#Titel Tests / Software / Sensible World of Soccer EC
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#C31
Test : Sensible World of Soccer '95/'96 EC
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#C21
#Y+5
Name          :
Vertriebsform :                 Genre       :
Preis         :                 Hersteller  :
#Y-30
#C10
                Sensible World of Soccer '95/'96 European Championship Edition
                kommerziell                     Spiel (Fußball)
                ca.40 DM                        Sensible Software / Time Warner

#C21
Des Deutschen liebstes Kind ist - nicht unbedingt im biologischen Sinne zu
verstehen - ja bekanntermaßen der Fußball. Wenn Bertis Buben kicken steigen
die Einschaltquoten der TV-Sender und werden ganze Innenstädte entvölkert. Und
in manchen Familien ist die einzige über Generationen gepflegte Tradition die
Liebe zum Verein - seien es die beiden Borussen-Mannschaften, Schalke oder
(südlich des Weißwurstäquators) die Bayern. So nimmt es denn auch nicht wunder,
daß sich das schwarz-weiße Spielzeug auch auf dem Spielzeug der Zukunft, dem
Computer, allergrößter Beliebtheit erfreut. Fußballmanagerprogramme erzielen
Rekordverkaufszahlen, spezielle Datenbanken offerieren dem Nutzer alle
Informationen über "seinen" Verein und in Arcadespielen darf dann der
Wohnzimmer-Vogts endlich den Beweis führen, daß er es doch besser kann als Andi
Möller. Passend zur - inzwischen schon längst Vergangenheit gewordenen -
Europameisterschaft im Heimatland des Fußballs hat Sensible Software nun ein
weiteres Programm in dieses gewaltige Cybersoccer-Angebot eingefügt. Doch
die "Sensible World of Soccer '95/'96 European Championship Edition" (im
folgenden SWOS genannt..) ist nicht nur die Weiterentwicklung des Klassikers
"Sensible World of Soccer", sondern dem Vernehmen nach auch das letzte
Programm, das die Softwareschmiede für den Amiga veröffentlichen wird. Vor
dem Schlußpfiff wollen wir aber noch einen letzten Blick auf die Höhepunkte
des Spielgeschehens werfen.

SWOS wird auf zwei Disketten ausgeliefert, eine HD-Installation ist - trotz
normaler AmigaDOS-Formatierung - nicht vorgesehen. Im Aminet liegt zwar
ein Patch, der vorgibt, eine solche vornehmen zu können, auf dem Testrechner
funktionierte die HD-Version jedoch nur verlangsamt, d.h. es kam beim
Scrollen des Bildschirms zu auffälligem Ruckeln. Hat man nun resigniert
von der Startdiskette gebootet, dauert es einige Zeit, bis ein Vorspann
erscheint. Hier werden die Namen der Verantwortlichen aufgeführt, was
dankenswerterweise mit einem Druck auf den Feuerknopf abgebrochen werden
kann. Einige Ladezeit später ist dann das Programm geladen und präsentiert
ein Hauptmenü, in dem man mit dem Joystick den auszuwählenden Menüpunkt
bestimmen kann. Über "Edit Tactics", "Edit Custom Teams" und "Diy Competition"
stehen mächtige Funktionen bereit, mit denen man

#C10
 - in sechs komplexen Spieltaktiken (zu den zwölf schon vorgegebenen) die
   Positionierung und das taktische Verhalten der einzelnen Spieler regeln,
 - eigene Teams mit eigenen Spielern und selbstgestaltetem Dress
   zusammenstellen und
 - sogar einen eigenen Wettbewerb (Liga, Pokal, Turnier) mit frei wählbaren
   Setz- und Wertungsprinzipien erstellen kann.
#C21

