#Titel Politik / Tierschutz / Von Füchsen und Menschen #Logo gadget31:Pinsel/AG.Politik #Font topaz 8 #C31 ============================ = Von Füchsen und Menschen = ============================ #C10 Vom Mythos des Fuchses als Hasenjäger und Krankheitsüberträger #C21 Keinem anderen heimischen Tier wird - nach dem Ausrotten von Wolf und Bär - so unerbittlich nachgestellt wie dem Fuchs. Allein seiner sprichwörtlichen Schläue, seinen hervorragenden Sinnesorganen und nicht zuletzt seinem anpassungsfähigen Verhalten hat Reineke es zu verdanken, daß der Mensch ihn noch nicht in weiten Teilen der Erde ausgemezt hat. Zwar dürfen Füchse heute nicht mehr vergiftet, in ihrem Bau vergast oder mit der früher gängigen Fuchsangel, einem Haken, der sich in den Rachen der Tiere bohrt, gefangen werden. Doch nach wie vor steht zur Fuchsbekämpfung eine unübertroffene Palette von Tötungsarten zur Auswahl. Ohne Quälerei läuft dies auch heute nicht ab. #Seitenende #C10 "Füchse mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln reduzieren" #C21 Nicht nur mit der Flinte und einer großen Auswahl an Lebend- und Totschlagfal- len wird den Füchsen zur Tages- und Nachtzeit ganzjährig nachgestellt. Es gibt Jäger, die sich darauf spezialisiert haben, den Fuchs aus seinem Bau treiben zu lassen. Der Rotrock soll bei seiner Flucht aus dem Bau erschossen, bzw. in ei- nem über den Ausgang gespannten Netz gefangen werden. Nicht selten kommt es zu einem erbitterten Kampf und Fuchs und Hund verletzen sich dabei schwer, Oder die beiden Kontrahenten belagern sich unter der Erde so lange, bis sie vom Jäger ausgegraben werden. #C10 Für den Beutekonkurrenten Fuchs gelten andere Gesetze #C21 Im Gegensatz zu anderen Wildtieren gewährt man dem Fuchs nicht einmal eine wirkliche Schonzeit (mit Ausnahme von Berlin). Zwar dürfen laut Gesetz "die zur Jungenaufzucht notwendigen Elterntiere" in der Aufzuchtzeit nicht getötet werden. Aber Geschlecht und eventuelle Elternschaft eines Fuchses lassen sich auf die Entfernung kaum bestimmen. So kann nicht ausgeschlossen werden, daß auch Muttertiere getötet werden und die noch abhängigen Jungtiere qualvoll verhungern müssen. Bei Füchsen nimmt man das in Kauf. Bei anderen, "edlen" Wildarten wie Reh und Hirsch wäre dies ein Skandal, weswegen man ihnen auch eine echte Schonzeit einräumt. #C10 Auch Fuchswelpen werden nicht geschont #C21 Für die wenige Wochen alten Fuchswelpen kann der erste Erkundungsausflug vor den schützenden Bau bereits ein tödliches Ende nehmen. Die Bejagung der Fuchs- babys am Bau wird sogar als notwendige Dezimierungsmaßnahme propagiert. Auch für die Tötung der Jungtiere steht eine ganze Reihe von Methoden zur Aus- wahl: Manche Jäger schießen die Jungtiere beim Spielen vor dem Bau ab. Andere fangen zuerst den ganzen Wurf in einer Lebendfalle und töten die Welpen an- schließend. Mancherorts gräbt man die Jungfüchse sogar aus ihrem Bau aus, um sie dann zu erschlagen. Will man sich diese Mühe ersparen, wird kurzerhand ein Hund in den Bau geschickt, der die Welpen dann "abwürgt". Die Kadaver der getöteten Tiere landen auf dem Müll. #Seitenende #C10 "Wie entsorgt man 1000 tote Füchse?" #C21 Diese Frage mußte sich ein oberfränkischer Landkreis letztes Jahr stellen. Die Behörde löste dieses "Fuchsproblem", indem sie eigens einen Container für die Tierkörperbeseitigung aufstellte. Fast 700.000 Füchse mußten nach Angaben des Deutschen Jagdschutz-Verbandes in der Jagdsaison 1995/96 ihr Leben lassen. Das bedeutet, daß im Durchschnitt täg- lich fast 2000 Füchse getötet wurden - knapp 80 in jeder Stunde. Die "Fuchs- strecke", die Anzahl