#Titel Tests / Software / C64 - Emulatoren #Logo gadget26:pinsel/AG.Tests #Font Losse 16 #C31 Faszination 8-Bit #Font topaz 8 #C21 Man sollte mal eine Umfrage darüber machen, wieviele Amiga-User ihre ersten Computer-Erfahrungen damals auf einem Commo 8bitter gemacht haben. Ob VC-20, C64 oder C128, einige von uns werden viele (hoffentlich gute) Erinnerungen an die Kisten aus den 80ern haben. Wie nicht anders zu erwarten, begann auch meine "Computerlaufbahn" im zarten Kindesalter von 9 Jahren an einem heißgeliebten Brotkasten. Später wurde es dann kurzfristig ein C128, der aber dann sehr schnell vom Amiga ersetzt wurde. Der C64 konnte damals durch seine Grafik und Soundfähigkeiten, die alle (wie die Customchips beim Amiga) von Anfang an dabei sind, und durch die große Menge an Software, die für den Brotkasten erhältlich war, überzeugen. Seine Popularität ließ bald Konkurrenten, wie z.B. den Spectrum oder dem TI-99, auf der Strecke. Ich erinnere mich noch gut an die Kultspiele von damals, deren Grafik und Sound zwar an heutigen Maßstäben nicht mehr gemessen werden dürfen, die aber durch gutes Gameplay und Motivation auch heute noch überzeugen könnten. Damals wurden die Innovationen und Spielideen gemacht, auf denen auch heute noch beinahe jedes neue Spiel aufbaut. So kam es aber, daß ich mich, nach dem Umstieg auf den Amiga, von meinem Brotkasten getrennt habe, da der Amiga auch irgendwie finanziert werden wollte. Der Brotkasten und seine ganz speziellen Qualitäten gerieten bald (zu meiner Schande) etwas in Vegessenheit. Bis ich vor nicht allzulanger Zeit auf die C64 Emulatoren für den Amiga gestoßen bin. (Ich beschränke mich desweiteren hier auf die Emulatoren, die noch von den Programmierern unterstützt werden.) Finden kann man die Emulatoren im Aminet und auf diversen CDs, die mittlerweile fast jeder CD-Rom Händler im Angebot hat.(Brotkasten-CD, C64-Sensations I und II, um nur einige wenige zu nennen.) Es gibt einen, mir allerdings unbekannten, älteren C64-Emulator mit dem Namen A64, dieser soll allerdings nicht besonders überzeugen. Selbst getestet und ausprobiert habe ich die beiden aktuellen Emulatoren MagiC64 von Michael Kramer und Frodo von Shapeshifter-Progger Chrstian Bauer, die immer noch weiterentwickelt werden. Frodo sollte eigentlich "nur" ein Abspielprogramm für C64-Musikstücke werden. Beim Anblick von A64 war Christian Bauer aber so entäuscht und beschloß, einen eigenen Emulator zu programmieren. Er läuft ab OS2.1, einem 68020-Prozessor und 2MB Hauptspeicher. Spaß kommt jedoch erst ab 68040 oder gar 68060 auf. Zorro III Grafikkarten werden von Frodo auch gerne unterstützt. Frodo bietet keine eigene Rom-Emulation sondern benötigt Kopien der orginal Commodore Kernal- und Basic-Roms. Das nötige Auslese-Basic-Programm, steht in der Anleitung zu Frodo. Die Roms gibt es, so Ch. Bauer in der Anleitung zu Frodo, aber auch auf diversen öffentlichen FTP-Servern. Frodo liest nur Imagedateien im ".d64" und ".x64"-Format. Als besonderes "Bonbon" für High-End Amiganer bietet Frodo eine Einzelzyklus-Emulation an, d.h. es wird nicht mehr zeilenbasierend sondern zyklusbasierend emuliert. Dadurch erreicht Frodo eine extreme Genauigkeit, dies geht jedoch sehr auf die Geschwindigkeit. So erreicht Frodo dann auf einem 68060 mit Grafikkarte ca. 1/4 der orginal C64 Geschwindigkeit. Frodo ist im Allgemeinen eher auf schnelle Systeme ausgelegt. Ein 68040 sollte schon drin sein. Besser noch mit Grafikkarte. Mit einem 68030 ist es gerade so erträglich. Schreibzugriffe sind bei Frodo nicht