Im "Options"-Menü kann man die (reale) Spiellänge einer Partie einstellen
(3, 5, 7 oder 10 Minuten), den Bodenbelag festlegen (dabei bestehen sieben
unterschiedliche Typen, sowie die Möglichkeit einer zufälligen Auswahl und
einer Anpassung an den Saisonverlauf), die Hintergrundmusik ausschalten
und noch ein paar kleinere Anpassungen vornehmen. Das Menü "Save Disk
Filing" ermöglicht schließlich das Vorbereiten einer Spielstanddiskette,
wofür man hier entweder eine Diskette neu formatieren oder auf ihr
befindliche Dateien löschen kann. Das eigentliche Spiel beginnt jedoch
erst, wenn man sich entschieden hat, was man spielen möchte: ein
Freundschaftsspiel, einen voreingestellten oder einen selbstdefinierten
Wettbewerb, eine Saison oder eine komplette Karriere. Letzteres ist dabei
die Verknüpfung von 20 einzelnen Saisons, d.h. man kann quasi die der
Realität entsprechende 20jährige Schaffenszeit eines Fußballehrers
virtuell nachspielen. Das ist nicht nur die komplexeste, sondern auch die
interessanteste Variante, sofern man nicht zu mehreren SWOS spielen
möchte - dann bieten sich die Wettbewerbe an, die bis zu 64 Mitspieler
erlauben, aber auch in einer Saison können viele und in einem
Freundschaftsspiel auch noch zwei menschliche Mitspieler gegeneinander
antreten. Hat man sich jedoch für die Karriere entschieden, gilt es zunächst,
den Club, den man trainieren möchte, auszuwählen. Dazu bietet SWOS die
gesamte Palette der Fußballigen der Welt an, wobei in größeren Länder
sogar mehrere Ligen (für Deutschland sind die erste und die zweiten
Bundesliga implementiert) vorhanden sind. Fein säuberlich wurden nicht nur
die realen Spielernamen übernommen sondern auch die landesspezifischen
Regelwerke originalgetreu umgesetzt - bis auf die Auswirkungen gelber
Karten, die sich hier stets auf das nächste Spiel beschränken (erhält
ein Spieler da nochmals eine gelbe Karte, wird er für das nächste
Spiel gesperrt, ansonsten ist die Sünde vergessen). Nach Auswahl des
Lieblingsvereins geht es dann endlich los.
Man kann das vorhandene Budget verheizen, um sich auf dem Transfermarkt - oder
in direkter (aber meist teurerer) Kontaktierung einzelner Vereine - mit neuen
Spielern einzudecken, sich einen Überblick über sämtliche Wettbewerbe und Ligen
des Weltfußballes (die mitlaufend simuliert werden) verschaffen, die
finanzielle Bilanz des Clubs oder gar die Stationen der eigenen Karriere Revue
passieren lassen. Doch nachdem man diesen rudimentären Manager ausgereizt hat,
geht es ans Eingemachte - an die Aufstellung des Teams. Jeder Spieler hat
sieben individuelle Eigenschaften, von denen die drei am stärksten
ausgebildeten im Kader angegeben werden. Dazu gibt es acht verschiedene
Spielertypen (Torwart, rechter Verteidiger, linker Verteidiger, Defensivspieler,
Mittelfeldspieler, Linksaußen, Rechtsaußen, Stürmer), so daß man alleine
zur Zusammenstellung der schlagkräftigsten Truppe einige Zeit und Konzentration
aufwenden sollte. Neben den eigenen Kickern gibt es zudem noch Leih-,
Reserve- und Testspieler, die unter Umständen eine Bereicherung für das Team
darstellen könnten, so daß man auch deren Einsatz in Erwägung ziehen sollte.
Bevor es ernst wird, kann man schließlich noch ein Trainingsspielchen wagen,
bei dem man zwei eigene Mannschaften gegeneinander antreten läßt und so die
Schwächen und Stärken auf den einzelnen Positionen ausloten kann. Steht der
Kader endlich, kann man das nächste Spiel angehen. Dieses kann man
ausschließlich als Trainer oder als Trainer und Spieler verfolgen. Das letztere
ist dringend zu empfehlen, denn nur so wird aus SWOS ein Fußballspiel zum
Mitkicken.

Das Spielfeld erstreckt sich von oben nach unten, wobei in alle vier Richtungen
gescrollt wird. Man selbst übernimmt stets die Kontrolle über den ballführenden
Spieler, wobei der automatische Wechsel jedoch prinzipiell erst nach erkämpftem
Ballbesitz erfolgt. Hat man vom einfachen Herumlaufen genug, kann man mit dem
Druck auf den Feuerknopf je nach Situation schießen, köpfen oder grätschen.
Dabei sind jeweils verschiedene Kontrollmaßnahmen möglich, so kann man Bälle
drücken und tief halten, aber auch ablenken, zu Hebern ansetzen oder gewaltsam
nach vorne dreschen. Das ganze ist recht logisch aufgebaut, ist man jedoch die
Steuerung von "Goal" oder "KickOff" gewöhnt, braucht es schon einige Zeit, bis
man den Wechsel geschafft hat. Belohnt wird man dafür mit der Möglichkeit,
zielgenaue Pässe zu schlagen und somit wunderschöne Spielzüge durchzuführen.
Der Torwart wird im übrigen fast vollständig vom Computer gesteuert - mit
Ausnahme der Abschläge und der Ballführung im Strafraum. Möchte man im
Verlauf der 90 (oder 120) Minuten einen Spieler auswechseln, so muß während
einer Spielpause den Joystick dreimal hintereinander in eine Richtung bewegen.
Dann bewegt sich das Bild zum linken Spielfeldrand, an dem sich die
Mannschaftsbank (ein Sitzmöbel, kein Geldinstitut) befindet. Mit einem kleinen
Pfeil kann man die Spielfigur auswählen, die aktiv werden soll. Die oberste
symbolisiert dabei den Trainer, mit welchem man einzelne Spieler die Plätze
tauschen lassen kann oder der auch in der Lage ist, eine neue Spielformation
anzuordnen. Die unteren sind die Ersatzspieler, die man bei Verletzungen
(welche mit Kreuzen hinter dem Spielernamen im Kader angezeigt werden) oder
Verschleißerscheinungen ins Spiel bringen kann. Zudem existieren während
des Spiels weitere Einstellungsmöglichkeiten - etwa zur (De)aktivierung
von Fangesängen, Anzeige von Wiederholungen oder einer Spielstatistik, die
u.a. über den anteiligen Ballbesitz informiert. Ist ein Spiel beendet, wird
man entweder aufgrund schlechten Konto- oder Tabellenstandes vom Präsidium
abgemahnt, über Spielerab- oder -zugänge benachrichtigt oder kann sich sofort
wieder an das Tagewerk eines Erfolgstrainers machen. Macht man seinen Job
gut, so flattern eines schönen Tages Jobangebote ins Haus, mit denen man sich
in der Regel beruflich verbessern kann. Aber auch wenn man wegen der
sportlichen oder finanziellen Pleite gefeurt wird, ist noch nicht aller Tage
Abend. In der Regel findet sich ein (allerdings meist grottenschlechter)
Verein, bei dem man seine Arbeit (oder Unwesen) fortsetzen darf.
SWOS ist ein exzellentes Fußball- und Trainerspiel, es ist aber keinesfalls
(wie es in der Anleitung heißt) "ein komplettes Management-Game". Dazu
sind die Manager-Funktionen schlichtweg zu rudimentär, bzw. fehlen in großen
Bereichen (Stadionausbau, Bankkredite, Werbepartner, etc.) vollständig.
SWOS ist eher ein "Trainer-Game", d.h. das wohl einzige Spiel, in dem man
wirklich halbwegs realistisch die Rolle des (beim richtigen Kick nicht
mitspielenden) Trainers übernehmen kann. Die Strategie-Einstellmöglichkeiten
sind komplex und bieten ausreichende Einflußmöglichkeiten für den heimlichen
Berti in uns allen. Wer also nicht am Joystick rütteln will, dafür schon immer
mal sehen wollte, wie sein Club mit Viererkette und hängender Spitze spielen
würde, muß bei SWOS zugreifen. Das gleich gilt aber auch für die Freunde
von Fußball-Arcade-Spielen, die seit "Goal" und "KickOff 3" nichts mehr
richtiges zwischen die Finger bekommen haben. Dabei ist das Spiel selbst nicht
so schnell wie bei Dinis "Goal", dafür sind wunderbare Kombinationen und
ein kontrolliertes Passen auch für Anfänger möglich.

