontrollen gewechselt haben. Diese strategische Optionsvielfalt und der
Drahtseilakt, der damit verbunden ist, die gewünschten Zustände genau so
auszubalancieren, daß es für einen selbst reicht, dem anderen Spieler jedoch
zum Verhängnis wird, macht das Zwei-Spieler-Spiel zur wohl reizvollsten
Variante dieses originellen Freeware-Lichtblickes.
"The Sun" ist erstaunlich genügsam. Das Spiel läuft auch auf 1.3-Systemen.
Lediglich 1 MByte Chip-RAM werden benötigt. Am oberen Ende der
Konifgurationsskala macht sich jedoch negativ bemerkbar, daß es sich
hier um ein mit AMOS Professional programmiertes Spiel handelt - auf
dem Testrechner (Cyberstorm Mk II 060/50, Picasso IV) ließ es sich nicht
von Festplatte aus starten, ohne daß sichtbare Timing-Probleme (bis hin
zum Systemabsturz) eintraten. Erfreulicherweise macht es jedoch keine
sonderlich großen Umstände, "The Sun" von Diskette zu booten, da während
des Spiels nicht nachgeladen wird. Probleme werden lediglich diejenigen
bekommen, die wegen mangelnder Sprachkenntnisse mit der recht knappen
und durchweg in Englisch abgefaßten Anleitung nicht klar kommen und
vorliegenden Testbericht ebenfalls nicht zu Augen bekommen. Aber auch die
werden zumindest das hervorragende Design des Spiels genießen können. Wie
schon geschildert beginnt "The Sun" mit Zitaten zum Thema Sonne, das von
jeher die Menschheit kulturell und mythologisch stark beeinflußt hat. Es
folgt eine geschickte Kombination aus Vorspann und Hauptmenü, die wie das
gesamte Spiel mit sehr stimmungsvoll gestalteten Grafiken und Animationen
illustriert ist. Aus den Lautsprechern dröhnt derweilen eine Art
(deaktivierbarer) Ägypt-Techno, welcher direkte Auswirkungen auf die
grafische Darstellung hat. Dem Spieler stehen nun wenige, aber absolut
ausreichende Optionen zur Verfügung. So kann er nicht nur eine ausführliche
InGame-Hilfe, die beinahe die komplette Anleitung enthält, abrufen, sondern
sich auch alle im Spiel vorkommenden, qualitativ hochwertigen und weitgehend
einfallsreichen Soundeffekte einzeln anhören. Beendet wird "The Sun" mit der
AMOS-üblichen Tastenkombination Ctrl+C. Hat man sich hingegen für den
Spielstart entschieden, so kann man jeweils noch die Anfangsgeschwindigkeit
einstellen. Interessanterweise bekommt bei Geschwindigkeiten über 9 auch
der Computer erhebliche Probleme - wer also einen leichten Sieg bei der
"Bar Vault Battle" einfahren will, braucht hier nur die Geschwindigkeit
auf Maximum zu stellen und braucht dann nur versuchen, die erste Runde zu
überstehen.

Natürlich ist "The Sun" alles andere als perfekt. Das betrifft
selbstverständlich vor allem den unentschuldbaren Mangel an Systemkonformität.
Aber auch manche Details fallen negativ ins Gewicht - wie das Fehlen einer
abspeicherbaren HighScore-Liste oder ein kleiner Steuerungsfehler beim
Verlassen der Option "Soundeffekte anhören". Zudem kann das Spielkonzept
grundsätzlich nicht auf lange Sicht motivieren - spätestens wenn man es ohne
Probleme von Geschwindigkeit 0 auf eine der höchsten Stufen schafft, stellt
"The Sun" keine Herausforderung mehr dar. Bis es soweit ist, braucht es
jedoch durchaus einige Übung und der Spielspaß bleibt solange dank des
ausgefallenen Konzeptes sehr hoch. Dies gilt darüber hinaus natürlich auch
für den Zwei Spieler-Modus, der, einen entsprechend ebenbürtigen Sonn"gott"
vorausgesetzt, tatsächlich auch für lange Zeit fesseln kann. Hinzu kommt
die liebevolle Aufmachung, die sich sowohl auf die Optik und die Akustik
als auch auf die Benutzerführung erstreckt, und die man aber erst dann
in vollem Umfang würdigen kann, wenn man weiß, daß Multitalent Matt West
"The Sun" im Alleingang erstellt hat. Ohne Zweifel zählt sein Spiel zu
den am hellsten strahlenden Sternen am FD-Spielehimmel des Jahres 1997.

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