möglich. Frodo ist Freeware und damit völlig kostenlos. Der andere Emulator ist MagiC64. MagiC64 behauptet von sich selbst, der schnellste C64-Emulator auf dem Amiga zu sein. Benötigt wird mind. Kickstart 2.04, ein 68020 und 1,8 MB freier Speicher. Mit schnellem Fastram und einem 68030 Prozessor ist das Spielvergnügen jedoch schon beinahe ungetrübt. Grafikkarten werden auch unterstützt. MagiC64 bietet eine ROM-Emulation und benötigt somit nicht die orginal Commodore ROMs. Diese können jedoch wahlweise auch verwendet werden. Die unterstützten Formate der C64-Images sind ".d64", ".t64, ".p00" und ".c64". Der Emulator wird von seinem Programmierer Michael Kramer als Shareware vertrieben und kostet 30 DM. Die unregistrierte Version bietet alle Features, hat aber ein Zeitlimit, das nach 10 Minuten die Emulation beendet. In der registrierten Version erlaubt der Emulator Schreibzugriffe auf .d64 Files und das Abspeichern von "C64-Spielständen" bei .p00 und .t64 Files. Beide Programme bieten zwar die Möglichkeit, auch den Sound des C64 zu emulieren, benötigen dazu aber ein paar Libaries, die nicht in den Archiven enthalten sind, die man sich aber im Aminet holen kann. Frodo unterstützt sogar eine selbstgebaute Soundkarte incl. SID, dem C64 Soundchip, deren Bauanleitung auch im Aminet zu finden ist. Die Emulatoren unterstützen Joysticks und haben beide einen Assemblermonitor mit dabei. Um die Emulationsgeschwindigkeit zu erhöhen kann man bei beiden Emulatoren die Bildrate einstellen. So läßt sich sehr leicht Rechenzeit einsparen. Solange der Emulator nicht weniger als ungefähr jedes 5. Bild darstellt, merkt man den Unterschied kaum. Bei MagiC64 und Frodo kann der Benutzer auch die Spritedarstellung abschalten. Es ist sogar möglich, die verschiedenen Sprite-Kollisionsabfragen abzustellen. Dies ermöglicht 1. Rechenzeit zu sparen und 2. zu cheaten. Einige Spiele haben auch eigene Kollisionsroutinen und benötigen somit die C64-internen Kollisionsabfragen gar nicht mehr. Mit Fastloadern haben beide Emulatoren noch starke Probleme bzw. werden von ihnen nicht unterstützt. MagiC64 ist, vor allem aufgrund der vielen Optionen und seiner Auslegung auf "schwächere" Prozessoren, der schnellere von beiden. Er bereitet damit allen Usern ohne High-End-System ein besseres C64-Feeling. Ausserdem vergrößert die Anzahl der unterstützten C64-Image-Formate die Möglichkeit an verfügbare Software zu kommen sehr (aber dazu später mehr) und ist mit seiner sehr kompatiblen ROM-Emulation sofort benutzbar. Hat man nun den Emulator am Laufen, stellt sich bald die Frage, wie man den denn mit der entsprechenden Software füttern kann. Leute, die ihre alte 1541-Floppy noch haben, können sie mit Frodo und einem selbstgebauten Kabel (Bauanleitung ist in der Frodo-Dokumentation) mit dem Amiga verbinden, um so C64 Programme auf ihren Amiga übertragen zu können. Diese können dann auch mit MagiC64 verwendet werden. Besitzer eines Amiga-5.25-Floppylaufwerk können mit dem 1541-Diskreadertool von Dan Babcook (Aminet: /misc/emu/1541.lha) C64-Disketten lesen und dann daraus .d64 Files erstellen. Gute Aussichten also für alle, die sich noch nicht von ihrer alten, nach all den Jahren noch funktionsfähigen, C64 Ausrüstung (Disketten, Floppy) getrennt haben. Schnell die (mittlerweile sicherlich ziemlich angestaubten) Disketten aus dem Schrank holen und los geht's. Was aber machen Leute, die weder ein altes 1541-Laufwerk zur Verfügung haben, noch ein 5.25 Amiga-Laufwerk ihr eigen nennen ? Um auch diesen Usern den Zugriff auf die C64-Software zu