#Titel Aktuell / Vom Leben nach dem Tod #Logo gadget26:Pinsel/AG.Aktuell #Font Losse 16 #C31 Vom Leben nach dem Tod #Font topaz 8 #C10 - Nachrichten aus dem Reich des Amigas #C21 Es lohnt sich derzeit wirklich, die Geschehnisse um den Amiga zu verfolgen. Nicht daß sie einem sonderlich Hoffnung auf bessere Rechnerzeiten machen würden, aber immerhin bieten sie jede Menge überraschende Wendungen, Spannung und Intrigen. Doch was genau hat sich in unser aller liebster Soap-Opera seit dem letzten "Gadget" getan ? Während sich die Situation zum Erscheinungstermin der 25.Ausgabe des "AmigaGadget"s etwas aufzuklären, der Verkauf der Amigatechnologie beinahe perfekt zu sein schien, änderte sich die Lage kurz danach entscheidend. Die Amiga-Eigentümerin, die Escom AG, hatte die finanziellen Probleme, die ihr eine unglückliche Einkaufspolitik während des tatsächlich nur schleppend verlaufenen Weihnachtsgeschäftes 1995 beschert hatte (vgl. die "Geschichten aus der Gruft" im "AmigaGadget"#24), nicht überwinden können und mußte Vergleich, wenig später sogar Konkurs anmelden. Ihr folgte noch am selben Tag, am 15.Juli, ihre Tochterfirma Amiga Technologies. Während jedoch die Zerstückelung Escoms in anderen Bereichen schnell vollzogen wurde - ein Großteil der Filialen wurde genauso wie die Produktgarantien der Firma von Comtech Computersysteme im Rahmen einer neu gegründeten "Escom 2001 GmbH" übernommen, das Firmenkundengeschäft ging an die Stuttgarter Firma Schadt Computertechnik, die damit zu einem der bedeutendsten Spieler auf dem deutschen PC-Markt wurde - verhinderte der Konkurs den schon sicher geglaubten Verkauf des Amigas an den Settop-Boxen-Hersteller VIScorp (vgl. "AmigaGadget"#25). Der war zwar sogar bis zum Abschluß eines Kaufvertrages (bei einem Verkaufspreis von 40 Millionen Dollar für die gesamte Amiga-Technologie und die vorhandenen Sachwerte) am 24.Juni gediehen, die zuständigen Gremien beider Firmen mußten jedoch noch zustimmen - bei Escom also der Aufsichtsrat. Da dies nicht bis zur Anmeldung des Vergleiches geschah, verkomplizierte sich der Verkauf durch die Einbindung der Escom-Gläubiger sowie des Vergleichs- und später des Konkurs-Verwalters in das Geflecht der widerstreitenden Interessen erheblich. Dessen ungeachtet enthüllte VIScorp einige Pläne für die weitere Entwicklung des Rechners - man wolle nicht nur auf die eigene SetTop-Box "ED" setzen, sondern auch Amiga-Computer bauen. Um eine neue Genration von Amiga-Rechnern anbieten zu können, werde man eine Gruppe qualifizierter Entwickler zusammenstellen, die ausschließlich mit dem Design der Rechnerarchitektur beauftragt würden. An der Vergabe von Lizenzen sei man im Einzelfalle durchaus interessiert, gegen eine unkoordinierte und ungenehmigte Entwicklung von Amiga-Clones werde man jedoch, sobald man endgültig der Inhaber der Amiga-Rechte sei, juristisch vorgehen. Doch urplötzlich war man nicht mehr alleine auf weiter Flur. In einem nicht ganz halbseitigen Artikel berichtete Eva Müller in Ausgabe 30/1996 des Münchener Wochenmagazins "Focus" unter der Überschrift "Amiga - Begehrte Beute; Zwei Käufer streiten um die bankrotte Firma": #C10 "[...] Ernst, aber nicht hoffnungslos ist die Lage seither für den Computerhersteller, dessen Technologie lange Zeit als richtungsweisend galt. Mindestens zwei Bewerber buhlen bei Escom-Konkursverwalter Bernhard Hembach um AT [...]: Viscorp will die Technik für TV-Set-Topboxen verwenden, die deutsche Firma Eagle Computer Products den Computer erhalten und weiterentwickeln.