#Titel Tests / CD / DER SPIEGEL 1995 CD-ROM Ausgabe #Logo gadget27:pinsel/AG.Tests #Font Losse 16 #C31 Test: DER SPIEGEL 1995 CD-ROM Ausgabe #Font topaz 8 #C10 Genre : Zeitschrift-Archiv Herausgeber : SPIEGEL-Verlag Preis : 200 DM / 160 DM Titel : DER SPIEGEL 1995 CD-ROM Ausgabe #C21 Amiga-Anwender sind schon bedauernswerte Kreaturen. Da war ihr System eines der ersten, auf denen sich die Möglichkeiten multimedialer und lexikaler CD-ROM-Anwendungen bemerkbar machten (Stichwort: CDTV) und nun ist es vom tatsächlichen Angebot nützlicher Silberscheiben größtenteils ignoriert worden. Lexika, Lernprogramme, gesammelte Gesetzestexte, Kochrezepte, das bundesweite Telefonbuch - das alles gibt es in Hülle und Fülle für Windows- und MacOS-Rechne. Aber nur gelegentlich wird etwas entsprechendes für den Amiga produziert. Eine der Silberscheiben, die sich ausschließlich an Besitzer der beiden Marktführer-Systeme richten, ist die jährlich erscheinende CD-ROM des SPIEGEL-Verlages, auf der sich sämtliche Ausgaben des Hamburger Nachrichtenmagazins in digitaler Form befinden. Geschah diese Archivierung bis zum Jahrgang 1993 noch in faksimilierter Form, so verwenden die für die technische Seite verantwortlichen Informatiker des Satz-Rechen-Zentrums Hartmann+Heenemann seit dem SPIEGEL-Jahrgang 1994 das "PDF"-Format, welches lesen zu können auch manche Amiga-Programme von sich behaupten. Kommt man als fruustrierter Amiga-Anwender also wenigstens an diese CD-ROM heran ? Zunächst einmal sieht alles sehr vielversprechend aus. Die CD-ROM läßt sich problemlos über Amiga-CD-Filesysteme ansprechen. Sie enthält neben einigen Systemdateien für Windows und einer Übersichts-"PDF"-Datei insgesamt drei Verzeichnisse. In "Acrobat" stecken die Windows- und die Mac-Version des "PDF"-Anzeigeprogrammes aus dem Hause Adobe Systems. Hinter "1995" verbergen sich weitere Unterverzeichnisse und Dateien, die zur Verwaltung des SPIEGEL-Registers und ähnlichen Archivierungsfunktionen dienen. Die eigentlichen Informationen befinden sich im Verzeichnis "Hefte". Dabei ist jedes SPIEGEL-Heft in einer eigenen Datei vorhanden, die Dateigrößen schwanken je nach Heftumfang zwischen 7,5 und 9 MByte. Nachdem also das Terrain erkundet ist, gilt es, sich das geeignete Werkzeug zu seiner Nutzung zu suchen. Ein Blick ins Aminet offenbart zwei Anzeigeprogramme, die von sich behaupten, "PDF"-Dateien unter AmigaDOS darstellen zu können. Bei dem einen, "xpdf", handelt es sich um eine Portierung eines "X11"-Programmes, die, wie der Autor freimütig zugibt, noch "very beta" ist. Mit den gewaltigen SPIEGEL-"PDF"s war sie jedenfalls nicht zum Laufen zu bewegen. Bleibt als zweite Alternative "Ghostscript". Dieser Postscript-Interpreter, mit dem Level 2-"PS"- und "PDF"-Dateien angezeigt werden können, stammt ursprünglich ebenfalls aus der "X11"-Welt. Die Programmierertruppe Aladdin Enterprises hat jedoch den Sourcecode weitgehend frei gegeben, so daß in der Zwischenzeit zahlreiche Portierungen auf andere Plattformen möglich waren - unter anderem auch auf den Amiga. Der Niederländer Joop van de Wege hat unter Zugrundelegung der Arbeit Olaf Barthels eine Version compiliert, die ohne besondere Zusätze (wie eine Amiga-"X11"-Umgebung oder die "ixemul.library") eingesetzt werden kann. Zu finden ist "Ghostscript 3.53", welches übrigens erst ab Kickstart 2.0 lauffähig ist, im "/gfx/show/"- Verzeichnis des Aminets. Zunächst gilt es nun, das Programm auf seinem Rechner zu installieren. Schon hier wird deutlich, daß wohl nur Festplattenbesitzer in den Genuß der Fähigkeiten "Ghostscripts" kommen können, da bereits die einfachste Installation über 1 MByte Datenträgerkapazität in Anspruch nimmt. Dazu entpackt man nun das entsprechende Archiv an den dafür vorgesehenen Ort. Nun muß man noch einen "Ghostscript:"-Assign auf das Verzeichnis setzen, was man am besten dauerhaft über eine Edierung der "User-Startup" (einfach eine Zeile #C10 assign Ghostscript: Laufwerk:Verzeichnis/ #C21 mit den jeweiligen Zielwerten versehen einfügen) vornimmt. Von "Ghostscript" liegen mehrere für schnellere MC-Generationen (68020, 68040) optimierte Versionen vor. Wenn im folgenden das Programm "gs" genannt wird, ist immer die jeweilig dem System am besten entsprechende Programmversion gemeint. Wer "Ghostscript" bedienen will, wird nicht umhin kommen, dazu die Shell einzusetzen. Da das Programm einige speicherintensive Rechenoperationen durchführt, ist es zudem erforderlich, den Stapelspeicher, den sogenannten Stack, manuell erheblich über das Normale (4096 Bytes) anzuheben. Dazu gibt man vor dem Start "Ghostscript"s den Befehl "stack" gefolgt von der zu setzenden Byte-Zahl ein. Im "ReadMe"-File werden 50 KByte als Minimum empfohlen, im Test erwiesen sich 100 KByte als in jedem Falle völlig ausreichend, also: #C10 stack 100000 #C21 Man kann "Ghostscript" zwar auch nach dem Programmstart bedienen, dies ist jedoch erheblich umständlicher und lernintensiver, als der einfache CLI-Kommandoaufruf, welcher zudem zur Verwendung mit der SPIEGEL-CD-ROM bestens geeignet ist und auf den sich dieser Testbericht auch beschränken wird. Ist nun alles vorbereitet, sprich: die CD-ROM eingelegt, die Shell gestartet, der "Ghostscript:"-Assign gesetzt und der Stack erhöht, kann man sich die archivierten SPIEGEL-Ausgaben ansehen. Diese tragen die Dateinamen "1995_01.PDF" bis "1995_52.PDF". Zu Testzwecken soll sich diese Darstellung auf ein beispielhaft ausgewähltes Heft beschränken - "1995_01.PDF", die Ausgabe der ersten Januarwoche. Möchte man sich diese SPIEGEL-Ausgabe ansehen, so ruft man "Ghostscript" mit dem Dateinamen als Parameter auf: #C10 gs cd0:Hefte/1995_01.PDF #C21 Nun wird zunächst "Ghostscript" geladen und initialisiert, dann erfolgt der Zugriff auf die "PDF"-Datei. Ein kleines Intuition-Fenster, in dem nun das Titelbild der SPIEGEL-Ausgabe aufgebaut wird, öffnet sich auf dem Bildschirm. Je nach Systemeinstellung erfolgt diese Darstellung farbig (wenn die Workbench auf 256 Farben konfiguriert ist) oder schwarzweiß (wenn weniger Farben zur Verfügung stehen). In beiden Fällen dauert der Grafikaufbau jedoch ziemlich lange. Ungeduldigen Naturen sei vom Herumklicken im Fenster oder auf dessen Scrollgadgets abgeraten - "Ghostscript" verträgt das nicht sonderlich gut und verschwindet dann auch schon mal im Nirvana. Ist der Aufbau der Grafik dann endlich abgeschlossen, erscheint in der Shell eine "showpage"-Meldung. Nun darf man denn auch das Fenster vergrößern und seinen Inhalt mittels der Scrollgadgets vollständig begutachten. Der Druck auf die Eingabetaste in der Shell signalisiert "Ghostscript", daß man sich am Titelbild sattgesehen hat, so daß das Programm nun mit der Darstellung der zweiten Seite fortfährt. Dies geht erstaunlich schnell und wenn man sich dann die Seite ansieht, erkennt man auch den Grund: die Werbung (und die nimmt regelmäßig etwa ein Drittel der Seitenzahl des SPIEGELs ein) wurde nicht auf die CD-ROM übernommen, sondern durch den lapidaren (und schnell dargestellten) Hinweis "Werbeseite" ersetzt. Die dritte Seite enthält traditionell die "Hausmitteilung", die hanseatische Variante eines