der getöteten Füchse pro Jahr, wird immer länger: Im letz- ten Jagdjahr starben 22 Prozent mehr Füchse als im Vorjahr. Übertroffen wird diese Rekordzahl nur noch von der Anzahl getöteter Rehe und Wildtauben. Dennoch rufen Jagdverbände, -behörden und -presse zu einer noch stärkeren Be- jagung auf. Gerechtfertigt wird der gnadenlose Feldzug gegen den "Rotrock" mit einer Ansammlung von Scheinargumenten: als Opportunist und Kulturfolger würde er sich ungebremst vermehren und überhand nehmen. Der Fuchs sei verantwortlich für den Artenschwund und den Rückgang seltener Tierarten. Er stelle eine Gefahr für die Gesundheit des Menschen dar. #C10 Fuchs, du hast den Hasen gestohlen #C21 Bei genauerem Hinsehen erweisen sich diese Vorwürfe als nicht stichhaltig, son- dern als Versuch, das Motiv vieler Fuchsjäger zu verhehlen: Hinter den neuer- dings vielzitierten Artenschutzinteressen verbirgt sich der "Beuteneid" mancher Jäger auf den größten verbliebenen Konkurrenten. Bei den seltenen Tierarten, die angeblich auf das Konto des Fuchses gehen, handelt es sich nämlich um von Jägern begehrte Beute, sogenanntes "Niederwild": Feldhase, Rebhuhn und Fasan. Daß deren Restbestände bereits vor Jahrzehnten aufgrund der Veränderungen in der Landwirtschaft drastisch gesunken sind, interessiert in diesem Glaubens- krieg nicht. Viele Jäger erliegen noch immer der Illusion, sie könnten die "in Unordnung geratene Natur" in Ordnung bringen und die Fuchsbstände nach menschlichen Maß- stäben regulieren. #C10 Jäger: Aufräumer oder Abräumer? #C21 Tatsache ist, daß Füchse im Gegensatz zu anderen Tierarten mit dem Wandel der Kulturlandschaft gut zurechtkamen und daß die Fuchspopulation durch die Ein- dämmung der Tollwut Mitte der 80er Jahre zugenommen hat. Zu diesem Zeitpunkt hatte der starke Populationseinbruch von Hase, Rebhuhn und Fasan allerdings längst stattgefunden. Trotzdem wird nach wie vor mit unsachlichen Behauptungen, wie die "Rotröcke" hätten "den heimischen Feldhasen an den Rand des Arten-Ruins gebracht", zum Feldzug gegen den Fuchs aufgerufen. Auch ist seit langem bekannt, daß sich Füchse größtenteils von Mäusen ernähren. Je nach Region und Jahreszeit kann sogar pflanzliche Kost dominieren. Auch Regenwürmer scheinen bei Füchsen sehr beliebt. Vögel und Hasen hingegen tragen nur in sehr geringem Maß zur Ernährung des Fuchses bei. #C10 "Der schlimmste Feind im Revier #C21 Trotzdem hat der Fuchs als Sündenbock und Feindbild seinen festen Platz bei passionierten Niederwildjägern. Wegen seiner Lebensweise als Beutegreifer ver- teufelt ihn die Branche als "Landplage" und "Geißel useres Niederwilds", die dem Jäger einen Teil "seiner" Beute streitig macht. Der Freßfeind Fuchs müsse "mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln" dezimiert werden, heißt es. Dies sei notwendig, damit Jäger "die optimale Hasen- und Fasanenstrecke erzielen" können. Bei aller Sorge um das Fortbestehen mancher Tierarten wehrt sich ein Großteil der Jägerschaft gleichzeitig vehement dagegen, die Bejagung derselben einzustellen und weist alle Schuld am Rückgang der Bestände von sich. #C10 Panikmache Tollwut und Fuchsbandwurm #C21 Auch mit der Seuchengefahr, die Füchse angeblich in Form von Tollwut oder Fuchsbandwurm verbreiten sollen, wird gerne Stimmung gegen den Fuchs gemacht. Der Fuchsbandwurm ist zwar schon seit 140 Jahren bekannt, aber durch die Ver- fügbarkeit neuer Nachweismethoden und Untersuchungen wurde er in jüngster Zeit zur sich ausbreitenden Gefahr hochgespielt. Der Mensch erkrankt extrem selten am kleinen Fuchsbandwurm und ist für diesen nur ein sogenannter Fehlwirt. Von