[..]" #C21 Angeblich habe Eagle "zwei Geldgeber" in der Hinterhand, der "Focus" sprach von einem möglichen Verkaufspreis in Höhe von "sechs bis acht Millionen Mark". Doch dieser Artikel war bereits am Erscheinungstag des Magazins reine Makulatur. Denn am 18.Juli, dem Donnerstag vor Erscheinen der "Focus"-Ausgabe, hatte sich Konkursverwalter Hembach mit William Buck, dem Vorstandsvorsitzenden VIScorps, über den Verkauf an die Chicagoer Firma verständigt, der (bis dahin dritte) Übernahmevertrag wurde am 19.Juli geschlossen. Bis zum 18.August sollte unter Abstimmung mit Hembach die "Amiga Technologies GmbH i.K." (in Konkurs) weiterbestehen. Bis zu diesem Zeitpunkt müsse VIScorp für eine entsprechende Finanzierung gesorgt haben und könne in diesem Falle die Amiga-Technologie endgültig übernehmen. In einem "offenen Brief an die Gemeinschaft" erklärte Bill Buck am 24.Juli die Probleme beim Verkauf mit den Konfusionen des Escom-Konkurses, in dem unter anderem 11 Gläubiger Ansprüche auf Amiga-Rechte oder vorhandene Sachwerte angemeldet hatten. Das künftige Konzept sähe vor, daß Raquel Velasco und Petro Tyschtschenko für den Produktbereich Amiga, der in einer "VIScorp GmbH" organisiert würde,verantwortlich sein sollten, Tyschtschenko weiterhin in Deutschland wirken und Al Duncan sich um den Vertieb von VIScorp- und Amigaprodukten in Nordamerika kümmern solle. Man dürfe von VIScorp keine Wunder, aber stetige Verbesserungen erwarten. Zurück zum "Focus"-Artikel. Nicht nur seine fehlende Aktualität rückt ihn in ein etwas eigentümliches Licht. Später erklärte nämlich VIScorp-Vizepräsident David Rosen: #C10 "When Escom went bankrupt, PIOS, the Chinese [gemeint ist die Firma 'New Star' (an)] and VIScorp were the bidders for the Amiga." #C21 Von Eagle keine Spur. Keine Spur gab es jedoch auch von einem tragfähigen Finanzierungskonzept VIScorps, wie sich schon bald herausstellte. Am 20.August erklärte die Firma in einer Pressemeldung, daß einer ihrer Geldgeber noch zusätzliche Informationen benötigte, bevor er seine Unterstützung definitiv gewähren könnte. Aus diesem Grund hatte man bei Bernhard Hembach eine Fristverlängerung um 30 Tage erbeten, die dieser mit der Zustimmung von Escoms Gläubigern auch gewährte. Nach Ablauf dieser Frist wird es keine weitere Fristverlängerung geben - dabei ist jedoch nicht klar, ob danach VIScorp den Kauf in jedem Falle durchzieht, oder ob die Transaktion dann als gescheitert zu betrachten ist. Glaubt man den bis dato erfolgten Äußerungen aus dem Umfeld VIScorps und einem - durchaus spritzig geschriebenen, aber nicht sonderlich gut recherchierten - Bericht von Craig Matsumoto in der "Electronic Engineering Times", dann wird der Amiga spätestens am 19.September endgültig wieder in amerikanischem Besitz sein. Mehr dazu - wie so oft - im nächsten Gadget. #C10 "People call the Macintosh community a cult, but it's a pen-pal club compared with Amiga's following." -- Craig Matsumoto in der "Electronic Engineering Times" #C21 In der Zwischenzeit hatte Anfang August eine Amigamesse in Montreal stattgefunden, auf der auch VIScorp Präsenz zeigte. In mehreren Pressekonferenzen unterrichteten dabei David Rosen und Jason Compton, der neben der Herausgabe des Online-Magazins "AmigaReport" nun auch für "VIScorp" arbeitet, über den Stand der Dinge und gaben bei der Gelegenheit auch ein paar interessante Hintergrundinformationen preis. So plane man für den Amiga zunächst eine 68060er-Karte, da die Entwicklung eines Amigas auf RISC-Basis doch mehr Zeit in Anspruch nehmen dürfte, als für den Markt derzeit akzeptabel sei. So sei noch nicht einmal abschließend geklärt, welcher RISC-Prozessor letztlich verwendet