Editorials. Und hier stellt man - nachdem der zeitaufwendige Seitenaufbau vollzogen ist und sofern man die Workbench mit 256 Farben betreibt - überrascht fest, daß dieser Seite im Gegensatz zum Titelbild die Farben fehlen. Um Platz zu sparen hat man in Hamburg lediglich den oftmals sehr aufwendig und einfallsreich gestalteten Titelseiten die Farbinformationen mitgegeben. Der komplette Rest des auf Silberscheibe gebannten SPIEGELs wurde in entsprechende Graustufen herunterkonvertiert. Wer's nicht glaubt, kann sich nun nacheinander sämtliche Seiten der ausgewählten SPIEGEL-"PDF"-Datei ansehen. Beendet wird "Ghostscript" nach der Anzeige sämtlicher Seiten oder schon vorher entweder über das gleichzeitige Drücken der Ctrl- und der "C"-Taste in der Shell oder die Betätigung des Schließgadgets des Fensters. Doch es gibt auch die Möglichkeit, sich die Seiten nicht in einem Fenster auf der Workbench anzeigen zu lassen, sondern dazu einen eigenen Bildschirm zu verwenden. Dazu gibt man ein gesondertes Ausgabe"device" an. Das geschieht mit dem Kommandozeilenbefehl "-sDEVICE=", wobei dieser - wie alle nachfolgend noch vorzustellenden Befehle - immer vor der "PDF"-Datei angegeben werden muß. Hier handelt es sich bei dem zu verwendenden Device um eine "Ghostscript"-interne Variable, mit der der zu öffnende Bildschirm näher spezifiziert werden kann. So stehen u.a. "amiga_high", "amiga_super", "amiga_2024" und "amiga_picassoii" zur Verfügung. Ein #C10 gs -sDEVICE=amiga_high cd0:HEFTE/1995_01.PDF #C21 würde somit einen autoscrollenden HighRes-Interlace-Bildschirm öffnen und dort die einzelnen Seiten der jeweiligen SPIEGEL-Ausgabe darstellen. Nun erstrahlen Titelbilder auch auf Systemen, deren Besitzer sich nicht den Luxus einer 8-Bitplane-Workbench leistet, in 256 Farben, sofern natürlich ein dazu notwendiges AGA-Chipset vorhanden ist. Der Nachteil ist jedoch eine verringtere Lesbarkeit. Doch auch hier kann man Abhilfe schaffen und zwar indem man die Darstellungsdichte ändert. Das hat folgenden Hintergrund: eine Druckgrafik besteht aus Bildpunkten. Je mehr Punkte auf eine Flächeneinheit gezeichnet werden, desto genauere Abstufungen sind möglich. Als Beispiel mögen nur die Drucker dienen - ein Drucker, der Grafiken mit 720dpi (dots per inch = Punkte pro Inch (eine angelsächsische Maßeinheit)) auf das Papier bringt, ist besser und teurer als einer, der nur 180dpi leistet. Nun muß man bei der Bildschirmanzeige von "Ghostscript" noch einen Schritt weiter denken. Grafiken werden hier nämlich prinzipiell über Bildpunkte (Pixel) visualisiert. D.h. in einer Computergrafik gibt es nicht Punkte pro Flächeneinheit sondern nur Punkte. Ergo: je höher die Druckdichte (was auf dem Papier zu mehr Punkten pro Flächeneinheit - bei gleichbleibender Gesamtgröße - führen würde) desto größer die Grafikdarstellung auf dem Monitor (da hier das Korrektiv der Flächeneinheiten wegfällt - eine Erhöhung der Druckdichte hat keine Verbesserung der Anzeigeschärfe sondern eine Vergrößerung zur Folge). In "Ghostscript" kann man die Druckdichte mit dem Kommandozeilenbefehl "-rX" verändern, wobei X für die dpi-Zahl (s.o.) steht. Voreingestellt sind 72dpi. Daß die Theorie sich in die Praxis umsetzen läßt, kann man anhand der vergrößerten Darstellung bei einer Erhöhung der dpi-Zahl auf z.B. 120 feststellen: #C10 gs -sDEVICE=amiga_high -r120 cd0:HEFTE/1995_01.PDF #C21 Nun läßt sich das natürlich nicht beliebig fortspinnen - spätestens das verfügbare Chip-RAM zieht der Vergrößerung der Grafik eine "natürliche" Grenze. Ärgerlicherweise kann "Ghostscript" das nicht immer abfangen, so daß bei Experimenten der eine oder andere Absturz unvermeidlich sein dürfte. Umgekehrt funktioniert das Spielchen selbstverständlich auch - ein dpi-Wert unter 72 führt zu einer Verkleinerung der Grafik. Da bis auf die Anzeige des Titelbildes sich die Art und Weise der Seitendarstellung relativ gleich bleibt, soll es im nachfolgenden bei der einfacher darzustellenden WB-Fenster-Variante bleiben. Die bisher vorhstellte Methode, Zugang zu den Daten einer "PDF"-Datei zu erhalten, erwies sich als wenig effizient. Und so bietet "Ghostscript" dankenswerterweise zusätzliche Funktionen an. So kann man zum einen die darzustellende Anfangs- und Endseite bestimmen. Die entsprechenden Kommandozeilenbefehle lauten "-dFirstPage=" und "-dLastPage=". Eine Strategie, nach bestimmten Informationen zu suchen, könnte mithin darin bestehen, sich zunächst das Inhaltsverzeichnis einer SPIEGEL-Ausgabe (welches sich immer auf den Seiten 4 und 5 befindet) anzusehen, dort die Anfangs- und Endseite des gesuchten Artikels festzustellen und sich dann in einem neuen Durchgang den Beitrag selbst anzeigen zu lassen. In unserem Beispiel suchen wir also eine Filmkritik im SPIEGEL 1/95. Dazu lassen wir "Ghostscript" das Inhaltverzeichnis anzeigen: #C10 gs -dFirstPage=4 -dLastPage=5 cd0:HEFTE/1995_01.PDF #C21 Hier findet man nun auf Seite 5 unter der Rubrikenüberschrift "Kultur" den Artikel "Filme: 'Exotica' von Atom Egoyan", der auf Seite 133 beginnt. Da der nächste Artikel auf Seite 134 anfängt, muß die aus Testzwecken gesuchte Fimkritik spätestens auch auf dieser Seite enden (wie wir sehen werden, endet sie aber bereits auf Seite 133). Wir haben also nun die Informationen, die wir brauchen, um den Artikel direkt anzuspringen: #C10 gs -dFirstPage=133 -dLastPage=134 cd0:HEFTE/1995_01.PDF #C21 Doch alles bisherige Streben war größtenteils noch recht brotlose Kunst. Man kann so die Informationen angezeigt bekommen - ihre Weiterverarbeitung kam jedoch noch nicht in Betracht. Dazu muß die jeweilige Seite(n) in einer Grafikdatei zwischengespeichert werden, welche dann mittels eines Mal- oder DTP-Programmes (natürlich unter Berücksichtigung der urheberrechtlichen Bestimmungen!) weiterverwertet oder mit einem Druckprogramm wie "Turboprint" oder "CanonStudio" zu Papier gebracht werden kann/können. Unter "Ghostscript" gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten, Grafikdateien zu erzeugen: zum einen über einen amigaspezifischen Treiber und zum anderen über einen allgemeinen Grafiktreiber. Ersterer trägt den Namen "amiga_ilbm" und speichert die Grafik demzufolge auch im IFF-ILBM-Format ab. Leider läßt sich dabei der Name der Ausgabedatei(en) nicht bestimmen, der "amiga_ilbm"-Treiber greift stets auf das aktuelle Verzeichnis zu und legt die Datei(en) unter den Filenamen "gs_page_xxxx.ILBM" ab. Zudem rechnet er die Seiten immer auf eine Bitplane herunter, die Farben des Titelsbildes sowie Graustufen weiterer Grafiken werden somit zu schwarz-weißen Mustern ge"dithert". Dafür ist die Wahl einer ziemlichen hohen Auflösung möglich, erst über 190dpi treten ernste Probleme auf. Mit #C10 gs -sDEVICE=amiga_ilbm -r120 -dFirstPage=133 -dLastPage=133 cd0:HEFTE/1995_01.PDF #C21 wird nun die Filmkritik in der Datei "gs_page_xxxx.ILBM" in der Auflösung 120dpi als IFF-ILBM-Grafik gespeichert. Diese kann nun nachbearbeitet und danach ausgedruckt werden. Allerdings merkt man einem solchen Ausdruck die doch recht geringe Grafikdichte und das Fehlen echter Graustufen an. So hat der Text erkennbare Stufen und auf