Das überzeugenste Moment von SWOS ist aber die hohe Detaildichte. Es macht
schon eine Menge Spaß mit den realistisch benannten Spielern eines realistisch
eingefärbten Teams einen realistisch nachgebildeten Wettbewerb zu spielen - und
da sogar Europameisterschaft und sämtliche europäischen Pokalwettbewerbe
vorhanden sind, dürfte für jeden was dabei sein. Und wen die Klinsmänner und
Viallis nur noch langweilen, der spielt zur Not halt in der peruanischen Liga.
Etwas bedauerlich ist das Manko der unrealistischen Kartenvergabe und die
Tatsache, daß innerhalb eines Spieles teilweise schon mal bis zu fünf Spieler
vom Gegner zusammengeknüpelt werden (dabei sind natürlich noch einige
einsatzbereit, jedoch von da an noch verletzungsanfälliger..), was recht
schnell zu erheblichen Personalsorgen führen und so den Spielspaß mindern
kann. Andererseits gehört natürlich der Frust nicht erst seit Winni Schäfers
Spielfeldrandgerenne zum Alltagsleben eines Fußballtrainers...

Das (mehrsprachige) Handbuch ist recht ausführlich, allerdings selbst für
bescheidene Verhältnisse miserabel (sprich: wenig strukturiert) gestaltet.
Der Sound des Spiels ist genau wie die Grafik liebevoll und zweckmäßig, aber
wenig spektakulär. Die Optionenvielfalt ist groß, so ist unter anderem auch
die Aufzeichnung und Abspeicherung von Spielhöhepunkten (allerdings erst
ab einer gewissen Rechnerkonfiguration) möglich - den Fußballiebhaber wird's
sicherlich freuen. Das große Minus ist - und dafür sollten die Programmierer
mit dem Zwangsbesuch mehrerer Fortuna Düsseldorf-Spiele bestraft werden - aber
die fehlende HD-Installationsmöglichkeit, die aufgrund der teilweise doch
recht langen Ladezeiten schmerzhaft vermißt wird (so werden u.a. am Ende einer
Saison die Ergebnisse aller Landesligen und -pokalwettbewerbe angezeigt, was
dank ständigen Nachladens bestimmt zehn Minuten dauert). Das wird aber durch
das exzellente Spiel selbst und den unfaßbaren Kampfpreis, welcher sicher nur
deshalb möglich war, weil SWOS ja nicht viel mehr ist als die in der
Entwicklung kostengünstige aufgebohrte Nachfolgeversion des ursprünglichen
"Sensible Soccers" und der "World of Sensible Soccer", kompensiert. Wer noch
keines dieser Vorgängerprogramme hat, sich beim Anblick von zweiundzwanzig Mann
mit Schienbeinschonern und Stollenschuhen nicht sofort übergeben muß und mit
der Gefahr, täglich mindestens eine Stunde mit dem neu erworbenen Suchtmittel
zu verbringen, leben kann, für den ist SWOS ein Pflichtkauf.

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