#Titel Forum / Leserbriefe / HaJo Stengert 03.07.
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#C21
    HANS-JOACHIM STENGERT * Ehrenmalstr. 15 * 47447 Moers * 03-07-97


    Hallo Andreas,

#C10
    Hello again !
#C21

    besten Dank für die schnelle und freundliche Antwort! Hier komme ich
    gleich wieder, weil ich gemerkt habe, daß ich Dir den "Sepp-2" schon
    geschickt hatte. Dabei wollte ich ihn noch ein bißchen ergänzen,
    bzw. hatte damit schon angefangen, siehe "Leserbrief-2".

#C10
    Im verzweifelten Versuch, der Verwirrung Herr zu werden, habe ich
    jetzt mal einfach die leserbriefrelevanten Teile auch dieses Briefes
    veröffentlicht, da ich sie sonst in den anderen hätte einbauen müssen,
    was nicht ohne schwerwiegende Veränderungen an der ursprünglichen
    Grammatik möglich gewesen wäre. Ich hoffe, es ist so in Ordnung.
#C21

    Was da fehlt, ist mein "Siehste!" zum Thema Windenergie. Greenpeace
    schreibt selber "... der Durchbruch zur Wirtschaftlichkeit ... wird
    jetzt entschieden." Abgesehen davon, daß man einen Durchbruch nicht
    entscheiden kann, geben sie also selber zu, daß alles, was bisher
    gemacht wurde, nicht wirtschaftlich war. - Vielleicht ist ja all
    dieses hemmungslose Geldausgeben unserer Regierenden irgendwie eine
    verdeckte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Aber da müßte mal einer
    ausrechnen, ob es nicht viel billiger käme, jedem Arbeitslosen 2.000
    Mark pro Monat zu zahlen, als das Geld auf diesen verschlungenen und
    nicht mehr zu kontrollierenden Umwegen unter die Leute zu bringen.

#C10
    Zur Windenergie habe ich meinen Senf bereits im ersten Leserbrief
    abgegeben. Was die Nutzlosigkeit von Subventionen angeht, gibt es,
    so wie von Dir gewünscht, tatsächlich eine schöne Modellrechnung.
    Allerdings behandelt sie nicht direkte Subventionen, sondern vielmehr
    indirekte - und zwar in der Form des Protektionismus. Kurz zur Erklärung:
    Indem ein Staat auf die Einfuhr von ausländischen Produkten Zölle
    erhebt, erhöht er die Absatzchancen gleichartiger inländischer Produkte.
    Im Gegensatz zu direkten Subventionen, bei denen der Staat erst den
    Bürgern die Kaufkraft durch die Erhebung von Steuern entzieht und mit
    diesen dann die inländischen Anbieter unterstützt, unterstützt er
    hier die inländischen Anbieter dadurch, daß durch die Zölle die Bürger
    mehr Geld für die Pordukte selbst ausgeben müssen. Die Finanzierung und
    Gegenfinanzierung erfolgt somit nicht direkt durch einen Vorgang des
    Gebens und Nehmens, sondern indirekt durch eine Beeinflussung der
    Produktpreise. Deshalb der Name "indirekte Subvention". In den
    Auswirkungen bestehen kaum nennenswerte Unterschiede zu den oben
    beschriebenen direkten Subventionen. Nun aber zu der Untersuchung, die
    den "Nutzen" solcher Subventionen darstellt. Sie stammt aus dem
    von der Weltbank erstellten Weltentwicklungsbericht des Jahres 1984:

    "Die Kosten, die der Allgemeinheit durch die Arbeitsplatzsicherung
    entstehen, sind auf Leistungsschwächen bei Produktion und Verbrauch
    zurückzuführen. Im Falle der Vereinigten Staaten wurden diese Kosten
    für die Bekleidungs- und Textilindustrie allein unter Berücksichtigung
    der Zölle auf 426 Mio Dollar im Jahre 1977 geschätzt. Um Arbeitsplätze
    auf unbegrenzte Zeit zu sichern, muß auch der Protektionismus auf Dauer
    aufrechterhalten werden. Der Gegenwartswert dieser Kosten beliefe sich
    unter dieser Voraussetzung auf mehr als 10 Mrd Dollar. Gleichzeitig
    wurde geschätzt, daß die Zölle 116 000 Arbeitsplätze sicherten. Die
    Kosten einer dauerhaften Sicherung würden sich damit je Arbeitsplatz auf
    etwa 80 000 Dollar belaufen, während der individuelle Nutzen für den
    einzelnen Arbeitnehmer auf 5 600 Dollar zu veranschlagen ist, was einem
    Verhältnis von 14:1 entspricht. Mit anderen Worten hätten die Vereinigten
    Staaten bei einer dauerhaften außenwirtschaftlichen Abschirmung durch
    Zölle für jeweils 7 Cent, die jenen Arbeitnehmern zukommen, deren
    Arbeitsplätze gesichert würden, 1 Dollar zu bezahlen.