werden solle. Der von AmigaTechnologies und phase 5 bevorzugte PowerPC sei angesichts des Niedergangs von Apple und der nur halbherzigen Unterstützung durch IBM, die nach wie vor keine PowerPC-Version von "OS/2" veröffentlicht haben, nicht unbedingt mehr erste Wahl, man könne sich auch durchaus vorstellen, den DEC Alpha zu verwenden. Das Fehlen einer endgültigen Entscheidung sei jedoch kein großes Hindernis bei der Portierung des Amiga-Betriebssystems, da eine Konvertierung von einem RISC-Rechner zu einem anderen kein größeres Problem darstelle. Dem von Apple, IBM und Motorola initiierten "PowerPC"-Standard, der die universelle Einsetzbarkeit von Betriebssystemen auf PowerPC-Rechnern garantieren soll, stehe man jedoch kritisch gegenüber - der Amiga dürfe nicht zu einer Alternative unter vielen degenerieren, sondern müsse stets etwas besonderes bleiben. Man hoffe, bis Herbst nächsten Jahres einen RISC-Amiga fertig zu haben. Schon für Februar könne man jedoch die SetTop-Box "ED" ankündigen, welche durch Zusatzgeräte zu einem nahezu voll einsatzfähigen Amiga aufrüstbar sein solle, während man andererseits an eine "ED"-Karte für den Amiga denke. Eine Implementation der WWW-Programmiersprache "Java" in das Betriebssystem von "ED" sei zur Zeit allerdings noch nicht geplant, für spätere Versionen jedoch nicht auszuschließen. Hinsichtlich Amiga Technologies sparte man nicht an Seitenhieben, selbst dem sonst so gehätschelten Petro Tyschtschenko, der sich von der "AmigaPlus" in Ausgabe 9/96 aus irgendeinem nicht ersichtlichen Grund als "Retter des Amigas" feiern ließ und der in der Septemberausgabe des "Amiga-Magazins" ein "verbessertes Amiga-OS" für die Kölner Computermesse ankündigte, blieben VIScorps kritische Anmerkungen nicht erspart: #C10 "We are very aware that AT did an awful job. They never talked with folks in the UK, Italy, France, etc. Petro will probably stay in a selling capacity in Germany, since he knows the retail system/channels. But Petro gave away the United Kingdom. We want to change that." #C21 ATs einzige Innovation, der "Walker", wurde als realitätsferner Papiertiger kritisiert. Er dürfte damit wohl unter VIScorp schon vor seiner Marktreife Vergangenheit sein. Die Entwicklung konkurrierender Betriebssysteme durch PIOS und phase 5 werde man zu verhindern versuchen - auch, wenn man dafür vor Gericht ziehen müsse. Darüber hinaus könne sich phase 5 noch nicht einmal der Unterstützung durch Motorola sicher sein. Ebenfalls in der ersten Augusthälfte wurde bekannt, daß die Firma QuikPak an einem Amiga-Laptop arbeite, welches in etwa einem halben Jahr für knapp 3000 Dollar erhältlich sein soll. Die Hauptplatine soll für einen 040er- oder 060er-Prozessor ausgelegt sein, Zorro- und Videoslots sollen eine komfortablen Ausbaus ermöglichen, alle Amigavideomodi angeblich bereits vom eingebauten Farb-LCD-Display dargestellt werden können. Schließlich sei noch eine Pressemeldung VIScorps erwähnt, derzufolge während der Olympischen Sommerspiele Amiga-Rechner (zusammen mit NewTeks "Videotoaster") zum Einsatz gekommen sein sollen. Die Journalisten kamen mit den Videoschnittcomputern der Firmen Sony und Panasonic nicht zurecht... Das trotz aller Rückschläge doch noch durchaus im Grundtonoptimistisch gestimmente Bild der aktuellen Lage wird jedoch ein wenig dadurch gestört, daß hinter den öffentlichen Verlautbarungen mal wieder sehr viel heiße Luft zu stecken scheint. So beschwerten sich sowohl PIOS als auch die von VIScorp kritiserte Firma phase 5 über mangelndes Interesse der Nordamerikaner an einer Zusammenarbeit: #C10 "Despite repeated