#Titel Lifestyle / Kino / Con Air
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#C31
Con Air:
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#Y-10
                geistiges Tiefflieger-Kino mit impliziertem Absturz

#C12
  "Wir fliegen nach Jerusalem, und ihr kommt mit!"
#C21

Die Sonne scheint. Es ist Sommer. Gehen wir also ins Kino.

Con Air. Der Kinosommer bringt erst bescheidene Blüten. Ma kukken, soll
doch dieser Film der Action-Knaller des Jahres sein. Da muß er sich
beeilen, denn Jan de Bont, Luc Besson und Steven "Smile" Spielberg stehen
schon in den Startlöchern.

Action. Seit The Rock hat Producer Jerry Bruckheimer gute Karten. Massig
Einspielergebnis, und mit Oscarscheißträger Nicolas Cage kann er den
"neuen" (?) Actionhelden der Mitt-Neunziger besetzen, einen ziemlichen
Sympathieträger und Kassenmagneten. Auch wenn der im Unterhemd, mit
Viereinhalbtagebart und Haaren, die länger sind als Connerys im
Vorgängerfilm, wenig Affinität zum amerikanischen
Mittelstandsschwiegersohnideal aufweist. Was den Film wohl qualifizieren
soll. Auch wenn er sich im Folgenden genauso verhält. Was den Film wohl
ebenfalls qualifizieren soll.

Abba es geht nich nur um Nikki und dessen Suche nach einer Heckenschere,
sondern auch ums nackte Überleben. Cameron Poe, alias Cage, darf nach 008
Jahren sein Gefängnis -klar, auf Bewährung- verlassen, und trachtet nach
harmloser Reunion mit der family. Gesessen hat er, weil er sich -ganz
alleine!- vor sein angetrautes Weib warf, um die gemeinsame Zukunft vor dem
alkoholisierten Übergriff dekadenter Schaum- und Hobbyschläger zu schützen.
Nächtliche Rangelszenen, Faustschläge, Folge: ein Mann tot, Poe inhaftiert.
Jetzt will er wieder Normalität suchen, und wie das in diesen Filmen halt
ist, muß der Held dauernd was total abgefahrenes machen und darf deshalb
auf keinen Fall schnellstmöglichst in die Arme der Vermißten. Auf
Bewährung, wie gesagt.

Die Probe auf dieselbe kommt. Noch schneller, als der Friseur erlaubt,
kramt der gute Mann sein Päckchen und nimmt den nächstenerstenbesten Flug.
Mit der Con Air.

Womit wir endlich beim Thema sind.
Denn an Bord der Jailbird 1, einer Art fliegenden Peter-Pauls-Festung,
befindet sich die akademische Elite der amerikanischen Schwerverbrecher auf
dem Flug in einen neuen Hochsicherheitsknast. Die Leutchen haben die
letzten 20 oder auch dreißig Jahre hinterm Vorhang gelebt und haben noch
den Rest ihres Lebens, der mitunter juristisch verkürzt werden soll, in der
neuen staatlichen Disziplinierungsanstalt vor sich. Verständlicherweise
lechzen sie nur so danach, als freie Bürger an der Tanke fünf Minuten von
hier ein Hot dog zu erstehen und ihre alten Gepflogenheiten wieder
aufzunehmen. Hier sind alle jene suspekten Typen vertreten, die eigentlich
das blendende Hell der Filmscheinwerfer zu meiden haben. Ein besessener
Serienkiller: Steve Buscemi als Garland Greene. Ein fanatischer Terrorist
für die Interessen der Schwarzen: Ving Rhames als Nathan Jones, genannt
Diamond Dog. Ein unbelehrbarer Vergewaltiger: Danny Trejo als John Baca,
genannt Jonny 23. Ein Crack-Nigger: Dave Chapelle als Regg Parker, genannt
Pinball. Eine Gefängnis-Tunte (Renoly Santiago). Ein echt übler Typ: M. C.
Gainey als James Earl West, genannt Swamp thing. Und: Ihr Anführer, Cyrus
Grissom, bekannt als Cyrus The Virus. Er schickt sich an, sie alle in die
Freiheit zu führen. Und zwar noch heute. Alle Mann einsteigen und
anschnallen! Käptn Cage und Lt. Bruckheimer bitten um Starterlaubnis!