der Seite befindliche Fotos und Grafiken sind nicht unbedingt Meilensteine der Schärfe und Brillianz. Aus diesem Grunde empfiehlt sich ein Blick auf die angesprochene Alternative. "Ghostscript" unterstützt mehrere systemübergreifende Grafikformate wie z.B. PCX oder auch PNG. Hiermit ist es nun möglich, Grafiken mit 16 und 256 Farben zu erzeugen. Auch kann der Name der Ausgabedatei genauer spezifiziert werden, wobei immer im Auge behalten werden muß, daß "Ghostscript" grundsätzlich mehrere Seiten abspeichert. Um dies zu ermöglichen, muß man in den Dateinamen einen "Statthalter" ("%d") für die Seitennummern einbauen. Möchte man also eine kunterbunte Titelbildgrafik im PNG-Format mit dem Namen "ram:Titel1.PNG" erzeugen, so geschieht das mit: #C10 gs -sDEVICE=png256 -sOutputFile=ram:Titel%d.PNG -dFirstPage=1 -dLastPage=1 cd0:HEFTE/1995_01.PDF #C21 Um diese Grafik auszudrucken ist nun natürlich ein Programm erforderlich, welches das "PNG"-Format handhaben kann. Äußerstenfalls muß man es eben zuvor "von Hand" in (beispielsweise) das IFF-Format konvertieren - z.B. mittels des genialen Shareware-Bildanzeigeprogrammes "SuperView". Doch obwohl diese zweite Methode, Grafiken aus "Ghostscript" abzuspeichern, mit Blick auf die Farbzahl einen wahren Fortschritt darstellt, gibt es bezüglich der Grafikdichte neue Probleme. Denn Grafiken mit 16 oder gar 256 Farben benötigen weitaus mehr Speicherplatz als zweifarbige Bilder (nämlich vier- oder achtmal so viel). Stieß also schon der schwarzweiße Grafikexport recht bald auf die durch das Chip-RAM gezogene Obergrenze, geschieht das mit 16- oder 256-farbigen Grafiken noch viel schneller. So kann man dann zwar ein 256-Farben-Bild mit 220dpi erzeugen, seine Anzeige scheitert allemal am ungenügenden Speicherplatz. Es ist zwar prinzipiell möglich, Seiten direkt aus "Ghostscript" auszudrucken (wieder direkt über ein "amiga_printer"- oder über systemübergreifende Devices) in der Praxis traten dabei jedoch erhebliche Probleme auf, so daß trotz aller Schwächen letztlich der Weg über die Zwischenspeicherung in einer IFF-Datei als der praktisch sinnvollste erscheint. Obwohl es also nicht ganz unproblematisch ist, funktioniert die reine Bestandssichtung und der gelegentliche Ausdruck aus dem SPIEGEL-Archiv 1995 auch auf dem Amiga. Damit wäre dann allerdings auch schon indirekt das große Manko angesprochen: was nutzen einem die schönsten Informationen und Artikel, wenn man nicht weiß, wo man sie findet ? In den Mac- und Windows-Versionen gab es dazu zum einen die Volltext-Recherche, ein SPIEGEL-Register und eine Kurzinhalts-Datenbank. Verständlicherweise übernahmen entsprechende Programme diese drei Suchstrategien, so daß für den Amiga wieder eine neue Lösung gefunden werden muß. Prinzipiell kann man auch hier Abhilfe schaffen. So wäre eine Volltext-Recherche kein Problem, wenn man das "PDF"-Format kennt und die Text-Streams (temporär ins RAM) entpacken könnte. So lange die Spezifikationen jedoch nicht bekannt sind, muß auf diese umfassende Suchmöglichkeit verzichtet werden. Ähnliches (und wohl noch in verschärfter Form) gilt für das SPIEGEL-Register. Ein ernsthafter Ansatzpunkt könnte allerdings die Kurzinhalts-Datenbank sein. Sie versteckt sich in der Datei "REC." im "1995/REGISTER"-Verzeichnis der CD-ROM. Wer an der Programmierung eines entsprechenden Suchprogrammes interessiert ist, kann dem Anhang zu diesem Artikel weitere Informationen zum Aufbau dieser Datei entnehmen. Bis dato gibt es jedenfalls noch keine Programmveröffentlichungen in dieser Richtung, so daß der Anwender der SPIEGEL-CD-ROM derzeit auf die gezielte Artikelsuche verzichten muß, so er denn nicht Zugriff auf einen Mac oder einen Windows-PC hat. Die SPIEGEL-CD-ROM ist grundsätzlich eine feine Sache. 