#Titel Politik / Ein Propaganda-Minister #Logo gadget33:Pinsel/AG.Politik #Font topaz 8 #C10 HANS-JOACHIM STENGERT * Ehrenmalstr. 15 * 47447 Moers * 20-10-97 #Font Losse 16 #C31 EIN PROPAGANDA-MINISTER ======================= #Font topaz 8 #C21 Goebbels redivivus? Also, wollt Ihr einen neuen Goebbels? Na, wohl kaum. - ABER: Brauchen täten wir vielleicht doch einen. Und wieso? Nun, mir kommt es jedenfalls so vor, als ob der momentane Stillstand, wenn nicht Rückschritt, in der Politik nicht bloß an der Unbeweglichkeit unserer Regierenden und der Opposition liegt, sondern auch daran, daß die Regierten - also wir - gar nicht mehr wissen, "wo es langgeht", salopp gesprochen. Soll heißen, selbst wenn jemand das Volk fragen würde, was denn nun bitte die Politiker tun sollten, damit wir mit ihnen zufriedener wären, dann wüßte besagtes Volk keine vernünftige Antwort, oder überhaupt keine, oder tausend verschiedene, und das wäre ja auch nicht besser. Woran kann das aber liegen, wo wir doch tagtäglich von den Medien über alles, was in der Welt passiert, sofort und ausführlich informiert werden? Wer regelmäßig seine Zeitung liest und Fernsehen guckt, der müßte doch über Politik, Wirtschaft und Soziales so gut Bescheid wissen, daß er den Politikern leicht jede Menge Tips geben könnte, wie es denn nun weitergehen sollte, um dem Willen des Volkes zu entsprechen. Oder? Nein, eben nicht. - Denn wir werden mit so vielen Informationen zugedeckt, daß wir gar nicht mehr wissen, was wichtig ist und was nicht. Jede Meldung muß natürlich möglichst sensationell sein, ob es nun die Katze der Putzfrau oder die Landung auf dem Mars ist. Da kann sich keiner durchfinden, und eine Bewertung, was nun wichtig und was weniger wichtig ist, kann auch keiner von uns mehr vornehmen. - Da sitzen wir nun, wissen über alles Bescheid und können nichts damit anfangen. (Außer natürlich meckern, aber das bringt ja nichts.) Und hier tritt nun - lange genug habt ihr darauf warten müssen - mein #C31 Propaganda - Minister #C21 in Kraft. - Es braucht ja nicht gleich Joseph Goebbels zu sein, aber sein Handwerk verstehen müßte er schon. Und wozu brauchen wir den? Er müßte aus dem Wust der anstehenden Probleme und Problemchen das für uns heraussuchen, was a) am wichtigsten ist und für das b) brauchbare Pläne zur Lösung vorliegen und c) genug Geld vorhanden ist. Das heißt - so stelle ich mir das jedenfalls vor - er müßte zu uns etwa sagen: "Liebe Genossinnen und Genossen! (Kleiner Scherz;-) Vergeßt mal alles, was ihr in der Bild-Zeitung gelesen habt! Im Augenblick sind folgende Probleme am wichtigsten, und wir wissen auch schon, wie und womit wir sie bekämpfen können. Aber alles andere, was sonst noch wichtig sein könnte (und wenn die Leute noch so laut jammern), das geht im Moment nicht und muß noch eine Weile liegen bleiben. Eine Regierung kann nicht alles und schon gar nicht alles auf einmal. Und wer das nicht einsieht, soll uns bitte mal sagen, wo wir das Geld hernehmen sollen und eventuell auch die Mehrheiten im Parlament." Das wäre mal eine wirklich gute Regierungs-Einrichtung, und sie hätte noch einen unschätzbaren Vorteil: Bevor die Regierung diesen Mann auf uns losläßt, müßte sie sich erst einmal hinsetzen, welche Probleme sie als erste aufnehmen will und wie und womit. Und was sie vorläufig erst mal liegenlassen will (und das dem Volk auch sagen). Das würde also helfen, in den Köpfen der Politiker für mehr Klarheit und Konsequenz zu sorgen. Und wenn sie sich auf ein paar Hauptprobleme geeinigt und das dann durch ihren Propagandaminister dem Volk mitgeteilt haben, dürfen sie auch hoffen, Erfolge zu erreichen und damit die Zustimmung des Volkes zu erlangen. Ganz im Gegensatz zu heute. Natürlich könnte ein Teil dieser Funktion, nämlich die Regierung auf wesentliche und erreichbare Ziele zu konzentrieren, auch durch Politiker der Opposition geleistet oder wenigstens angestrebt werden. Aber leider kann ich dort niemanden sehen, der das Format hätte, den Gordischen Knoten der selbstgemachten Verstopfung durch Aufgabenfülle zu durchhauen. Statt dessen verlangen auch sie Dutzende von Lösungen auf einmal und schimpfen dann auf die Regierung, wenn die das nicht schafft. Da wäre so ein Propagandaminister schon schön. Wie gesagt für beide, für die Regierten und für die Regierung. Und natürlich müßte er eine gute Sendezeit erhalten. Am besten fünf Minuten vor dem Anpfiff jedes wichtigen Fußballspiels - - - - -