Die Stimmung an Bord ist denkbar schlecht.
Aber sie hebt sich nach wenigen Minuten nicht unwesentlich, denn der
Crack-Nigger fackelt seinen Nächsten ab und kann die Käfige für Nathan und
Cyrus öffnen, womit das Desaster seinen Verlauf nehmen kann. Im Folgenden
muß Poe die weibliche Aufseherin vor Vergewaltigung, seinen Freund Baby-O
(Mykelti Williamson) vorm Zuckertod und seine Tochter vor Daddys
Nichtpräsenz am Geburtstag (Frage: was wäre am Schlimmsten?) schützen. In
staccato die Stationen: Die Con Air will einen kolumbianischen
Drogendealer, der ein Flugzeug bereitstellt, abfangen, und sich
verdünnisieren. Poe will nach Haus, und versucht alles erdenkliche, um das
zu verhindern. Er kann Marshal Vince Larkin (John Cusack) alarmieren, der
mit Soldaten den Flugzeugwechsel verhindert. Die Jailbird 1 hebt trotzdem
ab, Poe muß mehrfach seine Enttarnung in letzter Sekunde verhindern. Über
Las Vegas nötigt Poe den Piloten zur Bruchlandung, eliminiert alle
Tunichtgute und schließt Weib und Tochter in die starken Arme. THE END.

OK, zur Kritik:
Die Pyrostunts und Actionsequenzen sind von einer Qualität, die den Namen
Bruckmeier zur Norm erheben dürften. Was hier an Geld und Material
verballert wird, ist wenigstens effektvoll vergeudet. Das kann aber nicht
darüber hinwegtäuschen, daß mit Con Air der Anfang vom Ende des Actionfilms
abzusehen ist. Denn Cage & Co steuern den Flieger voll in die Sackgasse.

Flammenwände, die die ganze Leinwand überziehen, kennen wir seit 1989 und
Licence to kill schon zur Genüge. Hier lassen sich nur noch unwesentliche
neue Effekte herausholen. Deshalb muß die Story von der räumlichen
Dimension in die zeitliche ausweichen. Die nicht mal zwei Stunden Laufzeit
reihen nach der straffen Exposition einen Actionhöhepunkt an den anderen.
Con Air ist ein exzessiver Dauer-Showdown. Noch wirkt das zwar halbwegs
originell - aber es ist das Gegenteil von Innovation. Wenn Hollywood weiter
so sorg- und einfallslos bleibt, wird dieses Genre in fünf Jahren zu teuer
und deshalb tot sein.

Fragen wie "Warum frißt der Diabetiker schleimige
Süßigkeiten", "Warum kann man im Gefängnis Stoffhasen kaufen", "Wird die
Knast-Post nicht zensiert?" oder "Weshalb ist der Gute immer der Stärkere"
übergehe ich mit Einverständnis des Produzenten - für dieses mal. Auch daß
der coole Danny Trejo diverse Bindegewebsschwächen hat, Cage dagegen
geradezu idealtypisch mit Rippenshirt und Silikon-Bizeps "diesen Scheißtag
rettet", sei ohne Kommentar auf der Minusseite verbucht.

Wie Michael Bay mit The Rock liefert Simon West hier sein Regie-Debüt. Und
ebenso wie Bay kommt er aus dem Videoclip- und Werbemetier, das der
Kinoentwicklung um mindestens 5 Lichtjahre voraus ist. Er trägt die rasante
Inszenierung, die nur an Tempo interessiert ist, auf die Leinwand.
Blöderweise ist das dann genauso dämlich wie im Rock - die Schnipselchen
sind fragmentarisch, die Handlung verschlingt ihre Elemente, der Schnitt
ist schneller als der Tiefschlaf des Rezipienten. Fragen wie "Wer erschießt
wen?, "Wo kommt das denn her?" "Von wo kam da wer wohin womit zu wem warum
wassollndasundwassnjezzschonwider" sind echt überflüssig. Insbesondere der
Schluß ist crap. Daß Cyrus seine Drohung nicht ernst machen darf, zeigt wie
bieder der Film veranlagt ist, und daß er mittels Flintspritze und
Enterhaken kämpft, ist ÄTZEND.

Wie im Rock legte man Wert auf die Besetzung. Daß aber West und Bruckheimer
den darstellerischen Wert betont wissen wollen, gehört eingemottet. So
psychopathisch wie Malkovich guckt kein zweiter aus der Wäsche, das kennen
wir. Colm Meany spielt mit Händen und Füßen gegen sein liebes Trekker-Image
an. John Cusack sieht so aus, als käme er just von der Abientlassung des
großen Bruders und Vater hat ihm gerade heftigst ans Herz gelegt,
mindestens genauso schleimscheitelig zu werden, sonst droht das
Priesterseminar. Rhames, Trejo und Co haben kaum was zu melden. Und Cage
selbst spielt nicht erkennbar, er agiert zwar flüssig, aber mit einer
Präsenz, die eher naheliegt, daß die Identität mit den propagierten
Amerikanismen, die an Selbsttäuschung grenzt, jede Schauspielerei
überflüssig machen.