52 Ausgaben (mit jeweils durchschnittlich etwa 200 Seiten) des Hamburger Nachrichtenmagazins enthalten nicht nur einen schönen Überblick über das Weltgeschehen im abgedeckten Zeitraum sondern auch unzählige informative Schaubilder und Interviews. Selbst der ungewöhnlich hohe Preis (200 DM; Schüler und Studenten bekommen die CD-ROM gegen Nachweis für 40 DM weniger) kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß sich die CD-ROM als optimale Einstiegsmöglichkeit für die Recherche eines zeitbezogenen politischen, gesellschaftlichen oder kulturellen Geschehens nutzen läßt. Das gilt uneingeschränkt auf Macs und Windows-Rechnern, auf denen "Acrobat" die "PDF"-Dateien selbst bei veralteter technischer Ausstattung (z.B. auf einem 33 MHz-486er mit 8 MByte RAM) in sehr akzeptabler Zeit darstellt und Suchoperationen sogar erstaunlich schnell durchführt. Wie der Testbericht, der eher ein Erfahrungsbericht ist, bisher schon deutlich gemacht haben sollte, sieht das auf dem Amiga erheblich anders aus. Nicht nur, daß man auf verschiedenste Spezialprogramme zurückgreifen und sich zu deren Bedienung ein wenig genauer mit dem Amiga und der Shell auskennen sollte. Nicht nur, daß man bis auf weiteres auf Suchfunktionen verzichten muß. Das größte Problem ist eher die technische Unausgereiftheit der "PDF"-Anzeigeprogramme für den Amiga. Joop van de Wege hat mit der Portierung von "Ghostscript" eine schier unfaßbare Leistung vollbracht und so die Amiga-Gemeinde mit einem hervorragenden Freewareprogramm versorgt. Doch im Vergleich zum kommerziellen "Acrobat" aus dem Hause des umsatzmächtigen Softwarekonzerns "Adobe" schneidet "Ghostscript" (Amiga) natürlich merklich schlechter ab. So benötigt man schon alleine zu seiner bloßen Nutzung eine etwas umfassendere Konfiguration: unter Kickstart 2.0 und Festplatte ist nichts zu machen. Will man aber nicht bei jedem Programmstart Kaffee kochen gehen, ist ein weitgehend "aufgebohrter" Amiga erforderlich: unter einem 030er, 2 MByte Chip-RAM und 8 MByte Gesamt-RAM sollte man gar nicht erst anfangen, will man sich nicht magengeschwürfreundlichen Ärger aufhalsen. Aber auch mit einer so weitgehenden Konfiguration kommt "Ghostscript" nicht richtig in die Gänge, wenn ein langsames CD-ROM-Laufwerk bremst. Ist auch dieser "Flaschenhals" beseitigt oder umgangen (z.B. durch Umkopierung der benötigten Dateien auf Festplatte), so läßt sich dann aber in der Tat recht anständig arbeiten. Ob sich dieser Aufwand an Hardware und Zeit zur Einarbeitung für die Masse der Amiga-Anwender lohnt, scheint doch eher zweifelhaft. Bis nicht deutlich leistungsfähigere "PDF"-Anzeigeprogramme für den Amiga erhältlich sind, kann die SPIEGEL-CD-ROM nur wahren Tüftlern empfohlen werden - sofern ihr Amiga die notwendige Leistungsfähigkeit mitbringt. Es gibt allerdings noch eine andere Möglichkeit, in den Genuß der SPIEGEL-CD-ROM auf einem Amiga zu kommen. Diesen Weg beschritt Anfang des Jahres das "Amiga-Magazin" und hat ihn wohl für recht gangbar befunden. Er ermöglicht die schnelle Anzeige der "PDF"-Dateien und den vollständigen Einsatz der Suchfunktionen. Es sei allerdings darauf hingewiesen, daß auch hier hohe Anforderungen an die Hardware gestellt werden und die (legale) Beschaffung einer notwendigen Datei große Probleme bereiten dürfte. Denn damit man die SPIEGEL-CD-ROM komfortabel auf einem Amiga nutzen