einer die Allgemeinheit gefährdenden Ausbreitung kann keinesfalls die Rede sein. #C10 Jagd kann Infektionskette nicht unterbrechen #C21 Füchse können die Krankheit nicht durch Körperkontakt untereinander verbreiten. Der Infektionsherd für Fuchs, Katze und Hund sind vom Bandwurm befallene Mäuse. Trotzdem wirde gerne der falsche Eindruck erweckt, der Infektionskreislauf ließe sich durch die starke Bejagung der Füchse unterbrechen. Hingegen käme wohl niemand auf die Idee, alle Hunde und Katzen einzuschläfern, obwohl sie sich auf dem selben Wege infizieren wie Füchse. #C10 Impfen statt Töten #C21 Auch die Tollwut, mit der sich bereits seit Jahren in Deutschland kein Mensch mehr infiziert hat, wird immer wieder gerne zitiert, um der Öffentlichkeit die Notwendigkeit jägerischer Eingriffe zu demonstrieren. Dabei hat man die Tollwut durch das Auslegen von Impfködern - die einzig effektive und zudem billigste Bekämpfungsmethode - längst im Griff. Nach Auskunft des Forschungszentrums für Tollwut in Tübingen hat die Krankheit mittlerweile ihren Tiefstand in Deutschland erreicht. Wissenschaftler sind zu- versichtlich, daß sie völlig eliminiert werden kann. #C10 Fuchsbekämpfung macht Impferfolge zunichte #C21 Das Versagen der gewaltsamen Tolwutbekämpfung, einschließlich der Begasung von Fuchsbauten in den 60er und 70er Jahren, sollte die Sinnlosigkeit solcher Akti- onen längst vor Augen geführt haben. Zudem kommen immer mehr Wildbiologen zu der Erkenntnis, daß die Jagd die Ausbreitung der Krankheit nicht senkt, sondern sie im Gegenteil sogar fördert. Durch die Tollwutimpfung werden "Impfgürtel" geschaffen. Das bedeutet, daß die Ausbreitung der Krankheit durch geimpfte, feste Fuchspopulationen eines Gebietes zum Erliegen kommt. Die Jagd zerstört diesen Impfgürtel und das normalerweise stabile soziale Gefüge in einem Fuchs- revier. Bei der Fuchsjagd in Impfgebieten werden also gegen Tollwut immune Tiere getötet, zugleich wird Platz für eventuelle Zuwanderer geschaffen. Ein durch Jagd völlig fuchsfrei gewordenes Revier übt eine sprichwörtliche "Sog- wirkung" auf revierlose Füchse aus. Der Ansteckungskreislauf kann von neuem beginnen. #C10 Weniger Füchse bekommen mehr Nachwuchs #C21 Vor allem aber weiß man heute, daß Füchse um so mehr Nachwuchs produzieren, je höher die Sterblichkeit in einem Revier ist. Die Jagd senkt also nicht die Populationsdichte, sondern steigert die Produktion. Wissenschaftler fanden heraus, daß Füchse sogar einen Verlust von zwei Dritteln ihres Bestandes im Herbst durch eine höhere Geburtenrate im Frühjahr wieder kompensieren können. Die Regulierung der Fuchsbestände auf ein vom Menschen gewüschtes Maß ist somit praktisch unmöglich. Die Anzahl der in einer Region lebenden Füchse wird durch das Fassungsvermögen des Lebensraumes, also der Verfügbarkeit von Nahrung und freien Revieren begrenzt. Solange es einen freien Platz im Revier gibt, der einen Fuchs ernährt, wird auch immer wieder ein Fuchs nachkommen, um ihn auszu- füllen. #Y+6 #C10 Gesundheitspolizei oder zu bekämpfendes Ungeziefer? #C21 #Y+6 Fortschrittliche Jäger haben die Sinnlosigkeit der Fuchsbejagung längst er- kannt. Viele Waldbesitzer schätzen den Fuchs als Mäusevertilger und "Gesund- heitspolizei" für krankes Wild. Trotz neuer Erkenntnisse über die Lebensweise der Füchse, ihr Sozialverhalten und ihre Vermehrungsstrategien, schüren hingegen Jagdpresse dieselben Vor- urteile gegen den Fuchs wie eh und je - und haben damit zum Leidwesen der Füchse Erfolg. #Y+4 #C10 Artikel entnommen aus Mensch&Tier 2/97 des DTHW e.V. #Y+4 Uwe UZe Zemke für Amiga-Gadget 27.06.1997