Daß Poe heim will, ist ok. Aber warum Baby-O, ein kleinkarierter
Kleinganove mit theologischem Dauerdefizit, an Bord ist und permanent den
Handlungsbedarf erhöhen darf, ist nicht ersichtlich. Die Zeichnung der
Bösewichter ist so simpel wie irgend möglich. Als Schurken nimmt man
Charaktere, die schon de jure welche sind und für lebenslang aus dem
Verkehr gezogen sein sollten. So weit so gut. Das diese aber deshalb ohne
Rücksicht auf Verluste eingeäschert werden dürfen, folgt nicht logisch
daraus. Con Air ist einer jener unrühmlichen Filme, die den Verbrecher mit
seinem Verbrechen gleichsetzen und ihn dann als asozial ausstoßen
dürfen. Spätestens hier zeigt sich, wie unreif der Film ist. Er postuliert
damit nur amerikanistische Binärdenkweisen. Will man die Frage, inwieweit
ein Mensch mit einem Verbrechen identifiziert werden kann und darf, im Kino
diskutieren, muß man momentan diese Frage entweder zugunsten des
Verbrechers entscheiden und die Gesellschaft verurteilen oder unter
Verzicht auf eindeutige Lösungen problematisieren (Dead man walking). Con
Air bewegt sich auf dem ausgetretenen Weg des nicht vorhandenen
Wiederstandes. Zwar klopft Larkin vorzugsweise Dostojewskij-Zitate: "Den
Zustand einer Gesellschaft erkennt man am Zustand ihrer Gefangenen", aber
das bleibt oberflächlich.

Jetzt rezensieren wir mal etwas im Schopenhauerschen Sinne dagegen: "Mag es
ein Pamphlet werden, zumindest werde ich darin aber ausdrücken, was ich
denke."
#Y-10
#C10
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#C21
Natürlich wird hier nicht soziologisch aufgewickelt. Das Verbrechen wird
dem Wahnsinn zugeschrieben (Cyrus, Greene) und damit eine Käfighaltung
gerechtfertigt. Das unsichere Gebiet der Psychologie gibt Pauschalurteile
noch her... Aber zitieren geht auch anders: "Sie sind brutale, zornige,
verbitterte Menschen."   Es geht hier nicht um Verständnis, sondern Action.
#Y-10
#C10
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#C21
Also. Entsprechend erhalten die Charaktere (?) eine minimale Legitimation,
keine Vergangenheit, keine Geschichte. Sie sind alle völlig Funktion. Poes
Beziehung müssen wir als toll annehmen, und die Verbrecher kommen aus dem
Nichts. Was zählt, ist Handlung. Der Vorgänger The Rock bezog einen
Großteil seines Reizes aus der Umkehrung der Actionelemente: um nach
Alcatraz zu kommen, braucht man Connery, dessen Interesse darin besteht,
nie wieder hinzukommen, der den Bau auswendig lernte, um ihn zu verlassen,
der plante, um zu handeln. Jetzt ist nur die Tat gefragt, wir sind wieder
ganz existentialistisch: die Existenz geht der Essenz voraus. Leider bleibt
genau deshalb die Legion der coolen Tötegerns um Malkovich Rudiment. Und
natürlich darf Poe dieses Gelichter haufenweise eliminieren: "Verbrechen?
Was für ein Verbrechen? Daß ich ein gemeines, schädliches Insekt umgebracht
habe, das niemand von Nutzen ist? War das ein Verbrechen?"
#Y-10
#C10
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Natürlich sind die Verbrecher in der Mehrheit schwarz. Zusätzlich erlaubt
sich der Autor einen rassistischen Hieb auf das black cinema: Nathan Jones
schrieb im Bau ein Buch, und "die verhandeln für die Hauptrolle mit Denzel
Washington." Zeigt sich, wes Geistes Kind Macher und Rezipienten sein
sollten: sie müssen die - nach wie vor - dominanten Interessengruppen im
Kino vertreten, als das wären: männlich, weiß und heterosexuell. Deren
bestgepflegte Klischees dominieren den Film. Zum Glück unterließ die
Justizverwaltung größere Sympathiebekundungen für die Story, die zu
unrealistisch sei: "Uns macht man den Vorwurf, wir hätten Romane
erdichtet!"   Es wäre auch zu enttarnend gewesen.
#Y-10
#C10
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Natürlich dient der Bauchschuß von Cyrus dazu, Heldentum zu provozieren:
"Du glaubst wohl, ich fürchte dich jetzt!"   Natürlich wird alles gut. Die
#Y-10
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Frage, ob Poe denn nun schuldig ist oder nicht, wird leider nicht
debattiert. Er erkennt seine Strafe an.