ermöglichen, wurde von einigen C64-Emulator-Programmierern, die Emulatoren für den PC entwickelt haben, ein paar mittlerweile weitverbreitete Dateiformate entwickelt, um C64 Software auf anderen Systemen verfügbar zu machen. Das häufigste ist das .d64 Format. Es wurde von einem C64-Emulator für den PC, "C64S", eingeführt. Jedes .d64 stellt eine komplette Seite einer 1541-Diskette dar, und kann von der C64 Seite auch so behandelt werden. Alle 683 Blöcke der Diskette sind in den Imagefiles enthalten und bietet dem Emulator-User auch direkte Zugriffe auf jeden einzelnen Block. Das Format wird von MagiC64 sowie Frodo unterstützt. Ein weiteres Fileformat ist das, vom PC-Emulator PC64 eingeführte, .p00-Format. Hier repräsentiert jedes .p00-File ein C64 Programm. Nur MagiC64 unterstützt dieses Format. C64S etablierte noch ein weiteres Format, das .t64 Format. Das Tapefileformat repräsentiert meist auch nur ein File, das dann vom Emulator aus gestartet werden kann. Auch dieses Format wird nur von MagiC64 unterstützt. Frodo unterstützt noch das dem .d64 ähnlichen .x64 Fileformat, das von dem Emulator x64 verwendet wird. Ob MagiC64 es auch unterstützt konnte ich leider nicht feststellen, da .x64 Files praktisch nirgendwo zu finden sind. Qualitativ hochwertige C64-Emulatoren sind mittlerweile für beinahe jedes Computersystem erhältlich und benutzen zumeist die auch von Frodo und MagiC64 unterstützten Formate. Deshalb gibt es heute eine unzählige Menge an CD-Roms mit C64-Files. Diese können dann selbstverständlich auch mit dem Amiga verwendet werden. Auf den CDs findet man jede Menge Tools, FD-Software, Musikstücke, Diskmags, Texte, Bilder, Szene-Demos etc. aus den alten Tagen für den C64 bzw. den Emulator. Weitere Quellen für längst verschollen geglaubte Software sind auch einige Mailboxen, die teilweise noch über C64-Areas verfügen. Im Internet finden sich einige FTP-Server, die ein grosses Archiv an C64-Software bieten, und im Usenet befinden sich einige Newsgruppen, die sich mit dem C64, den verschiedenen Emulatoren auf den verschiedenen Systemen und diverser C64-Software beschäftigen. Aber es ist bei all der Software auch Vorsicht geboten. Auf den verschiedenen CD-Roms befindet sich immer häufiger auch kommerzielle Software, die von den CD Herstellern aber wohl keinesfalls lizensiert wurde. Das Gleiche gilt für einige öffentliche FTP-Sites im Internet. Was hier teilweise zum Download bereit steht, besitzt ganz unumstritten ein Copyright. Auch wenn die Softwarehäuser der entsprechenden Spiele und Utilities dem C64 schon lange den Rücken gekehrt haben und das entsprechende Programm gar nicht mehr vertrieben wird oder sogar schon lange in den Konkurs gegangen ist. Es handelt sich hierbei vermutlich um Raubkopien und ist somit mindestens eine Gradwanderung an der Illegalität. Also: möglichst die Hände davon lassen, solange die Lizenz- bzw. Copyrightverhältnisse nicht eindeutig geklärt sind. Ganz nebenbei läßt sich an den Mags, Texten und Szene-Demos der damaligen Zeit auch die Geschichte des Amigas verfolgen. So taucht ab 1985 der Amiga immer häufiger in den Scrolltexten der Demos auf und immer mehr Gruppen entschliessen sich in den ersten Jahren des Amigas, vom C64 auf den Amiga zu wechseln. Jeder ehemalige 8-bit User sollte die Gelegenheit einmal nutzen und sich nochmal in die alten Zeiten zurückversetzen. Aber auch Leute, die damals noch nicht mit dabei waren, können sich jetzt anschauen, was die Leute damals an ihrem Brotkasten so fasziniert hat. #C10 Markus Roth markus@psyco.bb.bawue.de