#Titel Lifestyle / Kunst / Zu Goethe #Logo gadget31:Pinsel/AG.Lifestyle #Font topaz 8 #C10 HANS-JOACHIM STENGERT * Ehrenmalstr. 15 * 47447 Moers * 25-06-97 #Font Losse 16 #C31 ZU GOETHE ========= #Font topaz 8 #C21 Wie ich schon an Andreas Neumann geschrieben habe, bin ich der Meinung, daß uns Goethe sehr viel geben kann. Und sei es nur, um uns in seinem Lichte zu sonnen und aller Welt mit seinen Versen unsere humanistische Bildung zu beweisen. Es ist ja nicht nur der Faust. Schließlich hat er noch paar Sachen mehr geschrieben. (Für Statistiker: Mein Goethe in 3 Bänden, bei Cotta 1869, umfaßt im ersten Band allein genau 1004 Seiten!) Aber schon der Faust gibt allerhand her: #C10 "Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, Arm und Geleit Ihr anzutragen?" "Bin weder Fräulein, weder schön, kann ungeleitet nach Hause gehn." #C21 Naja, das kennen wir wohl schon. Aber gut ist auch dieses: #C10 "Es ist der Weiber ewig Weh und Ach, so tausendfach, aus Einem Punkte zu kurieren." "Es irrt der Mensch, solang er strebt." "Was ich vermag, soll gern geschehn." "Nicht jedes Mädchen hält so rein." "Nachbarin, Euer Fläschchen!" #C21 Und, damit man zeigen kann, daß man wirklich von Anfang an gelesen hat: #C10 "Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten..." #C21 und #C10 "Die Sonne tönt nach alter Weise in Brudersphären Wettgesang, und ihre vorgeschriebne Reise vollendet sie mit Donnergang." #C21 bis #C10 "Von Zeit zu Zeit seh' ich den Alten gern und hüte mich, mit ihm zu brechen. Es ist gar hübsch von einem großen Herrn, so menschlich mit dem Teufel selbst zu sprechen." #C21 ------------------ Soweit der Faust. - Goethes Gedichte sind Legion, und unlängst hat unser Freund Reich-Ranicki ihn als erotischen Dichter gelobt. Das wird schon stimmen, aber ich möchte heute mal auf ein paar "Vermischte Gedichte" von ihm hinweisen, die vielleicht nicht jeder kennt, die aber einen eigenen Reiz haben. #C10 "Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?", #C21 das kennen wir ja wohl alle. Aber "Prometheus"?: #C10 "Bedecke deinen Himmel, Zeus, mit Wolkendunst und übe, dem Knaben gleich, der Disteln köpft, an Eichen Dich und Bergeshöh'n! Mußt mir meine Erde doch lassen stehn und meine Hütte, die Du nicht gebaut, und meinen Herd, um dessen Glut Du mich beneidest. ..." #C21 Oder "Das Göttliche": #C10 "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!" Usw. #C21 Aus "Grenzen der Menschheit": #C10 "Denn mit Göttern soll sich nicht messen irgendein Mensch. Hebt er sich aufwärts und berührt mit dem Scheitel die Sterne, nirgends haften dann die unsichern Sohlen, und mit ihm spielen Wolken und Winde..." #C21 Und nun noch zwei mit Musik! Bekannt ist ja wohl #C10 "Der Zauberlehrling" "Hat der alte Hexenmeister sich DOCH einmal fortbegeben! Und nun sollen seine Geister auch nach meinem Willen leben. ..... Walle! Walle manche Strecke, daß zum Zwecke Wasser fließe und mit reichem vollen Schwalle zu dem Bade sich ergieße." ... #C21 Hierzu hat - für die, die es noch nicht wissen - Paul Ducas eine meisterlich nachempfundene Musik geschrieben, Titel "Der Zauberlehrling" (wer hätte das gedacht?), bei der man ganz genau die Wassermassen rauschen und die Besen die Eimer schleppen hören kann! Und so weiter! Wer's noch nicht kennt: SEHR empfehlenswert! Und dann gibt es noch ein Gedicht, das man sich selbst vertonen kann (muß). Es heißt "Mahomets Gesang" und schildert den Lauf eines großen Flusses von der Quelle bis zur Einmündung in das Meer. Man kann und soll sich auch dabei das Leben eines Propheten (Mahomet = Mohammed) vorstellen. Aber gerade zu dem Bilde eines Flusses paßt haargenau Smetanas "Die Moldau". Die beginnt mit einem perlenden Flötenmotiv, das die Quelle der Moldau wiedergeben soll. Dem entspricht der Anfang des Gedichtes: #C10 "Seht den Felsenquell, freudehell, wie ein Sternenblick; ..." #C21 Und so geht es weiter, und es ist erstaunlich, wie eng sich Dichtung und Komposition entsprechen, obwohl beide Meister nichts voneinander gewußt haben und zu ganz verschiedenen Zeiten gelebt haben. Ich empfehle, sich mal die Platte oder CD mit der "Moldau" aufzulegen und dazu den Text von Goethe zu lesen oder laut zu deklamieren. Man wird staunen, wie ähnlich sich beide sind, und wird einen großen Genuß erleben, auch vom ollen Dichterfürsten GOETHE.