#Titel Lifestyle / Kunst / Surrealismus #Logo gadget27:Pinsel/AG.Lifestyle #Font topaz 8 #C10 #Y+50 der folgende artikel erschien in der 5. ausgabe unseres jugendmagazins spunk. weitergehende verbreitung/verwendung nur mit einverständnis der autorin, rebecca radde. ciao, - holgi - #Seitenende #C31 ---------------------------------------------------------------------------- #Font Losse 16 Surrealismus.... #Font topaz 8 ---------------------------------------------------------------------------- #C10 von Rebecca Radde #C21 "...Subst., m., reiner, psychischer Automatismus, durch den man den wirklichen Ablauf des Denkens mündlich, schriftlich oder auf andere Weise auszudrücken sucht. Diktat des Denkens ohne jede Kontrolle durch die Vernunft und außerhalb aller ästhetischen oder ethischen Fragestellungen." #C10 André Breton, 1924 #C21 Wegen des Dalí-Booms der letzten Zeit erlangte der Surrealismus wieder neue Bekanntheit. Doch sind die Geschichte und Grundlagen dieser Stilrichtung kaum jemandem bekannt. Der Surrealismus entstand eigentlich aus dem Dadaismus, einer Kunstform, die bewußt unästhetische, diletantische Werke schuf, um die Gesellschaft mit Hilfe dieser Antikunst zum Denken anzuregen. Mit der Überarbeitung von trivialem Bildmaterial und Massendrucken bemühten die Dadaisten sich, einen ausdrucksvolleren Weg in der Kunst zu finden. Die Dadaisten vereinigten sich zu Künstlergruppen zunächst in Zürich, Köln und Berlin, später dann in Paris, wo auch die Anfänge des Surrealismus zu finden sind. Erster Hauptvertreter des Surrealismus ist Giorgio de Chiroco. Die Surrealistengruppe in Paris entwickelte sich teilweise nach seinem Vorbild, und dem des Dadaismus. Einige Dadaisten wurden, als sie bemerkten, daß der Dadaismus nicht zum Erfolg führte, zu Surrealisten. Man entwickelte Prinzipien, ähnlich denen des Dadas, um Bilder zu machen, die dem Künstler helfen sollten, mehr über sein eigenes Ich zu erfahren. Hierzu berief man sich auf die Theorien Freuds. Die Künstler versuchten sich an Träume zu erinnern, um die Bilder eines Traums aufzuzeichnen. Nach Freud sind Träume vom Bewußtsein in das Unterbewußtsein gedrängte Sinneseindrücke, die im Schlaf wieder auftauchen. Wie im ersten Manifest des Surrealismus von 1924 festgehalten wurde, kann der Künstler die Traumbilder aufnehmen, dann in einem Bild festhalten, damit er praktisch auf sein Unterbewußtsein als Ganzes zurückgreifen kann. Dieses Verfahren hatte aber durchaus seine Grenzen. Freud selbst sagte dazu, daß man seine Psychoanalyse nicht auf die so entstandenen Bilder anwenden könne, da in diesem Prozeß immer das Bewußte einfließen würde, somit die unterbewußten Visionen verdränge. Auch die Surreallisten akzeptierten dieses Verfahren nicht als Ganzes. ---------------------------------------- #C10 "Die surrealistische Revolution will zunächst gar nicht unter allen Umstände die dinglichen, sichtbaren Verhältnisse ändern, sie will vielmehr das Denken aller Einzelmenschen in Bewegung bringen. Ihrer Idee nach zielt jegliche surrealistische Revolution auf das innerste Wesen des Menschen und auf das Reich des Denkens ab." (Maurice Nadeau) #C21 ---------------------------------------- Neben dieser Technik gab es noch weitere, die sich zum größten Teil auf assoziative Verfahren beschränkten. Zum Beispiel die Frottage, von Max Ernst 1925 erarbeitet. Hier sucht sich der Künstler eine Oberflächentextur, wie die Oberfläche eines Stück Holzes, die auf ein Stück Papier durchgerieben wurde. Zu dem so erhaltenen Muster sollte der Künstler ein vollständiges Bild erarbeiten. Die Umwelt wollten die Surrealisten hauptsächlich mit realistischen Bildelementen, die sie dann in einem irrationalen, alogischen Zusammenhang brachten, verblüffen. Das findet man häufig bei Max Ernst, Salvador Dalí und Yves Tanguy. Ebenso wie die Dadaisten strebten sie eine neue Form des Denkens an. Eine andere Bewußtseinswerdung sollte den Menschen helfen, sich selbst kennenzulernen. Das geschah zwischen den beiden Weltkriegen, in einer Zeit, die eigentlich ein rationales Handeln erforderte. Große Arbeitslosigkeit, der Umschwung von Monarchie zur Demokratie; Dinge, die eigentlich vom Selbst ablenken und Handeln fordern. Damals neigte man dazu, die Surrealistengruppe als marxistische Vereinigung zu betrachten, obwohl sie sich gegen die Vorgänge im damaligen Rußland aussprachen. Sie sahen sich eher als heftige Kritiker der Gesellschaft, nicht als Revolutionäre. ---------------------------------------- #C10 "Wir sind keine Utopisten: Uns interessiert an dieser Revolution nur der soziale Aspekt." #C21 ---------------------------------------- Künstlerisch hatten die Surrealisten nicht den Ehrgeiz, an erster Stelle die Ästhetik zu setzen. Es kam ihnen mehr auf das Prinzip an, wobei ein geschaffenes Bild durchaus "schön" sein durfte. Das Bild sollte aber in erster Linie im Schaffen entstehen. Den Prozeß bezeichnet man als Metamorphose. Auch andere Verfahren machen das deutlich. Den "cadavre exquis" zum Beispiel, bei dem ein Satz aufgeschrieben, das Blatt geknickt und weiter gegeben wurde. Das Entstandene wurde überarbeitet, so daß sich ein Kontext ergab. Auch das Vexierbild war bei den Surrealisten verbreitet. Das ist eine Art Suchbild, bei dem kleine Objekte in einen großen Bildkomplex eingefügt wurden. Die Surrealistengruppe arbeitete von 1924 bis 1939 zusammen. Einen schwächeren Verbund spürte man aber schon vor 1939. Spannungen ergaben sich durch unterschiedliche politische Ansichten. Dalí zum Beispiel bekannte seine Sympathie zu Hitler, während andere Teile vom Kommunismus überzeugt waren. Vermutlich schrieb André Breton aufgrund dieser Zerrissenheit sein zweites Manifest des Surrealismus, in dem er noch einmal gegen Faschismus und Kommunismus spricht. Die Surrealisten konnten sich allerdings nicht mehr mit einer neutralen Haltung identifizieren und verließen die Gruppe. Die meisten mußten danach ins Exil gehen. Viele gingen nach New York, aber ein neues Aufblühen des Surrealismus fand nicht mehr statt.