Noch unangenehmer ist die Gegenseite dieser Figurengestaltung. Denn Poe
wird seinerseits mit sämtlichen exzessiv-schwülstigen
God-bless-America-but-not-it's-natives-Ideologie und -Phraseologie
ausgestattet, die den Actionfan überraschen und den Cineasten zum Weghören
bringen. Wenn schon keine Kommunisten, dann wenigstens die Verräter der
amerikanischen Gesellschaftsordnung. Besonders pervers ist die
Plot-Konstellation, derzufolge Poe nicht einfach die Ausgeburt dieser
Widerwärtigkeit darstellt, sondern sich ihr anpaßt, indem er die Häftlinge
zu stoppen versucht. Er tut's nicht mal für Gott und Vaterland, sondern für
Heim und Familie. Damit ist er kein sülzköpfiger Überzeugungstäter, er
nimmt diese Werte unreflektiert an und entblödet sich nicht einmal, die
immanente Selbstgefälligkeit und den Egoismus des US-amerikanischer
Mittelstandslebensgefühls zur Schau zu tragen. Natürlich vergreift sich
Cyrus an den Insignien dieses bürgerlichen Geistlosigkeitkultes: "Eine
falsche Bewegung, und der Hase ist hin!" Die ganze Traurigkeit des Films
komprimiert in einem Satz.

Perfiderweise spielt der Film mit den Gefühlen des Zuschauers, indem er
genau an diese superamerikanistischen Ideale von Männlichkeit und Heldentum
appelliert (oder es zumindest versucht). Die Schurken sind "häßlich wie die
Nacht" und schon schalten wir: "Uuuuuhhhh, das sind ja fiese Typen!"
Entsprechend darf Poe den Vergewaltiger kappen und an seinen
numerologischen Studien hindern. Er darf Töchterchens Geburtstag nicht
verpassen, und er hat zum lieben Gott besondere Leitungen (auch dem am
Geldhahn und am Drehbuch, danke Woody.). Wenn das das Männerbild fürs
nächste Jahrhundert wird, dann gute Nacht, Welt. ("Im übrigen wäre es
seltsam, in einer Zeit wie der unsrigen von den Menschen Klarheit zu
verlangen."  )
#Y-10
#C10
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#C21
Natürlich war Poe im Golfkrieg. Natürlich ehrt er Vaterland
und Familie. Ich frage mich nur, ob die These völlig unstichhaltig ist,
nach der Frauen mindestens einmal alle acht Jahre ein klein bißchen
promiskuitiv werden. Jemand, der seine Gattin "Kolibri" nennt, scheint
dieser Warterei nicht unbedingt würdig.

Am erschreckensten ist die Legitimation für Poe/Cages Actionschnippseleien.
Denn wenn man das erste mal Frau und Kinder zu Gesicht bekommt, muß man
einsehen, daß nicht nur der Drehbuchautor ein simples Gemüt hat, sondern
auch der Casting-director so unqualifiziert war, daß man nicht umhin
kommt zu argwöhnen, hier sei ABM für erwerbslose Kloputzer betrieben
worden, die postwendend ihren Traum einer idealen sozialen Existenz an
den mentalen Wüstenhimmel projizierten. (Darin vielleicht nicht unähnlich
dem Autor, der seinen ersten story-Entwurf kommentiert haben soll: "Wäre
ich nicht betrunken gewesen, so hätte ich ihn nicht geschrieben...!"  )
#Y-10
#C10
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Barby: Und alles Plastik ward Fleisch! Und sie soll die legitime Motivation
dieser Metzeleien darstellen? Dann lieber die 15 Jahre Zuchthaus. Kotzreiz
bei der outing-session, daß Kiddies Erbfeind schwarze Zähne hat...