kann, benötigt man den Macintosh-Emulator "Shapeshifter" - und der braucht zum halbwegs sinnvollen Einsatz nicht nur Rechenpower und eine Grafikkarte sondern auch ein Imagefile des Original-68k-ROMs. #Pinsel gadget27:pinsel/an rechts #Seitenende #C31 Anhang #Font topaz 8 #C21 Vielleicht findet sich ja jemand, der die Zeit und die Muße hat, ein komfortables amigaseitiges Suchprogramm für die SPIEGEL-CD-ROM zu entwickeln. Die Datei "SPIEGEL95:1995/REGISTER/REC." enthält für jeden Beitrag - und sei er noch so klein (z.B. Leserbriefe) - einen Datensatz mit einführenden Informationen. Leider können sich diese Datensätze im einzelnen unterscheiden, sie enden jedoch immer mit einem $00-Byte. Der Datensatz der Information selbst enthält verschiedene Felder, welche jeweils mit einem $01-Byte beginnen und regelmäßig mit einem $0A-Byte enden. Eine $0A/$01-Kombination signalisiert somit stets das Ende eines Feldes und den Beginn eines neuen. Im einzelnen gibt es folgende Felder (wobei der vorsichtige Programmierer nicht nur nach abschließenden $0As sondern auch nach eventuell auftauchenden $00s suchen sollte...), welche wie erwähnt nicht bei jedem Datensatz zwingend vorhanden sein müssen (das gilt insbesondere für die Suchbegriffe und den Autoren): #C10 Heftnummer: #C21 #Y-10 Hier ist die Heftnummer vermerkt. Eingeleitet wird dieses Feld (nach dem $01-Byte) mit der Char-Folge "hn". Es folgen bis zum nächsten $0A (meistens zwei) Bytes, die die Heftnummer enthalten - und zwar als Char-Information (also z.B. "05"). #C10 Datum: #C21 #Y-10 Beginnend mit "da" steht hier das Datum, an dem das Heft erschienen ist. Das Format ist dabei "tt.mm.jjjj", wobei die Werte erneut als Char-Folge aufgeführt sind. #C10 Seitennummern: #C21 #Y-10 Dieses Feld (Anfang: "sn") enthält die Nummern der Seiten, über die sich der jeweilige Beitrag erstreckt. Getrennt durch $20-Bytes finden sich hier bis zum abschließenden $0A die ein- bis dreistelligen Seitenzahlen (erneut als ASCII-Char-Informationen). #C10 Fundort: #C21 #Y-10 Eine komplette Beschreibung des Fundortes wird mit "fu" eingeleitet. Bis zum abschließenden $0A kann hier eine Kurzbeschreibung des Fundortes (z.B. "DER SPIEGEL 1/95 Seite 1 TITEL-BILD Datum=02.01.1995") als ASCII-Charfolge ausgelesen werden. #C10 Kurzinhalt: #C21 #Y-10 Eine kurze Inhaltsbeschreibung folgt in diesem Feld (Beginn: "kt"). Sie besteht wieder aus ASCII-Chars und endet mit dem abschließenden $0A. #C10 Autor: #C21 #Y-10 Obwohl die meisten SPIEGEL-Artikel allgemein aus der Redaktion stammen, gibt es doch einige Beiträge, deren Autoren (zumeist redaktionsfremde) explizit genannt werden. Informationen hierzu finden sich in diesem Feld, welches mit "au" beginnt. Anfolgend wird bis zum abschließenden $0A-Byte der Name des Autors in Form von ASCII-Chars wiedergegeben. #C10 Namen: #C21 #Y-10 Dieses Feld ist ein wenig anders aufgebaut als die bisher vorgestellten. So beginnt es schon mit vier statt mit zwei Chars: "p1__". Im weiteren enthält es die Namen eventuell im Beitrag vorkommender Personen als ASCII-Text, wobei hier eine Trennung durch $0A-Bytes (im Gegensatz zu den $20-Bytes bei den Seitenzahlen) vorgenommen wird. Somit kann ein abschließendes $0A-Byte nur über das ihm nachfolgende $01-Byte als solches identifiziert werden. #C10 Firmen: #C21 #Y-10 Dieses Feld ("f1__") entspricht dem "Namen"-Feld, nur daß in ihm die Namen von Firmen und Organisationen festgehalten werden. #C10 Sonstiges: #C21 #Y-10 Hier ("s1__") finden sich weitere prägnante Suchbegriffe. Zur Art der Speicherung siehe "Namen" und "Firmen".