    Die kanadischen Untersuchungen erhalten Schätzungen über die Gesamtkosten
    aller Handelsbeschränkungen für Bekleidung, die weit höher sind als die
    Kosten, die allein den Zöllen zuzurechnen sind. Die Kosten, die je
    Arbeitsplatz entstehen, der durch permanente Beschränkungen gesichert
    wird, wurden für die späten siebziger Jahre auf 390 000 kanadische
    Dollar veranschlagt. Da der einzelne Beschäftigte (vor Sozialleistungen)
    lediglich 14 000 kanadische Dollar einbüßte, beliefen sich die Nettokosten
    für die Allgemeinheit auf etwa 375 000 kanadische Dollar. Diese Kosten
    waren aufzuwenden, um jeder Arbeitskraft einen Verlust von
    5 000 kanadischen Dollar zu ersparen, was einem Verhältnis von über
    70:1 entspricht. Für jeweils 1½ Cent, um die sich der einzelne
    Arbeitnehmer besser stellen würde, würde ein kanadischer Dollar
    verschwendet."

    Um Mißverständnisse zu vermeiden: Subventionen können dann sinnvoll sein,
    wenn sie vorübergehend zu Erreichung eines politischen oder
    wirtschaftlichen Zieles eingesetzt werden, also etwa dazu, die Marktreife
    einer neue Technologie zu erreichen. Wenn sie aber langfristig und
    nur zur Sicherung von Arbeitsplätzen eingesetzt werden, wie derzeit im
    Agrar- und Bergbausektor, dann sind sie in einer Marktwirtschaft (auch
    in einer sozialen) schädlich und falsch.
#C21

    Was noch in den Leserbrief hinein sollte, ist meine neueste
    Erkenntnis zum Thema Umriß-Schriften (Outline). - Nachdem ich meinen
    Mac nun doch in den Keller geräumt habe, freut es mich besonders, daß
    auch auf dem Amiga unbegrenzt Umrißschriften möglich sind, und zwar
    mit PAGESTREAM, auch dem alten von der Aminet #10. Da geht noch viel
    mehr, Schatten, gespiegelt und so weiter.

    Dann möchte ich mich noch einmal bedanken für Deinen Hinweis auf das
    neue Turboprint und hier besonders den Druckmanager. Zusammen mit
    dem BJC-620 lassen sich da die tollsten Sachen drucken, und zwar
    sehr elegant und intuitiv. - Etwas merkwürdig finde ich von Canon,
    daß sie jetzt mehrere Billig-Drucker nachschieben, die mehr oder
    weniger dasselbe können sollen wie der 620er, der immerhin 700 Mark
    gekostet hat. Aber wahrscheinlich fehlen da die Farb-Einzel-Patronen,
    die ich nicht missen möchte (hat übrigens der Mac-Drucker auch).

    Uwe: Die Beispiele zur neuen Rechtschreibung waren richtig abschrek-
    kend. Als Ingenieur ergänze ich noch, daß die für die Technik so
    wichtige Unterscheidung zwischen Maße und Masse auch wegfallen soll.
    Ein Katastrophe!

#C10
    Ähem. Meinst Du "Maße" als Mehrzahl von "das Maß" ? Das wird wohl nach
    wie vor mit "ß" geschrieben werden, da ja das "a" lang gesprochen wird.
#C21

    Last not least unser guter Lafontaine. - Ich weiß ja nicht, wer den
    Teil zur SPD beisteuert, aber es kommt mir manchmal so vor, als
    sollten damit Stimmen für die CDU gewonnen werden. Ein gutes Bei-
    spiel stellt die Rede des großen Vorsitzenden dar: Das ist alles
    allgemeiner Kram, nichtssagende Beteuerungen, aus denen man nur
    entnehmen kann, daß es die SPD gut mit den Menschen meint und für
    sie nur das Beste tun will, aber irgendwelche konkreten Angaben, was
    und wie es nun praktisch vor sich gehen soll und wie es finanziert
    werden kann, sucht man meist vergebens.

#C10
    Nun ja, das in einer Rede auf einer großen Kundgebung darzustellen,
    wäre wohl auch etwas verfehlt. Die SPD hat ein Konzept zur Steuerreform
    vorgestellt, das Zahlen und Finanzierungsmöglichkeiten nennt. Ganz
    davon abgesehen könnte es sich die SPD erlauben, auf die öffentliche
    Präsentation genauer Finanzierungsvorhaben ganz zu verzichten. Denn
    warum sollte sie es tun ? SPD-Gesetzesvorlagen scheitern ohnehin schon
    im Bundestag. Und würden der Regierung nur Gelegenheit geben, von ihrer
    desolaten Politik abzulenken.
#C21

                             ----------------

    Schlußbemerkungen am 15-07-97:

    Man könnte in Anlehnung an Reich-Ranicki "Kunst-1" und "Kunst-2" auf
    die Kurzformel bringen:

            Opern     = Mozart, Verdi und Wagner

            Literatur = Goethe und Schiller

    Damit will ich ja keinen Puccini oder Kafka verbieten oder schlecht
    machen. ABER: das Obige ist die Grundausstattung und muß ZUERST ge-
    lernt werden. Howgh!

#C10
    Nix da.
#C21

                             ----------------

    Hiermit fiebere ich wie immer der nächsten Nummer entgegen, der #31
    des Gadget. Zur Fertigstellung meine besten Wünsche, ist ja nicht
    mehr lange.

#C10
    Vielen Dank ! Ich bin auch schon gespannt, ob das was wird mit der
    "Sommer-Nummer" 31....
#C21

    Joachim (dazu gibt es hoffentlich keine Lieder!)