efforts by PIOS managent Viscorp have discontinued discussion, without giving any reasons or otherwise. This is despite initial talks and drawing up an agreements early June of this year." -- aus einer PIOS-Pressemitteilung vom 24.August #C21 PIOS will sich demzufolge stärker anderen Rechnerplattformen widmen und hat gemeinsam mit UMAX auf der CeBIT Home einen Apple-Macintosh-Clone namens "Pulsar" vorgestellt. Basierend auf einem PowerPC 604e (wahlweise mit 150, 180, 200 und 225 MHz Taktfrequenz), sind im Lieferumfang des "Pulsar"s eine 2 GByte große SCSI-Festplatte, ein CD-ROM-Laufwerk mit achtfacher Geschwindigkeit, 6 PCI-Steckplätze, ein 512 KByte Second-Level-Cache und ein Fast-SCSI-II-Bus enthalten. Als Betriebssystem wird das MacOS 7.5.3 verwendet und als Krönung des ganzen ist der Rechner dual-prozessorfähig, d.h. durch den Einbau einer zusätzlichen CPU-Karte kann die Leistungsfähigkeit nahezu verdoppelt werden. Der Preis des "Pulsar" soll - je nach Taktfrequenz - um die 7000 DM betragen. Unabhängig davon kündigte PIOS für das erste Halbjahr 1997 "PIOS ONE" an, einen "Multimedia-Computer in der Tradition des AMIGA zum voraussichtlichen Ladenpreis von 1498 DM". #C10 "The possibility of a close cooperation with Viscorp had remained unclear, because our efforts in contacting Viscorp where not crowned by the expected success until now and the planned take-over of AT by Viscorp is not finished yet." -- aus einer Entwicklerinformation von phase 5 #C21 Und auch die Oberurseler VIScorp-Kritiker konnten auf konkretere Entwicklungen verweisen, als der möglicherweise künftige nordamerikanische Amiga-Eigentümer. In diesen Tagen wird der Nachfolger ihrer erfolgreichen Grafikkarte "Cybervision" auf den Markt kommen. Die "Cybervision 64/3D" wird über einen 3D-fähigen "Virge"-Grafikchip der Firma "S3" verfügen, mit einem MPEG-Modul erweiterbar sein und sich für Zorro-II- und Zorro-III-Busse eignen. Der Preis soll - so denn nicht Verspätungen oder sonstige Hindernisse den anvisierten Erscheinungstermin noch erheblich hinauszögern sollten, was dann allerdings bekanntermaßen nicht das erste Mal wäre - 449 DM für die Karte mit 2 MByte Bildschirmspeicher (mit 4 MByte 599 DM) betragen, das MPEG-Modul mit nochmals 349 DM zu Buche schlagen. Hinsichtlich ihres "PowerUp"-Projektes zeigte sich phase 5 wohl doch etwas von den Drohungen und Ankündigungen VIScorps beeindruckt - die Entwicklung eines eigenen PowerAmigas habe man vorerst zurückgestellt. Man wolle sich vielmehr darauf konzentrieren, für die vorhandenen Amiga-Modelle PowerPC-Karten anzubieten. Diese "AddOn"-Karten basierten auf den "Cyberstorm MKII"-Turbokarten aus dem Hause phase 5, auf denen gleichzeitig ein P603e und ein 68040er (oder ein 68060er) seinen Dienst verrichten sollen. Die PowerPC-Funktionen seien softwareseitig über eine Library anzusprechen, die parallel zum normalen 680x0er-Betrieb die Abarbeitung von PowerPC-Routinen ermöglichen soll. Damit könnte dann auch erste Software für einen PowerPC-Amiga geschrieben werden, den phase 5 nach wie vor zu bauen vorhabe. Weitere Einzelheiten zu diesem Rechner kündigte die Firma für Ende Herbst diesen Jahres an. Genau die richtige Zeit, um den Gruselfaktor in der Amiga-Gruft noch ein Stückchen zu erhöhen.... #Pinsel gadget26:pinsel/an rechts #C10 Jason Compton: "We are hoping to convince developers to wait a year for the new Amigas." Dale Larson: "Frankly, No - Developers cannot wait for the future (without sales unless VIScorp decides to hand out welfare checks." -- während einer Pressekonferenz anläßlich des Amigatreffens in Montreal