Generell hat es sich in jüngeren Schinken aus HLLyWD eingebürgert,
Frauenrollen in prinzipiell coole Filme einzubauen, ihnen eine tragende
Role zuzuweisen und sie dann mit ebenso mimisch unbegabten, wie
phänotypisch abstoßenden und nebenbei noch völlig unerprobten
Darstellerinnen zu besetzen. Die Glaubwürdigkeit ihrer Rolle geht damit
rapide abwärts, und der ganze Film ist zu einer großartigen
Unerfreulichkeit ruiniert. An erster Stelle dieser casting-Desaster steht
Heat von Michael Mann, der gleich drei (in Worten und Taten: DREI!!!)
dieser Übelkeit erregenden und handlungstechnisch nicht zu vertretenden
Nachwuchsdarstellerinnen protegiert. Auch Seven wartet mit einer im Finale
ebenso wichtigen wie von der Besetzung her gescheiterten Laiendarstellerin
auf. Hier ist dies besonders auffällig, wenn man besagte weibliche
Mitbürger neben elaborate Charakterdarsteller wie de Niro, Pacino, Kilmer
bzw. Pitt und Freeman einordnet. Con Air verschließt sich auch diesem Trend
nicht. Und das ist unschön. In diesem speziellen Fall ist das Ende so im
Klischee verwachsen, daß man sich kopfkratzend fragt, ob das skurille
Ironie sein sollte, aber die wurde vorher schon anders definiert. Leider.
Denn Poe rechtfertigt sich nicht vor dem eigenen Ego, der Gottheit oder dem
coolen Drehbuch, SONDERN: "Was soll ich meiner Tochter sagen, wenn ich
zulasse, daß diese Frau vergewaltigt wird?" Schlußendlich hat diese Frau
natürlich Klotz-am-Bein-Funktion, um den Helden mit trivialsten
Nichtigkeiten abzulenken, abba egal.

Dem absoluten Schwachsinn fällt das Werk anheim, wenn hier 6000 Jahre
menschlicher Geistesgeschichte ad absurdum geführt werden. Baby-No stirbt
fast zwei Stunden munter vor sich hin, und wenn ihm Cyrus
dankenswerterweise eine Kugel in die naughty bits verpaßt, redet er irre:
"Ich habe Angst, daß da Nichts ist... Daß kein Gott ist..." Cage liest eben
im Drehbuch weiter und trollt sich zum Finale - "Wo willst du hin?" - "Ich
zeige dir, daß da ein Gott ist!!!" So würde Hollywood sich immer noch am
liebsten legitimiert sehen! SELBSTVERSTÄNDLICH ist da ein Gott, und Er ist
gut und mag kitschige happy ends. SELBSTVERSTÄNDLICH wird Cyrus exekutiert,
denn er hat sich am "Abendmahl" vergangen. SELBSTVERSTÄNDLICH kommt Baby-O
ins Krankenhaus. SELBSTVERSTÄNDLICH hält Poe die Tochter im Arm. "...er war
wiedergeboren, und er wußte das, fühlte es im tiefsten Innern seines
erneuerten Wesens, und sie, sie lebte ja nur sein eigenes Leben mit!"
#C10
#Y-10
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#C21
Nicolas Cage, vormals einer der Hauruck-Exzess-Anarcho-Rebello-Lieblinge
der Traumfabrik, hat sich nach Selbstaussage durchgerungen, nur noch "Filme
mit Gewissen" abzuliefern. Gemessen daran, war Con Air ein Rückschritt.

Also: das Schlußwort gehört auch dem Meister:
"Das ist ja ein Auswurf!"
#C10
#Y-10
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Es ist Sommer.

"Es war wieder ein heiterer, warmer Tag."
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#C10
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#Seitenende
#Y+30
#C10
 1:
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 4:
 5:
 6:

 7:
 8:
 9:
10:
#Y-110
#C21
    Dostojeskij, Brief an Strachov, von 1869
    Dostojewskij, Brief vom 22. 02. 1854 aus Sibirien an seinen Bruder Michail
    F. M. Dostojewskij, Raskolnikow.
    F. M. Dostojewskij: Die Gebrüder Karamasoff. Band II, Seite 934.
    F. M. Dostojewskij: Die Gebrüder Karamasoff. Band II, Seite 771.
    F. M. Dostojewskij: Die Gebrüder Karamasoff. Band I, Vorwort
    "Von seiten des Autors"; Seite 9.
    F. M. Dostojewskij: Die Gebrüder Karamasoff. Band II, Seite 860.
    F. M. Dostojewskij, Raskolnikow. Seite 797.
    F. M. Dostojewskij: Die Gebrüder Karamasoff. Band II, Seite 861.
    F. M. Dostojewskij, Raskolnikow. Seite 795.
#Seitenende
#C10
Now a major motion picture from Paramount.

This pamphlet of mine was written by me, and I thought it and wrote it and
know it, and it`s mine, so I own it and what it is, too.

No animal was harmed in the making of this pamphlet.

Look out for my great correlian creationism pamphlet!

#C12
ein Johannes Strauß Pamphlet

#C10
(c) 10. 07. 1997
#C31
    j. strauß

#C10
Johannes Strauß
im Nicht-Internet:
Alte Josefstraße 7
49809 Lingen
0591-72327
